Thema Naturwissenschaft

Ein Hörerbrief zum Thema Kepler

 

An den Sender WDR ‚Lernzeit.de‘

 

Betr.: Sendung ‚Zeitzeichen‘ über Johannes Kepler am 27.12.2006

Hallo, liebe Redaktion!

Man kann zwar von Redakteuren nicht verlangen, daß sie über jedes Thema von vornherein gut unterrichtet sind, das sie zu behandeln haben, denn schließlich müssen sie ja täglich andere Themen besprechen. Aber es wäre Ihnen doch zuzumuten, daß sie etwas besser recherchieren. Peinlich wird es aber, wenn in ihren Kommentaren ein Mangel an Allgemeinbildung zu erkennen ist. Ich beziehe das auf Ihre Unterscheidung von 'Wissenschaft' und 'Nichtwissenschaft', von der Sie eigentlich wissen müßten, das diese zu Keplers Zeiten noch ganz anders gesehen wurde. So unterschied man insofern zu seiner Zeit noch nicht so unbedingt wie heute zwischen Astrologie und Astronomie, und wenn Sie das berücksichtigen, haben Sie vielleicht auch eine Erklärung für Ihre erstaunte Feststellung, daß Kepler bereits derartig instinktsicher bestimmte Gesetzmäßigkeiten über Planetenbewegungen vorauswissen konnte, die aus dem damaligen rein astronomischen Wissensstand noch nicht abgeleitet werden konnten. Bei etwas näherer Beschäftigung mit dem Thema hätten Sie sich ansich zumindest mit Keplers Hauptwerk "Harmonices Mundi" bzw. "Weltharmonik" etwas beschäftigen müssen und hätten dann gewußt, daß er dieses Wissen seinerseits von Pythagoras übernommen hatte, der es also bereits vor unserer Zeitrechnung vorformuliert hatte. Sie hätten auch wissen können, daß Keplers ganzes Denken derartig von der Astrologie beeinflußt war, daß Ihre Aussage, daß er sich nur zum 'Broterwerb' oä. mit ihr beschäftigt habe, reine - vermutlich sogar vorsätzliche - Geschichtsklitterung ist. Schließlich wissen wir ja auch bereits aus der Schule, daß Kepler Wallensteins Astrologe war und diesem als solcher durchaus zutreffende Vorhersagen und Aussagen gemacht hatte. Einem Menschen wie Wallenstein konnte man kaum irgendetwas vormachen, an das man selbst nicht glaubte. Letztlich müßte Ihnen auch bekannt sein, daß Kepler mehrere Bücher zur Verteidigung der Astrologie verfaßt hat - wie etwa sein Buch "Warnung an die Gegner der Astrologie, das Kind nicht mit dem Bade auszuschütten". Sie haben da also sicher nur irgendwelche Wissenschaftsidioten als Berater gehabt, von denen es (wie ich selbst als TH-Absolvent leider erkennen mußte) viel zu viele gibt.

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