Thema Naturwissenschaft

 

Manifestationsakte

Man kann das so sehen, daß unser Bewußtsein die Dinge oder Ereignisse erst hervorholt, damit sie sich in einem Zustand manifestieren, in dem wir sie mit unseren Möglichkeiten erfassen können. Nur ein ganz bestimmter Aspekt ist jeweils manifest, da sich nie die ganze eingefaltete Ordnung manifestieren kann. Erst die Manifestation führt zur Wahrnehmung, was aber nicht heißt, daß die gesamte Ordnung nur das ist, was sich gerade manifestiert. Demgegenüber geht die kartesianische Auffassung davon aus, daß es nur das gibt, was jeweils sichtbar ist und daß das völlig unabhängig von unserer bewußten Wahrnehmung existiert. Es ist materiell und ganz einfach eben da. Wenn wir aber auch immer noch große Probleme damit haben durften, uns auf die hier erörterte neue Weltsicht einzustellen, so müßte uns doch inzwischen sehr klar geworden sein, daß dem kartesianischen Weltbild keine Realität zukommt. Natürlich ist das Tintentropfen-Modell eine vereinfachte Vorstellung, während das wirkliche Hologramm sehr viel differenzierter ist. Wir müssen davon ausgehen, daß das, was wir jeweils sehen, immer nur ein kleiner Teil der ganzen eingefalteten Ordnung ist, und wir müssen unterscheiden zwischen dem, was jeweils manifest und was gerade nicht manifest ist. Dennoch ist aber alles permanent potentiell vorhanden und bedarf nur bestimmter Auslösemechanismen. Im Quantenbereich ist das der bloße Meßakt, jedoch in unserer Erfahrungswelt können es sinngebende Zusammenhänge sein. Wir stoßen hier wieder auf das Prinzip, daß eine alte Auffassung lediglich ein Sonderfall der neuen umfassenderen Theorie ist, denn selbstverständlich beschreibt das kartesianische Weltbild immer noch große Bereiche unserer Wirklichkeit, aber eben nur sehr ungefähr. Tatsächlich ist auch die kausale Ordnung eine mögliche Ordnungsstruktur und vielleicht auch die verbreitetste, aber sie ist eben nur eine von vielen. Die kausale Ordnung mag deshalb so dominant sein, weil sie einer einfachen Logik folgt und gestattet, die Dinge relativ unproblematisch zuzuordnen, wir müssen uns aber vor Augen fuhren, daß es sich dabei um eine Bewußtseinsordnung handelt, der nicht unbedingt eine apriorische Realität entspricht. Erinnern wir uns, daß wir auch die uns heute als so logisch erscheinenden kausalen Abläufe als solche im Laufe unseres Lebens erst regelrecht erlernen mußten. Während bei Descartes die fundamentale Bewegung die Durchquerung einer stets lokalisierbaren Substanz durch Raum und Zeit ist, ist die fundamentale Bewegung bei Bohm der Vorgang des Ein- und Ausfaltens. So gesehen ist auch Einsteins Welt noch kartesianisch, weil er von lokalen Ereignissen ausgeht, von Beziehungen zwischen benachbarten Dingen. Fernwirkung kann es seiner Meinung nach nicht geben.  In dem holographischen Weltbild ist diese aber eine Selbstverständlichkeit. Alle Dinge, die einen ähnlichen oder verwandten Grad der Einfaltung haben, stehen wie die Tropfen des erwähnten Denkmodelles in einem nahen Zusammenhang, wie weit sie auch sonst in Raum und Zeit voneinander entfernt sein mögen. Was sie zueinander in Beziehung bringt, wäre demnach der Sinn, der dem Bewußtsein erfahrbar ist und der durchaus kartesianisch kausal sein kann, aber sich auch zu anderen komplexeren Sinnzusamenhängen ordnen kann. Der Sinn ist eine Interferenzerscheinung der physikalischen und der geistigen Welt. Alle Beziehungen existieren im Ganzen, wo nur die Qualität ihrer Einfaltung von Bedeutung ist. Die Bohmsche Holobewegung ist der Urgrund dessen, was sich im Beobachtungs- oder Erlebnisvorgang manifestiert, aber auch das Manifeste schwimmt noch in der Holobewegung. Das gesamte Sein ist eine sich zu unserer stabilen Erscheinungswelt manifestierende Holobewegung, wie auch ein Wasserstrudel in sich geschlossen ist, obwohl er lediglich Ausdruck einer Bewegung ist. Alles, was sich manifestiert, alle Gegenstände und Ereignisse, alle Menschen in ihren sich auch verändernden Gegebenheiten und Ausdrucksweisen sind Formen der Holobewegung.

Unsere gesamten Erkenntnisse sind holographisch organisiert und strukturiert. Wir lernen, die Wirklichkeit in einer logischen Ästhetik zu erfassen, doch dieses ist ein Lernprozeß, der auch sehr stark auf Kommunikation beruht, also Übereinkunft mit anderen Gehirnen. Wir lernen also die Wirklichkeit im Sinne einer kommunikativen Übereinkunft zu erfassen, an die wir dann glauben. Unsere geistige Entwicklung geht aber nicht den Weg, uns wirklich neue Einsichten zu vermitteln, die nicht schon vorher in uns angelegt wären, sondern den, Unklarheiten zu beseitigen und Erfahrungen miteinander zu einer Übereinstimmung zu bringen, mit der wir uns im Sinne unserer Archetypen identifizieren können. Die Einsichten aber sind in ihrer Grundstruktur bereits von vornherein festgelegt, wir sind in gewisser Weise schon als Kinder die späteren Erwachsenen, wie Baudelaire sagt, wir erarbeiten uns nur später unsere intellektuellen Waffen, mit denen wir unsere Identität besser verteidigen können. Der Mensch ist dabei aber normalerweise ein Sammler und kein Wahrheitssucher, er steht unter dem absoluten Prinzip, nach dem der Aufbau der Wirklichkeit erfolgt, einer regelrechten Konkretheitssucht, einem Konkretheitswahn, dem er unter Umständen alles opfert und auf dem er sein Wahrheitsgebäude errichtet. Zugleich aber ist dieser Konkretheitswahn die Wurzel allen Übels, alles Bösen.

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