Thema Naturwissenschaft

 

Die Holobewegung

Letztlich verweist das Bellsche Theorem tatsächlich auf die implizite und holographische Struktur des Universums. In jedem Elektron ist - wenn auch vielleicht gewissermaßen in unendlicher Verdünnung - immer das gesamte Universum eingefaltet, da alles miteinander zusammenhängt. Und so ist auch die gesamte Vergangenheit und möglicherweise die Zukunft in jedes Elektron eingefaltet, und theoretisch könnte man deshalb die Vergangenheit wieder ebenso entfalten, wie man ein Hologramm später wieder sichtbar machen kann. Alle sichtbaren Erscheinungen müssen uns allmählich als bloße Illusion erscheinen, die aus einer anderen Welt, in der alles nur vorgegliedert ist, zu uns hervortreten. Der englische Physiker David Bohm hat auf dieser Anschauung seine Theorie der 'Holobewegung' begründet. Durch unsere uns gemäße Beobachtung stellen wir die Dinge erst scharf ein, die bis dahin nur in einem sehr verschwommenen Zustand existierten. Das gilt sicher für unser spezifisches Weltbild, das sich jeder aus der Summe der äußeren Gegebenheiten je nach seiner Denkstruktur zusammenstellt, aber es gilt in einem eher kollektiven Sinn für die konkreten Erscheinungen überhaupt. Die Theorie der Synchronizität geht davon aus, daß wir unsere Realität aus einem nur latent gegebenen Rohzustand herauslesen und daß wir demnach nur das erleben, was bereits in uns selbst angelegt ist. Schon der Astronom Arthur Eddington sagte, der Stoff, aus dem unser Universum besteht, sei 'Geiststoff'. Unser Gehirn könnte demnach ein Hologramm sein, das uns ein holographisches Universum vermittelt, wobei äußere und innere Welt kommunizieren und im Grunde identisch sind. Könnte demnach nicht auch die eigentliche Bedeutung nicht nur der Gravitationstheorie auf ihrer metaphorischen Wirkung beruhen, sondern auch die Gravitation selbst?

Unser Gehirn vermittelt uns durch die Sinne ein Bild der Wirklichkeit, das sowohl auf geistigen wie auch physikalischen Gegebenheiten beruht, wobei wir diese beiden Bereiche wie gesagt nicht streng trennen können und auch nicht wissen können, ob es eine solche Trennung überhaupt gibt. Fundamentale physikalische Eigenschaften der äußeren Welt können deshalb geistiger Natur sein, und umgekehrt können geistige Vorgänge auf physikalische zurückzuführen sein. Karl Pribram sagt dazu:

l) Indem das Gehirn den durch die Sinne vermittelten Input aus der physikalischen Welt organisierte, konstruiert es mentale Eigenschaften. 2) Mentale Eigenschaften sind die durchgängigen Organisationsprinzipien des Universums, zu dem auch das Gehirn gehört. - Paradoxerweise würden sich fast alle Verhaltens- und Neurowissenschaftler heute zu irgendeiner Form der ersten Feststellung bekennen, während die zweite Feststellung den Glauben einiger der einflußreichsten theoretischen Physiker von heute wiedergibt. Den Mathematikern stellt sich dieses Dilemma unmittelbarer: Wie kommt es, daß die Berechnungen ihres Gehirnes so oft getreulich die Grundordnung des Universums beschreiben, das sie wahrnehmen?

Wir sollten uns dazu nochmals vor Augen führen, wie uns unser Gehirn die Wirklichkeit vermittelt. Wären zwar alle unsere Sinnesorgane als solche durchaus in Ordnung, jedoch die dazugehörigen Gehirnbereiche nicht funktionsfähig, so würden wir - vorausgesetzt, das Gehirn arbeitet wenigstens so weit - von der uns umgebenden Außenwelt nur ein allgemeines Rauschen wahrnehmen, sowohl optisch als auch akustisch und geruchsmäßig und so weiter. Würden wir in diesem Zustand an einen Billardtisch herangeführt, um einem fundamentalen physikalischen Gesetz beizuwohnen, nämlich etwa dem Abprall zweier Billardkugeln voneinander, so würden wir auch davon nichts wahrnehmen als ein allgemeines Rauschen. Erst sehr allmählich wurde unser Gehirn lernen, eine gewisse Ordnung in die Außenwelt hineinzubringen, und allmählich würde es auch Gesetzmäßigkeiten im Lauf der Billardkugeln wahrnehmen und diese zu formulieren versuchen. Doch wer sagt uns, daß dieses nicht nur ein Produkt unseres Geistes ist?  Lediglich die Übereinstimmung mit anderen Gehirnen? Aber die sind doch ebenso strukturiert und evolutionsbedingt entstanden! Sind also die Naturgesetze lediglich gehirnerzeugte Ordnungsstrukturen, die evolutionsgemäß entstanden sind, weil sie eine wodurch auch immer bedingte Organisationsmöglichkeit und damit bessere Überlebenschance bieten? Ist somit die Geordnetheit des Universums einzig Geistesprodukt? Nehmen wir den Gedanken der Potentiawelt wieder auf und gehen wir davon aus, daß die Kugeln in Wirklichkeit in alle möglichen Richtungen laufen, so wäre also die tatsächlich beobachtete Laufrichtung nur Geistesprodukt. Unser Gehirn sucht sich danach vielleicht immer nur die Möglichkeiten der Potentiawelt heraus, die es in ein gedankliches System bringen kann, denn anderenfalls wäre es in einem endlosen Meer kosmischen Rauschens verloren, in das es keinen Sinn hineinbringen könnte. Der Gedanke des Sinnes hat dabei eine fundamentale Bedeutung, denn er umfaßt einen holistischen Komplex, den das Gehirn ein- und zuordnen kann. Es wäre sinnvoll, ihn zu entmystifizieren und ihn ein wenig dem geistigen Bereich zu entziehen, um ihn etwas mehr dem physikalischen zuordnen zu können - zumindest ist er ein Interferenzprodukt. So wäre also die Geordnetheit des Universums tatsächlich ein Bewußtseinsprodukt, und wir stoßen nur dann auf Paradoxien, wenn wir in Bereiche vordringen, die außerhalb unserer evolutionären Erfahrungsnische liegen und in denen wir demnach eigentlich nichts zu suchen haben. Gemäß der von vielen modernen Physikern favorisierten Viele-Welten-Theorie können wir nicht daran zweifeln, daß die Billardkugeln wirklich so laufen, wie wir es wahrnehmen, und wir können in einem zweiten Stoß an ihrer neuen Position anknüpfen. Keine Frage: sie liegt dann auch wirklich an ihrem neuen Ort inclusive aller ihrer Moleküle und Atome: hier ist ihre Masse, und ein Zweifel ist ausgeschlossen. Um dieses aber aus der Potentiawelt heraus uns zuliebe zu ermöglichen, mußte sich nach dieser Theorie die ganze Welt neu ordnen. Wir befinden uns nun in jener von vielen alternativen Welten, in der die Kugel so liegt, wie wir es brauchen, um nicht zu verzweifeln. So kippt alles ständig von einer Welt in die andere, sie taumelt von einem Zustand in einen anderen, doch dieser Taumel folgt der Gesetzmäßigkeit, die unser Bewußtsein festlegt. Und erst in diesem Taumel ordnen sich die Dinge dergestalt, daß wir die physikalischen Gesetze formulieren können, und somit wären diese Gesetze wirklich nur Interferenzerscheinungen.

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