Thema Naturwissenschaft

Das holographische Weltbild

und die Theorie der Synchronizität

 

In der sog. ‚Chaos-Forschung’ gibt es den Begriff des fraktalen Prinzips, womit das besonders in der Biologie anzutreffende Prinzip der Selbstähnlichkeit gemeint ist, das darauf hinzuweisen scheint, daß die Natur dazu neigt, bewährte Modelle zu wiederholen. Der Gedanke liegt nahe - besonders wenn man davon ausgeht, daß es keine klare Trennung zwischen geistiger und physikalischer Welt gibt -, daß sich solche Wiederholungen auch bis hinein in den Bereich des Geistes fortsetzen, und daß sich dadurch sogar die Möglichkeit von Rückkoppelungsprozessen ergeben könnte. Vielleicht haben bestimmte physikalische und biologische Formen demnach einen irgendwie gearteten geistigen Ursprung? Es könnte ja wirklich einen Geist der Natur geben, auf den doch auch die oft wunderbare Harmonie im Aufbau der Kristalle und bestimmter biologischer Formen hinweist. Auch die Phänomene des psychologischen Bereiches scheinen eine analoge Formensprache zu wiederholen, und Ähnliches kann man auch in der Welt des Geistes beobachten - ganz gleich, ob wir an die 'erfreulichen' Dinge wie eine Symphonie oder die 'unerfreulichen' wie manche soziologischen Erscheinungen denken. Zeigt der Kollektivgeist nicht auch in gewisser Weise kristalline Strukturen, das heißt zumindest die Neigung, sich auf eine Weise in bestimmten Straßen und Wegen zu ordnen, die den latenten Potentialitäten entsprechen? Alle diese Strukturen sind auch aus der materiellen Welt bekannt oder verfließen mit ihr, wie etwa in den plötzlich auftauchenden seltsamen Attraktoren, die ebenfalls sowohl Geistes- wie Naturprodukt sind, da nur eine bewußte Beobachtung erst ihre verborgene Ästhetik erkennt.

Wir können uns leicht eine Computersimulation oder sich ständig verändernde Traumvisionen vorstellen, in der alle diese Bilder ineinander übergehen und etwa aus dem Modell eines elektromagnetischen Feldes durch Modulationen ganz unterschiedliche Formen erwachsen. Zunächst gibt es einen inneren Ring, der von einer umlaufenden und in sich geschlossenen Spirale umkreist wird, dann wird diese Spirale selbst zu einem Ring zusammengefaßt, während sich der ursprüngliche Ring zu einer Spirale ausweitet, die nun den neuen Ring umgibt: eines umschließt wechselseitig das andere, und das ist bereits das dualistische Prinzip, dem wir überall in der physikalischen wie in der geistigen Welt begegnen, die ja beide auch selbst dualistische Komponenten ein und desselben Urgrundes zu sein scheinen. Die gleiche Form begegnet uns in der Gestalt eines Seeigels oder in dem Modell des atmenden Universums, in Einsteins Raumkrümmung (die gleichermaßen Ausdruck geistiger wie physikalischer Gegebenheiten zu sein scheint), und in dem Bild der Schwarzen Löcher. Wie sich das Raum-Zeit-Kontinuum in der Nähe von Massekörpern verzerrt, so verzerrt sich auch unser Computerbild, das nun zu zwei ineinander verschlungenen Eheringen wird und damit auf das dualistische Prinzip männlich-weiblich verweist. Diese Symbolik mag plump erscheinen, weil sie zu oft gebraucht wird, aber gerade das könnte auf eine tiefere Wirklichkeit verweisen. Dann schrumpft der Energiestrudel zu einem Punkt zusammen und wird zu einem Elektron, das mit seinem Spin auch nichts anderes als ein winziger Elektromagnet ist und das als solcher um den Atomkern schwirrt, um damit wiederum an viele andere Formen zu erinnern. Das Computerbild verändert sich ständig: nun erinnert es uns an den Zeitfluß, der mit umgekehrtem Zeitpfeil in die Potentiawelt entgleitet, Zukunft und Vergangenheit werden eines, die Zeit ist nur eine vierte Raumdimension, und elektromagnetische Felder werden zu sozialen Strukturen. Assoziationen an bestimmte Wirtschaftsphänomene ergeben sich, deren Randbedingungen wiederum einem permanenten Wechsel unterliegen. Was ist die Wahrheit, und was ist der Unterschied zwischen Traum und Wirklichkeit? Haben wir alles nur geträumt? Ist nicht unsere ganze Psyche mit der physikalischen Wirklichkeit unmittelbar verbunden und unser Geist wirklich selbst ein Spiegel des Universums? Ist das Begreifen mit dem Begriffenen identisch?

Haben die Dinge, die uns begegnen, einen höheren Sinn? Die von C.G. Jung und Wolfgang Pauli begründete Theorie der Synchronizität geht allen Ernstes davon aus, und es ist kein Zufall, daß sich hier ein Psychologe und ein Physiker getroffen haben, denn beide hatten in ihren beruflichen Erfahrungsbereichen entsprechende Beobachtungen gemacht, die sie zu dieser Annahme führten. Jungs Vermutung beruhte auf jahrzehntelanger praktischer Erfahrung, die ihn mit vielen Fällen konfrontierte, für die er keine andere Erklärung fand. Er brachte das Beispiel eines merkwürdigen Zufalls: wenn jemand gerade in seinem Briefkasten eine Todesnachricht vorgefunden hat und anschließend irrtümlich in der Reinigung statt des blauen Anzuges einen schwarzen zurückbekommt, könnte das auf einen höheren Sinnzusammenhang hinweisen. Nun könnte aber dieses Beispiel noch als bloßer Zufall erscheinen, es gibt aber andere Berichte, die diese Möglichkeit kaum noch offenlassen. Zum Beispiel hat sich in Amerika ein Paar von Zwillingsbrüdern nach über vierzig Jahren wiedergetroffen, die beide unmittelbar nach ihrer Geburt voneinander getrennt wurden und seitdem nichts mehr voneinander wußten. Beide waren aber von ihren Adoptiveltern auf den gleichen Namen Jim getauft worden, und beide hatten in erster Ehe Frauen mit gleichen Namen Eva (alle Namen aus dem Gedächtnis) und in zweiter Ehe ebenfalls Frauen mit gleichem Namen Rose geheiratet. Beide hatten einen Sohn, und der eine hieß John-Allen und der andere Allen-John. Beide besaßen ein ziemlich gleichartiges Haus mit gleichartigem Garten, in dessen Mitte ein großer Baum stand, um den herum jeweils in ungewöhnlicher Weise eine Gartenbank gebaut worden war. Beide hatten einen Hund gleicher Rasse und gleichen Namens und so weiter. Diese Parallelen noch als erblich bedingt oder Zufall erklären zu wollen, wäre wirklich an den Haaren herbeigezogen: sind wir alle also einem zwangsläufigen Schicksal ausgeliefert, wie es die Astrologen immer schon behauptet haben? Daß mit Astrologie viel Unsinn getrieben wird, ist offensichtlich, aber vielleicht nur deshalb, weil in unserer rationalistisch orientierten Gesellschaft dafür wenig Akzeptanz besteht und sich deshalb in diesem Bereich nur noch Leute tummeln, die den Unterschied zwischen Sinn und Unsinn nicht erkennen können. Das sollte uns aber nicht dazu führen, die ganze Geschichte allzu leichtfertig abzutun, denn es hat schon immer erstaunliche Vorhersagen bestimmter Astrologen gegeben, die ebenfalls nicht nur mit dem Zufall erklärt werden können. Ist es also möglich, daß unser ganzes Schicksal auf einer Potentiaebene bereits festgelegt ist und daß sich alle Wirklichkeitsaspekte nur erst entsprechend einem höheren Sinn manifestieren, der nur für den betreffenden Einzelnen ersichtlich ist? Oft hat man in der Tat diesen Eindruck. Oft haben wir auch etwa den Eindruck, bestimmte Dinge schon einmal erlebt zu haben, während wir zugleich sehr genau wissen, daß das nicht der Fall sein kann. Dieses Phänomen wird als Deja-vu-Erlebnis bezeichnet und normalerweise als Erinnerungstäuschung erklärt: das Unterbewußtsein hat die sich ereignenden Dinge schon einige Sekunden zuvor wahrgenommen und steigt jetzt nachträglich in unser Bewußtsein. Diese Erklärung ist zwar die einzige Möglichkeit unseres rationalistischen Weltbildes, aber könnte es nicht tatsächlich eher so sein, daß wir hier Zeuge des Manifestationsvorganges einer entstehenden Wirklichkeit geworden sind?

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