Thema Naturwissenschaft

Intelligente Felder

 

Der Biologe Rupert Sheldrake hat sich besonders mit sog. 'intelligenten Feldern' beschäftigt und dabei die Theorie entwickelt, daß in allen Fällen, in denen die Natur in ihrer Entwicklung vor mehreren alternativen, also gleichwertigen, Möglichkeiten steht, von ihr eine Gewohnheitsentscheidung getroffen wird, was tatsächlich durch bestimmte Beobachtungen bestätigt wird. Eine solche Entscheidung geht seiner Ansicht nach nicht auf eine lokale und kausale Verursachung zurück, sondern auf eine nicht-lokale Information, die in den von ihm so genannten 'morphogenetischen Feldern' gespeichert sein muß. Solche Felder wären demnach für die Organisation aller möglichen Strukturen zuständig, auf die wir immer wieder stoßen und die wir uns nicht nur als Nebenprodukte oder Endergebnisse bestimmter evolutionärer Entwicklungen vorstellen sollten, sondern als selbstständige Begleiterscheinungen, mit denen diese Entwicklungen in permanenter Wechselwirkung stehen. Demnach wäre es nicht verwunderlich, wenn wir immer wieder auf ähnliche Muster stoßen, selbst in Bereichen, die an sich wenig miteinander zu tun haben, denn was sich irgendwo bewährt hat, könnte auch in anderen Bereichen ausprobiert und wiederholt werden. Diese Theorie setzt demnach ein Weltbewußtsein voraus, in dem alle Vorgänge gespeichert sind und das alle Entwicklungen begleitet und steuert. Die Kausalität, von der wir ausgehen, ist lediglich eine Denkgewohnheit, für die es keine tiefere Begründung gibt. Diese Anschauung wurde rein empirisch gewonnen und hat sich im Laufe der Geistesgeschichte verhärtet, weil sie den Erfahrungen im Großen und Ganzen nicht zu widersprechen schien. Es könnte aber durchaus sein, daß sie sich ähnlich wie z.B. die Gravitationstheorie lediglich als ein Sonderfall eines umfassenderen Erklärungsmodelles erweist, das sich auf den Sinngehalt bewußten Erkennens bezieht. Denn Kausalität liefert ein sinnvolles Erklärungsmodell, aber eben nur eines von vielen möglichen, es ist also nicht zwingend. Nach diesen vorausgehenden und zunächst noch hypothetischen Überlegungen gibt es also einen holographischen und sinngebenden Aufbau des Universums, dessen Informationen in alles übergreifenden Feldern jenseits von Zeit und Raum gespeichert sind.

Der uns tatsächlich aus dem Alltag sehr geläufige Begriff eines Musters bedarf also näherer Betrachtung und Aufmerksamkeit. In der Tat könnte es sich dabei um Interferenzerscheinungen von Geist und Materie handeln, um Ordnungsstrukturen, die auf einen tieferen Urgrund hinweisen, nämlich auf die erwähnten Informationen des morphogenetischen Feldes. Wir gehen oft sehr gedankenlos mit bestimmten Erscheinungen um, an die wir uns einfach gewöhnt haben, und so auch mit den Musterphänomenen, die ja in der Tat einerseits eine objektive Eigenschaft materieller Gegebenheiten sind und andererseits ein erkennendes ästhetisches Bewußtsein voraussetzen, zumindest aber eben Information. Die Frage ist nur, auf welcher Emergenzstufe dieses Bewußtsein auftreten muß, um ein Auftauchen solcher Erscheinungen zu ermöglichen. Offensichtlich doch nicht erst mit dem Bewußtsein des Menschen. Gibt es demnach auch schon ein Weltbewußtseien auf niedrigerer Stufe, also ein Bewußtsein der Materie? Damit wären wir bei den Panpsychisten angelangt. Aber damit eilen wir unseren augenblicklichen Überlegungen bereits voraus. Wir sollten auch den Informationsbegriff nicht allzu leichtfertig abtun, denn er läßt sich bei näherer Betrachtung nicht klar gegen 'höhere' Bewußtseinsphänomene abgrenzen. Jede ästhetische Wahrnehmung ist auf Gedächtnis und Information angewiesen, und umgekehrt scheint jede Information auch eine ästhetische Komponente zu haben, da sie ja auf der Wiederholung gleicher Erscheinungen und holistischem Zusammenfassen aufbaut. So begegnen wir strenggenommen schon allen möglichen Formen 'niederen' Bewußtseins auf der Ebene der Materie, zum Beispiel im Bereich der oft erstaunlich harmonisch strukturierten Kristalle. Auch hierbei ist Information im Spiel, denn es scheint zum Beispiel eine Verwirklichungstentenz bestimmter Moleküle zu geben, bestimmte Kristalle zu bilden, die Licht von einer ganz bestimmten Wellenlänge reflektieren können. Obwohl die einfachen und sehr symmetrischen Anordnungen aus den Eigenschaften einzelner Atome und Moleküle vorhersagbar sind, gilt das nicht auch für derartige optische Eigenschaften komplexer Kristalle.

Solche Phänomene sind bisher wenig beachtet worden, sie scheinen aber wirklich auf die Existenz morphogenetischer Felder hinzuweisen, die für die Organisation und die Form aller möglicher Systeme auf ganz verschiedenen Emergenzstufen zuständig sind - nicht nur im physikalischen, sondern auch im chemischen und biologischen Bereich und auch im Bereich psychologischer und soziologischer Strukturen, die sich nicht von jenem Bereich klar abgrenzen lassen, der bisher als reine Domäne des Geistes galt. Diese Felder ordnen die Systeme und geben ihnen aus ihrem Arsenal nicht nur zufällig auf verschiedenen Stufen ähnliche und bereits bewährte Gestalten, die sich auch aus einer übergreifenden Logik ergeben. Sie wirken damit auf Vorgänge ein, die ohne sie in einem lediglich potentiellen Zustand unendlich vieler paralleler Möglichkeiten verharren müßten, sie bewirken also die Manifestation von Wahrscheinlichkeitsstrukturen und kanalisieren diese Manifestationen in bewährte Bahnen, um sie damit zugleich einem erkennenden Bewußtsein zugänglicher zu machen. Auch diese Interpretation mag überzogen erscheinen, weil sie darauf hinauszulaufen scheint, daß die ganze Welt nur dem Menschen zuliebe gestaltet wird, aber wir müssen einfach von der Vorstellung loskommen, daß es nur höhere Bewußtseinsformen gibt. Bei näherer Betrachtung scheinen Bewußtseinsphänomene überall in der Welt vorzukommen. Woher haben die morphogenetischen Felder aber ihre Informationen? Diese Frage könnte man eigentlich leicht mit der Evolutionstheorie beantworten, doch haben wir nun zwei parallele evolutionäre Entwicklungen, nämlich einmal die bisherige, die man als die körperliche bezeichnen könnte, und zum anderen eine in Bezug auf die Entwicklung und Anreicherung von Informationen in einem die körperlichen Entwicklungen steuernden morphogenetischen Feld. Dieses Feld baut sich demnach auch empirisch auf und lernt aus den körperlichen Entwicklungen, während es die weiteren zugleich steuert. Solche Vermutungen würden zumindest die Entstehung der frühesten zur Selbstreproduktion fähigen Moleküle erklären, mit denen das Leben auf unserem Planeten entstand und für deren Entstehung wir sonst keine hinreichende Erklärung haben. Ganz ähnlich vollzieht sich ja auch die geistige Entwicklung eines Menschen - nämlich als Folge eines permanenten Dialoges von Planungsorgan Gehirn und Ausführungsorgan Hände (wobei die Hände nur sinnbildlich gemeint sind, denn sie können sich auch bei weniger praktisch veranlagten Menschen im Gehirn befinden). Etwas einfacher gesagt heißt das, daß der Mensch aus seinen Erfahrungen lernt, und ebenso kann man sich die Entstehung des morphogenetischen Feldes vorstellen. Demnach ist die ganze vergangene Entwicklung permanent in den Feldern gespeichert, es gibt also ein Weltgedächtnis, das alle gegenwärtigen Entwicklungen steuert, wobei es sich selbst auch durch permanente Bewährung verstärkt, ähnlich wie ein Mensch in seinen Überzeugungen bestärkt wird, wenn er keine gegenteiligen Erfahrungen macht und seine alten Erfahrungen immer wieder in der Praxis bestätigt sieht oder in ihnen zumindest ein immer mehr verifiziertes Denkmodell für die Interpretation aller möglichen praktischen Erfahrungen sehen kann. In diesem Sinne haben die morphogenetischen Felder einen verstärkenden Einfluß auf die Ausprägung immer wiederkehrender Erscheinungen, Formen und Muster des damit zugleich sich aufbauenden Geist-Materie-Kontinuums.

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