Thema Wirtschaft

 WIRTSCHAFT

 
Stellen wir uns eine Gemeinschaft von Naturmenschen vor, die sich irgendwo ein Dorf errichten, ihre Felder bestellen und ihre Kleidung selbst anfertigen. Eines Tages begeben sich einige dieser Dorfbewohner auf eine Wanderschaft und gelangen endlich zu einem anderen Dorf, in dem die Menschen halb verhungert in fast zerfallenen Häusern und in zerlumpter Kleidung lethargisch herumsitzen und auf die Frage der Besucher, was ihnen fehle, antworten: sie hätten eben weder Geld noch Arbeitsplätze.
 

Wirtschaftrecht

 

Verfasserhinweise im Redaktionswegweiser

 

Der Teufelskreis der Globalisierung

Was wir heute unter dem Stichwort „Globalisie­rung“ verstehen, ist die Tatsache, daß die ganze Welt inzwischen in vieler Hinsicht zusammengeschrumpft und vernetzt ist. Die elektronische Kommunikation, die sich besonders auf den Finanzmärkten auswirkt, der internationale Freihandel und die immer niedrigeren Transportkosten führen dazu, daß in sich autarke Systeme, deren Elemente sich aus einer gemeinsamen Wurzel entwickelt haben und sich gegenseitig bedingen, plötzlich mit ganz anderen Systemen in Berührung kommen, so daß ihre Elemente ausgetauscht werden können. Das kann aber zu verhängnisvollen Kurzschlüssen kommen, da manche dieser Elemente nur in dem Umfeld funktionieren, in dem sie entstanden.

Konzerne

Industrielle Konzentration ist eigentlich ebensowenig wie die Institution der Aktiengesellschaft von vornherein etwas Negatives, sondern in bestimmten Bereichen der Großindustrie nötig, aber sie darf nicht außer Kontrolle geraten und für ein Allgemeinziel gehalten werden. Die von den Konzernen ausgehende Dominanz hat auch nichts mit echtem Wettbewerb zu tun, aus dem sie als Beste und Stärkste hervorgegangen sind, sondern sie beruht nur auf Macht- und Kapitalkonzentration. Dabei hatte und hat der Staat mit dem Kartellamt ansich ein starkes Instrument, dem Konzentrationsprozeß zu begegnen und Fusionen nach Möglichkeit zu verhindern.

Fusionen

Wie kaum in etwas anderem erweist sich die Irrationalität des ‚Shareholder-Value‘-Prinzps in dem, was wir vielleicht am besten als ‚Fusionitis‘ oder ‚Fusionismus‘ bezeichnen können, also in etwas, das eigentlich nicht viel mehr zu sein scheint als eine dumme Mode ohne tieferen Hintergrund. Wenn auch die Aktionäre dabei gewisse egoistische Motive verfolgen, so ist aber nicht erkennbar, warum die Politiker und sogar bestimmte Gewerkschaftsvertreter dem tatenlos zusehen.

Die Kontrolleure

Die Institution des alten preußischen Staatskommissars als Vertreter der Allgemeinheit und des Staates in den Aufsichtsräten der Aktiengesellschaften, der - selbstverantwortlich - einzuschreiten hatte, wenn Allgemeininteressen gefährdet waren, ist nahezu vergessen. Sicher ist seine Abschaffung eine der Wurzeln aller gegenwärtigen wirtschaftlichen Fehlentwicklungen und neoliberalen Verirrungen. Tatsächlich kontrolliert somit niemand mehr wirklich die Politik der Unternehmen, die doch für die Allgemeinheit so große Folgen hat.

Die Auflösung der Infrastruktur

Warum mußte die Bundespost privatisiert und zerschlagen werden? Sie war durchaus nicht defizitär. Ende der 80er Jahre brachte sie dem Finanzminister sogar einen Überschuß von immerhin 5 Mrd. DM. Aber gerade das schien der wirkliche Grund zu sein, weil sie damit Begehrlichkeiten von Seiten derer weckte, die unter der Kohl-Regierung schon längst die wirklichen Fäden in der Hand hielten. Auch die Bahn war durchaus nicht immer defizitär und ist es auch bis zuletzt noch lange nicht in dem Maße gewesen wie ihre Konkurrenz auf der Straße und in der Luft: Sie wurde nur nicht so subventioniert wie diese, weil sie keine gleich starke Lobby hatte. Ansich aber ist es völlig natürlich, wenn die Infrastruktur subventioniert wird, weil sie nicht nur das Funktionieren der Öffentlichkeit garantiert, sondern auch Zuträgerdienste für die Wirtschaft übernimmt, ohne die diese gar nicht existieren könnte. 

Die Banken

Die Banken sitzen wie Spinnen im Netz der deutschen Wirtschaft, und die Aufsichtsratsmandate in den Unternehmen sind ihr Instrument. Bei den größten deutschen Aufsichtspleiten wie bei der Bremer Vulcan, der Metallgesellschaft, bei Daimler-Benz oder der Telekom haben vor allem die Vertreter der Banken versagt. Die Banken und ihr Einfluß richten einen ungeheuren volkswirtschaftlichen Schaden an - nicht nur durch ihre direkten Handlungen, sondern auch durch den von ihnen ausgeübten lobbyistischen Einfluß. Dabei verfügen sie als Aufsichtsräte über die besten Informationen und Kontakte.

Privatisierungen

Mit den von inzwischen fast allen westlichen Industriestaaten betriebenen Privatisierungen ziehen sich die Regierungen weitgehend aus der öffentlichen Verantwortung zurück. Dieser Vorgang wird harmlos als ‚Deregulierung‘ bezeichnet; der Begriff steht aber für die Rücknahme von Normen und Gesetzen, die die wirtschaftlichen Handlungsweisen der ‚Marktsubjekte‘ kontrollieren sollen, damit die Gesellschaft nicht zu einer Wildwest-Gesellschaft wird - die also die Handlungsweisen in gesellschaftlich und politisch sinnvolle und gewünschte Bah­nen lenken sollen.

Wirtschaftsgeschichte

Eine Betrachtung der historischen Entwicklung der Wirtschaft ist erstaunlicherweise unter den Wirtschaftstheoretikern recht umstritten - ja, sie wird sogar teilweise sehr polemisch attackiert. Sie möchten die Wirtschaftsprobleme und -theorien nämlich partout aus der Gegenwart erschließen. Dahinter steckt offenbar der gestandene Positivismus der Vertreter dieses Faches, an den gerade sie sich instinktiv umso mehr klammern, als sie ahnen, daß alle ihre Grundannahmen mit ihm wanken. Historismus erscheint ihnen deshalb schon fast als Mystizismus, dieser aber ist ihnen wahres Teufelswerk.

Die Geschichte des Neoliberalismus

Die Geschichte des Neoliberalismus läßt sich eigentlich kaum kausal, sondern nur als archetypischer Vorgang begreifen. Das bedeutet, daß es sich um einen Vorgang handelt, der im Sinne C.G. Jungs in tiefe Bereiche des kollektiven Unbewußten hineinragt und dort aus Schichten hervorgeht, die noch vor jeder sprachlichen und gedanklichen Artikulation stehen, die also wie in einem kollektiven Traum angelegt sind, aus dem wir erst unser jeweils individuelles Material entnehmen. Demgemäß sind solche Vorgänge auch nicht unbedingt logisch, sondern oft mit unlösbaren Widersprüchen verbunden.

Der deutsche Staatshaushalt

Deutschland war jahrzehntelang Exportweltmeister. Wie konnte es dennoch zu der gigantischen Staatsverschuldung kommen, die wir inzwischen zu beklagen haben? Über ihren Haushalt schweigen sich die Finanzminster offenbar gerne aus. Es ist jedenfalls nur sehr schwer möglich, darüber irgendwo klare Wirtschaftsdaten zu bekommen, die Vergleiche über größere Zeiträume zulassen. Was in jedem Betrieb selbstverständlich ist, gibt es hinsichtlich des Bundeshaushalts kaum: ein klare Buchführung, die über einen größeren Zeitraum standardisiert ist. Nahezu jedes Jahr wechseln die Berechnungsnormen, sodaß man praktisch immer Hunde mit Katzen vergleichen muß. Dennoch haben wir versucht, ein wenig Licht in das Dunkel zu bringen.

Eine Unschärferelation der Ökonomie (derzeit nicht aktiv)

Es gibt immer noch Leute, die sich allen Ernstes einfrieren lassen wollen, um in hundert Jahren wieder aufzuwachen und dann noch im besten Alter an der dann schlaraffenlandmäßigen Zukunft teilnehmen zu können - als Bürger einer aufgeklärten Gesellschaft, die es endlich zuwege gebracht hat, nicht nur Güter im Überfluß herzustellen, sondern sie auch gerecht zu verteilen. Aber eigentlich sind wir auf dem besten Wege, zumindest die erste Bedingung erfüllen zu können. Doch je näher wir diesem ersten Ziel kommen, desto weiter entfernen wir uns offenbar von dem zweiten. Gibt es irgendein Gesetz - eine Art Heisenbergscher Unschärferelation der Ökonomie -, demzufolge das eine Ziel umso mehr aus dem Auge verschwindet, je schärfer wir das andere ins Blickfeld rücken?

Nieten in Nadelstreifen: Die überforderten Erben

Nach dem zweiten Weltkrieg erlebte Deutschland einen wirtschaftlichen Neustart, doch da die Gründer alle zur gleichen Generation gehörten, mußten sie auch schließlich alle mehr oder weniger gleichzeitig das Ruder abgeben. Das war fatal, weil damit auch die Erfahrungen der Gründergeneration kollektiv verloren gingen. Ihre Erben waren weder fachlich noch mental darauf vorbereitet, auf organische und verantwortliche Weise die Nachfolge anzutreten. Sie hatten zumeist auch kein Interesse daran und konnten nichts anderes als das Kapital ihrer Väter zu verpulvern.

Tauschringe

Ein scheinbar neuartiges Wirtschaftsphänomen sind die in den letzten Jahren in allen Regionen entstehenden Tauschringe. Sie haben Modellcharakter für das Verständnis des Geld-Entstehungsprozesses, denn es sind Mikromärkte mit einer jeweils eigenen Währung. Ganz neu sind sie allerdings nicht, denn es gab sie hier und dort z.B. schon in den 30er und 40er Jahren des 19. Jahrhunderts und in den 20er Jahren unseres Jahrhunderts. Daß solche Tauschsysteme neuerdings wieder in wachsender Zahl entstehen, zeigt, wie sehr sie eine Folge der Tatsache sind, daß das nationale und internationale Geldsystem nicht mehr funktioniert.

Der Wirtschaftskörper als Organismus

Die sog. Merkantilisten der absolutistischen Zeit unter den Nationalökonomen waren durch organische Vorstellungen bestimmt - vermutlich auch durch die wirtschaftliche Entwicklung der Stadtstaaten. Sie gingen dabei - wenn auch aus letztlich sehr praktischen Gründen rein materieller Zwecke - von dem Bild eines Staatsorganismus’ aus, in dem die einzelnen Wirtschaftsfaktoren wie die unterschiedlichen Organe in einem lebendigen Körper arbeiten, den man als Körper der Volkswirtschaft bezeichnen kann.

Die Berater

Da dieses üblicherweise der Wirtschaft zugeordnete Thema auch sehr viel über unser gesellschaftliches Paradigma aussagt und wir es vor allem von daher betrachten, haben wir es in der entsprechenden Kategorie 'Kultur und Religion' eingeordnet.

Parallelwährungen

Wir sind zwar irgendwie in den Euro hineingeraten, aber - so wird uns jedenfalls gesagt - es gibt keine Möglichkeit mehr, ihm zu entrinnen. Wenn es aber immer offensichtlicher wird, daß es auch keine Möglichkeit gibt, in ihm zu bleiben, steuern wir unaufhaltsam auf eine Katastrophe zu. Parallelwährungen werden aber inzwischen als Möglichkeit zum organischen Ausstieg immer mehr diskutiert, wobei der Euro dennoch als Buchgeld oder Hortungsgeld erhalten bliebe.

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