Thema Mundan-Astrologie

Allgemeine Erläuterungen zur Mundan-Astrologie

 

Nichts entzieht sich der Darstellung durch Worte so sehr und nichts ist doch notwendiger, den Men­schen vor Au­gen zu stellen, als gewisse Dinge, de­ren Existenz weder be­weisbar noch wahrscheinlich ist, welche aber eben dadurch, daß fromme und gewissenhafte Men­schen sie gewis­sermaßen als sei­ende Dinge behandeln, dem Sein und der Mög­lichkeit des Geboren­werdens um einen Schritt nä­her ge­führt werden. (Hermann Hesse: Glasperlenspiel. [1]

Wären die deutschen Geschichs­schreiber des 19. Jahr­hunderts mehr Po­litiker oder wenigstens mehr Männer von Welt gewesen, so hätte sich aus der Geschichts­schreibung heute vielleicht schon eine Wissenschaft entwickelt, und an ihrer Seite besä­ßen wir eine wahrhaft wirksame Technik zur Er­fas­sung der großen Kollektiver­scheinungen, denen - dies müssen wir wohl mit Beschä­mung ein­geste­hen - der heutige Mensch eben­so hilflos ge­genüber­steht wie der Mensch der Steinzeit dem Blitz. (Ortega y Gasset.) [2]

Keine tiefe und echte Geschichtsforschung sucht nach kausaler Gesetzlichkeit; andernfalls hat sie ihr eigentliches Wesen nicht begriffen... Aber eine Geschichtsbetrachtung, die von den Methoden des Darwinismus, das heißt der systematischen, auf dem Kausalprinzip beruhenden Naturwissenschaft ganz frei wäre, gibt es überhaupt noch nicht. Von einer strengen und klaren, ihrer Mittel und Gren­zen vollkommen bewußten Physiognomik, deren Methoden erst noch zu finden wären, ist niemals die Rede gewesen. Hier liegt die große Aufgabe des 20. Jahrhunderts vor, den inneren Bau der or­ganischen Einheiten, durch die und an denen sich Weltgeschichte vollzieht, sorgfältig bloßzulegen, das morphologisch Notwendige und Wesenhafte vom Zufälligen zu unterscheiden, den Aus­druck der Begebenheiten zu begreifen und die ihm zugrunde liegende Sprache zu ermitteln... Jede Kultur, jede Frühzeit, jeder Aufstieg und Nieder­gang, jede ihrer innerlich notwendigen Stufen und Perioden hat eine bestimmte, immer gleiche, im­mer mit dem Nachdruck eines Symbols wiederkeh­rende Dauer. (Oswald Spengler.) [3]

Wenn und soweit wir uns auch mit dem Thema Astrologie befassen, tun wir das nicht um der Sache selbst willen oder aus spekulativen Gründen, sondern weil wir das astrologische Weltbild dem üblichen "kausalistischen" gegenüberstellen wollen. Während jenes nämlich alle Menschen mehr oder weniger vor eine verallgemeinerte und objektivierte Kulisse stellt, der alle nach Maßgabe ihrer quantitativen Möglichkeiten zu entsprechen haben, stellt dieses mehr den qualitativen und persönlichen Aspekt in den Vordergrund, indem es veranschaulicht, daß jeder prinzipiell so ist wie er ist. Er hat als eine sehr eigene Stimme im Gesamtchor des Universums auch seine Berechtigung dazu und ist ebenso notwendig wie alle anderen Stimmen. Damit ist aber der Willkür und Beliebigkeit keineswegs Tür und Tor geöffnet, denn aus der Gesamtharmonie wird auch deutlich, daß es ewige und universal gültige Prinzipien gibt, die die qualitative Perspektive gerade in den Vordergrund stellt, während sie beim kausalistischen Weltbild inzwischen offenbar zu sehr aus dem Auge verloren wurde - eben deshalb, weil es zu starr und eine ungeeignete und falsche Berufungsinstanz ist. Während unter dem qualitativen Aspekt eine falsche und schlecht klingende Stimme sogleich auffällt, wird die Verspannung unter dem quantitativen Aspekt geradezu zum Prinzip.

Aber nun zur Sache selbst: Wenn die Konstellationen in den persönlichen Horoskopen richtig sind und nicht nur auf Aberglauben beruhen, so müssen die Planetenstände in den Zeichen auch eine globale Wirkung haben und insofern noch am leichtesten nachprüfbar sein. Darüber können also mundane Untersuchungen etwas aussagen: Wenn die Venus oder der Mars im Widder im persönlichen Horoskop etwas bedeuten, dann müssen sie auch mundan etwas bedeuten. Wir wollen uns aber hier mit den Plutoständen befassen, weil dieser äußerste Planet ganze 240 Jahre für einen einzigen Sonnenumlauf benötigt und demnach im Mittel 20 Jahre in jedem Zeichen steht, was natürlich eine bessere globale Untersuchung ermöglicht. Allerdings wurde ja dem Pluto erst vor ein paar Jahren der Planetenstatus von den Astronomen abgesprochen. Doch das ist deren Ploblem. Ebenso wollen wir uns hier nicht mit der Frage befassen, warum er schon vor Jahrhunderten gewirkt haben sollte, obwohl er erst um 1930 entdeckt wurde. Damit dürften ja gerade die positivistischen Skeptiker die geringsten Probleme haben, die immer schon von einer objektiv bestehenden Welt vor jeder menschlichen Schicksalsbestimmung und Erkenntnis ausgingen. Diese einleitenden Worte können aber nur eine Maßgabe für eine empirische Untersuchung sein. Es kann nämlich nicht Gegenstand dieser allgemeinen Ausführungen sein, Grundsätzliches über das Für und Wi­der der Astrologie zu sagen. Wir könnten uns insofern gerne auf die Aussage einigen: Natürlich beruht die Astrologie auf Aber­glau­ben, doch bietet sie uns immerhin eine gute Möglich­keit, die historischen Abläufe auf übersichtliche Weise zu ordnen - ganz so, wie es Ortega y Gasset in seinem obi­gen Zitat for­derte. Dieses soll hier jedenfalls ver­sucht werden. Das bedarf aber noch des kurzen Hinweises, daß es zwar bereits mehrere Bücher über das Thema Mun­danastrologie gibt, aber eben noch keine wirk­lich sy­stemati­sche Übersicht und Zuord­nung aller histori­schen Vorgänge zu den astrologischen Konstella­tionen. Dieses ist umso er­staunli­cher, als eine derartige ver­gleichende Be­trachtung uns sowohl zum besseren Ver­ständnis der Archetypen als auch der Ge­schichte selbst verhilft. Der Grund für diese bisherige Lücke liegt na­türlich in der histo­rischen Ent­wicklung der Astrologie selbst. Späte­stens seit der Auf­klärung wandten sich ja die führenden Intel­lektuellen von ihr ab, und erst seit Beginn oder wirklich erst der Mitte des 20. Jahr­hunderts erlebt sie wieder eine Renais­sance auch bei nach­denklicheren Geistern. Mindestens 200 Jahre also blühte sie nur im Schatten und konnte solange zu Recht als bloßer Aber­glaube abgetan werden, da diejeni­gen, die sich in dieser Zeit mit ihr be­schäftigten, kaum zu differen­zierterer Be­handlung der Materie in der Lage waren, von einigen wenigen abgesehen, die aber kaum Beach­tung fanden. So war die Astrologie in die­ser Zwischenperiode hauptsächlich nur eine Son­nenstandsastro­logie, wie sie in den Medien Verbreitung fand und immer noch findet. Aber eine sol­che Behandlung der Astrolo­gie wäre mit einer ähnlichen Be­handlung der Medizin zu verglei­chen, denn auch hier hätten Mas­sendiagnosen kaum ei­nen persön­lichen Wert.

Da frühere Astrologen andererseits noch nicht über das histori­sche und zeitge­schichtliche Quellenmaterial verfügten wie es uns heute im Zeitalter der Massenmedien zur Verfügung steht, konnte vor der Auf­klärung also auch noch keine wirklich gründ­liche Übersicht über die Entsprechun­gen der Geschichte mit den stellaren Kon­stellationen geschaffen werden. So verfü­gen wir also frühestens seit einigen Jahr­zehnten über die notwendigen Vorausset­zungen zu solchen Untersuchungen, die aber erst seit etwa 25 Jahren wirklich gut wurden, weil uns seitdem zunehmend auch Computerprogramme einerseits und gründ­liche chronologische Übersichten anderer­seits zur Verfügung stehen. Die Zeit ist also reif für eine solche vergleichende Betrach­tung, und es sind so­mit lediglich weltan­schauliche Barrieren dagegen zu überwin­den. Man sollte sich deshalb auf den grund­sätzlich empirischen Cha­rakter aller Wis­senschaft besinnen und sich dementspre­chend vorur­teilslos einer solchen Materie nähern. Natürlich ist die Forde­rung, zu­nächst einfach nur zu beobachten, um erst danach eine Theorie zu entwickeln, schon immer sehr problematisch ge­wesen. Wenn nämlich die Wissenschaft die Forderung, daß ledig­lich solche Dinge, die von jedermann je­derzeit beobachtet werden kön­nen, als gül­tige Wahrheit anerkannt werden dürften, auf ihre Fahnen heftete, so war das zwar als Programm durchaus ehren­haft, es war je­doch zugleich eine unstatthafte Unterstel­lung, wenn sie dadurch unterschwellig als selbstverständlich voraus­setzte, daß nur diejenigen, die sich einer bestimmten Lehre verpflichteten, al­leine nach dieser Methode handelten. Zunächst nämlich war kei­nes­wegs eindeutig, was als Wissenschaft gelten konnte und was nicht - das erwies sich demnach zunehmend als eine Machtfrage -, zum anderen aber wissen wir ja alle noch aus der Schule, wie ärgerlich unser Physik- oder Chemielehrer wer­den konnte, wenn wir in ihren Experimenten nicht immer so­gleich das erkennen konnten, was wir ge­mäß der anerkannten wissen­schaftli­chen Theorie darin erkennen sollten: wie konn­ten wir aber auch, da wir diese Theorie ja noch gar nicht kannten und erst durch das Experiment kennenlernen sollten? Es ist aber für die Philosophen ein alter Hut, daß Theorie und Be­obachtung perma­nent in Wechselwirkung stehen und daß wir keine Beobach­tung machen können, wenn wir nicht zugleich über eine Theorie verfü­gen, die uns eine Zuordnung der Phäno­mene gestat­tet. Das Dilemma des Analyti­kers liegt in der Tatsache, daß er etwa die Farbe Blau unabhängig von jeder Farbvor­stellung zu be­obachten vorgibt, daß er aber bei solcher Vorgabe gar keine Farbe, son­dern nur Monochromie erkennen könnte. Die Analyse muß also mit der Synthese korrespondieren, und so steht unser Welt­bild notwendigerweise immer im Dialog mit den beobachteten Din­gen. Wir können uns dieses Problem nicht vereinfachen und soll­ten deshalb mit der Maßgabe an unsere Ma­terie herangehen, daß wir zugleich an den beob­achteten Dingen auch ein wachsendes Ver­ständnis dessen gewinnen, was wir da be­obach­ten. Wir ahnen den sich daraus erge­benden Vorwurf, weisen ihn aber aus den erwähn­ten Gründen von vornherein als tri­vial zurück: wir können nicht anders und besser an unsere Materie herange­hen (und es gibt auch in der Naturwissenschaft keine bessere Methode), als daß wir uns mög­lichst offen und nicht durch falsche geistige Fixie­rungen belastet den Dingen nähern. In diesem Sinne können diese Untersuchungen sowohl für bereits erfah­rene Astrologen von Interesse sein, da es ihr Verständnis der Ar­chetypen vertiefen kann, als auch für An­fänger, die sich bisher noch niemals näher mit Astrologie befaßt haben. Die Dinge sprechen ei­gentlich für sich, und aus den Er­scheinungen wächst dabei all­mählich das Verständnis der tiefe­ren Prinzipien. Damit der Leser sich nicht völlig unserer eigenen Interpretation der Zuordnungen ausgeliefert fühlt, sei ihm anzuraten, sich zunächst in unserer Darstellung unter dem Kopfleistenbutton 'Horoskop' (oben auf unserer Homepage) einen ungefähren Überblick über die Bedeutung der Tierkreiszeichen zu verschaffen. Damit wird ihm ein grund­sätzliches erstes Erkenntnis- und Zuord­nungswerkzeug an die Hand gegeben, sodaß völlige Willkür von vornherein aus­geschlossen ist. Das tiefere Ver­ständnis wächst dann von al­leine bei der Lektüre. Schließlich sind ja die astrologischen Ar­chetypen nur über die Erscheinungen zu erfassen, während ihr Wesen selbst sich un­serer Sprache ent­zieht. Allerdings machen wir oft genug die Erfahrung, daß sich die archetypischen Ent­sprechungen in erstaun­licher Weise sogar in den real auftau­chen­den Begriffen ausdrücken.  In diesem Sinne wächst bei der Lektüre automatisch das Verständnis der Archetypen, das tatsächlich nur durch ständigen Vergleich mit den Be­obachtungen wachsen kann. Es ist kaum mög­lich, diese Dinge wirklich zu begreifen, wenn man nicht über eine fundierte Erfah­rung verfügt. Diese kann nur aus der Praxis erwachsen, zu der allerdings auch die Lek­türe von Büchern ge­hört. Die Materie ist unerschöpflich, und man lernt dabei nie aus.

Zum historischen Vergleich kann uns hier ein Rückblick auf die letzten 27o Jahre ge­nügen. Dieser Zeitraum hat den Vorzug, daß wir in ihm einen vollen Umlauf auch des äußersten Planeten Plu­to verfolgen können und daß wir zugleich auch die ge­samte Ent­wicklung unseres heutigen Weltbildes und unserer heutigen Wirk­lich­keit nachvollziehen, da dieser Zeitraum gerade von den An­fängen der Aufklärung bis heute reicht. Eine gewisse Ironie liegt dabei in der neuen Perspektive: während die Wissenschaft­ler meinten, eine objektiv gegebene Welt in zunehmendem Maße zu erkennen, beobachten wir sie jetzt dabei, wie sie immer nur das erkannten, was den jeweiligen astrologischen Konstellatio­nen entsprach. Wir machen also ihre fortschrei­tenden Erkennt­nisakte nunmehr selbst zu unserem Betrachtungsgegenstand. Es geht hier allerdings um Dinge, die man wirklich nur erkennen kann, wenn man sich genü­gend weit von den unmittelbaren Vorgän­gen entfernt - wie ein Maler, der hin und wieder von seinem Bild zurück­tritt, um seine Fernwirkung besser beurteilen zu können. Gerade diese sehr notwendige Per­spektive ist aber weder dem unmittel­bar handelnden Menschen möglich, der in die irdi­schen Dinge tief verstrickt ist, noch auch haben sich unsere Historiker bisher die Mühe gemacht, so weit zurückzutreten. Be­gibt man sich allerdings wirklich in eine so große Entfernung, erkennt man plötzlich ganz andere Strukturen. Daß hinsichtlich dieser bei unseren Betrachtungen die Ereignisse in Deutschland etwas in den Vordergrund treten, liegt natürlich einerseits an der besonderen Perspektive unseres Autors (bzw. der Autoren); doch davon abgesehen hat sich bei ihm der vielleicht etwas merkwürdig anmutende Eindruck eingestellt, daß sich besonders in diesem Weltbereich die Zuordnungsmöglichkeiten konzentrieren. Kann das wirklich nur an der Perspektive liegen - d.h. kann es einem in einem anderen Land verwurzelten Autor gelingen, ebenso viele relevante Entsprechungen in seiner eigenen Region zu finden - oder sollten wir tatsächlich annehmen, daß das geographische Zentrum Europas auch im kosmischen Sinn nicht völlig zufällig ist? Vielleicht sollte man der historischen Bedeutung unserer Region als Nachfolgestaat des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation doch mehr Beachtung schenken? Wie ist es dann allerdings möglich, daß derartig unwürdige oder zumindest unbedeutende Staatsvertreter in den letzten Jahrzehnten hier an die Oberfläche kamen?

 


[1]Eingangszitat zu Hermann Hesses Glasperlenspiel, wobei wie­derum aus einem la­teinischen Original des Albertus Secundus zi­tiert wird, dessen Text lautet: Nihil tantum repugnat ne verbis il­lustretur, at nihil adeo necesse est ante hominum oculos propo­nere ut certas quasdam res, quas esse ne­que demonstrari neque probari potest, quae contra eo ipso, quod pii di­lingentes­que viri illas quasi ut entia tractant, enti nascendique facultati paululum ap­propinquant.
[2]Jose Ortega y Gasset in Betrachtungen über die Technik.
[3]Oswald Spengler in Der Untergang des Abendlandes.
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