Thema Mundan-Astrologie

Neptun in den Zeichen

 

 

Neptun im Steinbock

(1984-1997)

 

Das Publikum, das allein für Verzie­rung, für deko­rativen Stil empfänglich ist, wendet sich von den Werken ab, die ei­ne Moral sind, zugunsten orna­mentaler und dekorativer Werke - die ich der Un­moral bezichtige. (Und die sich im allgemei­nen auf die konventio­nelle Moral stützen und nicht auf ei­ne Moral oder Linie, die dem Menschen, der sich nur als Vehikel bestimmter tieferer Kräfte betrach­tet, eigen ist. (Jean Cocteau.)

Wir hatten bereits unter dem Schützen fest­gestellt, daß sich die sonst anscheinend in allen anderen Zeichendurchgängen zei­gen­de Verstärkungsfunktion Neptuns teilweise auch in ihr Gegen­teil verwandelte und als "Auflösung" zeigte, und müs­sen das jetzt unter dem Steinbock noch mehr feststellen(1). Der Annahme, daß das auch etwas mit der Be­sonderheit des Zei­chens zu tun haben könnte, scheint die Tat­sa­che zu widersprechen, daß wir unter dem letzten Steinbock-Durchgang - also der Zeit Metternichs und Hegels - eher eine Inten­sivierung feststellen konnten. Wenn dieses dem ersten An­schein nach (denn wir wer­den das später noch relativieren) jetzt of­fenbar nicht der Fall ist und sich eher die Auflösungs­funktion Neptuns zeigt, so müs­sen wir das wohl auf den Selbst­bestim­mungsfaktor der Zeit oder Gesellschaft zu­rückführen. Die sich dar­aus ergebende Be­deutung der Auflösung von Autorität und Macht oder ethischen Normen steht aber nicht immer unbedingt im Wi­derspruch zu der an­deren Bedeutung betonter Härte, denn wie wir am Beispiel des Metternich-Systems feststellen konnten, ent­sprach auch das einer geistigen Desorientierung.

Ob die Entlassung des Bundeswehr-Gene­rals Günter Kießling im Dezember 1983 Neptun im Schützen oder (dem noch nicht gegebe­nen) Steinbock zuzurechnen war, hängt davon ab, ob man das auf die Be­gründung durch sein angeblich zu freizügi­ges Privatleben oder die Schädigung seines öffentlichen Ansehens und seines Mi­litär­sta­tus bezieht. Als je­denfalls Neptun am 19. Januar 1984 in den Steinbock trat, ent­wic­kelte sich die Angelegenheit zu einer Krise für den neuen Verteidigungsminister Wör­ner, der sich gezwungen sah, seine An­schuldigungen zurückzunehmen und Kieß­ling zu rehabilitieren. Dadurch kam nicht nur die Bundes­wehr, sondern auch die Bundes­regierung in ein ungünstiges Licht. Letztere hatte unter der Auflösungsfunkti­on Neptuns im Steinbock in der Folgezeit beson­ders zu leiden, da nacheinander fast jeder neue Minister in ir­gendeine Affäre geriet, ohne sei­nen Sessel zu räumen, und am Ende ein SPD-Politiker die nicht unbe­gründete Frage stellte, ob ein Minister neu­erdings erst beim Diebstahl silberner Löffel erwischt werden müsse, um sus­pendiert zu werden. Der Regie­rungsstil des neuen Kanzlers Kohl bestand in solchen Fällen darin, daß er die jeweilige Krise einfach "aussaß", wie es bald hieß: eine schöne Entsprechung von Neptun im Steinbock!

In der Sowjetunion zeigte sich diese inzwi­schen auf die Weise, daß im Februar 1984 der Staats- und Parteichef Jurij Andropow und bereits im März des folgenden Jahres sein Nachfolger Tschernenko starben, wo­bei man das Steinbock-Thema auch auf das hohe Alter der beiden Männer und den da­nach folgenden Generati­onswechsel bezie­hen kann. Wenn Neptun in den Steinbock tritt, so heißt das im mundanen Sinn eben auch, daß Machtblöcke aufge­löst werden bzw. die Machtfrage auf eine neue Weise interpre­tiert wird, was sich in der Folgezeit im gesamten Sowjetblock und schließlich besonders im Vielvölkerstaat Jugoslawien ver­wirklichen sollte. Wie gesagt stellt sich dabei die Konstella­tion oft in ganz wörtli­cher Benennung ein - so auch hier: der neue Generalsekretär der KP Michail Gorbar­schow brachte nämlich bald das Wort Glasnost in Umlauf, was etwa mit Trans­parenz, Durchleuchtung der Macht­struktu­ren zu übersetzen ist und damit ganz genau der Bedeutung Neptuns im Stein­bock ent­spricht.

Ähnliche Bedeutungen zeigten sich aber auch in anderen Dimen­sionen immer wieder - man kann sie etwa in den Nebelmännern des im April 1984 uraufgeführten Filmes Momo sehen (wobei der Ne­bel natürlich für Neptun und das autoritäre Auftreten und die Bedeutung der Männer für den Stein­bock stehen) sowie in der Tatsache, daß im Februar französische Lastwagenfah­rer eine mehrtägige Blockade begannen (wobei das Steinbock-Thema auf ei­ne reichlich asoziale Weise interpretiert wurde) oder darin, daß die Grünen aus­schließlich Frauen in den Bundestag schick­ten (und damit die vor­nehmlich auf ökolo­gische Ziele gerichtete Absicht ihrer Wähler sehr eigenmächtig uminterpretierten und ge­fährdeten) sowie schließlich in dem Start des Kabelfernse­hens in München, worin Kulturkritiker die Auflösung ethischer Normen im Sinne rein kommerzieller Ziele sahen und wodurch die neue Bundesregie­rung nun sehr deutlich zu verstehen gab, wie das mit der geistig-mo­ralischen Wende gemeint gewesen war. Denn das, was danach auf die Fernsehteil­nehmer zu­kam, sollte sich bald als absoluter Tiefst­stand des kulturellen und geistigen Niveaus (Steinbock) in der Nachkriegszeit erweisen. Wir hatten das auch schon als Entspre­chung von Pluto im Skorpion gese­hen, können es aber auch unter Neptun im Steinbock sehen: jetzt herrschte nur noch das Diktat der Einschaltquoten, und selbst Unterhaltungs­filme üblicher Machart schie­nen für die geistesträge Masse der­artig an­strengend zu sein, daß sie bald in die Nachtzeit ver­legt wurden, so daß tagsüber nur noch Blödel- und Quizsendungen zu sehen waren.(2) Dabei entspricht das geringe Niveau Neptun im Steinbock (was man aber nur rückwirkend so interpretieren darf, denn von vornherein könnte es auch einer Niveausteigerung ent­sprechen) und der In­halt der Sendungen dem Skorpion-Pluto.

Die Niveausteigerung zeigte sich jedenfalls gottseidank bei der Wahl des neuen Bun­despräsidenten Richard von Weizsäcker im Mai 1984, dem es gelang, in seinem Amt mehr Sensibilität zum Aus­druck zu bringen als sein Vorgänger. Auch in Indien erfolgte mit dem Sieg Radjiv Gandhis eine glückli­che Wahl, doch sollte sich für ihn später ei­ne andere Bedeutung dieser Konstellation dadurch zeigen, daß er einem Attentat zum Opfer fiel. Anfang 1985 verließen die letz­ten DDR-Flüchtlinge die Botschaft der BRD in Prag, nachdem sie sie bestzt hatten, um dadurch ihre Ausreise in den Westen zu erzwingen, was sie hiermit aufgaben. Die Tatsache, daß spätere Besetzer damit mehr Erfolg haben sollten, zeigt wieder die Schwierigkeit astrologischer Bestim­mung, denn die Konstellation spricht auf verschie­denen Bedeu­tungsebenen stets nur das Thema an, nicht aber die Lösung. Im Saar­land wurde jetzt der Datenschutz in die Verfassung aufge­nommen, und in Bonn kam es zum Streit über die Frage der Leih­mütter, nachdem bereits im Vorjahr in Mel­bourne die Geburt ei­nes Babys aus einer tiefgefrorenen befruchteten Eizelle erfolgt war. Im Februar fiel die Entscheidung für den Standort Wackers­dorf für die erste kommerzielle Wiederaufbereitungsanlage ato­marer Brennstoffe in Deutschland. We­gen der heftigen und teil­weise militanten Angriffe von Demonstranten war diese Anlage mit einer äußerst aufwendigen riesi­gen Absperrungsanlage verse­hen worden, was sich später alles als überflüssig erwies, als die Betreibergesellschaft ihre Nutzungs­absicht fallen ließ - zu einem Zeitpunkt, als die Gegner schon fast alle Hoffnungen und ihren Kampfgeist hatten fahren lassen. Im März wurden mehrere RAF-Mitglieder zu lebenslänglichen Freiheitsstrafen verur­teilt, während Brasilien nach 21 Jahren wieder eine zivile Re­gie­rung bekam. Nach dem Generationswechsel im Kreml trat auch in Albanien ein neuer Parteichef sein Amt an. Im April wurden 17 000 Gruben­arbeiter in Südafrika fristlos entlassen, und im Mai verhängte Ronald Reagan ein Em­bargo ge­gen Nicaragua, ausge­rechnet am Tage sei­ner Ankunft zu einem Staatsbesuch in West­deutschland und ungeachtet der Tat­sache, daß viele deutsche Bürger - vor­nehmlich die Intellektuellen - in dieser An­gelegen­heit eher mit Nicaraguas Sandini­sten als mit der Reagan-Admini­stration sympathisierten. Daß ihn weder der Wille des nicara­guanischen Volkes, aus dessen Revolution gegen das Somoza-Regi­me die Sandinisten hervorgegangen waren, noch die Meinung der Weltöffentlichkeit interes­sierten bzw. er diese Dinge gar nicht als Problem erkannte, ist natürlich auch unter Neptun im Steinbock zu sehen. In ähnlicher Weise muß auch der instinktlose Besuch von Reagan und Kohl auf dem Soldaten­friedhof in Bitburg gewer­tet werden. 1984 wurde übrigens auch Isabel Allendes Roman Das Geisterhaus ein Bestseller - eine sehr deutliche Entsprechung von Neptun im Steinbock, denn das Buch handelte vor dem Hintergrund des Staatstreichens in Chile: hier löste sich nicht nur der Staat, sondern auch jede Ethik auf, während die nackte Gewalt an ihre Stelle trat.

Im Juni 1985 kam es dann zu dem flauen EG-Kompromiß in der Frage des Abgas-Kata­lysators für PKWs, im Juli brachte ein Dammbruch in Italien eine Überschwem­mungskatastrophe, und im August gab es endlich eine positive Nachricht: ein einseiti­ges sowjeti­sches Atomtest-Morato­rium trat in Kraft. Diese einseitigen Kon­zessionen der Sowjetunion durch Gorba­tschow rech­nete Reagan später der Tatsa­che zu, daß er vor seiner maßlosen Aufrü­stung kapituliert hatte, wodurch er sich ebenfalls als Frie­densbrin­ger feiern lassen konnte. Gleichfalls im August wurde der Spen­denprozeß ge­gen Brauchitsch, Lambs­dorff und Friede­richs eröff­net, und im No­vember mußte in Frankreich der Verteidi­gungsmini­ster Hernú wegen der Verwick­lung des franzö­sischen Geheimdien­stes in die Affäre um ein Greenpeace-Schiff zurück­treten (das Schiff, das die Atomversuche im Muroroa-Atoll beobachten woll­te, wurde versenkt). Im deutschen Fernsehen startete inzwischen die Un­terhaltungsserie Schwarzwaldklinik. Im Oktober wurden bei ei­nem Einbruch in ein Pariser Museum viele wertvolle Ge­mälde ge­stohlen, konnten sich bei den Grü­nen die Realos ge­gen­über den Fun­dis durchsetzen und stieg Daimler bei AEG ein. Im November konnte dann in Genf ein Gip­feltreffen zwischen Rea­gan und Gorba­tschow stattfinden, während Flick sein Im­perium verkaufte.

Im Januar 1986 kam es zu einer Einigung im britisch-französi­schen Kanaltunnelbau­projekt, im Februar flüchtete der Diktator Papa Doc Duvalier von Haiti nach Frank­reich, und wenige Tage da­nach trat auch der Staatspräsident und Diktator Marcos auf den Philippinen von seinem Amt zurück und stieg in ein Flugzeug nach Hawaii, während Corazon Aquino, die Frau des ei­nem Atten­tat zum Opfer gefallenen Oppo­sitionsführers, zur neuen Staats­präsidentin gewählt wurde. In Bonn beschloß derweil der Bundes­tag die Einführung eines ma­schinen­lesbaren Personalausweises, und im März gab die Demoskopin Noelle-Neu­mann bekannt, daß es inzwischen zu einem Wertewandel bei den Bundesbürgern ge­kommen war: eine ganz genaue Entspre­chung von Neptun im Steinbock! Das ergab sich zumal aus der Art des Wertewandels, wonach Eigen­schaften und Vorstellungen, die üblicherweise als positiv be­wertet wer­den, wie Nationalismus, Idealismus, Pflicht und Ord­nung - also alles Steinbock-Ent­sprechungen - nun keine Vorrang­stellung mehr hatten, sondern daß Freizeit und Le­bensgenuß an erster Stelle standen. Inzwi­schen zeigte sich auch die OPEC nach ei­nem Ölpreissturz uneinig, während im deut­schen Fernsehen das Programm 1+ startete. Im April kam es zu der Atomreaktor-Kata­strophe von Tschernobyl. Im Mai wurde der argentinische Ge­neral Galtieri zu 12 Jahren Haft (auch das Verhalten und Selbstverständnis des ganzen argentinischen Militärs gehört hierher) und vier Rheinme­tall-Manager wegen Waffenexport eben­falls zu Haftstrafen verurteilt. Eine wunderbare Entsprechung von Neptun im Steinbock war natürlich der Vorgang um das ge­werk­schaftseigene Wohnungsbauunternehmen Neue Heimat, die durch den DGB im No­vember für nur 1 DM an einen Brotfa­bri­kanten verkauft wurde. Zugleich gab es in Westdeutschland einen wahren Boom an Museumsneubauten, während der Bundes­tag in ein Was­serwerk umzog - was der na­türlich auch möglichen umgekehrten Be­deutung des Steinbocks im Neptun ent­sprach (der ja den Fi­schen zugeordnet ist, die auch für Wasser stehen). Im Oktober wurde dann im französischen Cattenom trotz Protesten ein riesi­ges Atomkraftwerk in Betrieb genommen - praktischerweise ein­fach an der Grenze (Steinbock) nach Deutschland, wo man inzwi­schen noch nicht einmal mehr eigene derartige Kraft­werke akzep­tierte.

1987 setzte Gorbatschow seine Reformen fort, kam es in Hattin­gen im Ruhrgebiet zur Stillegung von zwei Hochöfen, in Guate­mala zu einer Erdbebenserie, bei VW durch Devisenmanipulationen zu Verlusten von 480 Millionen DM, zur Versteigerung eines Van Gogh-Gemäldes zu 72 Millionen DM und einer weiteren ein paar Monate danach zu 90 Millionen DM, zum Rücktritt des SPD-Vorsit­zenden Willy Brandt, zur Lan­dung des Sportfliegers Mathias Rust auf dem Roten Platz in Moskau, trotz Verlu­sten zu der dritten Amtsperiode Margaret Thatchers, dem Besuch Erich Honeckers in Bonn, zu Kursstürzen an allen Börsen der Welt, zur Krise bei Kohle und Stahl, zum Selbstmord des ehemaligen schleswig-hol­steinischen Ministerpräsidenten Uwe Bar­schel, zur Tötung von zwei Polizisten bei Krawallen an der Frankfurter Startbahn West, zur Washingtoner Unterzeichnung eines Ver­trages über den Abbau aller ato­maren Mittelstreckenwaffen zwischen Gor­batschow und Reagan, zum Rücktritt des Fernsehmoderators Werner Höfer wegen der Kritik an seiner NS-Vergangenheit, dem Streik von Stahlarbeitern im Ruhrre­vier und einem neuen Rekord-Tief des Dollars. Daß Hochöfen und Stahl dem Steinbock-Prinzip entspre­chen, dürfte ein­leuchten. Das gleiche gilt für ein Unter­nehmen wie VW oder Gemälde, die zu ei­ner Institution werden - wobei wir hier ei­nerseits insofern die verstärkende Wirkung Neptuns feststellen als auch wiederum die auflösende, denn es ist klar, daß die Tatsa­che, daß ein Bild, das nur noch als kapitali­sti­sches Spekulationsobjekt gesehen wird, die Absicht des Künst­lers auf den Kopf stellt: hatte Van Gogh seine Bilder etwa für diese Kundschaft gemalt? Rusts Lan­dung auf dem Roten Platz brachte nicht nur die Sowjetmacht insgesamt und ihr Militär­sy­stem in ein merkwürdiges Licht, sondern auch den Stuhl des Ver­teidigungsminster ins Wanken. Frau Thatcher kann man als Wie­der­ver­körpe­rung Metternichs sehen, Honeckers Besuch in Bonn war nur mög­lich, weil beide Seiten von ihren verhärteten Posi­tionen herunterkamen, und die anderen Dinge sprechen ohnehin für sich.

Das nächste Jahr 1988 brachte u. a. folgen­de Ereignisse:

In Japan wurde der längste Unterwasser­tunnel der Welt er­öffnet. Die amerikanische Patentbehörde genehmigte erstmals ein Pa­tent für ein gentechnisch manipuliertes hö­heres Lebewesen, nämlich eine Maus. In Nordrhein-Westfalen kam es zu dem bisher größten Hormonskandal bei der Kälber­zucht. Vor der schwedischen Nord­seeküste breitete sich ein giftiger Algenteppich aus (es war jetzt auch Uranus gerade in den Steinbock getreten). In der un­garischen KP wurde ein Reformkurs eingeleitet, während auch das Zentralkomitee der polnischen KP die Partei­führung radikal um­bildete. In Rumänien kam es derweil zur ersten Kritik an Ce­aucescu. Im Juli begann auch die KPDSU damit, Staat und Partei zu refor­mieren. Durch einen Großbrand wurde im August die hi­storische Altstadt von Lissa­bon zerstört. In Deutschland ereig­nete sich inzwischen das Geiseldrama von Glad­beck, bei dem es sich ein Zeitungsjournalist ein­fal­len ließ, die Kidnapper zu begleiten und ihnen den Weg durch die Kölner In­nenstadt zu wei­sen. Im September erklärte in War­schau die Regierung ihren Rücktritt, wäh­rend es in Haiti zu einem Militärputsch kam und nach dortigen Unruhen Bergkara­bach in der Sowjetunion einem Mi­litär­komman­do unterstellt wurde. Bei den Olympischen Spielen kam es zu Dopings­kandalen, und in Moskau zur Abrüstung, nachdem Gorba­tschow nun die Ämter der  Staats- und Par­teiführung in ei­ner Hand vereinigte. Eine schöne Entsprechung von Neptun im Stein­bock war auch die Be­gräbnisfeier für Franz Josef Strauß im Ok­tober dieses Jahres, die an Pomp derjenigen eines Königs ent­sprach: es ist schon immer eine zweifelhafte Ehre gewesen, mit einer zu großen Latte gemessen zu werden, vor die Bayern damit nicht nur Strauß, sondern auch sich selbst stellte.

1989 wurde im Januar in Prag ein Bürger­protest von der Polizei niedergeknüppelt und im Februar in Paraguay der Diktator Stroess­ner durch einen Militärputsch ge­stürzt. Die Bedeutung Neptuns im Steinbock zeigte sich hier nicht nur für das Volk, son­dern auch für Stroessners Sohn, weil der Initiator des Put­sches ausge­rechnet sein Schwiegervater war. Im gleichen Monat kam es zu dem Mordaufruf Khomeinis ge­gen den Autor Rushdie, wobei natür­lich nicht nur das übliche Verständnis der Reli­gion, sondern auch das ei­nes religiösen Führers perver­tiert wurde. Für Neptun im Stein­bock steht somit auch die ganze in­nenpolitische und re­ligiöse Entwicklung des Iran sowie ande­rer islamischer Völker. Im Juni starb dann Khomeini, was mit seinen Begleiterschei­nun­gen einer äußerst viel­deutigen und viel­fa­chen Bedeutung unseres Prinzips ent­sprach. Gleichzeitig wurde in Peking ein Massenpro­test in einem Blutbad er­stickt, wäh­rend es in Deutschland einen grandio­sen Empfang für Gorbatschow gab. Im Juli feierten die Franzosen ihre Revolu­tion und streik­ten sowjetische Bergleute. Im August kam es zu einer Massen­flucht von DDR-Bürgern und im Oktober zu Ho­neckers letztem Auf­tritt sowie dem ersten Langen Donnerstag in der BRD, womit ei­nes der dümmsten Dogmen der Gewerk­schaft endlich gebrochen wurde. Im No­vember öffnete die DDR ihre Grenzen zur BRD und trat in der CSSR die gesamte Führung der KP zurück, während es auch in Bulgarien zum Macht­wechsel kam. Im Dezember trat dann auch die neue DDR-Führung mit Egon Krenz zurück, kam es zu ei­nem blutigen Umbruch in Ru­mänien und erwies sich schließlich sogar für die Militärs in Chile, daß sie keine Chance mehr hat­ten.

1990 wurde in Südafrika der Bürgerrechtler Nelson Mandela aus der Haft entlassen, gab es in England massive Proteste gegen die Kopfsteuer, waren in Berlin fast 300 000 Zuschauer bei der Rockveranstaltung The Wall (3) - ausgerechnet auf dem ehemaligen Todesstreifen -, besetzten Iraks Truppen ohne die geringste plausibele Begründung Kuwait und kam es bezüglich der darauf zu erfolgenden Antwort zum ersten Mal zu ei­ner Einig­keit zwischen den Supermächten. Im Oktober gab es in Deutschland Jubel um die Wiedervereinigung und seit langer Zeit wieder ein gesamtdeut­sches Parlament. Im November löste ein Religionskrieg eine Krise in Indien aus, während es in London zum Rücktritt der Eisernen Lady kam. Im Dezember stellte sich heraus, daß sich in der UdSSR trotz Rekordern­ten die Versor­gungslage drastisch verschlechtert hatte: kau­sal war das zwar nicht zu erklären, astrologisch aber durch­aus! In Deutschland kam es inzwischen zu einem etwas merk­würdigen Manöver Oskar Lafontaines, der  plötz­lich nicht mehr für den Parteivorsitz in der SPD kandidie­ren woll­te, sowie zum St­asi-Verdacht gegen Maziere u.a. Allein die vie­len Stasi-Affären dieser Zeit thematisier­ten den Neptun im Steinbock permanent, be­sonders in der Person des brandenburgi­schen Mi­nisterpräsidenten Stolpe.

Im Jahre 1991 zeigte sich bald, daß unter dem Eindruck des Golfkrieges die Zahl der Wehrdienstverweigerer in der BRD sprung-haft gestiegen war. Während der War­schauer Pakt aufgelöst wurde, mußten die Kurden aus dem Irak flüchten, wobei im­mer die gesamten Umstände gesehen wer­den müssen. Als im Mai in Südin­dien Radj­iv Gandhi ermordet wurde, bedeutete das nicht nur den Tod einer Autorität, son­dern auch das Ende einer Dynastie. Im Juni be­gann der Bürgerkrieg in Jugoslawien, im Juli wurde der Warschauer Pakt offiziell aufgelöst, im August lief ein mit 10 000 al­banischen Flüchtlingen besetzter Frachter im italieni­schen Hafen Bari ein (alle wurden wieder zurückgeschickt), im November wurde bekannt, daß die Krankheit Aids nicht nur Risi­kogruppen betraf, und im De­zember existierte die Sowjetunion nicht mehr.

Wir beenden damit unsere Datenreihe. Ins­gesamt läßt sich sagen, daß in dieser Peri­ode, in der Neptun in diesem Jahrhundert im Steinbock stand und die natürlich noch lange nicht zu Ende ist, so viele Macht­blöcke, Autoritäten und Diktaturen auf der ganzen Welt zusammengebrochen sind wie niemals zuvor in so kurzer Zeitspanne (es sei denn im vorigen Steinbock-Durchlauf Neptuns im 19. Jahrhundert (4): es gibt gott­seidank kaum noch irgendwo welche. So­gar der Mafia ging es an's Leder, was diese aller­dings nicht hinderte, den Neptun im Steinbock auf andere Weise zu verwirk­li­chen.

Wenn wir nun auf sämtliche Neptun-Durchgänge zurückblicken, mag es auf­fallen, daß in der Besprechung dieses Jahr­hunderts die ja besonders unter dem Ein­fluß Neptuns stehende Kunstent­wick­lung etwas zu kurz gekommen ist, während wir sie im 18. und 19. Jahrhundert recht aus­giebig erörtert hatten. Das hatten wir schon einleitend im ersten Neptun-Kapitel be­gründet: diese Dinge treten im politischen Alltag, wenn man also zu nah an den Din­gen steht, etwas in den Hintergrund und werden dann nicht mehr so deutlich gese­hen. Wir wollen deshalb stellvertretend für die anderen letzten Kapitel noch kurz un­tersuchen, ob und inwieweit Neptun hier die Kunst oder Mode beeinflußt - in die­sem Falle im Sinne des Steinbocks. Was ist also steinböckisch an der gegenwärtigen Kunst? Wenn wir etwa auf moderne Kunstaus­stel­lungen wie die Kasseler Documenta gehen, gibt es da auf den ersten Blick offenbar nichts, was an die Gebirgsbilder der letzten Steinbock-Periode im 19. Jahrhundert erin­nert, es gibt anscheinend auch keinen Steinbock-Philosophen wie Hegel. Doch da fällt uns etwas ein: wie ist es denn mit dem Reich-Ranicki? Aber ja doch! Und nicht nur der, sondern seine ganze Kritiker-Runde! Wann hat es das denn schon einmal gegeben, daß nicht et­wa irgendwelche Lite­raten, sondern überall nur noch Kritiker die eigentlichen Stars der Szene waren? (5) In der Tat hat sich in letzter Zeit kein Literat mehr wirklich profilieren können; man hört nur noch etwas von den Kritikern (gegen deren augenblick­liche Empfehlungen sich aller­dings der eingangs zitierte Spruch Cocteaus vermerken läßt). Und jetzt können wir auch das Stein­böckische in den anderen Künsten erkennen: es liegt nicht etwa in den Werken und Objekten, sondern in der Struktur der Szene. Natürlich gibt es auch Steinbock-Kunst wie etwa Kohle-Objekte, aber das ist nichts Wesentliches, sondern nur eine Skurrilität am Rande. Es kann uns dagegen heute leicht passieren, daß uns z.B. zwei Stück Brikett vorgelegt werden und man uns erklärt, das eine sei ein Kunstwerk und das andere bloß ein ge­wöhnliches Stück Kohle. Das eine trägt dann eine bedeut­same Signatur und kostet ungeheuer viel Geld, während das ande­re nur ein paar Groschen kostet. Es mag Leute geben, die das auf höhere oder tie­fere ideelle Gründe zurückführen - wie et­wa jener Kritiker, der sich über das man­gelnde Kunstverständnis von einigen Putz­frauen entrüstete, die eine von Josef Beuys be­arbeitete Bade­wanne wieder säuberten; aber wir sollten doch in der Lage sein, zu erkennen, daß hier (im Sinne des 10. astrolo­gischen Hauses) Machtstrukturen darüber entscheiden, was Kunst ist und was nicht. Es ist also die Macht des einfluß­reichen Galeristen oder irgendwelcher son­stiger Ausstellungsmacher, die bestimmen, was als Kunst zu gelten hat und was nicht - wer dazu­gehört und „in“ ist und wer nicht. Man mag diese Entwicklung als letzte Kon­se­quenz aus der Tatsache sehen, daß die vorherge­hende Entwicklung gezeigt hat, daß heute praktisch alles in der Kunst mög­lich ist und daß sich einige Szenen-Ma­cher das zu­nutze gemacht haben oder so viel Freiheit einfach für unmöglich hielten und deshalb künstlich für Stabilität sorgen woll­ten - doch sind das alles nur kausalisti­sche Erklärungen(6). Denn wenn man fragt, wer da ei­gentlich alle Fäden in der Hand hat, so wird man bald zu der Erkenntnis kommen, daß niemand allein so einflußreich sein kann(7). Dann fällt auch auf, daß diese Ent­wick­lung erst begann, als Neptun in den Steinbock trat: es war die Zeit, in der die Jungen Wilden plötzlich nicht mehr ge­fragt waren. Nun domi­nierten (um nur von der deutschen Szene zu spre­chen) plötzlich Künstler wie Penck, Baselitz, Lü­pertz, Im­men­dorf usw., die üb­rigens alle bei einem einzigen Ga­leristen na­mens Werner unter Vertrag standen oder immer noch stehen und bei denen als Gemein­sam­keit vor allem ihr persönli­ches Gebaren auffällt: sie denken nicht mehr daran, mit anderen über das Kunst-Problem zu disku­tieren, sondern stellen sich als fraglose Autorität dar. Ihr Gebaren gibt zu verstehen, daß sie keinen Widerspruch dulden und offenbar niemals unter der Spur eines inneren Zwei­fels ge­litten haben. Lüpertz etwa präsen­tierte sich in einem Por­trait-Film mit Gama­schen aus ei­nem Lu­xusauto steigend. Ande­re wiederum tragen an jedem Finger einen Ring, und daß sie dabei zum Malen ihre Finger gar nicht mehr zusammenbekom­men, scheint für sie keine Rolle zu spielen, da sie viel zu sehr mit ihrem Berühmtsein beschäftigt sind, um noch wirklich zum Malen zu kommen. Ja, man will gera­de­zu dadurch ganz demon­strativ das Prinzip der „reduzierten Kunst“ darstellen, daß man es über­haupt nicht mehr für nötig hält, irgen­detwas zu beweisen, und seine Autorität umso deutlicher zum Ausdruck bringt, je weniger Legitimität gleich­zeitig vorgezeigt wird. Wenn man in ist, hat man das auch kaum noch nötig - und es wird allgemein nur noch zwischen in und out unterschie­den, wobei es tödlich für Insider sein kann, das zu ignorieren. So antwortete Penck (Nomen est Omen!) auf die Frage eines Fernseh­reporters, ob jener Krackel, den der hier gerade selbst mache, auch Kunst sei: „Natürlich nicht!“ Auf die Frage, warum nicht, antwortete er: „Das ist eben keine Kunst. Das kann Ihnen jeder sagen, der et­was davon versteht.“ Ebenso hätte er die Frage nach dem Warum seiner eigenen Be­deu­tung mit der lapidaren Ent­gegnung be­antworten können: „Darum!“

Im neuen Kölner Wallraf-Richartz-Museum hängen derweil mehrere Gemälde von Lü­pertz, die mehr oder weniger gute Picasso-Nach­empfindungen sind, und da das so of­fensichtlich ist, kann man sich kaum vor­stel­len, daß Lüpertz das nicht selbst ge­merkt hat. Er verfährt aber offenbar nach der Methode: „Bei mir wird ge­gessen, was auf den Tisch kommt!“ Und alle, alle, ma­chen mit!!! Was die unmittelbare Ausstrah­lung dieser Künstler-Dar­steller angeht, so erinnert diese tatsächlich eher an die von Polizisten: der wahre Polizist ist ein Typ, der als Legitimation seiner Autorität keiner Uniform bedarf, sondern der theore­tisch auch mit einer Irokesen-Frisur er­scheinen könnte und sich dabei jedes Ge­lächter verbäte - ja, es auf geheimnisvolle Weise gar nicht erst aufkommen ließe. Lü­pertz etwa hält es für originell und indivi­dualistisch (oder weiß, daß es das nicht ist, und macht es dennoch), mit modischem Zweitagebart auf Kinn und Kopf (ebenso wie sein Kollege Baselitz - was aber heute, wie jeder beob­achten kann, vornehmlich nur solche Leute tragen, die früher einen Gamsbart-Hut ge­tragen hätten), mit Ring im Ohr und Schlapphut aufzutreten. Haben wir etwas ähnliches schon einmal früher er­lebt? Oh ja: Lord Byron z.B. präsentierte sich der er­staunten Öffentlichkeit auf dem Höhepunkt seines Ruhmes mit einem eigens angefertig­ten antiken Helm. Interessanter­weise ge­schah das im Jahre 1821/22, als die gegen­wärtige Uranus-Neptun-Konjunktion zum letzten Mal exakt war - ebenfalls im Stein­bock. Und das ist es auch, was diesen Er­scheinungen aussagemäßig entspricht: Nep­tun im Steinbock ist die steinböckische Szene, und Uranus im Steinbock sind diese merkwürdigen Typen, die nun seltsamer­weise allseits akzeptiert werden.

Es ist nichts anderes als das übliche Bürgerspek­takel, in dem sich nur vorder­gründige Gel­tungssucht und ungenierter Materialismus äu­ßern. Denn die Frage, woher die Galeri­sten die Macht bekommen haben, sol­che Leute zu „pushen“, ist - in der kausalisti­schen Vari­ante - leicht beantwortet: durch das Geld bürgerlicher Vielverdiener wie etwa Zahn­ärzte, die sich zuvor die Finger an diversen Bau­herrenobjekten verbrannt und jetzt plötzlich ihr Herz für die Kunst entdeckt hatten. Und da sie bisher noch keine Zeit gehabt hatten, sich darüber Ge­danken zu machen, was darunter zu ver­ste­hen sei, so fragten sie eben ir­gendwelche Leute, die es schließlich wissen mußten. Dabei konn­te sich für diejenigen Ga­leristen, denen in Be­zug auf Einfluß ein Anfangs­er­folg gelungen war, leicht ein Rückkoppe­lungseffekt er­ge­ben: sie waren bedeu­tend, weil sie bedeu­tend waren und wur­den des­halb bald immer bedeutender. So hatten sie nun alle Fä­den in der Hand, und es gab demnach nur noch Galeristenkunst statt Künstlerkunst, die die Galeristen schon im Ansatz spürten und verständlicherweise gar nicht erst aufkom­men lassen woll­ten, weil sie sich dann um ihren ausschließlichen De­finitions­status ge­bracht hätten. Der Stein­bock antwortet auf jedes Warum immer nur lakonisch mit einem Darum, denn jeder Begründungsversuch, auf den sich ja jede Künstlerkunst rückbezieht, steht unter sei­ner Würde. Na­türlich floß nun auch al­les Geld bei ihnen zusammen, denn die Bilder wurden ja wie bereits gesagt von den Anle­gern nicht etwa um ihrer selbst wil­len, son­dern wegen des Preises und des wichtigen Künstlerna­mens gekauft - vor­nehmlich um sie auf der nächsten Party den staunenden Gästen präsentie­ren zu kön­nen.(8) Auch äl­te­re Pluto-in-der-Jungfrau-Autoren konn­ten so aus innenarchitektoni­schen Gründen für ihre Bücher immer noch hohe Auflagen er­zielen, bis auch sie die an­dere Wir­kungs­weise Neptuns erwischte. In der Ar­chitek­tur zeigt sich mit der sog. Postmoderne ei­ne ähnliche Tendenz, denn diese ist ganz stein­bock-gemäß durch eine Überbe­tonung des Formalen und der Fas­sade gekenn­zeichnet. Bei der neuerrichte­ten Bonner Museums-Meile (sic!) beträgt deren An­teil etwa 50%, die mit noch nicht einmal vor­wandmäßig begründe­ten Ele­menten zu­sammengestellt sind: so etwa stehen vor der Fassade funktionslose Säu­len und sind an anderer Stelle ebenso unbe­gründete und kaum verstandene (offenbar in zum Prinzip erhobener Ignoranz gar nicht verstehen gewollte) Ägyptizismen vorgeklatscht - ei­ne fundamentale Grund­sünde in der Archi­tektur wie in jeder Kunst, da hier die Form noch nicht einmal dem Anschein nach in­haltlich begründet wird.(9) Was mag in den Architekten vorgehen, die einmal in der Hoffnung in ihren Beruf ge­gangen sind, in die Fußstapfen eines Frank Lloyd Wright oder Le Corbusier zu treten und die jetzt solche Dinge machen müssen? Denn selbst in den Projekten Le Corbu­siers, in denen er auf ähnliche Weise im Formalen schwelgte, geschah das doch auf einem Niveau, das heute nicht nur wegen mangelnder Talente (die vielleicht einfach nur nicht zum Zuge kommen), sondern of­fenbar aus definitori­schen Gründen strikt verfehlt wird.

Natürlich können wir schon die weitere Entwicklung vorhersehen: wenn Neptun das Zeichen wechselt, werden alle diese „Kunst“-Ob­jekte, sofern sie nicht aus phäno­menologisch-dokumentatori­schen Gründen in irgendeinem Museum untergekommen sind, nur noch Sperrmüll sein, wobei ein Verzögerungseffekt das noch über wei­tere 10 Jahre hinausschieben kann. Die Zahn­ärzte sind dann wie­der ihr Geld los und müssen von vorne beginnen zu bohren: der Wirtschaftskreislauf des Geldes ist damit wieder geschlossen, und die Idee des Gel­des kann mit neuen Zielvorstellungen verse­hen werden, denn nur dadurch funktioniert die bürgerliche Szene.(10) Es läßt sich allge­mein zwar nicht vorhersagen, ob es unter Neptun im Steinbock zu einer Niveauhe­bung oder -senkung kommt, doch rückwir­kend läßt sich jetzt schon feststellen, daß es dieses Mal zu einem kulturellen Tiefpunkt gekommen ist, wie wir ihn im letzten Nep­tun-Durchgang unter allen Erdzeichen fest­stellen konnten. So können wir aus astro­logischer Sicht mit ziemlicher Gewißheit davon ausge­hen, daß auch diese Steinbock-Kunst den Weg der übrigen Erd-Kunst ge­hen wird - nämlich, wenn nicht wie gesagt direkt auf den Sperrmüll, so in irgendwel­che Archive, wo sie niemand mehr se­hen will: direkt neben die Stier-Kunst (Pickelhauben-Kunst) und die Jung­frau-Kunst (Nazi-Kunst).

Dadurch, daß gleichzeitig Pluto im eigenen Zeichen steht, wird auch das Thema der Masse ins Spiel gebracht, die nun durch ih­re mißbrauchte Kaufkraft sogar die Kunst­szene pervertiert und von der Ortega sagte: "Wenn die einzelnen, aus denen die Masse be­steht, sich für be­sonders begabt hielten, hätten wir es nur mit einem Fall per­sönli­cher Täu­schung, aber nicht mit einer so­zio­logischen Umwäl­zung zu tun. Charak­teristisch... ist es jedoch, daß die gewöhnli­che Seele sich über ihre Gewöhnlichkeit klar ist, aber die Un­verfrorenheit besitzt, für das Recht der Gewöhnlichkeit einzu­tre­ten und es überall durchzusetzen." Die da­durch zum Prinzip erhobene Impo­tenz der gegenwärtigen Kunstszene ist brutal of­fen­sichtlich: Nep­tun kann in keinem Zei­chen so schädlich sein wie im Steinbock, besonders wenn wie mo­mentan auch noch der Uranus im Stein­bock steht und beide sich mit Pluto im Skorpion verbinden. Das, was hier ange­sprochen wird, ist ja nicht nur das Problem eines elitären Bereiches, sondern der Elite schlechthin, denn der Kunstszene obliegt vor allem die Funktion eines geistigen Korrektivinstrumentes, auf dessen Funktio­nieren die ganze Ge­sellschaft angewiesen ist, und wenn die­ses nicht mehr die Macht der Kontrolle hat, weil jede wirkliche Diskussion durch einen am Gelde und seinen Gesetzen orientier­ten Machtapparat ausge­schaltet ist - und das ist ja der gegen­wärtige Stand -, dann ist die Gesellschaft um ihre geistige Perspektive gebracht und muß deshalb notwendigerwei­se degene­rieren. Gottseidank wechseln al­lerdings die Konstellationen nach einer gewissen Zeit, doch auch das kann von sich aus keine Niveauhebung bewirken, um die die Gesellschaft sich nicht ver­dient gemacht hat - das alte Problem des Selbstbestim­mungsfak­tors, mit dem wir es auch beim einzelnen Menschen zu tun haben.

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