Thema Mundan-Astrologie

 

 

Neptun im Schützen

(1970-1983)

Kaum ein politisches Ereignis hat die Zeit­genossen so sehr be­eindruckt wie der Knie­fall von Willy Brandt in Warschau. Doch wird in diesem Schütze-Thema auch nach­träglich die Bedeutung des Skorpions ein­sichtig, denn nur vor dem Hintergrund der bis­herigen Verkrampfung, durch die die jetzt in der Opposition stehende CDU übri­gens noch lange gekennzeichnet war, indem sie die neue Ostpolitik mit allen Mitteln be­kämpfte, läßt sich der Durchbruch eines neuen Geistes würdigen, der sonst einfach kein Durchbruch gewesen wäre. Eben das ist es auch, was Leibniz mit seiner These von der be­sten aller Welten meinte: diese Welt kann sich nur in einem ständigen Wechsel von Ver­krampfung und Entkramp­fung entwic­keln, wozu leider auch sehr un­erfreuliche Geschehnisse offenbar notwenig sind. Das gleiche Prinzip zeigt sich auch in einer ge­spannten Feder, in deren An­span­nung zu­vor die Energie gespeichert wurde, die sich dann auf einen Schlag löst. Das Universum existiert auf der Grundlage des dualisti­schen Gegensatzes: es gibt kein Licht ohne Dunkel­heit, nichts Gutes ohne Böses usw. In der Faszination der Geste Brandts war deshalb eben auch die ganze skorpionische Energie enthalten, die sich jetzt auf einmal löste, und man kann sie deshalb nicht nur als ein Verdienst des Schützen auffassen. Insofern müssen wir die gesamte Periode des kalten Krieges, die fast vollständig un­ter Neptun im Skorpion fiel, als einen wich­tigen Schritt betrachten, auf dem die spä­tere Zeit aufgebaut hat. Wenn es so aus­sieht, als würde die Welt nach dem Modell der Springprozession sich einmal vor und ein andermal wieder zu­rückbewegen und als sei das Zurück zudem noch ein Werk der menschlichen Unzuläng­lichkeit, so ist dieser Eindruck insofern falsch, als zum ei­nen die "Rückschritte" ein notwendiger Teil der Gesamtprozedur sind und zum anderen darin der menschlichen Freizügigkeit oh­nehin zu viel Bedeutung beigemessen wird, denn wie uns alle bishe­rigen Betrachtungen gezeigt haben, sind auch die menschlichen Handlungen stets Ausdruck kosmischer Prinzi­pien und Not­wendigkeiten (ein in der Tat optimistischer Schluß, wenn man in philosophischen Di­mensionen und Zeiträu­men denkt - aller­dings auch nur dann!).

Der Schütze paßt sehr gut zu Film und Theater, und deshalb ist es bemerkenswert, daß in diesen Jahren besonders viele Regisseure und Dramatiker das Feld beherrschten. Die Erfolgsserie des Regisseurs Rainer Werner Faßbinder begann Anfang der 70er Jahre, ebenso wie Thomas Bernhards Erfolg als Dramatiker. 1972 trat Botho Strauß in Erscheinung und erhielt Peter Handke den Schillerpreis. In den frühen 70er Jahren etablierten sich auch mehrere Kunststädte bzw. Kunstszenen: „Die Idee, Kunst auf einer Messe zu vermarkten, hätte von einem amerikanischen Selfmademan stammen können... Doch die Idee wurde in Köln geboren: Die Galeristen Hein Stünke und Rudolf Zwirner setzten sie gemeinsam  mit einigen Kollegen 1967 erstmals in die Tat um... Auf der einen Seite protestierten die Künstler gegen die Musentempel..., auf der anderen Seite produzierten sie Werke wie am Fließband, in den sperrigsten (!!!) Formaten, mit den ungewöhnlichsten Mitteln... Die Konkurrenz erwachte 1971, das Messekarussell drehte sich auch in Berlin, Duisburg, Göttingen, Kiel, Basel und München - oft nur für eine Saison... Am 9.September 1975 (3) gründeten 37 deutsche Galerien die Zweckgemeinschaft ‘Bundesverband Deutscher Galerien e.V.’“(4) Es blieb aber nicht nur bei Theater und Kunstmarkt, denn auch die Stadtzeitungen kamen in dieser Zeit auf, so etwa der Frankfurter Pflasterstein. Auch im Underground tat sich viel, denn immer mehr Literaturzeitschriften begannen dort zu kursieren. Was man sich im Großen und Ganzen vorstellte, hat etwa Jörg Fauser in seinem Szene-Roman „Rohstoff“ so formuliert: „Da muß drin sein: die Kommunalpolitik, die Musikszene, die Literatur, der Sport, alles, was uns angeht. Reportagen, Information, Unterhaltung, Aufklärung. Die Seite für den Drogenkonsumenten, und was bei Eintracht Frankfurt passiert. Plattentips, Demonstrationen, Skandal bei der Müllabfuhr, die neue Cut-up-Reihe im Gutowsky-Verlag und der Verfall des Westends. Das Blatt, an dem einfach keiner vorbeikommt. Eine Plattform für Freaks und das Haschischplätzchen für die Progressiven in Zeitungsform. Zero für die ganze Stadt. Ab geht’s in die bunten Siebziger. Flower Power und Zero Power...“

Kommen wir aber nochmals zu den Vorgängen im Einzelnen: am 5. Januar 1970 trat Neptun in den Schützen, und nur zwei Tage später sprach sich eine Konferenz katholischer niederländischer Prie­ster für die Aufhebung des Zölibates aus. Der Zeitpunkt war al­ler­dings schlecht gewählt, denn gerade war nun der Jupiter in den Skorpion getreten, so daß es nicht wundert, wenn Papst Paul VI. jeden Kompromiß in dieser Frage öf­fentlich ablehnte. Am 12. Januar landete der erste Jumbo-Jet von New York kom­mend auf dem Londoner Flughafen Heathrow. Natürlich steht der Schütze für alles Gewaltige und Großartige, sofern es als solches bewundert wird und die Gemü­ter bewegt, während es in dem Falle, daß es einschüchternd wirkt, dem Steinbock zuge­rechnet werden muß. Doch das war hier nicht der Fall - im Gegenteil stand es für den weiteren Fortschritt und geistigen Auf­bruch, und vor allem war es eben ein Flug­zeug, das räumliche Weiten überbrücken sollte. Am 14. Januar kündigte der seit Okto­ber vorigen Jahres neue deutsche Bundes­kanzler Brandt bereits Verhandlungen mit der DDR an. Die fol­genden Monate bis zum vorübergehenden Rückgang Neptuns in den Skorpion waren durch anhaltende Diskussionen über das Zölibat, das Erfurter Treffen zwischen Brandt und Stoph und die sowje­tisch-amerikanischen Salt-Gespräche in Wien über die Begrenzung strategischer Rüstungen gekennzeichnet. Vom 4. Mai bis zum 7. November trat dann Neptun noch­mals in den Skorpion. Während dieser Zeit marschierten die Truppen der USA in Kambodscha ein und kam es zu den zuletzt im vorherigen Kapitel erwähnten Er­eignis­sen. Wir dürfen zwar auch nicht unerwähnt lassen, daß in dieser Zeit Anwar as-Sadat zum neuen ägyptischen und Salvador Al­lende zum neuen chilenischen Staatspräsi­denten gewählt wur­den, doch kann man das auch so sehen, daß das lediglich momen­tan skorpionischen Charakter hatte, während es für die Zukunft die Weichen im Sinne des Schützen stellte. Man muß dabei stets alle Planetenstände und Aspekte berücksichti­gen und in diesem Fall sehen, daß gleich­zeitig Uranus in der Waage stand. Am 7. Dezember, nachdem Neptun endgültig in den Schützen gewechselt hatte, kam es dann zu Brandts Kniefall in Warschau. An­fang des nächsten Jahres trafen die ersten Aussiedler aus deutschen Ost­gebieten in der BRD ein, was allerdings eher aus deren Sicht dem Schütze-Thema entsprach. Im Februar 1971 landeten weitere amerikani­sche Astronauten auf dem Mond, während in der Schweiz das Frauenstimmrecht ein­geführt wurde. Im März erklärte Brandt die Ziele der Reformpolitik der sozial-liberalen Koalition, während in Ost-Berlin bereits das 10. Deutschlandgespräch zwi­schen den Staatssekretären Michael Kohl (DDR) und Egon Bahr (BRD) stattfand. Im April de­monstrierten in Washington eine halbe Mil­lion Menschen gegen den Vietnam­krieg, und im Mai wurde das bisher größte Radio­teleskop der Welt in Münstereifel in Betrieb genommen. Im Juli ernannte Franco Prinz Juan Carlos zu seinem Stellvertreter.(5) Im August kam auf unserem Erdtraban­ten zum ersten Mal ein Mondjeep zum Einsatz, im September war Willy Brandt zu Besuch bei Breschnew auf der Krim, und im De­zember erhielt er dann den Friedensnobel­preis.

Im Januar des folgenden Jahres brach auf der ehemaligen Queen Elizabeth ein Feuer aus. Die Frage, inwiefern dieses Ereignis Neptun im Schützen zugeordnet werden muß, beantwortet sich da­durch, daß das Schiff von seinem neuen Eigentümer, einem chine­sischen Reeder, zu einer Universität ausgebaut werden sollte, und Neptun steht ja, was wir bei unseren Betrachtungen in den vorangegangenen Zeichen zumeist un­berücksichtigt lassen konnten, was jetzt aber wieder mehr in den Blickpunkt rückt, immer auch für Auflösung. Dieses sorgt wie schon gesagt nur scheinbar für völlige Relativierung, denn in jedem Fall wird da­durch wie auch hier das Thema des Zei­chens zum Ausdruck ge­bracht. In diesem Sinne müssen wir auch das Mißtrauensvo­tum der CDU gegen Brandt im deutschen Bundestag sehen, das allerdings wegen seines Scheiterns die weitere durchgehende The­ma­tisierung des Schützen nicht verhindern konnte. Im Februar wurde eine Botschaft durch eine US-Raumsonde in das Weltall geschickt. Im Mai besuchte Nixon Moskau, während ein vermutlich geistesge­störter ungarischer Emigrant im Petersdom die Pieta von Miche­langelo mit einem Hammer beschädigte: auch hier wiederum die Auflö­sungsfunktion Neptuns gegenüber einer Schütze-Entspre­chung. Im Juli wurden die Wagner-Festspiele in Bayreuth eröff­net und im September der Amerikaner Bobby Fis­her Schach-Welt­meister, wobei es ihm ge­lang, dieses Spiel in zuvor nie gekann­ter Weise zu popularisieren. Im November be­stätigten die deut­schen Wähler Brandts Ostpolitik.

Ab Januar 1973 herrschte endlich Waffen­ruhe in Vietnam. Im Mai dieses Jahres kam Breschnew zum Staatsbesuch nach Bonn, und im Juni besuchte Brandt Israel. Es war der erste offizielle Besuch eines bundes­deutschen Regierungschefs, und was Ade­nauer nie ge­lungen war, konnte Brandt we­gen der absoluten Glaubwürdigkeit seiner Person erreichen: das Eis begann ein wenig zu schmelzen. Breschnew besuchte nun auch die USA, wobei es zu mehreren Ab­kommen kam, unter anderem einer Abspra­che zur Verhinderung von Atomkriegen. Ende des Jahres sendete die Sonde Pioneer 10 Fotos vom Jupiter: der Jupi­ter ist ja dem Schützen zugeordnet.

Anfang 1974 erreichte die Okkultis­mus-Welle mit dem Film Der Exorzist einen Hö­hepunkt. Im Februar kam es zu der Ent­füh­rung der amerikanischen Millionärstoch­ter Patricia Hearst und löste in England die Labour-Party die Konservativen ab. Im Juni begann der inzwischen wegen der Water­gate-Affäre im Inland un­ter Druck geratene amerikanische Präsident Nixon eine Nah­ost-Reise. Im Juli trat in der BRD der Mini­ster für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Erhard Eppler aus Protest gegen Haus­haltskür­zungen bei der Entwicklungshilfe zurück, während sich zu glei­cher Zeit der persische Schah bei Krupp einkaufte. Im August stürzte Nixon über der Watergate-Affäre, was man insofern dem Schützen zu­rechnen muß, als die amerikanische Öffent­lichkeit gegenüber derartigen Machenschaf­ten und besonders gegenüber der Unauf­richtigkeit seiner Erklärungen in anderen Zeiten weniger empfindlich gewesen wäre: man denke nur an den späteren wahr­haft plutonischen Reagan, bei dem es offen­sichtlich noch nicht einmal als störend emp­funden wurde, daß er Mafia-Kontakte hatte. Im November kamen 220 000 Besu­cher zu einer Ausstellung von Caspar David Friedrich, und im Dezember besuchte Jean Paul Sartre Andreas Baader.

Anfang des Jahres 1975 beschloß der Land­tag von NRW den Öf­fentlichkeitszugang für unverbaute Fluß- und Seeufer. Im Fe­bru­ar gab es den ersten offenen Widerstand der umliegenden Bevölkerung gegen den Bau eines Atomkraftwerkes in Whyl am Oberrhein. Im Juni war der An­sturm der Studenten auf das Lehrerstudium (der Schütze steht ja auch für Schule und Uni­versität) so groß geworden, daß die Kul­tusminister sich ge­zwungen sahen, vor die­sem Studium zu warnen. Im September muß­ten sogar 51 000 Studienbewerber per Numerus Clausus abgewiesen werden. Im November schließlich wurde Juan Carlos König von Spanien. Da inzwischen auch Uranus in den Skorpion getreten war, kön­nen wir hier noch einige Vorkommnisse erwähnen, die eher zur Auflösungsfunktion des Neptun gehören: es sind der Einsturz der Tauern-Autobahn im Mai und die Be­schädigung von Rembrandts Gemälde Die Nachtwache durch einen Lehrer. Im April wurde auch bekannt, daß das Treibgas aus Sprühflaschen den Ozonmantel der Erde bedroht. Überhaupt wurde man sich jetzt immer mehr der uns inzwischen so geläufigen Umweltproblematik bewußt. Das Wort „Wald­ster­ben“ gelangte damit in den allgemeinen Sprachgebrauch, und noch in diesem Jahr erschien das Buch Ein Planet wird geplündert des Bundestagsabgeordneten Herbert Gruhl.

Im Januar 1976 wurde im Münchener Haus der Kunst eine Nofre­tete-Echnaton-Aus­stellung eröffnet, zu der die Besucher Schlan­ge standen. Nur zwei Wochen später wurden Picasso-Bilder aus dem Papst-Pa­last in Avignon gestohlen, worin man eine Doppel­entsprechung der Auflösungsfunkti­on Neptuns im Schützen sehen kann, denn Avignon stand ja für das große abendländi­sche Schis­ma und damit für die schwerste Krise in der katholischen Kir­chenge­schichte. Im März genehmigte ein US-Ge­richt die Ab­schaltung des Sauerstoffgerätes für die seit vielen Jahren im Koma liegende Karen Ann Quinlan, was praktisch einem Euthana­sie-Urteil gleichkam. Doch zeigte sich, daß der Körper der Pa­tientin auch oh­ne das Gerät weiterlebte.(6) Im August stürzte wie­der eine Brücke ein - diesesmal in Wien -, kam es zu einer Demon­stration der Müt­ter für Frieden in Irland und gewann der fran­zösische Bischof Marcel Lefebvre auch in der BRD Anhänger für seine reaktionäre Liturgie.

Im Jahre 1977 wurden sieben Missionsan­gehörige durch Rhodesische Guerillas er­schossen, forderte das Bun­desver­fassungs­gericht ein gerechtes Aus­wahlverfahren für den Numerus Clausus, hatte eine Staufer-Ausstellung in Stuttgart einen un­geahnten Erfolg (besonders die Gestalt Friedrichs II. von Hohen­staufen ist ja eine ausgesproche­ne Schütze-Verkörpe­rung), kam es zu Krawallen im niederländi­schen Grohnde, wurde in Spanien die kommunistische Par­tei legalisiert, wurde das Flugzeug Lands­hut in Mogadishu von der Sondereinheit GSG 9 gestürmt, kam es zum Selbstmord der Terroristen Baader, Ensslin und Raspe und be­suchte schließ­lich Anwar as-Sadat Israel.

Das Jahr 1978 war gekennzeichnet durch den Weltwirtschaftsgip­fel in Bonn, einen Atlantikflug im Ballon, das Motto des deut­schen Katholikentages: "Ich will euch Zu­kunft und Hoffnung bringen", den Gipfel in Camp David, den Tod zweier Päpste und die Neuwahl eines dritten. Am Ende dieses Jahres wurde deutlich, daß sich die westli­chen Industriegesellschaften seit Beginn der siebziger Jahre mit einem bisher neuen Problem auseinanderzu­setzen hatten, näm­lich der massenhaft auftretenden Drogen­abhän­gigkeit vor allem bei Jugendlichen. Daß der Drogenkonsum nicht nur den Fi­schen, sondern auch dem Schützen zuzu­ordnen ist, ergibt sich aus der insofern be­stehenden Gemeinsamkeit beider Zeichen - schließlich ist dem Schützen nicht nur der Jupiter, sondern nachrangig auch noch Neptun zugeordnet.

Anfang 1979 wurde von den Vereinten Nationen das Internationale Jahr des Kindes eröffnet, und im Februar kehrte der persi­sche Ajatollah Khomeini aus dem französi­schen Exil nach Iran zu­rück.(7) Im März er­reichte die Sonde Voyager den Jupiter, hatte die Oper des polnischen Komponisten Krzysztof Pendereckis Oper Das verlorene Paradies Premiere (Auflösungsfunktion Neptuns im Schützen!), wurde der Evange­lische Kirchentag in Nürnberg unter dem Motto Zur Hoffnung berufen eröffnet, er­folgten die ersten Direktwahlen zum Euro­pa-Parlament, bestieg der südtiroler Berg­steiger Reinhold Messner ohne Sauer­stoff-Gerät den K2 im Himalaja, der als schwie­rigster Gipfel der Welt bezeichnet wird, wurde in Mekka die Kaaba und die Große Moschee von etwa 250 schiitischen Ex­tremisten besetzt.(8) Im Dezember folgte dann noch eine große Dali-Ausstellung in Paris.

Das Jahr 1980 war gekennzeichnet durch die Krawalle der sog. Kraker in Amster­dam, durch monatelange Jugendunruhen in der Schweiz, durch die Moskauer Olym­piade, bei der wegen des sowje­tischen Ein­marsches in Afghanistan 50 Nationen fehl­ten, durch das Domjubiläum in Köln und die Einführung von Orden in der deutschen Bundeswehr.

Im Mai 1981 kam es zu Schüssen auf den Papst und im Juli zu der Londoner Hoch­zeit von Prinz Charles und Lady Diana. Im gleichen Monat endete auch die Tutancha­mun-Ausstellung in Hamburg - der letzten Station einer Wanderausstellung, die in vielen Ländern der Welt gezeigt worden war und zu der allein in der BRD 3,5 Mil­lionen Besucher gekommen waren. Es wä­ren wohl gerne noch viel mehr gekommen, doch wurden die meisten abgeschreckt durch die vielstündigen Wartezeiten in den Schlangen. Im August fand zudem eine weitere große Ausstellung in Berlin unter dem Titel Preußen - Versuch einer Bilanz statt. Im Oktober versammelten sich 300.000 Menschen zu einer Friedensde­mon­stration.

Im Jahre 1982 kam es dann zum Krieg zwi­schen England und Argen­tinien um die Falkland-Inseln, den Bayreuther Festspielen mit Parzifal und dem Konkursverfahren bei der Mailänder Banco Am­brosiano - dem größten Bankenskandal der italienischen Nach­kriegsgeschichte, in den auch der Va­tikan verstrickt war!(9) Im Oktober wurde im Martin-Gropius-Bau in Berlin die Aus­stel­lung Zeitgeist eröffnet, mit der die sog. Jungen Wilden erstmals in der Öffentlich­keit bekannt wurden und sich eine neue Renais­sance in der Malerei zu eröffnen schien. Ihre Malerei war äußerst ex­pressiv und Ausdruck eines neuen geistigen Auf­bruchs. Natürlich stieß diese Kunst auf ge­teiltes Echo in der Öffentlichkeit, aber ganz gleich, was man von den Ergebnissen im einzelnen hal­ten mochte: es war jedenfalls nicht zu bestreiten, daß der An­satz auf ei­nem wesentlich höheren Niveau stand als der gleich­zeitige Beginn der amerikani­schen Fernsehserie Dallas, den wir den­noch der Vollständigkeit und Korrektheit halber lei­der auch unter diesem Zeichen vermelden müssen, wenn auch eher im Sinne der Auf­lösung.

Von Auflösung ganz wörtlich war dann An­fang 1983 die Rede, näm­lich von der Auflösung des Deutschen Bundestages, die der Bun­despräsident Carstens auf Antrag des neuen Regierungschefs Helmut Kohl nach der Abstimmung über die Ver­trauens­frage im De­zember des Vorjahres vornahm. Nun stand auch Uranus im Schüt­zen, und so waren die Umstände, unter de­nen das geschah, etwas ungewöhnlich, denn Kohl hatte diese Abstimmung völlig plan­gemäß verloren, um dadurch die Voraus­setzungen für eine vorzeitige Neuwahl zu schaffen. Im Februar wurden Maßnahmen gegen das Waldsterben beschlossen, und im März sprach der neugewählte Bundeskanz­ler Helmut Kohl von einer Geistig-Morali­schen Wende. In welche Richtung diese ge­hen sollte, ob nach oben oder unten, ist den Konstellationen zwar nicht zu entnehmen, wohl aber die ganz wörtliche Entsprechung dieser Formulierung, denn nur wenige Tage vor der Wahl hatte eine Konjunktion von Jupiter und Uranus auf etwa 9° Schütze stattgefunden, wobei Uranus für die Wende, Jupiter für die Moral und der Schütze für den Geist und zudem in einer anderen Bedeutung für eine höchst unge­wöhnliche Sinnsuche stehen. Das zeigte sich auch jenseits aller Bewertung in der Tatsache, daß durch diese Wahl erstmals die Ökologie-Partei der Grünen in den Bundestag kam. Im Oktober kam es noch zu einem Massenprotest ge­gen Atomwaf­fen, und es wurde bekannt, daß inzwischen Zehntau­sende von Jugendlichen ohne Lehr­stellen waren.

Wir sollten dieses Kapitel nicht beschließen, ohne noch auf die Guru-Mode dieser Zeit hinzuweisen, in der aber angesichts des darüber im Westen herrschenden Mißver­ständnisses dieser Insti­tution vor allem Gu­ru-Darsteller wie Bhagwan Konjunktur hat­ten, deren Anhänger wohl eher durch das Stier- als das Fische-Prinzip geleitet waren. Die Sorgen vieler Eltern angesichts dieser Entwicklung waren verständlich, denn viele Sekten betrieben sehr zielgerichtet die Ent­fremdung ihrer jugendlichen Anhänger von ihren Eltern­häusern.

 


1 Unter Neptun im Skorpion ist dagegen der Staat tatsächlich noch eingeschritten, während heute unter Pluto im Skorpion viel Schlimmeres trotz des bestehenden Gesetzes ohne Beanstandung bleibt.
2 Die "wissenschaftliche" Erklärung dafür ist die, daß der Mond sich stets im gleichen Maße um seine ei­gene Achse dreht, in dem er sich auch um die Erde dreht: würde uns das auch als Erklärung ge­nügen, wenn nächtens jemand in gleicher Weise um unser Haus schliche? Es ist doch offensichtlich nur eine andere Aus­druckswei­se für das, was man ohnehin sieht, die sich aber dadurch bereits den Charakter einer Erklärung anmaßt - eine der typischen naturwis­senschaftlichen Methoden! Die astrologische Erklärung ist dagegen eher darin zu suchen, daß das im ganzen Universum waltende Krebs-Mond-Prinzip, das für das Vegetative, Beschüt­zende und Vertrau­engebende schlechthin steht, uns stets die gleiche Seite zu­wendet, was immer auch ge­schehen mag. Es ist in der Tat für die psychi­sche Entwicklung eines Kindes verheerend, wenn es seine Mut­ter nicht berechnen kann und dann auch ihr gegenüber zu "fremdeln" beginnen müßte. Das darin zum Ausdruck kommende Permanenz-Prinzip ist eines der fundamentalen Prinzipien des sich selbst den­kenden Universums. In der gleichen Richtung liegt auch die Erklärung dafür, warum die Mondscheibe genau so groß ist wie die Sonnenscheibe.
3 An diesem Tage trat zugleich Uranus in den Skorpion, und Uranus steht immer vor allem für bestimmte Persönlichkeiten, die in die Öffentlichkeit treten.
4 Zitat Werner Krüger: Die Erfindung Kunstmarkt.
5 Ein Astrologe hätte aus dem Neptunstand bereits schließen kön­nen, daß er damit aus seiner - skorpionischen - Sicht falsche Hoff­nungen verband. Zwar hätte Franco den Rat des Astrologen auch in seinem Sinne deuten können, denn vermutlich sah er seine Absichten ebenfalls dem Schützen zugeordnet, doch belehrt uns das Universum hier einer richtigeren höheren Sichtweise, weshalb man teilweise aus Horoskopen auch eine ethische Interpretation ge­winnen kann - bei aller dabei gebotenen Vorsicht.
6 Ganz allgemein ist hierzu zu bemerken, daß die materialistische Sichtweise die Bedeutung des Neptun im Schützen hier schon deshalb nicht versteht, weil sie nicht davon ausgeht, daß im Körper eine getrennte Seele wohnt - das, was die Esoteriker den Astralleib nennen -, die in diesem Fall den Körper verlassen hat, womit dieses Krankheitsbild erklärt werden kann. Wenn wir die Seele als Schütze-Entsprechung sehen, so wird aber die Bedeutung klar.
7 Wenn wir zuvor sagten, daß man aus den planetaren Konstella­tionen einen Rückschluß auf den wahren Geist eines Ereignisses ziehen kann, so könnte dieses als Gegenbeispiel zu der Nachfolge­entscheidung Francos für Juan Carlos gesehen werden, denn wäh­rend dort sich ein besserer Geist verwirklichen sollte, kam Persien nach dem Schah nun vom Regen in die Traufe. Wir müssen hier aber sehen, daß zum einen gleichzeitig jetzt der Uranus im Skorpi­on stand und zum anderen wie gesagt aus den Horoskopen niemals die geistige Qualität wirklich abzulesen ist. Daß hier von Religion die Rede war, ist ja nicht zu bestreiten, wenn dieser Begriff sich auch so sehr relativierte, daß man nicht mehr weiß, was damit ei­gentlich wirklich gemeint ist (Neptun im Schützen steht auch inso­fern für die Auflösung dessen, was man bisher darunter verstanden hat und kann wie hier ebenso wie unter Pluto bis zur Pervertierung gehen). Aber manchmal orientieren sich die Konstellationen auch an bloßen Begriffen, und insofern bleibt die Ausdeutung von Horo­skopen immer orakelhaft - was nicht heißt, daß daraus überhaupt nichts zu entnehmen wäre.
8 Siehe vorherige Fußnote.
9 Siehe dazu das äußerst informative Buch von David Yallup: Im Namen Gottes.
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