Thema Mundan-Astrologie

 

 

Neptun in der Jungfrau

(1764-1778)

In die hier zu erörternde Periode fällt auch die traurige und eigentlich unwürdige Aus­einandersetzung zwischen Hume und dem jetzt zunehmend sonderbarer werdenden Rousseau. Hume hatte ihn im Jahre 1766 mit nach England genommen, da Rousseau von der Kirche in Frankreich verfolgt wurde und von dort fliehen mußte. Sein Schützling zeigte sich aber derartig emp­findsam, daß er jeder Hilfe mißtraute und oft hysterisch reagierte. Oft bekam er da­nach wieder Reueanwandlungen und ver­suchte sein vorherge­hendes Verhalten durch andere Überreaktionen wieder gutzu­machen. Hume selbst hat uns eine solche Szene geschildert, die sich in einer Kutsche abspielte: "Plötzlich sprang er auf, setzte sich auf meine Oberschenkel, schlug seine Hände um meinen Hals, küßte mich mit größter Innigkeit, und während er mein Gesicht mit Tränen benetzte, rief er aus: 'Kannst du mir je vergeben, mein teurer Freund? Nach all den Beweisen der Zunei­gung, die ich von dir erhalten habe, be­lohne ich dich mit diesem törich­ten und unpas­senden Benehmen. Aber nichtsdesto­weni­ger habe ich ein Herz, das deiner Freund­schaft würdig ist. Ich liebe dich, ich achte dich. Und nicht ein Fünkchen deiner Güte ist an mich verschwendet.'" Hume soll tief bewegt gewesen sein, denn er er­widerte Rousseaus Umarmung "und küßte ihn mit einem reichen Fluß an Tränen." Aber wenn sich hier auch schon Goethes Werther an­kündigte und uns insofern Humes Reak­tion als dem neuen Zeit­geist entsprechend ver­ständlich wird, so gingen ihm diese Ge­fühlsausbrüche schließlich doch auf die Nerven, so daß es zum endgültigen Bruch zwischen ihm und seinem Freund kam.

Allgemein wird diese Epoche als die Zeit der Empfindsamkeit bezeichnet, was wir als direkte Entsprechung von Neptun in der Jungfrau bezeichnen können. Die eigentli­che Kommunikationsweise war jetzt der Brief, dessen Form auch in den Roman übernommen wurde. Er galt zugleich als Ausweis des Charakters des Brief­stellers sowie seiner Bildung, und die durch ihn hervorgehobe­nen Tugenden waren ganz im Sinne der Jungfrau: Natürlichkeit, Offenheit und Ehrlichkeit. Die weiteren Dinge, um die es ging, könnten ebenfalls aus einem astrologischen Rezeptbuch der Jung­frau-Eigenschaften übernommen sein: Sinn für die Natur, Suche nach Menschenkenntnis, Kritik an gesellschaftlichen Mißständen, Ergründung des eigenen Innenlebens usw. Es ergibt sich demnach wie von selbst, daß der Brief eine solche Bedeutung erhielt, weil er das beste Medium zur Herausbil­dung dieser Eigenschaften ist.

Der neue Zeitgeist konnte seine Empfind­samkeit aber auch von ganz anderer Seite zeigen: der Herzog Karl Eugen von Würt­tem­berg zum Beispiel war nun offenbar sein ausschweifendes Leben satt, oder er hatte einfach eine andere Idee, wie er seine Mit­menschen terro­risieren konnte. Jedenfalls war er nun zum Schulmeister gewor­den, wie es - vielleicht inspiriert durch die Ge­danken Rousse­aus - einer plötzlich auf­kommenden neuen Mode entsprach. Er versuchte sich nun als Pädogoge zu profi­lieren und war darin so rigoros, daß er eine militärisch durchorgani­sierte Schule grün­dete, in der eine neue Elite seiner Unterta­nen entstehen soll­te. Er wollte darin vor allem einen Nachwuchs an Beamten und Militärs aufziehen, der vollkommen unter seiner persönlichen Kontrolle stand. Überall in seinem Lande ließ er nach den be­sten Schülern für diese Eliteschule suchen, und so ereilte auch den jungen Friedrich Schiller das Schicksal, in den Genuß der fragwürdi­gen Ehre zu kommen, sich dieser totalen Zucht unter­stellen zu dürfen. Schillers El­tern waren darüber keineswegs glücklich, sondern sogar bestürzt, denn sie wollten dem Wunsch ihres Sohnes entsprechen und ihn eigentlich Pfarrer werden las­sen, doch der Herzog bestimmte es anders. Schiller selbst war über diese Entwicklung natürlich noch unglücklicher als seine Eltern, aber er fügte sich, um diesen Repressionen zu er­sparen. Vielleicht aber hatte es ein höheres Schicksal für ihn so be­stimmt, denn was ihm hier widerfuhr, war eine so unbe­dingte In­itiation, daß ihm daraus die kreative Kraft erwuchs, die ihn zu dem machte, was er für die Nachwelt wurde. Diese Schule war ei­gentlich nichts anderes als ein Zuchthaus, denn nur für die ebenfalls durchgeregelten Spaziergänge konnten die Schüler die An­stalt verlassen, ansonsten war der Tageslauf mi­litärisch durchorganisiert. Er begann be­reits um fünf Uhr mor­gens, wobei das Bet­tenmachen von Unteroffizieren überwacht wurde. Die Morgentoilette war obligato­risch und wurde nach bestimmtem Ri­tus vollzogen, ebenso wie die An­staltsklei­dung angezogen wurde. Da­nach ging es zum Frühappell und darauf in den Speisesaal, in dem es ein äu­ßerst spartanisches Frühstück aus Brot- oder Mehl­suppe gab. Auch das Händefalten beim Gebet und jede sonstige Bewegung war geregelt und wurde überwacht. Für die Parade gab es einen be­sonderen Anzug, der aus einem blauen Rock mit schwarzen Auf­schlägen, weißer Hose und Weste, Stiefeln und De­gen sowie einem Dreispitzhut be­stand. Die natürliche Haarfarbe war ver­pönt und wurde mit einer weißgepuderten Perücke über­deckt. Der Unter­richt verlief nach einem exakten Stun­denplan, und sogar die zwischenzeitlichen Stunden des Selbst­studiums verliefen nach genauer Vorschrift. Auch das Zu-Bett-Gehen war genauestens geregelt. Für eine freie Ent­wicklung der ei­genen Persönlichkeit war dabei nicht der geringste Raum, und man kann sich leicht in die innere Verfassung der Schüler ver­setzen, besonders aber in diejenige des übersensibelen jungen Schil­ler, der sich die­ser unbedingten Tortur bis zu seinem ei­nundzwanzigsten Lebensjahr aussetzen mußte. (Danach gab es eine ge­wisse Loc­kerung insofern, als die Stunden des Selbst­studiums vermehrt wurden). Damit nicht genug, erwartete der Herzog von seinen Schülern auch ständige Erwei­sungen der Ehrerbietung und Dankbarkeit. Er kannte alle seine Schü­ler persönlich und ließ sich über alle ihre Äußerun­gen ständig Berichte erteilen. Alle Türen besaßen Spionfenster­chen, und sogar mitten in der Nacht konnte es dem Herzog ein­fallen, die Schlafsäle zu inspizieren. Die Schüler waren dem­entspre­chend verschüchtert: jede Kreativität und In­dividualität war bei ihnen im Keim er­stickt worden, die aber gerade des­halb bei Schiller mit umso größerer Gewalt später wieder hervorbrach und ihn damit zu einem der Wortführer des Sturm und Drang ma­chen sollte. Überhaupt kann man sich diese Bewegung als eine Folge der allgemeinen Repres­sionszeit un­ter Neptun in der Jung­frau vorstellen.

Der Jungfrau ist aber unter anderem das Analyse-Prinzip zuge­ordnet. Der Analytiker möchte (wie der Herzog in unserem Bei­spiel, womit zugleich die oft bedenkliche Seite aufgezeigt ist) alles ganz genau wis­sen, und in diesem Sinne werfen die Szien­tisten den Astrologen gerne vor, daß sie sich mit viel zu ver­schwommenen Archety­pus-Begriffen abgeben, denen zudem der Cha­rakter der subjektiven Interpretation anhaftet. Nur ist es eben leider ein unum­gängliches Prinzip des sich selbst denken­den Universums, daß die Dinge nur holisti­sch-subjektivistisch er­faßt werden können. Wie schon gesagt untersucht der Analyti­ker, der sich zum Beispiel vor­nimmt, einmal ganz genau die Farbe Blau zu untersuchen, ja eben keine Farbe, sondern nur eine be­stimmte Version der monochromen Farb­losigkeit, da der Farbbegriff nur holisti­sch-synthetisch erfaßt werden kann: Farbigkeit heißt immer Viel­farbigkeit. Was hier be­züglich der Farbe gilt, gilt aber auch für alle anderen Einzel­phänomene, denen wir uns analytisch nur dann nähern können, wenn wir zuvor eine synthetische Vor­stellung vom Sinngefüge gewonnen haben, dem wir das Einzelphä­nomen zuordnen. Von dieser Schwierigkeit kommen auch die Szien­tisten nicht los, denn die Probleme beginnen schon da, wo wir auf den Punkt bringen wollen, was denn nun die Aufklärer so klar erkannt hatten. Wäre es so leicht, dann hät­ten sie nicht ganze Bücher darüber schrei­ben müssen. Hier zeigt sich aber der Vorteil der Astro­logie, die viel leichter eine gültige Zuord­nung im Sinne ihres Gefügesystems vor­nehmen kann, indem sie et­wa bezüglich des Neptunstandes den Beginn des Unter­neh­mens der Enzyklopädie dem Löwen zu­ord­net, während der folgende Fortgang leicht der Jungfrau zugeordnet werden kann. "Es gibt nichts Wunderbareres als die Arbeit", sagt der begeisterungsfähige Löwe gerne - "das Traurige ist nur, daß sie am Ende im­mer in Arbeit ausartet". Das aber ist eben das eigentli­che Feld der Jung­frau.

Hier können wir auch erkennen, was die Aufklärer wirklich unter dem Begriff der "Vernunft" verstanden, die nun zunehmend beim Fortgang der Arbeit an der Enzyklo­pädie thematisiert wurde - und zwar zwangsläufig, weil die einzelnen Dinge schon präzi­siert werden mußten. Der Be­griff ist nämlich üblicherweise kei­neswegs eindeutig, und viele verstehen darunter eher eine syn­thetische geistige Fähigkeit, die wir mehr dem Schützen zuord­nen können. Diese war zwar anfänglich wegen des ent­sprechenden Plutostandes durchaus mit im Spiel, doch müssen wir die eigent­liche Ar­beit eher dem Neptun zuordnen und gelan­gen dann über die Jungfrau zum analyti­schen Vernunft-Begriff, wie er seitdem mit der Aufklärung verbunden wird. In dieser Zeit wurde auch in Preußen die Kartoffel als Grundnahrungsmittel einge­führt und setzte sich nun als solches zu­nehmend durch. Wir können uns den kli­matischen Umbruch und die weitere Bedeu­tung der Jungfrau auch an den Titeln eini­ger Kunstwerke verdeutli­chen, die jetzt entstanden. So malte Gainsborough 1767 ein Ge­mälde mit dem Titel Der Erntewa­gen und ein anderes als Bauern auf dem Weg zum Markt. 1774 malte Lepice die Mut­terpflicht und zwei Jahre später Die ge­währte Bitte. 1777 malte Zick Die Werk­statt des Bildhauers usw. Die Bilder Cana­lettos bekamen übrigens in dieser Zeit einen auffälligen Zug zum Akademischen. Da er fast nur direkte Auftragsarbeiten ausführte, können wir im Gegensatz zu den eher selbstbestimmten Künstlern, die aller­dings in dieser Zeit noch die Ausnahme wa­ren, an seinen Bildern den Wandel des Zeitge­schmacks deutlich ablesen. Seine Frühphase stand unter Neptun in den Zwil­lingen, und seine entsprechenden Bilder hatten vor al­lem aufzählenden Charakter. Unter Neptun im Krebs wurden sie organi­scher. Unter Neptun im Löwen waren sie durch die Dar­stellung des bunten Le­bens gekennzeichnet, und unter Neptun in der Jungfrau waren sie nur noch Selbstzitat.

An zeittypischen Publikationen erschienen 1764 Winckelmanns Geschichte der Kunst des Altertums, 1765 die Ossian-Gesänge McPershons, 1766 Goldsmiths Roman Der Vikar von Wakefield, 1774 Goethes Die Leiden des jungen Werthers und 1776 Adam Smiths Wohlstand der Natio­nen - um die wichtigsten zu nennen.  Die Leiden des jungen Werthers hatten übri­gens einen bis da­hin nicht gekannten Erfolg in ganz Europa, der zeigte, wie sehr dieses Werk dem Zeitgeist entsprach. Uns fällt es heute schwer nachzuempfinden, was die Zeitge­nossen daran so sehr ansprach, da es offen­bar nur ein bloßes Modestück war. Es ist der Charak­ter aller Modestücke, daß sie nur für den Augenblick geschrie­ben sind, und in dieser Zeit neigte man eben wie ge­sagt zur Empfindsamkeit, wie sich auch an den anderen Werken zeigt - al­lerdings einer Emp­findsamkeit ohne Entsprechung in hö­heren Wer­ten, denn woher hätten die so schnell kommen sollen? Es ging um die Emfindsam­keit gewissermaßen als Selbst­zweck, denn man emp­fand dumpf die plötzliche Verlassenheit und Ernüchterung ohne jede Transzen­denz. Der menschliche Geist rang um eine höhere Ahnung und suchte sich selbst zu fassen, indem er sich am eige­nen Schopfe aus dem Sumpf zog. Das wäre verständlicher, wenn es nicht be­reits die Renaissance gegeben hätte. Auch der Roman Der Vikar von Wakefield schil­derte die Einfachheit des Land­lebens in der neuen Mode der Empfind­samkeit, die man auch als Reaktion auf die allzugroße Ver­nunft­betontheit der Aufklärer sehen kann - wenngleich beides Jung­frau-Ent­sprechun­gen sind. Die Empfindsamen wandten sich dabei nicht gegen die Aussa­gen der Aufklä­rer, sondern gegen die Ab­wertung von Lei­denschaft, Phan­tasie und Ge­fühl. "Das be­ste, was ich hier getan ha­be", heißt es im Werther, "ist mein Zeich­nen. Der Fürst fühlt in der Kunst und würde noch stärker fühlen, wenn er nicht durch das garstige wissen­schaftliche Wesen und durch die ge­wöhnliche Ter­minologie einge­schränkt wä­re. Manchmal knirsche ich mit den Zäh­nen, wenn ich ihn mit warmer Imagination an Natur und Kunst heran­führe, und er es auf einmal recht gut zu ma­chen denkt, wenn er mit ei­nem gestempel­ten Kunst­worte dreinstolpert." Wie man sieht, gab diese Literatur aber auch dem neu entstan­denen Selbstbewußtsein des Bürgertums Ausdruck, das gegenüber dem Adel nach einer ei­genen Identität suchte, die es in der Subjek­tivität und indivi­duellen Selbst­ver­wirklichung fand. Auch hier­durch wurde der Sturm und Drang in Deutsch­land vor­bereitet, dem wir den Wer­ther be­reits zu­ord­nen können.

Allerdings steht die Jungfrau auch für das Anpassungs-Prinzip, was in negativer Ent­sprechung bis zum Plagiat gehen kann, wie sich jetzt sehr oft zeigte. Schon die Ossian-Gesänge waren fin­giert und wurden einem schottischen Dichter dieses Namens zuge­schrieben, der nie existiert hatte. Auch Thomas Chatterton gab eigene Dichtungen als angeblich aufgefundene alte Texte her­aus. Man muß auch das aus dem Geist die­ser Zeit heraus verstehen, der uns auch den Winckelmannschen Klassizismus besser verständ­lich macht, dem wir aus heutiger Sicht leicht einen epigonalen Charakter zu­schreiben. Man suchte nach einer neuen Transzendenz und erhob nun das Altertum zum Religionsersatz. Und in der Tat muß uns auch heute angesichts der Perspekti­vlosigkeit des Roko­ko die Suche nach der Wahrheit, die man in der schlichten Größe klassischer Formen zu sehen glaubte, ver­ständlich werden. Es war auch hier zu­nächst nur eine Reaktion auf äußere Um­stände, die von vielen als unerträglich emp­funden wurden. Die Klassizi­sten kamen zu­dem vornehmlich aus solchen gesell­schaftli­chen Schichten, in denen noch die pietisti­sche Frömmigkeit maßgebend war und de­nen nicht das Privileg der Zugehö­rigkeit zu jenen Kreisen zukam, in denen man sich jetzt so aufgeklärt gab. Win­ckel­manns er­stes Werk war unter dem Titel Gedanken über die Nachahmung der grie­chischen Werke in der Malerei und Bild­hauer­kunst erschienen, und er gab als Ziel dieser Nach­ahmung allen Ernstes an: "...um selbst un­nachahmlich zu werden". Er war per­sönlich befreundet mit dem zu dieser Zeit in ganz Europa be­rühmten Maler An­ton Raphael Mengs, den man als im Grunde eklek­tisch bezeichnen muß. Mengs begrün­dete seine Kunstauffassung mit den Geset­zen der idealisierenden Schönheit aus den besten Beispielen der großen Meister. Zwar meinte auch er den Geist der Antike und der Renaissance in seinen Werken zu er­neuern, was er aber tatsächlich schuf, war kaum mehr als ein überflüs­siges Zitat be­reits Bestehenden, das sich inzwischen überlebt hatte. Dennoch wurde er als Re­formator gefeiert, der die Kunst aus den Übertreibungen des Barock und Rokoko befreit hatte. Ab 1762 wirkte er am Hof von Madrid und wurde dort 1766 zum er­sten Hofmaler des Königs ernannt. Sein von dort ausgehender Ruhm brachte ihm so viele Aufträge in ganz Europa, daß er förmlich an Überarbeitung starb - auch die­ses eine Entsprechung der Jungfrau und des ihr zugeordneten sechsten astrologischen Hau­ses.

Adam Smiths Wohlstand der Nationen war insofern eine Neue­rung, als sich frü­here Philosophen und Theoretiker kaum mit dem Thema der Ökonomie befaßt hät­ten, das sie schlichtweg als der Philosophie unwürdig erachteten. Die Ökonomie war inso­fern ei­ne neue Wissenschaft, deren Proble­matik in Begleitung der aufkom­menden in­dustriellen Revolution in England ins Bewußtsein der Intel­lektu­ellen trat. Es ging in diesem fünf Bücher umfassenden Werk um Themen wie Arbeitsteilung, Werttheorie, Lohn und Gewinn so­wie um die verschiedenen Sy­steme der politischen Ökonomie (Merkan-tilismus, Kolonien und Physiokratie). Wei­tere Themen wa­ren die Aufgaben des Staa­tes (Schule und Bildung, Steuern, Kir­che und Staat) und der Aufstieg der Städte und kapitalistischer Wirtschaftsformen aus dem Feudalismus. Entscheidend ist, daß es hier nicht mehr nur um den Wohlstand der Herrscher geht, son­dern um den des ganzen Volkes, das jetzt mit seinen Herrschern und seiner Oberschicht als Einheit aufgefaßt wurde. In diesem Wirtschaftsgefüge hatte der Staat nach Smiths Auffassung be­stimm­te lenkende Aufgaben zu übernehmen. Der Wohlstand sollte vor allem durch das Prin­zip der Arbeitsteilung gesteigert wer­den, woraus er sich größere Geschicklichkeit bei der Verrich­tung routinierter Spezialarbeiten sowie Zeitersparnis ver­sprach - zumal wenn dabei jetzt in höherem Maße Maschinen einge­setzt werden konnten. Damit verbun­den war das Prinzip des Wa­ren­tausches, das wiederum zur Notwendigkeit von Transportwegen und -systemen führte. In seiner Werttheorie unterschied Smith zwi­schen dem Tauschwert und dem Ge­brauchswert einer Ware, wobei Dinge mit hohem Gebrauchswert oft einen geringen Tauschwert ha­ben können und umgekehrt. Da der Gebrauchswert in seinen Augen sich von selbst erklärte, richtete sich sein Inter­esse auf den Tauschwert von Waren, für den er nach einem gerechten Maßstab such­te und den er in der Arbeitsmenge sah, die zur Herstellung der Ware aufgebracht wer­den mußte. Dieses ist zwar sehr jung­fraumäßig gedacht, doch kann es unter den anderen Zeichen und beispielsweise dem Steinbock auch ganz anders kommen.

Die Jungfrau aber neigt zur Gleichma­chung. In der am 4. Juli 1776 verfaßten amerikanischen Unabhängigkeitserklärung heißt es entsprechend: "Wir halten diese Wahrheiten für in sich ein­leuchtend: daß alle Menschen gleich geschaffen sind; daß sie von ihrem Schöpfer mit gewissen un­veräußerlichen Rechten ausge­stattet sind, darunter Leben, Freiheit und Streben nach Glück; daß zur Sicherung dieser Rechte Regierungen unter den Menschen einge­setzt sind, die ihre gerechten Vollmachten von der Einwil­ligung der Regierenden her­leiten; daß, wenn immer eine Regie­rungs­form diesen Zielen zum Schaden gereicht, es das Recht des Volkes ist, sie zu ändern oder abzuschaffen und eine neue Regie­rung ein­zusetzen, die sich auf solchen Grundsätzen aufbaut..." Das ist ebenfalls schön gedacht und erinnert uns wieder an die Be­deutung des Jungfrau-Neptun im Sinne von Emp­findsamkeit. Al­ler­dings muß dazu bemerkt werden, daß im Horoskop der USA der Mars in den Zwillingen im Quadrat (Astrologen-Jargon für rechter Winkel - also Spannungsaspekt) zu ihrem Jungfrau-Neptun steht, was man übrigens fast in je­dem amerikanischen Serien-Film deutlich merkt.[2]


[1]Hat Freud auch Denkmäler den Penis-Symbolen zugerechnet? Hier wäre nämlich der Vergleich ausnahmsweise einmal nicht zu weit hergeholt, da das beiden Gemeinsame der demonstrative Cha­rakter ist, der beide dem Löwe-Archetypus zuweist (was nicht heißt, daß Denkmäler nur unter dem Löwen aufgestellt werden: un­ter anderen Zeichen entstehen sie aber unter einer anderen Ab-sicht).
[2]Ich denke dabei an die oft auf geradezu penetrante Weise zum Ausdruck gebrachte Empfindsamkeit z.B. gegenüber Schwarzen, während uns der niedrige Spitzensteuersatz in den USA zeigt, wie es mit dem Mitgefühl gegenüber sozial Schwächeren tatsächlich bestellt ist.
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