Thema Mundan-Astrologie

Pluto in der Waage

(1972-1983)

Für die Waage können wir uns wiederum etwas vereinfacht das Stichwort Gerechtig­keit merken, und unter Pluto kann das be­deuten, daß man diese auch unter Umstän­den mit Gewalt herbei­führen möchte. Je­denfalls kennzeichnet dieses in erster Linie den hier zu behandelnden Zeit­abschnitt. Schon im Oktober 1971 war Pluto in die Waage getreten und blieb dort zunächst bis En­de April 1972, verließ sie zwischen Mai und Juli 1972 nochmals wie­der rückläufig und blieb dort endgültig ab August 1972. Im November 1971 besuchte die indische Ministerpräsidentin Indira Gandhi die ganze Welt, um wirtschaftliche Hilfe für ihr Land zu erbitten. Damit rückte das Thema der Dritten Welt ins Bewußt­sein der Indu­strie­nationen. Aber auch mit­ten im Westen bra­chen Probleme auf, an die niemand mehr gedacht hatte und die schein­bar ins Refor­mationszeitalter zurück­führten: Ende dieses Mona­tes erreichten die Weltöffentlichkeit über die Organisation amnesty internatio­nal erste Meldungen über Folterungen in Nordirland, mit denen sich das britische Unterhaus zu befassen hatte. Schon im Ja­nuar 1972 kam es zum sog. Bloody Sun­day in Irland, wobei es 13 Tote gab, als briti­sche Soldaten auf De­mon­stranten schossen. Gleichzeitig wurden die europäi­schen Län­der von einer Wirt­schaftskrise heimgesucht, unter der in der BRD vor­nehmlich die Stahlbranche zu lei­den hatte. Nach dem bis da­hin ungebroche­nen Auf­stieg der Nach­kriegszeit war das wie ein Zeitenumbruch.

Am 28.01.1972 kam es in Westdeutschland zu einer gemeinsamen Grundsatzerklärung der Ministerpräsidenten und der Bundesre­gie­rung über die Beschäftigung von Mit­gliedern radikaler Organisa­tionen im öf­fentlichen Dienst, dem Radikalenerlaß. Mitte März erging ein er­stes Urteil gegen ein Mitglied der Baader-Meinhof-Bande, die in der Folge­zeit noch viel von sich re­den machen sollte. Schon im gleichen Jahr wurde eine ganze Serie von Bombenan­schlägen verübt, zu denen sich die Rote-Armee-Fraktion (RAF) be­kannte, unter an­derem mehrere Anschläge ge­gen das Sprin­ger-Hochhaus in Berlin, aber auch gegen die ame­rikani­schen Trup­pen in der BRD. Die Bundesre­gierung ord­nete daraufhin für viele öffentli­che Gebäude Polizeischutz an. Im März übernahm Lon­don die Regie­rungsgewalt in Nordirland. Die dortigen Protestanten wollten den For­derungen der katholischen Minderheit nach Gleichbe­rechtigung nicht nachgeben, so daß sich die Londoner Regie­rung gezwungen sah, selbst die Kontrolle über die Sicher­heitsorgane und das ganze Land bis zum Ende des Jah­res zu überneh­men, wobei sie seit dem Bloody Sunday mit dem offenen Haß der Bevölkerung zu rechnen hatte, der sich vornehm­lich gegen­über den britischen Po­lizisten äußerte. Das Klima in der Bun­des­republik war derweil durch Proteste der CDU gegen ei­ne Stel­lungnahme der Kirche für die Ost­verträge der neuen Bun­desregie­rung und die inter­nationale Situation durch Vorwürfe der 3. Welt gegen die Industrie­nationen gekenn­zeichnet. Im Au­gust kam es bei den Olym­pischen Spielen zum Boy­kott zwölf schwarzafrikanischer Staaten gegen die Rhodesier wegen ihrer Rassen­trennungs­politik. Unter diesem Druck be­schloß das Olympi­sche Komitee den Aus­schluß der rhodesischen Mannschaft von der Teil­nahme an den Spielen. Doch schie­nen diese Spiele unter kei­nem guten Stern zu stehen, wie man so sagt: in diesem Fall war es eben Pluto in der Waage. Am frühen Morgen des 5. September überfielen arabi­sche Terrori­sten der Organisation Schwar­zer Septem­ber das Quartier der is­raelischen Mann­schaft und töteten dabei zwei der Sportler. Sie wollten damit die Freilassung von arabi­schen Häftlingen aus israelischen Gefäng­nissen erzwingen. Bei einem an­schließen­den Schußwechsel mit der Polizei wurden fünf Terroristen, neun israelische Geiseln und ein Polizist ge­tötet. Nach einer Trauer­feier wurden dennoch die Spiele fortge­setzt, die im übrigen - und auch das ist eine Entsprechung der ausgleichenden Waage - sehr harmonisch abliefen. Im glei­chen Monat führten in Bonn Übertritte von SPD-Abgeordneten zur Auf­lösung des Bundestages.

Das Jahr 1973 war im März gekennzeichnet durch einen Terroran­schlag arabischer Guerillas in der Botschaft in Khar­tum und durch den Protest der Sioux-Indianer in den USA. Diese hatten den Ort Wounded Knee in Süd-Dakota besetzt[1], wo im Jahre 1890 eines der letzten Massaker an Indianern stattgefunden hatte. Sie wollten damit auf die Zustände in ihren Reservaten aufmerk­sam machen. Es gelang ihnen nach einem Hungerstreik, die Regie­rung dazu zu bewe­gen, daß die Zustände in den Reservaten unter­sucht und die allgemeinen Rechte der Indianer besser geschützt wurden. Im April hatte sich die Frankfurter Polizei mit einer weiteren neuen Erscheinung auseinanderzu­setzen: junge Leute hatten wegen eigenen Wohnungsmangels einfach freistehende Häu­ser besetzt, die nun gewaltsam wieder geräumt wurden. Zur glei­chen Zeit zog in den USA der Watergate-Skandal Kreise, da sich herausstellte, daß in diese schmut­zige Sache auch persön­liche Vertraute des Prä­sidenten Nixon verwickelt waren, die nun von ihren Ämtern suspendiert wurden. Da­bei blieb die Rolle des Präsidenten selbst noch unklar. Er versicherte jedenfalls in Fernsehansprachen an das ganze Volk, von dem Vorgehen seiner Leute nichts gewußt zu haben. Während diese Angelegenheit al­so noch der weiteren Durchleuchtung be­durfte, bekam er aber in ei­ner anderen Sa­che Schwierigkeiten: im Juli zwang ihn der US-Kongreß zum Bombenstop in Kambod­scha. Alles wollte nicht mehr so laufen wie bisher, was sich gerade an den Fundamen­ten zeig­te, auf der der neue Wohlstand auf­baute, denn die Industriena­tionen hatten, wie sich nun plötzlich zeigte, empfindliche Schwachstellen wie etwa das Verkehrswe­sen: am 24.07. wurde z.B. ein entführter japanischer Jumbo-Jet gesprengt, und das sollte bald Schule machen. Nixon kam der­weil nicht zur Ruhe, denn noch im gleichen Monat forderte der Watergate-Ausschuß von ihm die Herausgabe von Tonbändern, auf denen er Gespräche im Weißen Haus aufgenommen hatte und auf denen bela­stende Aussagen vermu­tet wurden.

Wenn die Waage auch Gerechtigkeit will, so sagt das noch lange nicht, in welcher Weise und auf welchem Niveau diese ge­sucht wird, denn das käme praktisch einer Determination des Univer­sums gleich und würde tatsächlich astrologische Wahrsage­rei er­möglichen. Im November dieses Jah­res erfolgte jedenfalls ein Militärputsch in Chile, in dessen Verlauf der bisherige de­mo­kratisch gewählte marxistische Präsident Salvador Allende er­schossen wurde. Damit waren zumindest für die amerikanischen Hintermänner (Firmen wie ITT) die Dinge wieder in Ordnung ge­bracht worden. Auch in der Bundesrepublik wurde nun auf der Ba­sis des Radikalen-Erlasses alles wie­der zum Ausgleich gebracht, als in Nord­rhein-Westfalen ein DKP-Mitglied für den rich­terli­chen Probedienst abgelehnt wurde. In­zwischen blieb es in der internationalen Szene nicht bei Flugzeugentführungen, denn in Wien überfielen palästinensiche Terroristen nun einen Eisen­bahnzug. Über­haupt kam viel Ärger aus dem nahen Osten; am 17. Oktober beschlossen die Araber so­gar die Öldrosselung, womit sie einen wei­teren Nerv der Industrienationen trafen. Im glei­chen Monat war Nixon eine einleuch­tende Idee gekommen: er ent­ließ einfach die lästigen Watergate-Sonderankläger, die immer noch die Herausgabe der Tonbänder forderten, woraufhin aller­dings sein Ju­stizminister und dessen Stellvertreter zu­rücktra­ten. Im November kam es zu bluti­gen Zusammenstößen in Athen zwischen der Polizei der regierenden Militärjunta und demon­strierenden Regimegegnern. Die Mi­litärs ließen daraufhin Panzer auffahren und verhängten das Kriegsrecht. Wenig später kam es allerdings zu einem Putsch. Das Jahr ging zu Ende mit der Kape­rung einer Lufthansa-Maschine durch arabische Ter­roristen, ei­nem Attentat auf den spani­schen Regierungschef Carrero Blanco, der Ver­doppelung des Rohölpreises durch die OPEC und einem Eklat um die Verleihung der Nobelpreise, wobei zwei Mitglieder des Preiskomitees aus Protest zurücktraten.

Im Februar 1974 wurden weitere Mitglie­der der Baader-Meinhof-Bande festge­nommen. Der Pluto hatte nun allerdings auch die Re­gierungsstellen ergriffen, denn noch niemals zuvor hatten sich die staatli­chen Verfolgungsorgane derartig ins Zeug gelegt. Es schien aber auch der Teufel los zu sein, denn noch am gleichen Tage wurde in den USA die Tochter des größten ameri­kanischen Zeitungsverlegers Patricia Hearst durch die sog. SLA ent­führt. Dieser Or­ganisation ging es um die Erpressung von Löse­geld, das sie zum Ankauf von Le­bensmitteln für alte und bedürf­tige Men­schen verwenden wollte (Neptun stand gleichzeitig im Schützen!). Derweil gab es in Frankfurt weitere Hausbesetzer-Krawalle und in Washington die ersten offiziellen Watergate-An­klagen. Ende April folgte ein Militätputsch in Portugal. Dieses Mal wur­den die Soldaten von der Bevölkerung be­geistert empfan­gen, und der Junta-Führer Spinola versprach, die neue Regierung werde die Freiheit des Denkens, der Rede und der Tat garantie­ren und auch nur bis zu den ersten freien Wahlen die Macht be­hal­ten. Tatsächlich erschienen von nun an seit langer Zeit die Zeitungen unzensiert. In Bonn gab es dagegen eine böse Ernüch­te­rung für alle Idealisten, als Willy Brandt unverhofft von seinem Amt als Bundes­kanzler zurücktrat. Er erklärte sich menschlich tief enttäuscht über den SED-Staat, nachdem sich herausgestellt hatte, daß von dort aus der Spion Günter Guil­laume auf ihn angesetzt worden war, der es sogar zu seinem per­sönlichen Referenten gebracht hatte. Gegenüber dem Bundes­präsi­denten übernahm Brandt, wie er er­klärte, die Verantwortung für die Fahrläs­sigkeiten im Zusammenhang mit dieser Af­färe. Sein Nach­folger wurde der bisherige Finanzmi­nister Helmut Schmidt. Im August folgte dann auch Nixons Sturz, und im Sep­tember schließ­lich der des Löwen von Juda, des abessinischen (äthiopischen) Kaisers Haile Selassie. Im November häuften sich dage­gen noch­mals verschiedene Ereignisse im Zusammenhang mit der Terrori­stensze­ne. So wurde in Berlin der Kammerge­richtspräsident von Drenkmann erschossen, nachdem der Terrorist Holger Meins infol­ge seines Hungerstreiks gestorben war. Palästinenser entführten wenig später ein britisches Flugzeug nach Dubai, um die Frei­lassung von Häftlingen aus Ägypten zu erzwingen, und in Deutschland wurden die Terroristen Ulrike Meinhof und Horst Mahler zu 8 bzw. 14 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Daß üb­rigens auch hochgradige Intellektuelle den plutonischen Ein­flüssen ausgeliefert sind, zeigt uns jemand, der über das Frei­heitsproblem lange nachgedacht hat, nämlich Jean Paul Sartre, der zur Ver­wunderung vieler seiner Anhänger Andreas Baader im Gefängnis besuchte und damit diese Geschehnisse fast offiziell machte. Selbst der Palästinenserführer Jassir Arafat, der zu dieser Zeit noch ganz allgemein und insbesondere den Israelis als Personifi­zie­rung des inter­nationalen Terrorismus galt, durfte nun vor der UNO eine Rede halten - eine Ehre, die die Länder der Drit­ten Welt für ihn durch­gesetzt hatten und die bis da­hin nur dem Papst zuteil geworden war, da üblicher­weise sonst nur Vertreter von Mitgliedstaa­ten der UNO dort sprechen durften. Im­merhin forderte er in seiner Re­de das Terri­torium des Mitgliedsstaates Is­rael.

Das Jahr 1975 war das Jahr des Beginns des Pol-Pot-Regimes in Kambodscha, das bis Anfang 1979 dauerte, als die Vietname­sen in einem Blitzkrieg gegen Kambodscha große Teile des Landes be­setzten und die Hauptstadt Pnom Penh einnahmen, um dar­aufhin die Volksrepublik Kampuchea zu proklamieren. Sie kamen aller­dings etwas spät, denn Pol Pot hatte inzwischen im Zu­ge seiner Umerziehungsmaßnahmen die Bevölkerung nahezu halbiert. Wie es heißt, galt dem Regime bereits jeder Brillenträger als Intel­lektueller und wurde deshalb ein­fach liquidiert. Leider sind selbst solche Dinge eine Waage-Entsprechung! Aber die Waage kann auch auf Mißstände verwei­sen, auf die bisher zu wenig ge­achtet wor­den ist. In dieser Zeit begann nämlich der bis dahin nicht nur in Deutschland fast be­denkenlos praktizierte Ausbau der atoma­ren Energieversorgung - unter anderem als Folge der Erfahrungen aus der Ölkrise von 1973 - zunehmend auf Widerstand zu sto­ßen. Der Neubau eines Kernkraftwerkes bei Wyhl am Ober­rhein traf auf den energi­schen Protest der badischen und el­sässi­schen Umweltschützer, die kurzerhand das Gelände besetz­ten. Etwa zwei Wochen darauf erfolgte gar ein Bombenanschlag auf das Bundesverfassungsgericht, und fast gleichzeitig ein Blutbad in Tel Aviv nach einer gewaltsam durch die Polizei be­ende­ten Guerilla-Besetzung eines Hotels. Im April wurde der Rechtsanwalt Claus Crois­sant auf Antrag des Generalbundesanwal­tes von der Baader-Meinhof-Verteidigung aus­geschlossen (der in seiner reichlich konfu­sen und kaum noch nachvollziehbaren Aus­legung des Gerechtigkeitsbegriffes später sogar Informationen über die Grünen an die DDR lieferte). Währenddessen überfie­len fünf deutsche Terroristen die deutsche Botschaft in Stock­holm. Im Mai begann dann unter strengen Sicherheitsvorkehrun­gen der Prozeß gegen Baader und Meinhof, für die in Stuttgart-Stammheim in einer ei­gens dazu errichteten neuen Strafvollzugs­anstalt ein Hochsicherheitstrakt wie eine Festung ausgebaut worden war. Im Sep­tember wurden weitere Anarchisten in Ber­lin festgenommen, während sich gleichzei­tig Berichte aus dem Liba­non über bür­ger­kriegsähnliche Unruhen häuften, in die be­reits so viele Seiten und Motive verwic­kelt waren, daß man sich an Zustände aus dem dreißigjährigen Krieg erinnert fühlte. Das Jahr ging zu Ende mit einem Überfall mo­lukkischer Terroristen auf einen Zug und das indonesische Generalkonsulat in den Nie­derlanden sowie arabischer Terro­risten auf ein Quartier der OPEC in Wien, wobei sie also nun arabische Politiker aufs Korn genommen hatten und gleich 70 Gei­seln nahmen, darunter elf Mi­nister. Die Kritik der Besetzer richtete sich gegen die Frie­denspolitik mehrerer arabischer Staaten ge­genüber Israel, und es hieß, daß der Draht­zieher der Aktion der international ge­suchte mysteriöse Terrorist Carlos war.

Das Jahr 1976 war u.a. gekennzeichnet durch die Zerstörung der kubanischen Bot­schaft in Lissabon durch einen Bombenan­schlag im April, durch den Selbstmord von Ulrike Meinhof im Mai, einen Anschlag auf das US-Hauptquartier in Frankfurt sowie die Ent­führung eines Airbus mit 257 Pas­sagieren im Juni, die Selbst­verbrennung ei­nes Pfarrers aus Protest gegen die DDR-Politik im August und die Sprengung einer Boeing durch korsische Terrori­sten im Sep­tember. Im Jahr 1977 folgten im Fe­bruar weitere De­monstrationen gegen ein Kern­kraftwerk in Itzehoe und eine Ab­höraffaire um den Kernphysiker Klaus Traube, von dem das Bun­desamt für Ver­fassungsschutz vermutete, daß er Kontakte zu ei­ner terro­ristischen Vereinigung hatte, was seitens seiner Firma sogleich zu seiner Entlassung geführt hatte, obwohl sich der Verdacht auch später nicht belegen ließ. Im März gab es Krawal­le um das niedersächsi­sche Kern­kraftwerk Grohnde, wobei die Demonstran­ten teilweise regelrecht militä­risch organi­siert wa­ren. Im April wurden in Schweden 30 Terroristen festgenommen, unter ihnen zwei deutsche, die an die Bun­desrepublik ausgelie­fert wurden, wo zu die­ser Zeit in Karlsruhe der Generalbun­desan­walt Sieg­fried Buback mitsamt zwei seiner Begleiter auf offener Straße erschossen wurde. Im Mai folgte ein weiterer Überfall moluk­kischer Terroristen auf einen Zug und eine Schule in Holland. In dem Zug wurden 200 Geiseln gefangengenommen, die allerings nach zwei Wochen von einer bewaffneten Spezialeinheit befreit wurden, wobei es je­doch acht Tote gab. Im Juli wurde in Frankfurt der Vorstandssprecher der Dresdner Bank, Jürgen Ponto, von Terrori­sten erschossen und im September der Ar­beit­geber-Präsident Hanns-Martin Schleyer entführt sowie vier sei­ner Beglei­ter er­schossen. Schleyers Entführer forder­ten die Freilassung mehrerer Terroristen aus dem Gefängnis, was die Bundesregie­rung jedoch ablehnte, um damit grundsätz­lich zu er­ken­nen zu geben, daß sie auf kei­nen Fall er­preßbar war. Während sich hier die Ver­handlungen hinzogen, wurde eine Luft­hansa-Ma­schine mit deutschen Urlau­bern nach der somalischen Hauptstadt Mo­gadi­schu entführt, was dazu dienen sollte, den Forderungen der Schleyer-Terroristen noch mehr Nachdruck zu verleihen. Da sich auch hier die Bundesregierung nicht nach­giebig zeigen wollte, setzte sie die inzwi­schen gebildete und militärisch durchtrai­nierte Spezialeinheit GSG 9 mit der Dul­dung des so­malischen Staatschefs (der da­für später eine erhebliche wirt­schaftliche Unterstüt­zung für sein Land zugesagt be­kam) auf die Befreiung der Geiseln an. Die Aktion ver­lief blitzschnell und mit äußerster Präzision und setzte somit neue Maßstäbe für die Bekämpfung dieses Problemes. Nicht zu­letzt diente das Unterneh­men auch der Profilierung des Kanzlers Schmidt, der sich dazu allerdings zuvor die Rücken­deckung der Opposition geholt hatte, die sich nun gleichfalls beim Empfang der zu­rückge­kehrten Gei­seln vor der Presse im Lichte des Erfolges sonnte, während sich noch am Tage der Befreiungsaktion kurz nach deren Bekanntwerden die drei promi­nentesten Terroristen, Baader, Ensslin und Raspe in ihren Gefängniszellen umbrachten, womit natürlich auch das Todesurteil für Schleyer gesprochen worden war, dessen Leiche am nächsten Tage nach einem Hin­weis gefun­den wurde. Der Spiegel berich­tete dennoch bewegt und nicht ohne nationalen Stolz über die Dramaturgie, es sei insgesamt zu­gegangen wie in einer Wagner-Oper.

Das Jahr 1978 war gekennzeichnet durch den Überfall arabischer Terroristen in Zy­pern auf ein Flugzeug, das sie in ihre Ge­walt brachten. Da hier die betroffenen Ägypter durch Zypern am Eingreifen ge­hindert wurden und es zu der Tötung von 19 ihrer Landsleute kam, brach Ägypten die Beziehungen zu Zypern ab. Nun wurde im Eiltempo in der BRD ein Antiterror-Gesetz verabschiedet, während in Italien Aldo Mo­ro, der Präsident der re­gierenden Christde­mokraten, angeblich durch die Or­ganisation der Roten Brigaden ermordet wurde, die schon verschiedene Entführun­gen und Morde an diversen Stützen der ita­lienischen Gesellschaft durchgeführt hatten. Nur schein­bar hatte da die Filbinger-Af­faire, die im August zum Rücktritt des Mi­nister­präsidenten von Baden-Württemberg führ­te, einen et­was anderen Charakter, denn auch hier ging es um die Aufarbei­tung des Gerechtigkeits-Themas aus der Ver­gangen­heit: Filbinger war nach einem Wort des Schriftstellers Rolf Hochhut, der den Fall ins Rollen gebracht hatte, einer jener "furchtbaren Rich­ter" des NS-Staates ge­wesen, der auch noch unmittelbar vor Kriegsende mehrere Todesurteile ausge­sprochen hatte. Im Novem­ber dieses Jahres wurde noch ein Massenselbstmord einer ganzen Sekte des sog. Tempel des Vol­kes mit mehr als 900 Mitgliedern in Guayana weltweit bekannt.

Anfang Februar 1979 kehrte der Schiiten­führer Ajatollah Khomei­ni aus seinem Exil in Frankreich in den Iran zurück, nachdem der Schah das Land kurz zuvor mit seiner ganzen Familie verlas­sen hatte. Khomeini setzte eine provisorische Regierung ein und ließ das Parlament auflösen. schon 14 Tage später begannen "islamische Volksgerichte" frühere Schah-Anhänger zu verurtei­len, wobei oft die Todesstrafe ausgesprochen wurde. Zu den er­sten Opfern gehörte der frühere Ministerpräsident Howeida und mehrere Generale sowie die Leiter des Schah-Geheimdienstes SA­VAK. Auch in den folgenden Monaten wurden unzählige Angeklagte zum Tode verurteilt. Offenbar war der Iran vom Regen in die Traufe ge­kommen, denn die jetzige Diktatur war noch schlimmer als die des Schahs, jedoch offenbar nur aus der Sicht des Aus­landes und nicht in den Augen einer offenbar fa­natisierten und indoktrinierten iranischen Bevölkerungsmehrheit, die sich in einer Volksabstimmung für Khomeinis Islami-sche Republik aus­sprach.

In der BRD wurde inzwischen der Rechts­anwalt Croissant zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, wenig später die Terroristin Astrid Proll nach Deutschland ausgeliefert, in Nicaragua der Diktator Somoza und in Afrika der "Kaiser" Bokassa entmachtet, in Frank­reich die Industriellen-Tochter Chri­stina von Opel wegen Rauschgiftschmuggel zu zehn Jahren Haft verurteilt, und schließ­lich in Mekka eine Moschee von schiiti­schen Extremisten besetzt. Die merkwür­digste Blüte dieses Jahres war aber derar­tig offiziell, daß ihre Exotik vielen überhaupt nicht auffiel, nämlich der NATO-Nachrü­stungs-Doppelbeschluß, demzufolge zu­nächst einmal kräftig "nachgerüstet" wer­den sollte, damit man hinterher den Sowjets etwas zum Abrüsten vorschlagen konnte. Diese "geniale" Idee ließ den äußerst machtvollen Einfluß der Rüstungslobby er­kennen und ist - wie auch immer - in jedem Fall ein wunderbares Beispiel für Pluto in der Waage.

Das Jahr 1980 war gekennzeichnet durch Straßenschlachten in Am­sterdam, schwere Rassenkrawalle in den USA, monatelange Jugend­unruhen in der Schweiz, einen An­schlag im Hauptbahnhof von Bo­logna so­wie einen Anschlag auf das Münchner Ok­toberfest. In Bo­logna wurde durch eine Sprengbombe ein Großteil des Bahnhofes zerstört, wobei es 83 Tote gab, und bei dem Oktoberfest wurden ebenfalls durch eine Sprengbombe 13 Menschen getötet und mehr als 200 verletzt. In beiden Fällen galten übrigens jetzt Rechtsradikale als die Attentäter. Im November wurde der ehe­ma­lige Filmschauspieler Ronald Reagan zum Präsidenten der USA ge­wählt, womit nach 28 Jahren erstmals wieder ein Repu­blikaner dieses Amt erhielt. 

Das folgende Jahr 1981 wurde zum Jahr der Behinderten erklärt, um die allgemeine Aufmerksamkeit auf die Probleme dieser Men­schen zu lenken. In Spanien gab es im Februar einen Putschver­such, der vor allem durch den entschiedenen Einsatz des Kö­nigs Juan Carlos abgewendet werden konn­te. Gleichzeitig fand in Deutschland mit der Teilnahme von 80.000 Menschen die bisher größte Demonstration der Atomkraft­werksgegner statt. Im April kam es zu einer Straßenschlacht in London. Im gleichen Monat starb in einem deutschen Gefängnis ein Terrorist nach einem Hun­gerstreik. Im Mai erfolgte ein Überfall auf eine Bank mit der Geiselnahme von 200 Menschen, womit die Freilassung von vier am Putschversuch beteiligten Gefangenen erpreßt werden soll­te. Im August ermor­dete in Italien die Rote Brigade den Bruder eines ihrer Mitglie­der. In Deutschland wurde allgemein eine ge­stiegene Gewaltbe­reitschaft bei Rechtsradika­len festgestellt, und in der EWG wurden derweil 1 Mio. Tonnen Obst und Gemüse vernichtet. Im gleichen Monat erfolgte ein Spreng­stoff­anschlag auf das deutsche US-Hauptt­quartier der Luftstreitkräf­te in Ram­stein und gleichzeitig ein Bombenanschlag auf den Te­heraner Regierungssitz und ein Bombenanschlag auf das PLO-Büro in Bei­rut, wobei 92 Menschen den Tod fan­den. In Ägypten wurde Präsident Anwar as-Sadat ermordet, und in Bonn demon­strierten 300.000 Menschen für den Frie­den.

Ende Januar 1982 wurden fünf Terroristen in Padua verhaftet, und  Ende April erfolgte ein Überfall von Khomeini-Anhängern in Deutschland. Im Juni demonstrierten sogar über eine Million Men­schen in Bonn, Lon­don und New York für den Frieden. Im Mai ent­ging der Papst zum zweiten Mal nur knapp einem Attentat. Im Ju­li ergab sich eine merkwürdige Kontroverse um die Lie­ferung von sowjetischem Erdgas nach Westeuropa zwischen den Europäern und den USA. Ronald Reagan vertrat dabei die Auffassung, daß die Sowjets die dadurch gewonnenen Devisen seiner eigenen Logik ge­mäß unzweifelhaft nur für die Rüstung verwenden würden und ver­hängte ein Em­bargo für die Lieferung von Zubehörteilen amerika­nischer Firmen für die Gasleitung. Im August fand in Wien ein Kongreß gegen die Aufrüstung im Weltall statt. Im Sep­tember gab es ein Massaker in den Beiruter Palästinenser-Lagern durch "christliche" Milizen unter den Augen der israelischen Bewa­cher, demzufolge Menachem Begin zum Rücktritt aufge­fordert wurde. Im Jahre 1983 wurde u.a. in Wiesbaden ein US-Ge­neral durch einen Abgeordneten der Grü­nen mit Blut besudelt und der philip­pinische Oppositionspolitiker Benigno Aquino bei seiner Rückkehr auf dem Flug­hafen von Manila erschossen. Viele andere derartige Ereignisse haben wir bei dieser Aufzählung natürlich noch auslassen müs­sen.


[1] Das exakte Datum dieses Ereignisses war übrigens der 23. Februar 1973, an dem der Jupiter in den Wassermann trat.

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