Thema Mundan-Astrologie

Pluto in der Jungfrau

(1957-1971)

Wenn wir uns für die Jungfrau wegen der besseren Übersichtlich­keit lediglich das Stichwort Anpassung merken und uns da­bei natürlich immer der Tatsache bewußt bleiben, daß es sich nur um ein ver­einfa­chendes Schlagwort handelt, so können wir bezüglich des hier zu erörternden Zeitrau­mes in der Tat sagen, daß sie am ehesten durch diesen Begriff gekennzeichnet wer­den kann. Insge­samt herrschte ein unglaub­licher Spießermuff, eine Art neuer Restau­rationszeit. Die Gesellschaft hatte einen un­gewöhnlich normativen Charakter, der be­sonders junge Menschen leicht aus­grenzte, wenn sie nicht in das übliche Klischee paß­ten - eine Atmosphäre, die schließlich in den Studentenunruhen des Jahres 1968 gip­felte. Viele erinnern sich noch an die Reak­tionen etwa der Berliner Taxifahrer und sonstiger Kleinbürger auf die Stu­den­ten. Eine Zeitlang war es wirklich gefähr­lich, auch nur ei­nen Bart zu tragen. Eines der Hauptargumente, das den irritier­ten jungen Leuten entgegengehalten wurde, lautete etwa: "Wir haben das Land wieder aufge­baut, und ihr wollt ohne eigenes Ver­dienst die Früchte ernten." Dabei, so sollte man meinen, ist es schon das Recht eines Men­schen, in einer einigermaßen intak­ten Um­welt aufzuwachsen und sich nicht die Schuld der Väter an­lasten lassen zu müs­sen, die diese nur notdürftig wieder repa­riert haben. Doch von einer derartig intak­ten Umwelt konnte zu dieser Zeit noch nicht die Rede sein, da über dem materiel­len Wiederaufbau der geistige zu kurz ge­kommen war. Wie soll sich ein kreativer junger Mensch in einer Gesellschaft hei­misch füh­len, in der etwa eine führende Par­tei, nämlich Adenauers CDU, mit dem Wahlslogan Keine Experimente! in die Bundestagswahl von 1957 ging? Dabei er­gibt sich die Frage, wie es geschieht, daß sich auf diese Weise immer genau die Ent­sprechungen der planetaren Konstellationen einstellen. Natürlich hatten die Strategen der CDU zuvor demoskopische Umfragen machen lassen und auf diese Weise die Stimmungslage in der Bevölkerung erkun­det, und rein kausal können wir folgern, daß sie sich damit nur an Dingen orientier­ten, die von außen an sie herantraten. Doch ist das sicher etwas zu kurz gesehen, denn auf diese Weise blieben alle Ursachen äu­ßerlich und ließen den Menschen davor je­de Freiheit - allerdings mit der Einschrän­kung, keinen öf­fentlichen Erfolg zu haben, wenn sie sich nicht an den erspür­ten Gege­benheiten orientieren. Wenn aber die Ursa­chen nur in einem Außen liegen, ist jeder­mann für jeden anderen dieses Au­ßen, und es gäbe somit kein Innen: wir kommen also kaum an der Erkenntnis vorbei, daß die Menschen auch von innen gesteuert wer­den, sich in einer Weise zu verhalten, die den jeweiligen Konstellationen entspricht, womit sich dann immer der betref­fende Zeitgeist einstellt. In der Tat ist der Astro­loge ver­traut mit derartigen Prozessen, die er durch die Beobachtung von sog. Transi­ten u.dgl. erfassen kann. Kommen wir aber zurück zu Pluto in der Jungfrau:

Im Herbst 1957 waren in der BRD eine Million Fernsehteilnehmer gemeldet, deren Zahl sich nun rasend vermehrte. Damit lö­ste das Fernsehzeitalter das Rundfunkzeit-al­ter ab - mit der Folge, daß die Durch­schnittsbürger in der Freizeit bald ihre Pan­toffeln überhaupt nicht mehr aus­zogen. Das Radio hatte ihnen noch eine gewisse Phan­tasie abverlangt, aber das Fernsehen brach­te nun die totale Konsum­gesellschaft mit sich. Besonders in der An­fangszeit führte das zu einer verstärkten geistigen Normie­rung. Von solchem Geist der geradezu ob­ligatorischen Gleichschal­tung war auch die internationale Politik ge­kennzeichnet: es war der Höhepunkt des kalten Krieges. Im Oktober 1957 brach Bonn die diplomati­schen Beziehungen zu Jugoslawien ab, weil dieses die DDR aner­kannte. Wie gesagt war das die Logik der Hallstein-Dok­trin, die jetzt verstärkt prak­tiziert wurde. Noch im gleichen Monat wurde Adenauer zum dritten Mal Bundes­kanzler. Sein Wahl­slo­gan hatte also Erfolg gehabt, und die Deut­schen konnten sich wirklich keinen anderen Kanzler vorstellen als den, der es schon so lange war. Aller­dings wurde man dann doch noch durch den Sputnik-Schock aus der Ruhe ge­schreckt. Die Vorstel­lung, daß die Sowjets einen wichtigen technologi­schen Vorsprung erreicht hatten, versetzte den Westen in helle Panik, denn das Gleichgewicht der Kräfte war in dieser Zeit die höchste Dok­trin (natürlich setzte sich das unter der Waage aussagegemäß fort, doch unter der Jungfrau folgte es aus der Logik, daß jeder ängstlich den anderen im Auge hatte und ihm auf keinen Fall ein Abweichen gestat­tete). Die Jungfrau ist aber wie die Zwil­linge auch ein Merkur-Zeichen, und deshalb gab es wenigstens für die Intellektuellen ei­ne Alternative zum täglichen Fernsehpro­gramm: im Herbst die­ses Jahres nahmen an der Frankfurter Buchmesse über tausend Verlage aus 23 Ländern teil, die insgesamt über 60.000 Bücher vorstellten, davon 17.000 Neuer­scheinungen.

Im November fanden in Moskau große Fei­erlichkeiten zum 40. Jah­restag der Ok­to­berrevolution statt, während in den USA Eisen­hower die Zentralisierung der Raum­forschung ankündigte. Sein Außenminister Dulles gab den Plan bekannt, die westeuro­päischen Länder mit atomaren Mittelstrec­kenraketen auszurüsten. Die deutschen Bürger beschäftigte derweil der größte Nachkriegs-Ge­sell­schaftsskandal um die Ermordung der Frankfurter Prostitu­ierten Rosemarie Nitribitt, in den offenbar auch viele promi­nente Per­sönlichkeiten verwic­kelt waren. Dieser heimliche Hang zur Un­mo­ral, der die Spießeratmosphäre der Zeit kennzeichnete, hatte zur Folge, daß die Ge­schichte sogleich verfilmt und der Film ein großer Kassenerfolg wurde. Leider mußte den frustrier­ten Bürgern in den Fernseh­nachrichten mitgeteilt werden, daß der erste US-Satellit ein Fehlschlag geworden war, doch durften sie auch erfahren, daß es im Westen den Engländern und Amerika­nern gelungen war, die erste kontrollierte(!) Kernfusion her­beizu­führen. Anfang 1958 wurde dann die Verkehrssünderkartei in Flensburg eingerichtet - sicher notwendi­gerweise, aber auch un­ter passender plane­tarer Konstellation. Auch in der DDR wurde mit der Säuberung in den Politbüros der SED alles gründlich in Ordnung ge­bracht. Bald konnte dann auch die erste Fernseh-Di­rektübertragung aus der DDR in die BRD stattfinden, und im April 1958 richtete das Deutsche Fernsehen ein festes Pro­grammschema ein.

Allerdings trat Pluto im Mai nochmals in den Löwen zurück, so daß die Amerikaner den Beginn einer neuen Atomtest-Serie melden konnten, während die Bundesregie­rung mit den Stimmen der regie­renden Par­teien eine Volksbefragung zur schon wieder allen Ern­stes geplanten Atombe­waffnung der Bundeswehr ablehnte. Doch als Anfang Juli Pluto in die Jungfrau zu­rückkehrte, konnten in Genf wenigstens die ersten Be­ratungen über Kontrollmöglich­keiten der Kernkraftversuche beginnen. In diesem Sommer kam es zu dem bisher niedrig­sten Arbeitslosenstand in der BRD, der so­gar im Herbst noch weit unterschritten wurde. Da dieses vor allem als Erfolg der regierenden CDU gewertet wurde, konnte diese sogar in NRW die absolute Mehrheit gewinnen - dem naturgemäßen Revier der SPD. Auch die Rechtsprechung kennzeich­nete den Geist der Zeit: das Bundesverfas­sungsge­richt erklärte den Antrag der SPD auf Volksbefragung über die atomare Wie­der­bewaffnung kurzerhand für verfas­sungs­widrig. Aber trotz der allgemeinen Gleich­schaltung konnte sich der Westen noch an­gesichts der Neuerungen im Osten als frei fühlen. Im August dieses Jahres wurden nämlich in China die ersten Kom­munen ge­schaffen. Damit war eine völlige Neuord­nung der chinesischen Landwirt­schaft ver­bunden. An die Stelle der bäuerli­chen Fa­milie sollten nun Gemeinschaften tre­ten, in denen jedes Privateigentum abge­schafft war. Auch die Privathäuser sollten abgeris­sen und durch Gemeinschaftssied­lun­gen er­setzt werden. Man meinte damit die fast vollständige Ver­wirklichung des Kommu­nismus erreicht zu haben. Im Sep­tember wurde in Deutschland die CDU auch stärk­ste Partei in Schleswig-Holstein.

Anfang des Jahres 1959 waren im Haushalt der USA 62,3% für mi­litärische Projekte vorgesehen, und im Juli wurde der bishe­rige Landwirtschaftsminister Heinrich Lübke Präsident der Bundesre­publik. Es ist übrigens interessant, die verschiedenen obersten Staatsrepräsentanten mit den je­weiligen Plutoständen zu ver­gleichen, weil so bedeutsame Ämter stets am ehesten dem Plutostand entsprechen. Während unter dem Löwen Theodor Heuß Präsident ge­wesen war, waren es unter der Jungfrau zwei zwar ansonsten sehr verschiedene Männer wie der biedere Lübke und der überaus ge­wissenhafte Gustav Heinemann, die aber beide einen sehr jung­fraumäßigen Repräsentationsstil pflegten, und unter der Waage wurde dann Walter Scheel Präsi­dent, der wie kein zweiter zu diesem Zei­chen paßt. Im Oktober 1959 wurde übri­gens bereits der dreimillionste Fernsehteil­nehmer registriert, und im November er­schien der Roman Die Blechtrommel von Günter Graß. Der Graßsche Stil, den die Kritiker etwas verlegen mit Begriffen wie Neo-Barock u.ä. bezeichneten, kann ei­gentlich gar nicht besser als durch diesen Plutostand gekennzeichnet werden, wenn man bedenkt, daß die Jungfrau wegen ihrer Merkur-Zuordnung auch als intellektuelles Zeichen gilt (was auf kollektiver Ebene nicht so sehr zur Geltung kommt) und da­her auch für die Schrift­stel­lerei gelten kann. Etwas gewaltsam war es schon, was da in dieser Hinsicht auf die Le­serschaft herein­brach, und wenn man be­rücksichtigt, daß das Datum der Erstveröf­fentlichung immer ein wichtiges Datum ist, das - zum Ereig­nishoroskop erhoben - auch etwas über das weitere veröffentlichte Werk und dessen Re­sonanz aussagt, so ist es bezeichnend, daß darin der Pluto in der Jungfrau steht. Alles Spätere mit Titeln wie Zunge zeigen udgl. und einschließlich der unbeirrbaren Duldungsstarre der Leser­schaft mag da­durch zu erklären sein.

Anfang des Jahres 1960 erhob sich auch Frankreich mit der Zün­dung einer Plutoni­umbombe in der Sahara zu einer weiteren Atom­macht. Diese Explosion war übrigens schon die 211. seit Hiros­hima. Im April des Jahres gab die DDR den Abschluß der Kollek­tivierung ihrer Landwirtschaft be­kannt. Alle Äcker wurden jetzt nur noch durch Landwirtschaftliche Produktionsge­nossenschaften (LPGs) bewirtschaftet. Im Juli gründete Adenauer seine Deutschland-Fernsehen-GmbH, die auf den scharfen Protest der SPD stieß und in der Öffent­lichkeit einfach nur als Adenauer-Fernse­hen bezeichnet wurde. Die Bundesbürger aber waren mit anderen Dingen als kriti­schen Betrachtungen über die fort­schrei­tende geistige Gleichschaltung beschäftigt, denn der bis­her beispiellose Wirtschaftsauf­schwung führte erstmalig dazu, daß auch die Arbeiter einen relativen Wohlstand er­lebten. Auch das Fernsehprogramm nahm sie immer mehr in Anspruch, nachdem im März 1961 nun das Zweite Deutsches Fernsehen ins Netz ging. So konnten sie im August den Mauerbau in der DDR gleich life miterleben. Das meistgelesene Organ der BRD, die Bild-Zei­tung, sprach von nun an nur noch von der "DDR". Der Mauerbau führte zu der schwersten Kon­frontation zwischen den Westmächten und dem So­wjetblock seit Kriegsende: an der Berliner Zonen­grenze standen sich sowjeti­sche und amerikanische Panzer unmit­telbar gegenü­ber.

Zu Beginn des Jahres 1962 nahm der Deutschlandfunk seinen Betrieb auf, der vor allem als Propagandainstrument des Westens der Unterrichtung der DDR-Be­völkerung dienen sollte. Im glei­chen Monat absolvierte Bundespräsident Lübke mit sei­ner Ehefrau Wilhelmine einen Staatsbesuch in Afrika (die Behauptung, er solle zu dem Eindruck gelangt sein, daß es den Leuten dort recht gut gehe, wie man an ihrer Ur­laubsbräune erkenne, war nicht ganz ab­wegig, denn er war immer gut für derartige Flops). Im März wurde dann die ständige 18-Mächte-Abrüstungskonferenz in Genf eröffnet - in der Jungfrau macht man gründlicherweise auch gerne Dinge um ih­rer selbst Willen. Im Oktober gelangte die Kuba-Krise auf den Höhepunkt, die wie­derum die Gefahr des dritten Weltkrieges sehr unmittelbar deutlich werden ließ, wäh­rend es in der BRD zur Spiegel-Affäre kam. Der Herausgeber des Nachrichtenma­gazins Rudolf Augstein und der stellvertre­ten­de Chefredakteur Conrad Ahlers wurden verhaftet und die Redak­tionsräume durch­sucht. Der Anlaß war ein mißliebiger Be­richt über ein NATO-Manöver gewesen, in dem Adenauer den Tatbestand des Verrats von Staatsgeheimnissen sah. Hier hatten der Kanzler und sein Verteidigungsminister Strauß allerdings das Maß dessen über­schritten, was der Koalitionspartner FDP noch mitzutragen bereit war. Es kam zum Bruch der Koalition, die dann jedoch ohne Strauß wieder erneuert werden konnte.

Anfang 1963 ermittelte die Staatsanwalt­schaft in der Spiegel-Affäre. Unter ande­rem Franz Josef Strauß war dringend ver­däch­tig, sich der Amtsanmaßung schuldig ge­macht zu haben. Im Sep­tember dieses Jah­res wurde per Gesetz in Belgien das Spra­chen­problem zwischen Flamen und Vallo­nen zu regeln versucht, wäh­rend es gleich­zeitig in der BRD zu einem Abhör­skandal kam. Es ging dabei um die Über­wachungs­praktiken des dem Innenministeri­um unter­stehenden Bundesamtes für Ver­fassungs­schutz, wobei es dazu gekommen sein soll, daß diverse Mandatsträger von Parteien il­legal telefonisch abgehört wur­den. Im März des Jahres 1964 wurde allen Ernstes der Nürnberger Trichter zur Reali­tät. Es kam zum sog. Bildungs-Boom: neue Hochschu­len sollten in Bo­chum, Bre­men, Dortmund, Konstanz und Regensburg gegründet wer­den. Vier Monate später wurde Heinrich Lübke zum Bundespräsi­denten wiederge­wählt, und zwei Monate dar­auf konnte ein erneu­ter Tiefststand der Arbeitslosigkeit gemel­det werden. Als im August des fol­genden Jahres der berühmte Ar­chitekt Le Corbusier starb, kommentierte ein Berliner Rundfunk­sprecher das Ereignis mit der Bemerkung, er sei ein äußerst schwieriger Mensch gewe­sen, der sich so­gar gegen den Einbau von Normfenstern in sein Berliner Habitat gesträubt habe. In­zwi­schen hatte Adenauer sehr wider­strebend seinen Kanz­lerstuhl endlich freige­geben und seinem Nachfolger Ludwig Er­hard Platz gemacht, der aller­dings ein er­folgreicherer Wirt­schaftsminister als ein Kanzler war. Schon ein Jahr später zer­brach seine Ko­alition mit der FDP, und En­de 1966 kam es zur Gro­ßen Koalition zwi­schen der CDU/CSU und der SPD unter dem Kanzler Kurt Georg Kiesinger und dem Außenminister Willy Brandt. Damit gab es al­lerdings im Bun­des­tag keine nen­nenswerte Opposition mehr, die sich des­halb zu­nehmend als APO auf der Straße bildete, womit (jedoch nicht nur deshalb) die 68er Ereignisse prak­tisch vor­programmiert waren.

Im Juni 1967 besuchte der persische Schah Berlin, wobei es zu schweren Ausschrei­tungen kam. Der tiefere Grund lag sicher in dem allgemeinen und unerträglich muffigen Klima, das vor allem die studentische Ju­gend provozierte, und der unmittelbare Anlaß lag in den entsprechenden und als übertrie­ben empfundenen Si­cherungsmaß­nahmen für den Schah, zu denen sogar die Sperrung der Autobahnen gehörte. Daß sich die Emotionen nun ausgerechnet an dem Schah entluden, lag auch daran, daß dieser mit­samt sei­ner "Farah Diba" ein Liebling der Regenbogenpresse war und dem­gemäß mit dem allgemeinen politisch unperspektivi­schen Spießer­klima gleichge­setzt wurde. In seiner Begleitung waren auch ihm ergebene Landsleute gekommen, die freimütig auf demonstrierende Studen­ten mit schweren Knüppeln einschlugen - die Presse be­zeich­nete sie demgemäß als Prügel-Perser - und die den Geist kenn­zeichneten, der ent­gegen dem, was die Hausfrauen-Illu­strier­ten daraus machten, tatsächlich in Persien herrschte. An­läßlich dieses Schah-Besuches kam es zu der Er­schießung des Studenten Benno Ohnesorg - angeblich aus Notwehr durch einen Polizei­beamten. Nun eskalier­ten die Dinge vor al­lem durch die beispiel­losen Hetzkampagnen der Springer-Pres­se einerseits und die em­pörten Reaktionen der Studenten anderer­seits. Es kam zu vie­len Demonstrationen der Studenten und Gegendemonstratio­nen der gleichgeschalte­ten Bürger, die nicht einsehen wollten, warum ihnen die Studen­ten den Spaß an ihrer neuen Wohlstandsge­sellschaft verder­ben wollten. Das allge­meine Klima grenzte fast an eine Bürger­kriegssituation. Im April 1968 kam es dann zu ei­nem Attentat auf den Studentenführer Rudi Dutschke, für das die Studenten fol­gerichtig die allge­meine Indoktrination und aufge­putschten Emotionen durch die Sprin-ger-Presse verantwortlich machten.

Ende 1967 führte der südafrikanische Chir­urg Christiaan Barnard seine erste Herzver­pflanzung durch - eine sehr be­zeichnende Entsprechung für Pluto in der Jungfrau, wenn wir die Körperor­gane als Bestandteil des biologischen Systems deu­ten, das der menschliche Körper in Wirk­lichkeit ist, und diesen nicht als einen bloß mechanischen Apparat betrachten, der aus diversen Ein­zelteilen besteht, die nicht viel miteinander zu tun haben. Das Restproblem lag be­zeichnenderweise in der Abstoßung des körperfremden Gewe­bes durch die eigenen Antikörper. Im Ok­tober 1969 kündigte üb­rigens Bundespräsi­dent Lübke seinen Rück­tritt an, und im März des folgenden Jahres wurde er durch Gustav Hei­nemann abge­löst. Anfang 1971 , noch unmittelbar vor dem Über­gang Plutos in die Waage, trat ei­ne neue Straßenver­kehrsordnung in der BRD in Angleichung an die internationalen Bestimmungen in Kraft. Noch einmal kam Pluto in die Jungfrau zurück, als im Bun­destag am 27.04. 1972 das Miß­trauensvo­tum gegen Willy Brandt schei­terte. Immer­hin gelang es der CDU/CSU, die sich noch immer nicht mit ihrer neuen Oppositiosrolle abfinden konnte, die Ent­scheidung über die Ost-Verträge zu verta­gen. Ein bedrohlicher Hauch von Weimar war  aufgekommen, aber unter Pluto in der Waage fand man schließlich wieder zu­sammen, nicht zuletzt des­halb, weil man es da plötzlich mit einer völlig neuen Gefahr und einem neuen Geg­ner zu tun bekam.

Main page Contacts Search Contacts Search