Thema Mundan-Astrologie

Pluto im Löwen

(1938-1956)

Auch unter Pluto im Löwen hat es be­kanntlich einen Weltkrieg gegeben, der aber ebensowenig für dieses Zeichen zwingend ist wie für den Krebs. Er scheint auch auf den ersten Blick keinen grundsätzlich ande­ren Charakter gehabt zu haben, denn Krie­ge sind immer schrecklich, und das gibt ih­nen insofern stets das gleiche Gesicht. Aus astrologischer Sicht interessiert uns aber immer das jeweilige Motiv, und das ist hier deutlich anders. Unter Krebs war es das übersteigerte Nationalgefühl der Völker, hier ist es der nackte Ego-Wahn, der auf kollektiver Ebene als Rassismus in Erschei­nung tritt. Auch dieses Phänomen ist nicht auf Deutschland beschränkt, wenn es auch hier, da das Hauptge­schehen sich nun einmal auf diesen Ort eingependelt hat, am kras­se­sten zum Ausbruch kommt.

Pluto war im August 1938 in den Löwen getreten, und im November kam es bereits zu der sog. Reichskristallnacht. Bis dahin war schon durch gezielte Verwaltungsmaß­nahmen die Ausschaltung der Juden aus dem öffentlichen Leben vorgenommen worden; so mußten alle Juden ab Oktober ihre Reisepässe abgeben. Nach einer Hetz­rede Hitlers aus Anlaß eines Pariser Atten­tats, die zusätzlich propagandistisch aufge­bauscht wurde, kam es am 9. November zu einem allgemeinen Pogrom. Vornehmlich SA-Schlägertrupps gingen dabei gegen jü­dische Läden und Synagogen vor und schreckten auch vor Totschlag nicht zu­rück. 29 jüdische Warenhäuser wurden in Brand gesetzt, über hundert Synagogen und viele tausend Ge­schäfte zerstört. Auf Hitlers Befehl wurden zudem 35.000 Juden in Konzentrationslager gebracht. Noch im gleichen Monat hatte übrigens ein Film mit Gustav Gründgens unter dem Titel Tanz auf dem Vulkan Premiere, und nur einen Monat darauf kurz vor Jahresende wurde in der Zeit­schrift Naturwissenschaft von Otto Hahn ein Bericht über seine ersten gelun­genen Kernspaltungsversuche veröf­fent­licht. Zwar klingt das alles sehr nach Skorpion, doch hat Pluto ansich immer etwas Skorpionisches, und unter dem Löwen, so können wir annehmen, kommt seine besondere Eigenart eben sehr expressiv zum Ausdruck.

Im nächsten Jahr wurde die Auswanderung der Juden mit größerem Nachdruck betrie­ben. Gleichzeitig kam es auf politischer Ebene zu einer ersten ernsthaften Krise um die Stadt Danzig, das Hit­ler, wie zuvor be­reits das tschechische Sudetenland, nun auch noch dem Reich einverleiben wollte. Bisher hatten Frankreich und Großbritanni­en noch nicht reagiert, für die Aufrechter­hal­tung des Status quo Danzigs gaben sie aber Garantien. Anfang September 1939 kam es zu Hitlers Euthanasie-Erlaß, und wenig später wurde Adolf Eichmann zum Sonderreferenten für De­portationen er­nannt. Über eine halbe Million Juden wur­den in Güterzügen in Konzentrationslager gebracht. Im nächsten Jahr wurde unter der Oberaufsicht des Pro­pagandaministers Goebbels der Film Jud Süß gedreht, der deshalb völlig den Vor­stellun­gen des Regi­mes entsprach. In der Tat gelang es da­durch, die deutschen Bür­ger soweit aufzu­hetzen, daß es zu mehreren Demon­stratio­nen gegen das Judentum kam. Jedoch war vielen dabei nicht ganz wohl, wenn sie die Kon­sequenzen aus der NS-Ideologie zogen. Als die Euthanasie-Maßnahmen in der Bevölke­rung bekannt wurden, lö­ste das erstmalig große Beunruhigung aus. Viele Soldaten, die zu dem Zeitpunkt bereits verwundet aus dem Krieg zurückgekehrt waren, fragten sich, ob auch sie nun, da sie wohl als un­nütze Mitesser angesehen wur­den, als le­bensunwert eingestuft würden. Es ist aber nicht deutlich, wer wieviel gewußt hat über die Dinge, die in den Konzentrati­onslagern vor sich gingen - natür­lich hatte man auch Angst, zu genau zu fragen, denn leicht konnte man selbst dort landen.

Ab 1942 begannen die systematischen De­portationen der Juden nach Auschwitz. En­de dieses Jahres gelang Enrico Fermi die er­ste kontrollierte Kernspaltung. Er arbei­tete bereits mit ande­ren Wissenschaftlern in den USA an der Entwicklung einer Atom­bombe. Wenig später - am 18. Februar 1943 - forderte Goebbels in einer demago­gischen Rede im Berliner Sportpalast den totalen Krieg. Er erhielt tosenden Beifall. Später sagte er: "Hätte ich gesagt, sie sol­len aus dem dritten Stock des Columbus-Hauses springen, sie hätten es auch ge­tan." Am gleichen Tage wurden in der Uni­versi­tät München die Geschwister Scholl verhaf­tet, als sie Flugblätter gegen die NS-Politik verteilten. Vier Tage spä­ter begann der Prozeß gegen sie unter dem Präsidenten des Volksgerichtshofes, Roland Freisler. Sie wurden zum Tode verur­teilt und noch am gleichen Tage hingerichtet.

Wie sehr sich seit der Pluto-in-den-Zwil­lin­gen-Zeit das allgemeine Klima verändert hatte, können wir aus der Sicht des Zeitge­nossen Ortega y Gasset erfahren. In seiner zu dieser Zeit vefaßten Abhandlung Ge­schichte als System schreibt er:

Wenn wir nun... die Situation, in der sich die Euro­päer um 1910 befanden, mit der heutigen vergleichen, so müßte uns der Hinweis auf die Veränderung, auf die stattgehabte Wandlung, einen heilsamen Schrecken einjagen. Wenige Jahrzehnte - also nur ein Teil eines Menschenlebens, das an und für sich kurz genug ist - haben genügt, um die Dinge so zu verändern, daß, während man sich damals überall in Europa auf den Glauben an die Wissenschaft und an die Rechte der Wissenschaft als höchsten menschlichen Wert berufen konnte und diese Instanz automatisch funktionierte und der soziale Körper, ihrem Anruf gefü­gig, wirksam, energisch und schnell rea­gierte, es heute Völker gibt, wo ein solcher Appell nur ein Lächeln hervorrufen würde, Völker, die vor einigen Jahren noch gera­dezu als die großen Lehrmeister der Wis­senschaft galten, und ich glaube, daß es im gegenwärtigen Zeitpunkt kein Volk mehr gibt, dessen sozialer Körper vor diesem Appell erzittern würde.

Wenden wir uns nochmals dem großen po­litischem Geschehen zu: Seit dem Anschluß Österreichs an das deut­sche Reich im März 1938 stellte Hitler im­mer weitere Gebietsforderungen. So for­der­te er bald auch den Anschluß des tsche­chischen Sudetenlan­des. Aber auch Ungarn meldete plötzlich Gebietsansprüche gegen die Tschechoslowakei an. Als der englische Premierminister Chamberlain mit Hitler die Sudetenfrage gütig klären wollte, stieß er auf weitere Forderungen Hitlers. Daraufhin reagierten die europäischen Mächte mit Maßnahmen, die bereits den neuen Krieg ankündigten. Mussolini folgte seinerseits, versuchte aber noch den Krieg abzuwen­den. Deshalb kam es zum sog. Münch­ner Abkommen, auf dem England, Frankreich, Italien und Deutsch­land die Abtretung des Sudetenlandes an das deutsche Reich ver­einbarten. Am 01.10.1938 folgte dann die Besetzung des Sudeten­landes durch deut­sche Truppen. Diese Ereignisse führten auch auf der anderen Seite des Atlantik zur Intensivierung der ame­rikanischen Rü­stungsanstrengungen. Selbst in Asien häuf­ten sich die Übergriffe: im Oktober 1938 kam es zur Eroberung der chine­sischen Stadt Kanton durch Japan. Am 22.12.1938 legte Japan nach der Eroberung weiterer chinesischer Gebiete den Chinesen einen Friedensplan vor, demzufolge sich in Asien eine neue Vor­herrschaft der Japaner erge­ben hätte. Die Chinesen zogen es al­lerdings vor, weiterzukämpfen.

Die Aufrüstung lief jetzt überall auf Voll­tempo: im Januar 1939 wurde bereits das zweite deutsche Schlachtschiff Scharnhorst in Dienst gestellt. Im März 1939 marschier­ten deutsche Truppen in Prag ein. Die Ak­tionen wurden auch immer aggressiver. Als im April 1939 die Italiener Albanien besetz­ten, waren die anderen Mächte zu Gegen­maßnahmen gezwungen. Im gleichen Mo­nat führte Großbritannien die allgemeine Wehrpflicht ein und schuf ein Ministerium für Kriegslieferungen. Gleichfalls im April kündigte Hitler den deutsch-britischen Flot­tenvertrag und den polnischen Freund­schaftsvertrag. Im August des Jahres kam es zur Unterzeichnung des deutsch-sowjeti­schen Nichtangriffspaktes und zum Tei­lungsbeschluß für Polen. Hitler hatte näm­lich nach nur sechsjähriger Regierungszeit fast sein Ziel erreicht, die Folgen des Ver­sailler Vertrages zu revidieren und das großdeut­sche Reich in seinen alten Grenzen zu erneuern, es fehlte ihm nur noch Danzig. Stalin und Hitler vereinbarten nun wieder eine Teilung Polens nach altem Muster - Polen sollte wieder einmal von der Land­karte verschwinden. Mit der Rücken­deckung Stalins erteilte Hitler nur zwei Ta­ge nach der Vertragsunterzeichnung den Befehl zum Einmarsch in Polen, der am 01.09.1939 begann und damit faktisch dem Beginn des 2. Weltkrieges entsprach, da Frankreich und England nach einem letzten vergeblichen Versuch, das Schlimmste zu verhindern, sich gezwungen sa­hen, nur zwei Tage später Deutschland den Krieg zu erklärten.

Am 17.09.1939 marschierten auch Truppen der roten Armee in Po­len ein. Zwei Monate darauf brach zudem durch gezielte Provo­ka­tionen der Sowjets der Krieg zwischen Finnland und der Sowjet­union aus, in dem es im Januar des nächsten Jahres zu Luftan­griffen der Sowjets kam. Im April 1940 wa­ren schon deutsche Truppen in Norwe­gen. Im Mai begann die deutsche Offensive im Westen, und zwar so überraschend, daß Belgien, die Niederlande und Luxemburg ohne Widerstand überrollt werden konnten. Im Juli stimmte Franco von Spanien aus in das allgemeine Lied ein, in­dem er erklärte, er wolle in Nordafrika eine imperialistische Außenpolitik betreiben. Im gleichen Monat erhielt Hitler in Berlin einen durch Goeb­bels kunstvoll inszenierten triumphalen Empfang. Er verkündete seine Siegeszu­versicht für die weitere Fortsetzung des Krieges. Die Bevölkerung war allerdings teil­weise skeptisch, besonders nachdem es im September zu den er­sten britischen Nachtangriffen auf Deutschland kam. Der Krieg eskalierte weiter, als Hitler nicht daran dachte, sich an die Vereinbarungen mit Stalin zu halten, sondern im Gegenteil Mitte 1941 auch deutsche Truppen in der UdSSR schickte. Nur scheinbar hatte sich Hitler Napoleon zum Vorbild genommen - er hielt sich aber offenbar für den Nachfol­ger Alexanders des Großen, denn er plante sogar, seine Truppen bis nach Indien vor­stoßen zu las­sen. In dieser Zeit war in Deutschland Propaganda das haupt­sächli­che Mittel, die letzten Reserven des Volkes zu aktivie­ren. Der deutsche Mensch wurde auf Plakaten als heldenhaft und opferbereit dargestellt. Er hatte das Recht, die anderen Völker zu beherrschen, und die Pflicht, die­ses Recht zu verwirklichen.

Der Ausgang des Krieges ist bekannt, und wir können uns eine weitere Schilderung ersparen. Doch stand Pluto noch über zehn weitere Jahre im Löwen, und deshalb än­derte sich an der prinzi­piellen Einstellung der Menschen nicht viel, daß es ihnen be­stimmt war, die Welt zu beherrschen. Um sich allerdings nicht weiterhin gegenseitig in die Quere zu kommen, wurde nun der An­spruch in noch weitere Fernen gerichtet. Man maßte sich gar an, das Universum zu beherrschen. Der Krieg war ja durch den Abwurf von Atombomben über Hiroshima und Nagasaki beendet worden, und mehr noch als daß die Menschen diese unge­heure Waffe er­schreckte, bewunderten sie das Ereignis wohl als Ergebnis des mensch­li­chen Erfindungsgeistes. Jedenfalls und auch wegen der Furcht, diesbezüglich könne der Gegner einen Vorsprung errei­chen, wurde nun unvermindert sowohl bei den Sowjets als auch bei den Amerikanern an der Wei­terentwicklung solcher Vernich­tungswaffen gearbeitet. Am 01.07.1946 erfolgte bereits ein ame­rikanischer Atom­bombenversuch in einem der letzten von der Zi­vilisation noch unberührten Weltteile, auf dem Bikini-Atoll in der Südsee. In ei­nem für das Publikum bestimmten Filmbe­richt wurden die verstör­ten Ureinwohner der angrenzenden Inseln vor­geführt. Der Bericht des Reporters stellte sie als von je­der Zivilisation und von jedem Wissen weit entfernte Dummköpfe dar, neben denen die westlichen Menschen sich wie höhere We­sen füh­len konnten. Genüßlich wurde erör­tert, in welchem abenteuerli­chen Aberglau­ben diese Men­schen noch lebten und wie naiv sie die Bombenversuche deuteten. So ähnlich hat­ten ja auch die wei­ßen nordame­rikanischen Siedler die Indianer gesehen. Zwar wur­den ihnen die Atomversuche selbst als weniger bekömmlich zuge­stan­den, doch immerhin - so hieß es - habe man ihnen Geld und Reli­gion gebracht. Noch im gleichen Monat er­folgte eine Unter­wasser-Atomexplosion am Bikini-Atoll, und gegen Ende des Jahres noch weitere Atombom­benversuche in der Südsee. Zwei Jahre darauf zündeten auch die Sowjets ihre erste Atombombe. Am 31.01.1950 kündigte Truman den Bau einer Wasser­stoffbombe an, und vier Jahre darauf erfolg­te der erste H-Bomben-Test in den USA, gefolgt von einem weiteren im näch­sten Jahr. Im Mai 1956 wurde die erste transportable Wasserstoffbombe über ei­nem Pazi­fikatoll zur Explosion gebracht, und im Mai des folgenden Jah­res zündete auch Großbritannien seine erste Wasser­stoffbombe bei den Weihnachtsinseln.

1947 begann Henry Miller mit der Nieder­schrift seines Romanes Plexus, dem wir den folgenden Auszug entnehmen, der den Zeitgeist sehr treffend verdeutlicht:

Das Ende des Zweiten Weltkrieges bringt das Gefühl mit sich, daß die Erde selbst mit Vernichtung bedroht ist. Wir sind in eine andere apokalyptische Ära eingetre­ten. Der menschliche Geist ist in einer Umwälzung begriffen, wie sie der Erde selbst in den al­ten geologischen Zeiten wi­derfuhr. Wir schütteln den Tod, die Todes­starre ab. Wir beklagen den vorherrschen­den Geist der Gewalt, aber um die Ketten zu zerbrechen, muß der Menschengeist sich befreien. Die blendendsten Möglichkeiten sind um uns. Wir sind von bisher ungeahn­ten Kräften und Energien erfüllt und um­geben. Wir ste­hen auf dem Punkt, wieder als Menschen, in der ganzen Majestät des Wortes mensch­lich zu leben. Das heroische Werk unserer Vorgänger scheint nun wie das Werk freiwilliger Selbstaufopferung. Es ist für uns nicht nötig, ihre Opfer zu wiederholen. Uns ist vorbehalten, daß wir uns der Früchte erfreuen. Die Vergangen­heit liegt in Trümmern, die Zukunft tut sich verhei­ßungsvoll auf. Nimm diese Alltags­welt und schließe sie in deine Arme! Das ist's, was der Geist befiehlt. Welche besse­re Welt kann es geben als die, in der wir alle und jeder einzelne von uns volle Ver­antwortung tragen? Schaffe nicht für die, so da kom­men! Höre ganz auf, zu schaffen, sei schöpferisch. Denn Schöpfung ist Spiel, und das Spiel ist göttlich... Die ganze Pracht der Sonne[1] entfaltet sich uns nur in den wenigen ihrem Untergang vorausge­henden und nachfolgenden Augenblicken. Am Morgen wird sie wieder aufgehen, vielleicht eine andere Herrlichkeit, eine an­dere Sonne. Den ganzen Tag hindurch nährt sie uns und gibt uns Kraft, aber wir beachten sie kaum. Wir wissen, daß sie da ist, rechnen darauf, aber wir bringen ihr keinen Dank dar, verharren nicht in An­dacht vor ihr. Die großen Leuchten wie Nietzsche, Rimbaud, van Gogh sind menschliche Sonnen, die das gleiche Schicksal erleiden wie das Gestirn. Erst wenn ihr Licht erlöscht oder wenn sie aus dem Blick verschwunden sind, werden wir uns ihrer Herrlichkeit bewußt. Indem wir ihr Hinscheiden bedauern, machen wir un­sere Augen für das Vorhandensein ande­rer, neuer Sonnen blind. Wir schauen zu­rück und voran, aber nie dringt unser Herz un­mittelbar ins Herz der Wirklichkeit. Wenn wir gelegentlich dem Sonnenkörper, der uns Licht und Wärme spendet, Vereh­rung zollen, denken wir nicht an die Son­nen, die von Ewigkeit an leuchten. Wir nehmen ge­dankenlos die Tatsache hin, daß der ganze Kosmos von Sonnen übersät ist. Fürwahr, das Weltall ist in Licht gebadet. Alles lebt und leuchtet. Auch der Mensch ist der Empfänger unerschöpflicher, strahlender Energie. Seltsam, nur im menschlichen Geist herrscht Nacht und Lähmung. Ein wenig zuviel Licht, ein we­nig zuviel Ener­gie (hier auf Erden), und man wird unge­eignet, in der menschlichen Gesellschaft zu leben. Der Lohn des Sehers ist das Irren­haus oder das Kreuz. Eine graue, nichtssa­gende Welt ist unsere na­türliche Wohnstatt, möchte es scheinen. So war es seit Men­schengedenken. Aber diese Welt, dieser Zustand der Dinge ist im Ver­gehen. Ob es euch gefällt oder nicht, mit oder ohne Schutzbrille und Scheuklappen stehen wir an der Schwelle einer neuen Welt. Wir werden gezwungen sein, zu ver­stehen und anzunehmen - denn die großen Seher, die wir aus unserer Mitte ausstie­ßen, haben un­ser Bild umgeformt. Abwech­selnd und gleichzeitig werden wir Zeugen von Großartigkeiten und Greueln. Wir werden mit tausend Augen sehen wie die Göttin Indra. Die Sterne kommen zu uns heran, selbst die entferntesten.

Natürlich fehlte es auch an weiteren Krie­gen in den Jahren nach dem zweiten Welt­krieg nicht - allesamt gekennzeichnet und motiviert durch die besondere Qualität des Löwe-Zeichens: Im Juli 1946 sprengte in Palästina die Un­tergrundorganisation Irgun Zwai Leumi un­ter dem späteren israelischen Regie­rungs­chef Menachem Begin ein Jerusalemer Ho­tel, in dem sich das britische Militär­haupt­quartier befand. Es gab 76 Tote. Wenn sich auch die offiziellen Vertreter der Zionisten von diesem Attentat distan­zier­ten, war sie doch kennzeichnend für den unbedingten Selbst­behauptungswillen der jüdischen Einwanderer, der sich jetzt auch gegen ihre britischen Schutzherren richtete, um sie zu vertreiben. Auch in Vietnam hatte der spä­ter legendäre Führer des (nord-)vietnamesischen Volkes Ho Chi Minh eine Befreiungsbewegung ge­gründet, mit deren und der Hilfe des ganzen Volkes er die Fran­zosen aus dem Land vertreiben wollte. Nachdem direkte Verhand­lungen mit den Besatzern scheiterten, rief er im November 1946 den revolutionären Volkskrieg gegen die Franzosen aus. Bald kam es zu blutigen Kämpfen in Hanoi, nachdem der französi­sche Be­fehlshaber über die gesamte Region das Kriegsrecht verhängt hatte.

Am 01.10.1949 rief der Führer der chinesi­schen Kommunisten Mao Tse-Tung in Pe­king die Volksrepublik China aus. Auch er wurde später Staatschef. Zunächst wurde er jetzt zum Vorsitzenden des Zentralrates der Regierung der Volksrepublik gewählt. Sein bis­heriger Gegner, der Führer der Na­tionalchinesen Tschiang Kai-schek, mußte nach Taiwan fliehen und wurde dort Präsi­dent Na­tionalchinas. Mao hatte jetzt sein Ziel erreicht, für das er seit über 20 Jahren gekämpft hatte. Auch Indonesien wurde nun frei - aus­nahmsweise ohne kriegeri­sche Aktionen. Die Herrschaft der Niederlande war zum Ablauf des Jahres 1949 beendet, und die neue indonesische Republik wählte Ahmed Sukarno zu ihrem Präsidenten.

In der Nacht zum 25. Juni 1950 überschrit­ten nordkoreanische Truppen den 38. Brei­tengrad nach Süden, die Grenze zwi­schen Nord- und Südkorea, die auch zu­gleich die Grenze zwischen der sowjeti­schen und der amerikanischen Einflußzone war. Die ganze Welt reagierte mit Panik, da allgemein an­genommen wurde, dieses sei der Beginn ei­ner weltweiten kommunisti­schen Offensive. Da die südvientnamesi­schen Truppen zah­len- und waffenmäßig hoff­nungslos unter­legen waren, erteilte der amerikanische Präsident Truman den Auf­trag, mit Hilfe amerikanischer und UNO-Truppen den Vormarsch der Nordvietna­mesen zu brem­sen. Doch überraschen­der­weise zeigten sich die bis dahin völlig un­terschätzten Nord­vi­etnamesen sehr wehr­haft. Während die Kämpfe fortdauerten, kam es auf der politi­schen Ebene zu einem ersten Höhepunkt des kal­ten Krieges, der den zweiten Welt­krieg unblutig fortsetzte.

Ende des gleichen Jahres marschierten die Chinesen in Tibet ein. Wir erkennen auch hier das Löwe-Motiv, wenn auch von einer anderen Seite: jahrhundertelang hatte das tibetische Volk le­diglich geschützt durch die weltabgewandte und unwirtliche Hö­henlage seines Landes fast völlig ohne mili­tärische Verteidi­gungsfähigkeit friedlich gelebt, doch jetzt kam der neue Geist, der die ganze Welt (seit der abendländischen Aufklärung) erfaßt hatte und dessen Aus­läufer ja auch der chinesische Kommunis­mus war, auch zu ihm. Der Dalai Lama mußte fliehen. Die chinesi­schen atheisti­schen und rein materialistisch ausgerichte­ten Barbaren kannten keine Ehrfurcht vor der mystischen Kultur die­ses Volkes, das sie ebensowenig begriffen wie die ameri­kani­schen Reporter die Kultur der Südse­e-insulaner. (Ebensowenig be­griff übrigens später der Bezwinger des Mount Everest, der Neu­seeländer Edmund Hillary, das ökologische Prinzip, nach dem die Tibeter im Einklang mit den Gegebenheiten ihrer Umwelt lebten, als er den gutgemeinten Gedanken äußerte, die Tibeter müßten doch auch in den Genuß des westlichen Wohlstandes kommen und endlich Kran­kenhäuser u. dgl. erhalten.)

Gehen wir noch einmal in die unmittelbare Nachkriegszeit zu­rück: Am 24.02.1946 erzielte Juan Peron nach einem rücksichtslosen Wahlkampf die abso­lute Mehrheit in Argentinien. Nur zwei Ta­ge später wurde Konrad Adenauer in Deutschland Chef der CDU. Sein späterer Regierungsstil als deutscher Kanzler ist be­kannt und kann nicht anders als löwenhaft bezeichnet werden. (Der Ein­wand, daß sich ein heutiger Regierungschef diesen Stil nicht mehr erlauben könnte, ist nur kausali­stisch: die Dinge richten sich immer so ein, daß sie den jeweiligen Zeichen ent­spre­chen.)

Am 14.05.1948 kam es zur Gründung des Staates Israel, der dem­nach den Löwen-Pluto in seinem Horoskop hat. Am 14.06.1948 begann die Berliner Bloc­kade, während der die Stadt mit Hilfe der westli­chen Alliierten, die sie über den Luftweg versorgten, einen bewunderungs­würdigen Selbstbehaup­tungswillen zeigte. Sie wurde allerdings auch als Bollwerk ge­gen den Kommunismus gesehen. Doch zeigte sich hier zugleich der ungebrochene Lebens- und Leistungswille der deutschen Bevölke­rung, die die fast totale Zerstörung ihres Landes nicht entmu­tigte, sondern ganz im Gegenteil als Aufgabe herausfor­derte. Schon ab Ende des Jahres 1951 be­gann somit ein Vorgang, der die ganze Welt er­staunte und bald als das deutsche Wirt­schaftswunder bezeichnet wurde. Doch das lag ganz in der Zeit: Ein Jahr später wurde Wilhelm Furtwängler Leiter der Ber­liner Philharmoniker, und wer sich immer noch keine Vorstellung davon ma­chen kann, was Pluto im Löwe bedeutet, sollte sich ein­mal eine seiner Aufnahmen anhören - etwa die Thannhäuser-Ouver­türe. Zwar gibt es die nur in Mono, aber Stereo hat er auch nicht nötig. Vielleicht empfinden wir diese Auf­fassung heute - da wir unter anderen Kon­stellationen leben - als etwas zu "dick", aber ein Erlebnis ist es dennoch. Der neue Geist der Zeit zeigte sich auch in dem stei­genden Energiebedarf. In den zehn Jahren von 1939 bis 1949 hatte sich die Welt-Rohölproduktion fast ver­doppelt.

Am 17.06.1953 kam es zu dem Aufstand in der DDR. Tausende von Bürgern fanden sich zu einer Demonstration zusammen, auf der sie freie Wahlen und den Rücktritt der Regierung forderten. Der sowjetische Stadtkommandant antwortete mit der Ver­hängung des Ausnahmezustandes, als sich die Unruhen auf ganz Ost-Berlin ausweite­ten. Doch eskalierte die weitere Entwick­lung deshalb - Parteibüros wurden besetzt und teilweise in Brand gesetzt. Dar­aufhin fuhren sowjetische Panzer auf. Es kam zu Toten und Ver­letzten; einige Rädelsführer wurden erschossen. Als Folge davon griffen die Unruhen auf das gesamte Gebiet der DDR über, Rathäuser und Gefängnisse wurden gestürmt. Nur mit Mühe gelang es den so­wje­tischen Truppen und der Volks­polizei der DDR, den Aufstand nach zwei Tagen niederzuschlagen.

Am 14.10.1953 begann unter Eisenhower die Mc-Carthy-Ära. Der Präsident erließ ein Dekret, das Regierungsangestellten mit Entlassung drohte, die sich weigerten, vor einem Kongreßaus­schuß zur Verfolgung unamerikanischer Aktivitäten auszusagen. Über tausend Beamte wurden deshalb ent­lassen. Der republikani­sche Senator Joseph McCarthy, der mit fanatischen Ehrgeiz je­dem Verdacht auf kommunistische Umtrie­be nachging, schreckte sogar vor Be­spitze­lung und peinlicher Befragung der Armee­führung nicht zurück, umso weniger aber vor der rücksichtslosen Verfol­gung von Zivilisten aller Art.

Als im Mai 1955 mit dem Staatsvertrag für Österreich dieses seine volle Souveränität auf der Basis militärischer Neutrali­tät zu­rückerhielt, sahen auch viele Bürger West­deutschlands hierin eine Lösung der Deutschlandfrage. Adenauer lehnte jedoch eine derartige Lösung entschieden ab: zur Sicherung der Bundes­republik war seiner Meinung nach eine Mitgliedschaft in der NATO unabdingbar. Es ist deshalb nicht unberechtigt, in ihm den eigentlichen Archi­tekten der deutschen Teilung zu sehen. Seine Politik zeichnete sich zunehmend durch unbeugsamen Altersstarr­sinn aus, der Gelegenheiten nicht sah und wahrnehmen wollte, weil sie seinem völlig auf Konfron­tation gegen den Kommunismus ausgerich­teten Denken nicht entsprachen. Man muß das vor dem Hintergrund der Tatsache se­hen, daß zunächst in der BRD die Be­geiste­rung für die Entwicklung in Österreich durchaus allgemein war und nicht etwa nur auf einige wenige beschränkt. Adenauer setzte sich dennoch gegen die Meinung ei­ner Bevölkerungsmehr­heit durch. Immerhin stattete er noch im September des gleichen Jahres mit einer Delegation Moskau einen Besuch ab, um mit der so­wjeti­schen Füh­rung über die Frage der deutschen Wieder­vereinigung, die Aufnah­me diplomatischer Beziehungen und die Freilassung der restli­chen deutschen Kriegsgefangenen direkt zu verhandeln. Die Atmosphäre war dabei äu­ßerst gespannt, da Bulganin unumwunden von seinen Ge­sprächspartnern die Aner­kennung der DDR forderte. Die deutsche Delegation erwog bereits eine vorzeitige Abreise, als es doch noch zu einer Einigung kam. Adenauer er­reichte die Freilassung der deutschen Ge­fangenen durch das Zuge­ständnis der Auf­nahme diplomatischer Be­ziehungen, die die sog. Hallsteindok­trin gegenüber solchen Staaten eigentlich aus­schloß, die die DDR offiziell anerkannten.

Am 12.09.1955 wurde Franz Josef Strauß Minister für Atomfragen und forderte we­nig später den schnellen Ausbau der Atom­energie. Am 09.09.1956 erfolgte der TV-Start für Elvis Presley.


[1]Die Sonne ist dem Löwen zugeordnet.

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