Thema Mundan-Astrologie

Pluto im Schützen

1749-1762

 

Der mundane Pluto-Stand kenn­zeichnet immer das, was in der je­weiligen Zeit offi­ziell wird, also das Hauptthema der Zeit. Es muß zwar nicht unbe­dingt so sein, aber in der Regel bezieht sich das auf die führen­den menschlichen Repräsentanten. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts war Frankreich kulturell führend in Europa, da aber von ei­nem Menschen wie Ludwig XV. kaum zu er­war­ten war - abgesehen von seiner zu­nehmenden reli­giösen Senti­men­talität, die schon deshalb unwahrhaftig war, weil sie wenig zu seiner sonstigen Lebensführung paßte -, daß er in irgendei­ner Weise der Bedeutung des Schützen entsprach, mußte nun je­mand in dieser Hinsicht seine Rolle übernehmen, von dem das seiner Stellung nach am wenigsten zu erwarten war, näm­lich aus­gerech­net seine offizielle Mätresse - die Pompadour, eine Frucht der skorpioni­schen Periode. Die­ses gehört zu jenen selt­samen logi­schen Brüchen, mit denen wir es oft bei den Zeichen­übergängen zu tun ha­ben. Madame Pompadour war in der Tat eine äußerst ge­bildete Frau, die eine um­fangreiche Bibliothek besaß und geeig­net war, die führenden Intellek­tuellen ihrer Zeit an den Hof zu ziehen. Sie verhalf Vol­taire zur Mitgliedschaft in der Akademie und richtete für andere sogar eine Unterkunft in Versailles ein, direkt un­ter ihren eigenen Gemächern. Dort emp­fing sie Leute wie Diderot, d'Alembert, Duclos, Helvètius und andere - übri­gens eher inoffiziell, da diese Gesellschaft mit ihren auf­rührerischen Ideen dem Kö­nig kaum gefallen hätte. Da sie sie also nicht in den Sa­lon einladen konnte, ging sie zu ihnen hin­unter, um sie dort zu empfangen und sich mit ihnen zu unterhal­ten. Bei dieser räumlichen Nähe konn­ten derartige Dinge aller­dings kaum verborgen bleiben, sie wurden vom König nur nicht zur Kenntnis genommen. Doch sah besonders der Klerus am Hofe mit gro­ßem Argwohn auf die wenig fromme Ge­sell­schaft, und die Jesuiten ver­suchten den Beichtvater des Königs dahingehend zu beein­flussen, daß er diesem das heilige Abendmahl verwei­gerte, solange er eine solche Mätresse unterhielt. Dieses wie­der­um brachte die Pom­padour gegen die Jesui­ten auf, und sie machte später ihren wach­senden Einfluß ge­gen sie geltend, was sehr we­sentlich zur Ausweisung des Ordens aus Frankreich im Jahre 1762 beitrug.

In Deutschland erschien im Jahre 1748, als Pluto gerade in den Schützen getreten war, der Messias von Friedrich Gottlieb Klopstock, der sich als vollkommene Ent­sprechung des Schütze-Plutos erwies - so­wohl was Klopstocks darin zum Ausdruck kom­menden An­spruch betraf als auch was die Wirkung des Werkes an­ging. Der Dichter wollte nichts anderes, als eine fun­damentale Erneuerung der poe­tischen Sprache aus der Über­nahme und Trans­for­mation ei­ner religiösen Gefühlssprache ab­zuleiten: "Klopstocks Oden, Hymnen und Elegien wurden schon früh zum Er­ken­nungszei­chen eines Freundschafts- und Liebeskults, in dem Seelenverwandtschaft und Ge­fühlstiefe die Konventionen einer nach Geburt und Herkommen streng ge­gliederten Ständegesell­schaft außer Kraft setzen sollten."[1]

Etwa um die Jahrhundertmitte veränderte sich die Lebens­qualität in den europäischen Ländern - vor allem natürlich in den Städ­ten, die jetzt im­mer größer wurden und ein da­durch bedingtes verändertes geistige Klima bekamen. Die größte Stadt war mit Abstand London, das immerhin schon eine dreiviertel Million Ein­wohner besaß, wäh­rend Paris als zweitgrößte Stadt etwa 400.000 Einwohner hatte. Die drittgrößte Stadt war Neapel mit 310.000 Einwohnern, ge­folgt von Amsterdam mit 300.000 und Wien mit 180.000. Dublin hatte 150.000, Rom 140.000, Lissabon 130.000, Mailand 110.000, Lyon und Berlin jeweils 100.000. Die Tatsache, daß hier die Men­schen immer dichter zusammen wohnten, führte natür­lich zu intensiverer Kommunikation und dem An­wach­sen ei­ner ent­sprechenden Kri­tikfähigkeit. In London waren seit dem Brand von 1666 die meisten der früheren vornehmlich aus Holz errichteten Häuser durch Steinhäuser ersetzt worden, in denen Kaffee- und Kakaostuben eingerichtet wurden. Hier wie auch in Wien lagen in den ent­ste­henden Kaffeehäusern Zeitun­gen aus, in denen man sich über die neuesten Ereig­nisse auf dem Laufenden halten konnte, und es waren nicht nur die Adeligen, die sich so informierten, sondern auch zunehmend bürgerliche Men­schen, aus deren Mitte vor allem sich die Intellektuel­len rekrutierten. Es waren des­halb durch­aus nicht nur banale Alltagsereignisse, über die die Zeitungen schrieben, denn die Klasse der Wissens­hungrigen war eine neue kritische Zwi­schen­schicht, der es tatsächlich in er­ster Linie um unabhän­gige Information ging.

Nach dem Frieden von Aachen im Jahre 1748 fand selbst ein König wie Friedrich II. Zeit, sich philo­sophischen Schrif­ten zu widmen und hielt es für völlig natür­lich, diese unter seinem Namen zu veröf­fentli­chen. Auch die Prinzes­sin von Anhalt-Zerbst, die spätere Katharina die Große von Rußland, stand mit den führen­den Geistern ihrer Zeit in re­ger Korrespondenz und war ganz vom neuen Geist die­ser Zeit er­füllt, den die späteren Historiker unter den Begriff der 'Aufklärung' fas­sen sollten. Es ging da­bei, so könnte man sa­gen, um die Verwirklichung einer neuen Idee vom Men­schen, wie er ei­gentlich sein sollte. Sofern diese Idee selbst die gekrön­ten Häupter erfaßte, führte er bei ihnen auch zu einer neuen Vorstellung davon, wie sie ihr ver­antwor­tungsvolles Amt auszu­füllen hatten. Auch wenn ihre Zeit noch nicht so weit war, daß sie diese hohen Ideen bis in alle Ein­zelhei­ten und Konsequenzen in die Tat umsetzen konnten, sahen sie sich doch zumindest theo­retisch nur noch als Erste unter Gleichen. Überall brach in dieser Zeit ein neuer Geist auf, der unter anderem auch zu vie­len neuartigen Er­findungen führte, durch die sich ein neuer Stand zuneh­mend profilieren konnte. Es entstand eine immer deutli­cher ausgeprägte bürgerliche Gesell­schaft.

Im Jahre 1750 verließ Fran­cois-Marie Arouet, inzwischen unter seinem Pseud­onym Voltaire zu literarischem und philo­so­phi­schem Ruhm ge­langt, der als solcher in dieser Zeit kaum sei­nes­glei­chen hatte, seine Geburts­stadt Paris, um sich auf Ein­la­dung Friedrichs II. nach Preußen zu bege­ben und Mit­glied von dessen sogenannter Tafelrunde von Sancoussi zu werden, die der König seit 1747 unterhielt. Man kann das als das bedeutsamste Ereig­nis dieser neuen Epoche bezeich­nen, das ihr wie kein anderes seinen besonderen Stempel aufge­prägt hat. Im Jahre 1753 verließ Voltaire allerdings den König nach einem Streit wieder und stand fortan nur noch brieflich mit ihm in Verbindung. Im Jahr 1760 kam es zum Höhepunkt seines Streites mit Jean-Jaques Rous­seau, der zu dieser Zeit zwar noch nicht mit Voltaires Ruhm konkurrie­ren konnte, der aber später die größere Nach­wirkung insbesondere in der französi­schen Revolution ha­ben sollte. In dieser Zeit wurden Rousseaus Roman Die neue He­loise und sein Gesellschaftsvertrag veröf­fentlicht, in dem bereits der Geist der Revolution spürbar wurde und auf den diese sich spä­ter pro­grammatisch berufen sollte. Dieser „Contrat social“ wurde zur Bibel der Jakobiner und lag auf dem Tisch des Wohlfahrtsausschusses.

"Die gesellschaftliche Ordnung ist ein ge­heiligtes Recht", heißt es darin, "das die Grundlage aller übrigen bildet. Dieses Recht ent­springt jedoch keineswegs aus der Natur; es beruht auf Verträgen." Daraus folgte nach Rousseau, daß ein derartiger Vertrag nur solange Gültig­keit be­sitzt, wie sich die Vertrags­partner an ihn halten, und daß er diese verliert, wenn eine Seite ihn bricht, was dann der Fall ist, wenn die­jeni­gen, die die Macht in der Hand haben, diese gegen das natürliche Gesetz mißbrau­chen. Er gab zwar noch keine Antwort auf die Frage, ob die Monarchie oder die Demo­kra­tie die erstrebenswerte Staats­form sei, aber er stellte die Diskussion darüber auf eine neue Basis. Mit Rousseau ge­langte die Idee der Volkssou­veränität - in England nicht mehr ganz neu - auch auf das europäi­sche Fest­land, und als erster forderte er den wirk­lichen Volksstaat.

Ein bemerkenswerter Umstand liegt darin, daß derartige revolu­tionäre Gedanken unter dem Mäzenatentum fortschritt­licher Ade­li­ger veröffent­licht wurden, wie im Falle Rousseaus der Herzo­gin und des Herzogs von Luxembourg, die aber noch nicht er­ken­nen konnten, was daraus 30 Jahre spä­ter entstehen würde. Die Luxembourgs ver­sammelten auf ihrem Landsitz regelmäßig größere Gesellschaften, zu denen auch die führenden In­tellektuellen eingeladen wur­den. In langwierigen Verhand­lungen suchte die Herzogin einen Verleger für Rousseaus Werke. 1761 bemühte sich auch die Com­tesse de Boufflers, eine der einflußreichsten Da­men der französichen Gesell­schaft und eine weitere Be­schützerin Rousse­aus, um die persönliche Bekanntschaft des engli­schen Phi­losophen David Hume und trat mit ihm in eine angeregte Korre­spondenz, wo­bei sie ihn darum bat, für Rousseau in England eine Bleibe zu finden, weil dieser inzwischen wegen seines Emile aus Frankreich flie­hen mußte. Man mag sich fra­gen, auf welche Weise sonst die neuen Gedanken der Auf­klärung hätten Resonanz fin­den können als über diese Brücke, da es bis dahin zu­mindest in Frankreich keine geistige Beziehung zwischen dem dumpf sich in sein Schicksal fügenden Volk und der Oberschicht gab, die al­lein das Mei­nungsmonopol be­saß. Nur von dort also konn­ten neue Gedanken auf das Volk zu­rückwirken und dieses zu einem neuen Selbstver­ständnis führen. Allerdings mach­ten die zuvor geschilder­ten Mißstände die­sen geisti­gen Umbruch notwendig, und es ist verständlich, daß dieses zunächst nur von jenen Krei­sen erkannt wurde, die über eine entsprechende Bildung verfügten und mit anderen Ge­bildeten im Gespräch stan­den, wenn auch die Konsequenzen, die die Aufrichtigeren unter ihnen daraus zogen, diese mit ihrem eigenen Stand in Kon­flikt brachte. Ein glückli­cher Umstand lag auch für die Philosophes (also die fran­zösi­schen vornehmlich antik­lerikal eingestellten Philo­sophen dieser Zeit) in der Tatsache, daß von 1750 bis 1763 Chrétien-Guillaume Ma­lesherbes der oberste Presse­zensor in Frankreich war, der die Auffassung vertrat, daß ein Mensch, der nur die Bü­cher las, die mit der aus­drücklichen Erlaubnis der Re­gie­rung erschienen, um fast hundert Jahre hinter seinen Zeitgenossen zurückbleiben müßte, weshalb er progressive Schriften zwar nicht aus­drücklich genehmigte, aber stillschweigend duldete. Wirklich nur ein zu­fälliger Umstand? Die auffallende Über­einstimmung mit dem hier zur erörternden Schützen ist jedenfalls verblüffend, und da die astrologische Erfah­rung zeigt, daß diese Kon­stellationen sich stets ein­stellen... Aber lassen wir lieber zunächst die weite­ren Be­obachtungen auf uns wirken!

Ein anderer bemerkenswerter Umstand liegt in der Tatsa­che, daß es hier zunächst nur um den geistigen Aufbruch als solchen ging und noch keines­wegs um bestimmte theoreti­sche Folgerungen wie etwa die be­wußte Betonung des Rationa­lismus und der Wissen­schafts­gläubigkeit, denn gerade Rousseau war ein entschiede­ner Gegner ei­ner solchen Denkweise und betonte demge­genüber viel­mehr Gefühls­werte. Seine Kri­tik an der menschlichen Kultur schlecht­hin, die in seiner Forderung gipfelte, der Mensch müsse wieder zur Natur zurück­keh­ren, brachte ihn in Konflikt zu Vol­taire, der sich sarka­stisch dazu äußerte, er be­komme wieder richtig Lust, auf allen Vie­ren zu gehen. Insofern kann man in dem Ge­gensatz zwischen Voltaire und Rousseau die Verkörperung des alten Streites über die Vor­herrschaft des Geistes oder der Natur sehen, wobei leicht ersichtlich wird, daß es sich hier lediglich um einen Streit über Begriffe handelt, denn eigent­lich meint jeder das gleiche, wenn er entweder den Geist oder die Natur be­tont. Doch sind Begriffe eben sehr entscheidend und be­stim­men darüber, was wir erken­nen. Ob­jektive Tatbestände las­sen sich nicht als solche fassen, und besonders die Ge­schichte ist nicht so oder so, sondern so, wie die Hi­storiker sie inter­pretieren. Man könnte versuchen zu sa­gen, daß Rousseau die grö­ßere Wirkung auf die französische Revolution und deren gesell­schaftliche Fol­gerungen für die Zukunft haben sollte, während Voltaire wiederum maßgeblicher für die Schluß­folgerungen wurde, die der neue Wissenschaftsglaube dar­aus zog. Doch ist es müßig, zu fragen, welches was be­wirkt hat, da die gegenseiti­gen Bezie­hungen zu sehr mit­einander verwoben sind. Tat­sächlich ist es wohl so, daß alles aus ei­nem gemeinsamen Urgrund erwachsen ist - mit­samt der unmittelbaren Inter­pretation der Zeitgenossen, die ihrerseits auf die Er­eig­nisse zurückwirkte, und der Histo­riker als dem letzten Glied eines sich selbst ge­stal­tenden Pro­zesses, in den die handeln­den Menschen eingebunden sind. Soweit es den hier zu behandelnden Zeitabschnitt an­geht, fassen wir das unter unserer Kapi­tel­überschrift.[2]

Das zentrale Werk der Aufklä­rung war die sogenannte Enzyklopädie, die zwischen 1751-1771 erschien. Es han­delte sich dabei um ein viel­bändiges Nachschlagewerk, an dem auch Voltaire und Rousse­au mitarbei­teten, das aber unter seinen ein­zelnen Stich­worten keine bloßen kurzge­faßten Defini­tionen unter dem Vorzeichen höchstmögli­cher Objektivität bot, wie wir das heute von unseren Lexika zu­mindest im Sinne einer Bemü­hung ge­wohnt sind, sondern in dem seine verschiedenen Auto­ren größten­teils mehrseitige Essays zu den Stichworten veröffentlichten. Insgesamt wurde so ein komplettes neues Weltbild vorgestellt, das nun eine bisher noch niemals zu­vor er­reichte Verbreitung fand und auch zu einem ent­sprechenden finanziellen Er­folg wurde. Noch immer aber stand ja Frankreich, das Ent­stehungs­land, unter dem gei­stigen Dik­tat von König und Klerus, und demzufolge war es nicht unge­fährlich, eine belie­bige Mei­nung zu äußern. Die Stellung­nahmen verstehen sich so als ein vorsichtiges Her­umwinden um die offiziell genehmigten Positionen, die teilweise durch mutiges Vorpreschen, teilweise durch Zu­rückneh­men oder Abschwächen von allzu kühnen Aussagen gekennzeich­net waren, wobei letzteres oft nur sehr oberfläch­lich und so durchsichtig geschah, so daß derjenige, der richtig zu lesen verstand, schon wußte, was eigentlich gemeint war, ohne daß dem Au­tor diese Mei­nung vorgehalten werden konn­te.

Die Hauptautoren der Enzyklopädie waren Jean le Rond d'Alembert, ein Mathema­tiker und Physiker sowie Mit­glied der Akademie der Wis­senschaften, und Denis Dide­rot, ein Autor, der nur durch einige Übersetzungen bekannt war, dessen eigene Ar­beiten aber schon öffentlich ver­brannt worden waren. Während ersterer dem Unternehmen als Aushängeschild dienen konnte, war der zweitere eher eine Belastung. Dennoch sollte auf ihm die Hauptarbeit lasten - ne­ben dem ansonsten völlig unbekannten de Jaucourt, der alleine über 17 000 Arti­kel(!) beisteuern sollte und das eigentliche Ar­beitspferd der Unternehmung war -, und er schien den Initiatoren als so wichtig, daß sie den Kriegsmini­ster d'Argenson dringend um die baldige Ent­lassung aus dem Ge­fängnis ba­ten, als Diderot im Jahre 1749 wiederum verhaftet wor­den war: "Die Ver­haftung des Herrn Diderot, des einzigen Li­te­raten, den wir einer solch weitge­spann­ten Unternehmung für fähig halten, und der als einziger den Schlüssel für die ge­samte Durch­führung besitzt, kann unse­ren Ruin herbeiführen." Dieses Gesuch hatte Erfolg, und so konnte im Jahre 1750 das baldige Er­scheinen des auf zunächst 10 Bände veranschlagten Werkes angekündigt werden. Sehr re­gelmäßig er­schienen dann tat­sächlich die ersten 7 Bände bis zum Herbst 1757, wobei die Proteste vor allem des reaktionären Klerus und die diversen Unterdrückungs­versu­che des Königs dem Unterneh­men eher publizistisch för­der­lich waren. Doch infolge des Atten­tatsversu­ches Dami­ens' auf Ludwig XV. wurde 1758 die allgemeine Zensur erheblich ver­schärft. Dieser Tatsache begegnete man da­durch, daß ein auslän­discher Druckort benannt wurde, wäh­rend der Verkauf weiterging. Nur in Paris selbst war da­nach die Ver­brei­tung für meh­rere Jahre verboten. Der Ver­kauf konzentrierte sich vor allem auf jene französischen Städte, die über ein Par­la­ment oder eine Akademie ver­fügten; die Käufer waren vor­nehm­lich Juristen, kö­nig­liche Beamte und Adelige. Bemer­kenswert ist die Tatsache, daß es hier in der französi­schen Provinz weniger Händler und Kauf­leute waren, die sich lieber ihren Geschäf­ten wid­meten als ihrer Bildung.

Diderot war ursprünglich nur für die Ver­fassung von Arti­keln über die Themen Kunst und Handwerk vorgesehen gewe­sen, schrieb dann aber auch sehr viele Beiträge über na­turwissenschaftliche Themen, sowie über Religion, Litera­tur und Geschichte. Insge­samt sind 142 Autoren namentlich be­kannt, die aber nur etwas mehr als die Hälf­te aller 72 000 Artikel verfaßt haben. Die Au­toren bestanden aus An­gehörigen der technischen In­telligenz, die öffentliche Äm­ter innehatten und großen­teils in Staats­dien­sten stan­den, des weiteren han­delte es sich um Gelehrte, Pro­fesso­ren, Künstler und Literaten sowie Mediziner. Sehr viele gehörten den Akademien an, die zu dieser Zeit immer zahlreicher wurden. Bemer­kenswert ist auch die Tatsache, daß die meisten dieser Auto­ren kaum Honorar er­hielten und daß sie also um der Sache selbst willen und um der Ehre willen schrieben, bei diesem gro­ßen Unternehmen mit dabei­sein zu dür­fen. Sie arbeite­ten mit an einem Werk, das, wie es hieß, die Leistungen des menschli­chen Geistes in al­len Diszi­plinen und in allen Jahrhun­der­ten doku­men­tieren sollte. Die Gliederung des gewaltigen Stoffes ging also vom Hauptthema des Men­schen und dessen Fähigkeiten aus und nicht von Gott oder einer göttlichen Welt­ordnung. Das sollte von entscheidender Bedeutung sein, denn es ent­schied darüber, wie man die Dinge sah und interpretierte. So sah man die neu entdeckten wissen­schaftlichen Phänomene vornehmlich unter dem Ge­sichtspunkt der erstaunlichen Fä­higkeit des menschlichen Gei­stes, der diese Dinge er­kannt hatte, und nicht etwa - was ja auch möglich gewesen wäre - unter dem Aspekt des Phänomens selbst. Diese Hal­tung, die wir durchaus als anmaßend be­zeichnen können, ging natür­lich bereits auf die Renaissance zurück, als der Mensch sich selbst zum Betrachtungs­gegenstand ge­macht hatte. Wir sollten aber in der Lage sein, zu erken­nen, daß diese Sicht der Dinge keineswegs zwingend war. Schopen­hauer et­wa sollte später das elek­tromagne­tische Feld mit dem Ying-und-Yang-Motiv vergleichen, ein in der Tat er­staunlich stimmiger Vergleich, der jedoch einen völ­lig anderen geistigen An­satz vor­aussetzt und der sich vor allem die Fähig­keit er­hal­ten hat, der phänomenalen Welt mit etwas mehr Beschei­denheit zu begeg­nen. Eine Folge der Aufklärung ist es näm­lich unter anderem, daß wir bis heute aus­schließlich Bücher über den Elektromagne­tismus er­hal­ten können, die lediglich be­schrei­benden Cha­rakter haben und in denen es von technischen Formeln nur so wim­melt, in denen aber einer Erklärung des Phäno­mens selbst ängst­lich ausgewichen wird. Dieses sollte sich als die haupt­säch­li­che wissen­schaftliche Erklärungsmethode er­weisen, die na­türlich auch schon in der Enzyklopädie über Gebühr strapa­ziert wurde. Mit diesem kritischen Einwand soll jedoch nicht ge­leugnet werden, daß an der Tatsache des geistigen Auf­bruches selbst nicht zu zwei­feln ist - im Sinne des Wor­tes: "Der Weg ist das Ziel". Denn zweifellos ist die Tat­sache der geistigen Bemühung und Euphorie so oder so ein Mittel geistiger Emanzipa­tion. Eben dieses zeigt sich auch in der astrologischen Erfah­rung zum Thema Schütze: er steht für die geistige Erweite­rung als sol­che, wobei niemals gesagt wer­den kann, auf welche Weise und mit wel­chem Ergebnis sich das vollzieht. Wir dür­fen auch die historische Situa­tion nicht au­ßer Acht lassen, denn die Aufklärung war eine Reaktion auf die staatliche und kleri­kale Verhärtung und den Mißbrauch der Macht. Das Pendel schlug des­halb ver­ständlicherweise in das ge­genteilige Extrem aus, und gerade dieses gab dem neuen Auf­bruch seinen gewaltigen Impuls. An die Stelle der Allverbundenheit trat nun das reine Vernunft­prinzip, mit dem man glaubte, die Welter­kenntnis ausschließlich ana­lytisch bewältigen zu können.

Natürlich soll hier auch nicht gesagt wer­den, daß sich in die­sen Jahren alles nur um das Thema der geistigen Er­weiterung drehte, denn selbstverständ­lich wurden zum Beispiel auch wei­terhin Kriege geführt, und auch die sonstgen Dinge er­eigneten sich weiterhin, aber mit abnehmender Tendenz und verändertem Aspekt. Die astrologi­schen Archetypen be­sitzen eine so große Geschmeidigkeit, daß nahezu jedes Ereig­nis mit jeweils etwas geändertem Aspekt[3] unter ihnen pas­sieren kann und insofern der reibungslose Fortlauf der Welt stets garantiert ist. 1756-1763 fand etwa der Sie­benjährige Krieg statt, und im Jahre 1757 dehnte das chi­nesische Reich seinen Macht­bereich aus, aber auch dieses ist durchaus eine Entspre­chung des Schütze-Themas, wenn man das Motiv - hier der Expansion - in den Vorder­grund rückt, denn nur dar­über sa­gen die Archetypen etwas aus, während unsere menschli­chen Kate­gorien eben nur un­sere Ka­tegorien sind. Zu je­der Zeit können fast alle Dinge eintreten, doch haben wir uns hier die Frage zu stellen, was davon jeweils bedeutsam ist, denn nur das drückt sich in den kosmischen Kon­stella­tionen aus. Die Be­antwortung der Frage, welches jeweils bedeutsam ist, wird uns in­dessen sehr leicht ge­macht: wir brau­chen dazu im­mer nur die Ge­schichtsbücher zu studieren.

Was aber die Jesuiten anging, so hätten sie dem nun anschließend in Kraft tretenden Steinbock-Prinzip nur dadurch entsprechen können, daß sie eine entsprechende Macht und Ethik besaßen und diese zur Geltung kommen ließen. Da das aber nicht der Fall war und sie insofern bisher lediglich das Schütze-Thema repräsentierten und sich das wohl nicht ändern konnte, so hatten sie jetzt Frankreich zu verlassen.

 


[1] Zitat Harro Segeberg.
[2]David Hume hat bereits sehr deutlich ausgesprochen, daß die Kausalität eine geistige Konstruktion des menschlichen Geistes sei, die er den ihm begegnenden Dingen auferlegt, doch ist es das Schicksal aller Philosophen, daß das was sie sagen und das was spätere Generationen aus ihren Gedanken folgern, zweierlei ist. So­fern sich die Aussagen der Erkenntnistheoretiker nicht in das neue Gedankengefüge einbauen ließen, hat man sie entweder uminter­pretiert oder ignoriert. Die Uminterpretation wurde dabei noch nicht einmal argumentativ durchgeführt, sondern durch falsche In­anspruchnahme.
[3]Dieser Aspekt muß sich umso deutlicher den gültigen Konstella­tionen anpassen, je bedeutsamer das Ereignis ist. Für Alltagsdinge dagegen bleiben die Konstellationen nur latent relevant.
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