Thema Kultur und Religion

 

 

 

 

 

 

 

   

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von unserem ‚Fernsehphilosophen’ Peter Sloterdijk.

 

 

Wie wird man so einer überhaupt? Im Falle Sloterdijk läßt sich das noch recherchieren. Seinen Anfangsruhm verdankt er der Veröffentlichung seines Buches ‚Kritik der zynischen Vernunft’. Dieser Titel war sehr geschickt gewählt, denn er erinnerte an Kant und legte deshalb für eine breite Öffentlichkeit die Vermutung nahe, daß es sich um ein philosophisches Werk handelte. Daß dieses Buch in den sich dafür zuständig fühlenden Intelligenzblättern einhellig gelobt wurde, braucht zumindest hinsichtlich dieser Einhelligkeit nicht zu wundern, denn solche Bücher wirklich zu lesen würde wohl den Terminplan eines durchschnittlichen Journalisten überfordern, weshalb sich einer lieber gleich an den anderen hängt, zumal alles andere normalerweise eher karriereschädlich wäre. Daß in dem Buch nicht ein einziger philosophischer Gedanke stand, konnte somit auch den solchen Kritiken verpflichteten Lesern kaum auffallen, denn wer liest schon solche Bücher, wenn er außerdem noch Intelligenzblätter liest? Die "befremdliche Begeisterung" der Medien fiel übrigens auch dem Humoriisten Robert Gernhardt auf, der dazu vermerkte:

Sloterdijk beruft sich auf Heine, der "das bis heute nicht übertroffene Kunststück geboten hat, Theorie und Satire, Erkenntnis und Erheiterung zu vereinen". Auf seinen Spuren will er "die Wahrheitskapazitäten der Literatur, der Satire und der Kunst mit denen des wissenschaftlichen Diskurses" wieder verbinden.....  Sloterdijk will die Aufklärung retten, denn (Zitat): "Wo sie als 'traurige Wissenschaft' erscheint, fördert sie wider Willen die Erstarrung."

Das faßt zwar seine Absicht schön zusammen, führt aber auch bei so generellem Ansatz und zugleich durchaus spekulativer Vorgabe wohl ganz zwangsläufig zu einer reichhaltigen Sammlung von Eigentoren, da er ja insofern selbst Teil des Systems ist. Und so kann man den letzten Satz auch leicht auf ihn selbst ummünzen und formulieren: "Wo sie als 'kritische' Philosophe erscheint, fördert sie wider Willen die Erstarrung." Das erlaubt es nämlich den Journalisten und deren Leserschaft mit diesem vermeintlich kritischen Werk hinläglich amüsiert bis auf weiteres wenigstens das Fach 'Philosophie' abzuhaken, um sich wieder der vermeintlichen Realität zuzuwenden. Die geschickte Reklame sorgte allerdings für eine relativ hohe Startauflage seines Einstiegswerkes, und seither war Sloterdijk in den Medien mangels anderer Angebote der Philosoph vom Dienst. Wann immer ein Moderator es für gut befand, einen solchen zu seiner Gesprächsrunde hinzuzuladen, war S. zur Stelle.

“In der ihm eigenen Weise sagt Sloterdijk zu jedem beliebigen Thema treffsicher genau das, was alle denken, aber es klingt immer irgendwie anders, ist in einer Weise metaphorisch verpackt, die der deutsche Durchschnittsintellektuelle für philosophisch, das heißt tiefsinnig hält.” (Manfred Dahlmann: Biedermann und Übermensch. Peter Sloterdijks deutsche Ideologie, in: Alex Gruber/ Philip Lenhard (Hg.): Gegenaufklärung. Der postmoderne Beitrag zur Barbarisierung der Gesellschaft, Freiburg 2011, 257)

Im allgemeinen wurde er dabei nur zu völlig trivialen Themen befragt, wenn nicht gar nur zum Wetter. Wichtig war aber, daß dabei immer unter seinem Bild sein Namensschild mit der Bezeichnung ‚Philosoph’ eingeblendet wurde, denn dadurch wurde S. von Mal zu Mal als solcher bekannter und sogar populär. Allerdings hat er ja – das muß man ihm immerhin zugute halten – selbst nie behauptet, ein Philosoph zu sein. Andererseits hat er aber auch nichts unternommen, um diesem Eindruck entgegenzutreten. Sein o. g. Einstiegswerk legte dieses Mißverständnis zumindest nahe. Der Titel war, wenn auch nicht ganz logisch konsequent und verständlich, so aber doch wegen der darin verborgenen Wortmetaphern geschickt indifferent gewählt, denn hätte er etwa den Begriff 'ironisch' statt 'zynisch' verwendet, wäre es deutlicher gewesen. So aber konnte er auch Bezug auf die antiken 'Kyniker' nehmen - die gewissermaßen als eine Philosophenschule galten, die sich zugleich über die andere Philosophie lustig machte (der bekannteste Vertreter war Diogenes in der Tonne) - und sich im übrigen rein literarisch gebärden. Da wäre eine direkte Auseinandersetzung mit philosophischen Fragestellungen sogar ein Stilbruch gewesen. Natürlich wäre es danach richtiger gewesen, ihn öffentlich stets 'nur' als Literat vorzustellen, aber das schien nicht so interessant (bzw. - machen wir uns darüber nichts vor! - den zuständigen Multiplikatoren als unterschiedlich noch nicht einmal bewußt) zu sein, und daß S. das nie richtigstellte, machte ihn zu einem Trittbrettfahrer eines für ihn vorteilhaften Mißverständnisses. So war ihm also ein schöner Spagat gelungen. Praktisch war er ein personifizierter Nürnberger Trichter, denn er machte es dem Publikum leicht, das Thema Philosophie nur als Spaß am Rande zu verstehen und sein Spaßwerk im Bücherschrank verstauben zu lassen.

So fällt es nicht schwer, auch sein folgendes - nur dem Zeitgeister als 'philosophisch' erscheinendes - Zitat als Eigentor zu erkennen: "Die heutigen Spaßmacher sind alles, nur nicht engagiert, und können von der Verteuerung des Lachens insofern profitieren, als Blödeleien den Zeitgeist besser treffen als die gute alte böse Satire; die letzten Statthalter der Ideologiekritik sind inspirierende Blödler wie Otto, bei dem man wenig Soziologie, aber viel Geistesgegenwart findet." Warum nämlich dann aber nur auf Otto verweisen? Denn genau dieses gilt ja auch für den Blödler Sloterdijk selbst, dessen Erfolg zwar wenig der Philosophie, sondern in erster Linie - wenn nicht seiner Geistesgegenwart, so doch sicher - seinem Gegenwartsgeist zu verdanken ist. Er bewegt sich allerdings im Umfeld der Philosophie auf seinem Spaßpfad auf einem sehr schmalen Grat, denn wo immer er den Spaßton verliert, wird es für ihn ernst. So auch, wo er sich später angesichts seines wachsenden Ruhmes tatsächlich bemüßigt fühlte, sich auch einmal zumindest zu gewissen Zeitfragen zu äußern. Was dabei hin und wieder herauskam, darüber gibt u.a. der folgende Artikel ein bezeichnendes Beispiel:

 

Die kapitalismuskritische Linke definiert das Eigentum als Diebstahl. Der größte Nehmer ist aber der moderne Staat. Wir leben in einem steuerstaatlich zugreifenden Semi-Sozialismus - und niemand ruft zum fiskalischen Bürgerkrieg auf. (Peter Sloterdijk in der Frankfurter Allgemeinen am 13.06.2009)  Dazu folgender Kommentar:

 

Almosen statt Steuern. Ein eigenartiger Diskurs im gehobenen Feuilleton

Aus „Informatíon Philosophie, die Zeitschrift, die über Philosophie informiert.“ (Internet-Zeitung) : "Ein eigenartiger, fast gespenstischer und kaum faßbarer Disput findet im Feuilleton des gehobenen Feuilletons statt. Im Mittelpunkt steht, wie wäre es anders denkbar, wieder einmal Peter Sloterdijk."

 

Sloterdijk als Philosoph der Steuerverweigerung


In einem Artikel „Die Revolution der gebenden Hand“, der innerhalb einer Reihe „Die Zukunft des Kapitalismus“ in der Frankfurter Allgemeinen am 13. Juni diesen Jahres erschien, skizzierte Sloterdijk auf gekonnte Weise die Neidgeschichte des Sozialismus. Die Linke, so begann er, sehe das Besitztum der Wohlhabenden als auf ursprünglichen Diebstahl zurückgehend und in der Folge das kapitalistische Wirtschaftssystem als eine Form von Kleptokratie an. Insbesondere in der Lohnzahlung verberge sich unter dem Mantel des gerechten Tausches eine Ausbeutung. Die linke Theorie rufe dazu auf, diese alltägliche Plünderung einzustellen und den ursprünglichen Diebstahl rückgängig zu machen. Das sei aber falsch, so Sloterdijk; in modernen Wirtschaften gehe es um die Sorge um die Rückzahlung von Krediten, und hier stünden Kapital und Arbeit auf derselben Seite. Und wenn man schon den Blick auf die Nehmerseite richte, so hätte man den größten Nehmer ins Auge fassen müssen, nämlich den modernen Steuerstaat. Dieser habe sich zu einem geldnehmenden Ungeheuer entwickelt und zwar durch die Einführung der progressiven Einkommenssteuer – ein sozialistisches Äquivalent zur Enteignung.

Irgendwie habe man sich nun daran gewöhnt, daß eine Handvoll Leistungsträger gelassen mehr als die Hälfte des nationalen Einkommensteuerbudgets bestreite. Deshalb sei auch die Frage, ob der Kapitalismus noch eine Zukunft habe, falsch gestellt – wir lebten vielmehr in einer Art „steuerstaatlich zugreifenden Semi-Sozialismus auf eigentumswirtschaftlicher Grundlage“, den man schamhaft „Soziale Marktwirtschaft“ nenne. In Wirklichkeit handle es sich um eine „rechtlich gezügelte Staats-Kleptokratie“, die selbst vor der Plünderung der natürlichen Lebensgrundlagen der künftigen Generationen nicht Halt mache.


Sloterdijk macht auf eine „Macht“ aufmerksam, die dem Einhalt gebieten könnte: die Revolution der gebenden Hand. Eine solche Revolution, so Sloterdijk „führte zur Abschaffung der Zwangssteuer und zu deren Umwandlung in Geschenke an die Allgemeinheit – ohne daß der öffentliche Bereich deswegen verarmen müßte“.

 

  Wörtlich schrieb Sloterdijk in dem erwähnten Artikel:
 

 

Enteignung per Einkommenssteuer

Dies gelang dem Staat vor allem mittels einer fabelhaften Ausweitung der Besteuerungszone, nicht zuletzt durch die Einführung der progressiven Einkommensteuer, die in der Sache nicht weniger bedeutet als ein funktionales Äquivalent zur sozialistischen Enteignung, mit dem bemerkenswerten Vorzug, dass sich die Prozedur Jahr für Jahr wiederholen lässt - zumindest bei jenen, die an der Schröpfung des letzten Jahres nicht zugrunde gingen. Um das Phänomen der heutigen Steuerduldsamkeit bei den Wohlhabenden zu würdigen, sollte man vielleicht daran erinnern, dass Queen Victoria bei der erstmaligen Erhebung einer Einkommensteuer in England in Höhe von fünf Prozent sich darüber Gedanken machte, ob man hiermit nicht die Grenze des Zumutbaren überschritten habe. Inzwischen hat man sich längst an Zustände gewöhnt, in denen eine Handvoll Leistungsträger gelassen mehr als die Hälfte des nationalen Einkommensteuerbudgets bestreitet.

Zusammen mit einer bunten Liste an Schöpfungen und Schröpfungen, die überwiegend den Konsum betreffen, ergibt das einen phänomenalen Befund: Voll ausgebaute Steuerstaaten reklamieren jedes Jahr die Hälfte aller Wirtschaftserfolge ihrer produktiven Schichten für den Fiskus, ohne dass die Betroffenen zu der plausibelsten Reaktion darauf, dem antifiskalischen Bürgerkrieg, ihre Zuflucht nehmen. Dies ist ein politisches Dressurergebnis, das jeden Finanzminister des Absolutismus vor Neid hätte erblassen lassen.

Kleptokratie des Staates

Angesichts der bezeichneten Verhältnisse ist leicht zu erkennen, warum die Frage, ob der „Kapitalismus“ noch eine Zukunft habe, falsch gestellt ist. Wir leben gegenwärtig ja keineswegs „im Kapitalismus“ - wie eine so gedankenlose wie hysterische Rhetorik neuerdings wieder suggeriert -, sondern in einer Ordnung der Dinge, die man cum grano salis als einen massenmedial animierten, steuerstaatlich zugreifenden Semi-Sozialismus auf eigentumswirtschaftlicher Grundlage definieren muss. Offiziell heißt das schamhaft „Soziale Marktwirtschaft“.

 

O si tacuisses: philosophus mansisses! (Oh, hättest du geschwiegen, wärest du ein Philosoph geblieben!)

Mit diesen Ausführungen reiht sich Sloterdijk allerdings weniger als er meint in die Reihe der Kyniker, sondern vielmehr geradezu nahtlos in die der 'Sophisten' ein, von denen uns Plato in seinem Gorgias-Dialog ein plastisches Bild nach seinem Verständnis vermittelt hat. Darin unterhält sich Sokrates mit dem Politiker Kallikles über die Rolle der Tugend in der Staatsführung. Bezeichnenderweise zeigt sich Kallikles nicht nur - nach dem antiken Sophisten-Verständnis - als jemand, der seine Lehre für Geld verkauft und dem es dazu vor allem um die richtige Technik der öffentlichen Darstellung geht, sondern auch als jemand, dem sein daraus folgender finanzieller und gesellschaftlicher Erfolg so sehr zu Kopf gestiegen ist, daß er diese in sein Selbstverständnis und die damit verbundene Rechtfertigungslehre übernommen hat. Denn so kann er sich - wie offenbar auch Sloterdijk - als einen der 'Starken' empfinden, der das damit verbundene Vorrecht naturgemäß auf seiner Seite hat. Unschwer läßt sich daraus folgern, daß er die Philosophen, die ihre Kunst um ihrer selbst Willen betreiben, zu den 'Schwachen' zählt. Aber wer wollte eine solche Weltsicht dem 'Kyniker' Diogenes - nämlich dem in der Tonne - unterstellen, auf den sich Sloterdijk schließlich immer wieder indirekt berief? Denn das ist - mit Verlaub gesagt - nichts anderes als purer Sozialdarwinismus!

Kallikles ist der Meinung, daß der Stärkere von Natur aus mehr haben solle als der Schwächere, der tüchtigere Mann mehr als der weniger tüchtige. Anhand vieler Beispiele, nicht zuletzt solcher aus dem Tierreich, versucht er zu zeigen, dass es ein Gesetz der Natur und daher gerecht sei, wenn der Stärkere über den Schwachen herrsche und auch mehr besitze als dieser. Dabei begeht Kallikles einen sogenannten "Naturalistischen Fehlschluß": Er leitet von dem, was ist, auf ein moralisches Sollen ab. (Aus Wikipedia zum Stichwort 'Kallikles'.)

 

 

 

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