Thema Kosmologie und Philosophie

   
   

Das Spiegelthema in der Physik.

Wie gesagt spielt das Spiegel-Thema auch in der Physik eine wichtige Rolle. Es begegnet uns da als Materie und Antimaterie, Spin und Antispin sowie Plus- und Minuspol in der Elektrotechnik usw. Vielleicht leben wir in einem Universum, zu dem es noch ein Gegenuniversum gibt, von dem wir aber gar nichts wissen, und vielleicht besteht dieses Gegenuniversum aus Antimaterie und ist ansonsten exakt ebenso aufgebaut wie das, in dem wir leben. Es sieht so aus, als hätten die Physiker bereits Antimaterieteilchen hergestellt, die aber so kurzlebig waren, daß sie gleich wieder verschwanden. In Experimenten mit besonderen Teilchenbeschleunigern hat man angeblich festgestellt, daß Energie immer paarweise in gleichen Mengen in Materie und Antimaterie umgewandelt werden kann. Demnach soll es keinen besonderen Unterschied hinsichtlich des Verhaltens beider Teile geben - nur dürfen sie sich nicht begegnen, weil sie sich sonst gegenseitig auflösen. Manche Physiker folgern daraus, daß es ebenso viel Antimaterie geben muß wie Materie, doch können wir sie nicht sehen, weil wir nur in dem Teiluniversum leben, das aus Materie besteht. Daß insofern unser Universum eindeutig gepolt ist, ist demnach eine wichtige Voraussetzung dafür, daß es stabil ist und daß es so funktioniert, daß u.a. überhaupt Leben darin möglich ist. Denn wenn es hier ein Gleichgewicht zwischen den beiden Gegensätzen gegeben hätte, hätte sich schon längst alles in Strahlung verwandelt. Die Materie, mit der wir es zu tun haben, ist dadurch gekennzeichnet, daß die meisten ihrer kleinsten Teilchen, etwa die Elektronen, einen sog. Spin haben. Einen Spin stellt man sich hypothetisch in etwa wie einen Drehimpuls in eine bestimmte Richtung vor. Zwar gibt es auch durchaus Materieteilchen, die einen entgegengerichteten Spin haben, denn das bestimmt ihre gegenseitige Anziehung oder Abstoßung, die der elektromagnetischen Kraft zugrunde liegt, aber bei der Antimaterie muß es dennoch etwas anderes geben, das sie auch insofern von den Materieteilchen unterscheidet, und da das eben räumlich nicht mehr möglich ist, muß es in Bezug auf die Zeit geschehen.

Tatsächlich stellt man sich Antimaterieteilchen als zeitlich rückwärts laufende Teilchen vor. Während sich hier alles in die Zukunft entwickelt, läuft in einem Antiuniversum demnach zumindest aus unserer Sicht alles in die Vergangenheit. Bezeichnenderweise ist aber ein Spin exakt gequantelt und unveränderlich, denn eine Grundeigenschaft aller sog. Quanten ist, wie sich das für Quantitäten ja gehört, ihre Ganzzahligkeit. Es gibt keine halben oder Viertelquanten mit halben oder Vierteleigenschaften. Man kann einen Spin zwar in seiner Richtung ändern, aber nicht verkleinern oder vergrößern. Das muß so sein, denn nur dadurch ist die elektromagnetische Gleichwertigkeit gewährleistet. In bestimmten Teilchenexperimenten wurde die Hälfte aller untersuchten Atome in die eine und die andere in die Gegenrichtung abgelenkt, und insofern unterscheidet man die Spins der Teilchen als ‚Spin up’ und ‚Spin down’. Die magnetischen Eigenschaften kompensieren sich danach gegenseitig, und Elektrizität und Magnetismus erweisen sich, wie wir das schon früher erörtert hatten, als spiegelbildliche Phänomene. Der Gesamtspin aller Atome muß sich die Waage halten und sich letztlich zu Null ergänzen. Ebenso lassen sich alle physikalischen Gesetze im Quantenbereich grundsätzlich als zeitsymmetrisch vorstellen - d.h. es gibt ansich keinen ersichtlichen Grund, warum sie zeitlich in die eine oder andere Richtung laufen sollten, wie es ja im makroskopischen Universum der Fall ist, denn dort erscheinen zumindest (!!!) alle Abläufe als kausal zwingend. Wenn man auch einerseits davon ausgeht, daß die Stabilität unseres Universums eben darauf beruht, daß es zwischen Materie und Antimaterie keine unmittelbare Berührung gibt, so vermuten dennoch nicht alle Physiker die Antimaterie nur in einem Antiuniversum, sondern manche gehen davon aus, daß sie sich auch in unserem eigenen befinden muß. Sie vermuten sie etwa in der sog. ‚Dunklen Materie’, die es ihrer Meinung nach im Weltraum zwischen der sichtbaren geben muß und die dafür verantwortlich sein soll, daß unsere Galaxien genügend Masse besitzen, um bedingt durch die dadurch erzeugte Eigengravitation ihr Auseinanderdriften zu verhindern. Manche haben auch vermutet, daß bereits Meteoriten aus Antimaterie auf unsere Erde getroffen sind und daß so etwa der bekannte ‚Tunguska’-Einschlag von 1909 in Sibirien zu erklären sei. Solchen Spekulationen sind offenbar keine Grenzen gesetzt, und man fragt sich am Ende nur noch, ob es vielleicht möglich sei, in jenes Antiuniversum, wenn es tatsächlich existiert, hineinzugelangen. Könnte es sein, daß diese Spiegelwelt ganz dicht vor unseren Augen ist und daß wir nur einen einzigen Schritt wie Alice machen müssen, um in es hineinzugelangen?

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