Thema Kosmologie und Philosophie

 

Selbstzeugung

 

 

Selbstzeugung ist strenggenommen ein Vorgang, bei dem etwas sich selbst voraussetzungslos (also aus dem Nichts) nur aus sich selbst hervorbringt. Besonders bestimmte östliche philosophische Systeme wie etwa die altindische Upanishad lassen sich so auslegen, daß sie diesen Selbstzeugungsakt bei der Entstehung des Universums voraussetzen. Das Thema ist aber neuerdings in etwas abgewandelter Form wieder aktuell als Problematik der Selbstreproduktion: Ist es möglich, z.B. Roboter oder künstliche Organismen zu erschaffen, die in der Lage sind, ihre identischen Ebenbilder zu reproduzieren? Das Thema führt unmittelbar zurück zu der Problematik der Entstehung des Lebens überhaupt.

 

 

Die Selbstzeugung der Welt

Nach den Upanishaden ist die Welt aus einem Strudel von Paradoxien entstanden, denn wenn sie sich aus dem „Nichtoffenbarten“ offenbarte, schuf sie sich selbst aus dem Nichts. Wer aber war sie dann zuvor, als sie noch nicht war, was zu sein sie beabsichtigt hatte?

Vor aller Schöpfung war Brahman das Nichtoffenbarte. Aus dem Nichtoffenbarten war das Offenbare. Aus sich selber brachte Es sich selbst brachte es sich selbst hervor. Das Selbstseiende wird es seither genannt. (Tattiriya-Upanishad.)

Aber auch westliche Mystiker konnten der Paradoxie der voraussetzungslosen Weltentstehung nicht entgehen. So sagte Meister Eckhart in seinen ‚Predigten’:

Gott in der Erkenntnis seiner selbst erkennt sich Selben in ihm selber…
Denn ehe die Kreaturen waren, war Gott noch nicht Gott. Er war vielmehr, was er war. Als die Kreaturen wurden und sie ihr geschaffenes Sein empfingen, da war Gott nicht in sich selber Gott, sondern in den Kreaturen war er Gott.

 

Die moderne Physik versucht bekanntlich dieser Problematik mit ihrer ‚Urknall-Theorie’ aus dem Wege zu gehen, mit der in einem urplötzlichen Akt unsere gesamte Materie in ein bereits zuvor bestehendes oder aber zugleich mitentstehendes Raum-Zeit-Kontinuum geschleudert wurde, aus der sich erst danach die gesamte Komplexität der Welt entfaltet hat. Die Frage bleibt allerdings auch hier bestehen, wer das woraus getan haben sollte. Die alten westlichen Philosophen und östlichen Philosophien stellten eben gerade diese Frage in den Vordergrund ihrer Betrachtungen:

Denn die Monas hat den Logos des Urgrundes und zeugt die ihr angemessene Vielheit. (Proklos: Initia Theologiae.)
Das Tai erzeugt die Eins, Das Eins erzeugt die Zwei, Die Zwei erzeugt die Drei, die Drei erzeugt alle Dinge. (Laotse: Taoteking.)
Da Es (das Brahman) sich selbst erkannte, wurde es zum Selbst in allen Wesen. (Brihadarany­aka-Upanishad.)
 
 
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