Thema Euro-Krise

Der Euro als Teuro

Die Frage, ob der Euro ein sog. Teuro ist oder nicht, wird besonders von offizieller Seite vornehmlich verneint und dabei gerne das Argument der niedrigen Inflationsrate vorgeschoben sowie mit der Unterscheidung zwischen einer wahrgenommenen und realen bzw. wahren Teuerung abgewehrt. („Die wahrgenommene Inflationsrate“). Diese Verbindungen bedürfen allerdings bereits einer kritischen Analyse. Zum einen hat die Inflationsrate wenig mit der Teuerung im Privathaushalt zu tun, wenn sie Preise und Einkommen gleichermaßen betrifft. Die Inflationsrate war auch nur in Deutschland besonders niedrig, während sie in den südlichen Euroländern eher zu hoch war. Sie war vielmehr auf Umstände zurückzuführen, die bei gleicher Politik auch zu DM-Zeiten eine niedrige (im europäischen Rahmen zu niedrige) Inflationsrate zur Folge gehabt hätte. Und die Unterscheidung zwischen wahrgenommener und realer Teuerung ist ebenfalls für den Normalverbraucher unrelevant, wenn ihm Dinge als real dargestellt werden, die wenig mit seinem Alltag zu tun haben. Die dazu angestellten Warenkorbvergleiche sind in diesem Sinn in der Regel immer durch die besondere Perspektive des Konsumenten bedingt, also davon, was für ihn selbst relevant ist oder nicht. Man muß insofern unterscheiden zwischen Luxusgütern und Grundbedarfsartikeln, sowie zwischen Entwicklungen, die etwas mit der Währungsumstellung zu tun haben und solchen, die davon unabhängig sind.

Besser zur Beurteilung der Teuerungsfrage als solche Warenkorbvergleiche sind deshalb Einzelbetrachtungen. Dazu müssen wir uns zunächst klarmachen, daß die Halbierung der Nominalwerte bei der Umstellung von der D-Mark zum Euro zwar alle Bürger zunächst in gleicher Weise betraf, daß von da an aber eine deutliche Unterscheidung zwischen solchen stattgefunden hat, die daran nichts ändern konnten, und solchen, denen das in mehr oder weniger hohem Maße doch möglich war. Ob nämlich die Relation von 2:1 richtig war oder nicht, konnte ansich nur der Markt beurteilen - in dem Sinn, daß die Löhne und Preise sich danach normalerweise wieder automatisch austarieren. Bezüglich dieser Möglichkeit gab es aber fortan einen deutlichen Unterschied zwischen Bürgern, die im „System“ waren und eine starke Marktposition hatten und solchen, bei denen das nicht der Fall war. Zu letzteren gehörten diejenigen, die nicht in der Lage waren, ihre Einkommen am Markt neu zu justieren und damit eine ggf. stattgefundene umstellungsbedingte Minderung  ihrer Kaufkraft wieder auszugleichen: das waren vor allem die Geringverdiener und die Rentner. Bei letzteren muß wieder unterschieden werden zwischen solchen, die relativ üppige Renten hatten, von denen also eine ggf. stattgefunden habende Teuerung leichter zu verkraften war und die Minderung ihrer Kaufkraft auch entsprechen weniger bemerkten, und den Kleinrentnern, bei denen das an die Substanz ging..

 

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