Thema Euro-Krise

   
   

Hintergründe der Dollar-Hegemonie

 

   

Eines der wichtigsten Argumente zur Begründung der Notwendigkeit des Euro war die übermächtige Konkurrenz des Dollar. Zumindest war es das, was den Bürgern noch am eingängigsten war. Angeblich sollte durch die neue Gemeinschaftswährung ein vergrößerter Binnenmarkt ähnlich dem des amerikanischen entstehen und der Dollarhegemonie entgegenwirken. Wir haben an anderer Stelle bereits erörtert, daß diese Argumente kaum stichhaltig sind, da einerseits der gemeinsame europäische Währungsraum schon vorher bestand und gut funktionierte und es nicht einleuchtet, wieso dafür eine Gemeinschaftswährung notwendig war, und andererseits die Dollar-Hegemonie auch kaum oder nur sehr nachrangig auf dem großen US-Binnenmarkt beruht. Tatsächlich sind dafür vor allem Dinge und Methoden maßgeblich, die mit der gerade von amerikanischer Seite propagierten Freiheit des Marktes nur schwer vereinbar sind. Daß dazu unter anderem auch militärische gehören, mag zwar teilweise bekannt sein, wenn das in den Medien auch kaum breit erörtert wird, von der Politik ganz zu schweigen. Daß dazu aber auch Mittel gehören, die sich auch im Sinne zivil- und völkerrechtlicher Logik kaum noch mit dem Prinzip der Rechtstaatlichkeit vereinbaren lassen, dürfte selbst dem schlimmsten Verdacht der Kritiker des US-Imperialismus größtenteils bisher entgangen sein. Dieses gehört deshalb in jenen Bereich, der üblicherweise von offizieller Seite als ‚Verschwörungstheorien’ beiseite getan wird. Wenn wir das hier dennoch darzustellen versuchen, so werden wir das nicht mit Vermutungen und Unterstellungen tun, sondern mit Argumenten, denen man folgen kann oder nicht. Zwar sind die einzelnen Schritte unserer Argumentation bekannt und offiziell, aber es ist noch kaum sonst irgendwo der argumentative Bogen so weit gespannt worden.

Es scheint aber wichtig, diese Dinge zu erörtern, denn sie haben auch eine Bedeutung für den Bestand der Euro-Währung und darüber hinaus für die Rolle Deutschlands im europäischen Raum sowie dessen zukünftigen Wohlstand. Dabei steht durchaus nicht nur die Bedrohung seiner Zahlungsfähigkeit für die horrenden Garantiesummen zur Diskussion, die u.a. zur Rettung der südeuropäischen Krisenländer ins Spiel gebracht werden und deren Forderungsberechtigung nicht in jeder Form so leicht zu bestreiten ist wie es dem deutschen Normalbürger erscheint (worauf wir etwa im Artikel ‚Die virtuelle Kanzlerin’ mit dem Untertitel ‚Unverhältnismäßige Interventionen’ hinweisen), sondern es gibt da noch eine ganz andere Bedrohung, deren Berechtigung zweifellos vor keinem Gericht Bestand hätte und sogar üblicherweise diejenigen, die dafür verantwortlich sind, unzweifelhaft ins Zuchthaus bringen würde, wenn es solche internationalen Zuchthäuser gäbe und wenn es überhaupt einen Kläger dafür gäbe.

Nehmen wir den Fall an, unser Geldbestand sei durch externe Forderungen bedroht, so kann es über diese eine normale rechtliche Untersuchung und Erörterung geben, die uns im Zweifelsfall veranlassen könnte bzw. müßte, unseren Tresor endlich zu öffnen. Wenn wir das aber tun und sehen, daß darin gar nichts mehr oder nur noch eine Teilmenge dessen vorhanden ist, was unseren Büchern nach darin hätte sein müssen, dann ist der übliche Rahmen der Rechtstaatlichkeit überschritten. Das wäre dann kein Fall mehr für Zivilgerichte, sondern nur noch für Strafgerichte. Wenn nun aber unser Prokurist sich als mitschuldig am Verschwinden des Bestandes erweist und wir selbst deshalb kaum noch wissen, welches Spiel hier gespielt wurde, und wenn diejenigen, die sich dabei offenbar auf unsere Kosten bereichert haben, für uns angesichts unserer anderen Interessen zu wichtig sind und wir uns deshalb noch nicht einmal trauen, unsere Verdachtsmomente offen auszusprechen, dann ergibt sich in etwa das Bild, das der Realität am ehesten entspricht.

In jüngster Zeit wird lautstark im Zusammenhang mit den Überwachungsprogrammen seitens der USA und Großbritanniens gesagt, daß so etwas gegenüber Freunden, für die wir uns diesen Ländern gegenüber ja ansich immer noch halten, unmöglich sei. Aber obwohl dazu das Medienspektakel immer noch eskaliert, werden wir uns zugleich bewußt, daß wir die erörterten Zustände eigentlich schon immer irgendwie geahnt haben. Mit anderen Worten: allzusehr kann man auf internationalem Parkett offenbar niemandem und selbst auch nicht jahrzehntelangen Freundschaften vertrauen.

Ohnehin beruht nach Ansicht vieler Kritiker die amerikanische Wirtschaft seit jeher auf dem Raubprinzip - Raub des Landes von den Indianern, Sklaverei, ausgedehnter Seeräuberei und Imperialismus bis in die jüngste Gegenwart. Es wurde ja auch bereits vielfach nicht nur vermutet, sondern auch ausgesprochen, daß seitens der US-Administration und unter Zuhilfenahme der US-Bank Goldman-Sachs sehr gezielt daran gearbeitet wurde, den Euro in die heutige Krise zu bringen. Diese Vermutung ist also gar nicht neu. Wir sagten allerdings selbst dazu an anderer Stelle:

Was nämlich den damit verbundenen Eindruck angeht, diese Bank habe auf Anweisung der US-Regierung gehandelt, die an einer Schwächung des Euro sehr interessiert war, so ist dazu zu sagen, daß ein solcher Einfluß angesichts der herrschenden Finanzmarktstrukturen eher nur umgekehrt denkbar ist. Denn zwar waren alle Finanzminister der letzten drei US-Präsidenten ehemalige Goldman-Sachs-Mitarbeiter, aber diese Bank ist derartig groß, daß ein rückwärtiger Einfluß dieser Leute nach ihrem Austritt dort vermutlich kaum noch gegeben war, während umgekehrt ihre frühere Prägung durch die Bank sicher noch ihren folgenden Politikstil beeinflußte. Auch ist die Bank innerlich inzwischen derartig anonymisiert, daß es in ihr kaum noch unmittelbare Chefanweisungen gibt. Denn in ihr wirken alle Abteilungen derartig speziell und autonom, daß man eher sagen kann: sie folgen einfach nur noch ihrer und der Logik der Finanzmärkte, und ihre daraus folgende Indoktrination hat eben dazu geführt, sich so zu verhalten, wie sie es getan haben.

Immerhin beziehen sich solche Vermutungen auf das Wissen über die Bedrohung des Dollar durch eine zu unverhältnismäßige relative Stärkung des Euro. Dem steht zwar die Tatsache gegenüber, daß alle Wirtschaftsräume derartig miteinander verbunden sind, daß keiner daran interessiert sein kann, die andere Leitwährung völlig zu ruinieren, weil das die eigene auch unmittelbar mit in den Strudel ziehen würde. Im Mai 2010 begann nämlich tatsächlich die Euro-Krise auch die USA zu infizieren, denn da brach plötzlich auch die Börse in New York ein, was sich daraus erklärte, daß die amerikanischen Banken bei den europäischen mit 3,6 Billionen Dollar exponiert waren. Damit zeigte sich umgekehrt nun das gleiche Bild wie zwei Jahre zuvor, als die US-Immobilienkrise auch die europäischen Banken tangierten. Jetzt forderte umgekehrt der amerikanbische Präsident die EU auf, ein massives Rettungspaket für die maroden Euro-Staaten aufzulegen. Über den Internationalen Währungsfonds, in dem sie eine Sperrminorität besitzen, haben die USA fortan einen Fuß in der Tür der europäischen Währungsunion. Sie sind also mit dabei und kontrollieren mit, wenn Griechenland und andere Mittelmeerländer unter Kuratel gestellt werden. In der einen oder anderen Weise gibt es viele Manipulationsinstrumente, die die gegenseitigen Kurse beeinflussen oder korrigieren können, und diese werden auch ständig genutzt.

Wie wichtig es für die Amerikaner ist, weiterhin ihre Dollarhegemonie aufrecht zu erhalten, wurde erst kürzlich wieder in der Nachfolge der US-Immobilienkrise deutlich, weil damit für sie praktisch die Möglichkeit der Wiederherstellung ihrer Bilanz durch einfaches Gelddrucken ohne die damit üblicherweise verbundene Gefahr einer übermäßigen Inflation verbunden war. Denn hinter dem Dollar steht nicht nur der amerikanische Binnenmarkt, sondern zumindest auch alle diejenigen, die als Abnehmer und Konsumenten  an die internationalen Ölmärkte angeschlossen sind sowie alle die, die noch wesentliche Devisenbestände in Dollar führen und die alle die Folgen von dessen Inflationierung mitzutragen haben. Wo immer auch andere wichtige Rohstoffe wie etwa Weizen oder Bananen international gehandelt werden, wird deren Preis in Dollar abgerechnet. Wer einen Tanker Rohöl kaufen will, braucht dafür US-Dollar, und dafür muß er seine eigene Währung zuvor gegen US-Dollar umtauschen. Das hält die Dollar-Nachfrage aufrecht, und mit jedem Handel erhalten die USA somit einen Kredit. Es ist ihnen elementar wichtig, daß es dabei bleibt, den sonst durch nichts gedeckten Dollar als weltweit anerkannte Verrechnungseinheit durchzusetzen.

Auf der anderen Seite ist es aber auch verständlich, daß diejenigen, die ihre Devisen in Dollar führen und sehen, daß die US-Notenbank ständig hinter den Kulissen neue ungedeckte Dollarnoten druckt, nach anderen Wegen suchen, um nicht fortwährend für die Schulden der USA mit aufkommen zu müssen. Der Euro war dabei auf gutem Weg, den Dollar zu verdrängen. Doch ist es nicht so leicht, dem Dollar zu entkommen, weil die USA auch militärische Mittel dafür einsetzen, um damit ihre imperialistische Politik aufrechterhalten zu können.

 

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