Thema Esoterik

 

Zahlenmystik

 

Die Zahlenmystik geht davon aus, daß Zahlen nicht nur geistige Werkzeuge zum Abzählen bestimmter in einer Mehrzahl vorkommender Objekte sind, wie sie beim Rechnen und in der Mathematik verwendet werden, sondern daß sie selbst ursprüngliche Phänomene mit einem eigenen hinter ihnen verborgenen Sinn sind. Insofern werden mehrfach in Erscheinung tretende Dinge als eigenständige Gruppen oder Mengen aufgefaßt, deren Gruppierung nicht zufällig ist und nicht nur aus gleichartigen Elementen besteht, die als solche auch beliebig ergänzt oder vermindert werden können. Aus dieser Sicht ist eine Menge oder Gruppe ein für sich bestehendes Phänomen, das nicht in eine Vielzahl untergliedert und auseinanderdivigiert werden kann, weil ihre Teile Bestandteile eines gemeinsamen Organismus sind. So ist etwa ein Paar eine aus zwei zugehörigen Elementen bestehende Zweiheit, die ihre Identität verliert, wenn ihr ein drittes Element hinzugefügt wird. Die Zahl der Elemente bildet also eine eigenständige Identität und stellt insofern einen Gesamtorganismus dar. Die im Märchen auftretende Siebenzahl der Zwerge läßt sich höchstens durch Amputation des Gesamtorganismus untergliedern und verliert dadurch ihre Gesamtbedeutung. Ein einzelner Zwerg ist selbst dann etwas völlig anderes als die Siebenzwerge, wenn man ihm noch sechs weitere Einzelzwerge hinzugesellt – ebenso wie sich kein lebendiges Tier dadurch herstellen läßt, daß man seine Glieder und Organe zusammenfügt. Einer Zahl als Gruppe entspricht insofern immer etwas Gesamtorganisches.

 

Philosophische Grundlage

Ohnehin liegt jeder Zählung eine bestimmte und im Allgemeinen unbewußte Voraussetzung zugrunde, daß die abgezählten Dinge unter sich gleichartig sind. Man kann nicht eine Weltreise, einen Apfel, eine Farbe und einen Hund zusammenzählen und sagen, es seien insgesamt vier. Selbst Schafe und Ziegen lassen sich nur dann zusammenzählen, wenn zuvor Einigkeit darüber hergestellt wurde, daß zwischen ihnen hinsichtlich der Zählung nicht unterschieden werden soll, und wenn man lediglich Schafe zählt, so liegt dem eine bestimmte Idee einer Art ‚Schafheit’ zugrunde, die ihre besondere Identität definiert. Mit anderen Worten: die übliche Verwendung von Zahlen ist ein reines Kunstprodukt ohne eigene Realität, denn diese erhält sie nur aus der praktischen Anwendung.

 

Die Idee einer Gruppierung als eigene Qualität liegt auch der sog. Mengenlehre zugrunde, die vor allem von Georg Cantor im 19. Jahrhundert begründet wurde und später in den Schulunterricht Eingang fand. Cantor definierte eine Menge so: „Unter einer „Menge“ verstehen wir jede Zusammenfassung M von bestimmten wohlunterschiedenen Objekten m unserer Anschauung oder unseres Denkens (welche die „Elemente“ von M genannt werden) zu einem Ganzen.“ Auch dieser Formulierung liegt also die Auffassung zugrunde, daß die Unterscheidung von Objekten eine bloße ‚Anschauung’ und deren ‚Objektivierung’ ansich nur geistiger Natur ist. Der uns vertraute tägliche Umgang in der mathematischen Verwendung von Zahlen als bloßen Zählwerkzeugen verstärkt in uns allerdings die Auffassung von der Zusammensetzung der Dinge aus abzählbaren Vielheiten, die dagegen für die antiken Philosophen durchaus noch problematisch war. Für die Neuplatoniker war das Problem des Gegensatzes des ‚Einen und des Vielen’ ein zentrales Thema.

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