Thema Esoterik

   
   

Schamanismus

 

Ein Schamane ist in einer archaischen Gesellschaft ein besonders mächtiger Mensch, zugleich Medizinmann und Zauberer. Er verfügt über ungewöhnliche und geheimnisvolle Fähigkeiten, die ihn vor allen anderen auszeichnen und die er üblicherweise von einem Lehrer und durch eine äußerst schwierige Initiation erworben hat, zu denen er aber auch von vornherein besonders begabt sein muß. Diese seine Begabung läßt sich schon früh an seiner Wesensart erkennen: er ist ein stiller, introvertierter Mensch, der dazu neigt, vorwiegend alleine zu sein. Dieser kurze Versuch einer allgemeinen Beschreibung läßt zwar auch Ausnahmen zu, trifft aber in etwa zu, und zwar durchgehend für alle Spielarten und über alle Kulturen und Kontinente hinweg - etwa für Yogis, Magier, spiritistische Medien, Heilige oder Genies usw. Dabei ist die Tatsache auffallend, daß solche Gemeinsamkeiten selbst dann gegeben sind, wenn kein gemeinsamer kultureller Ursprung feststellbar ist. Das legt die Vermutung einer bestimmten Zwangsläufigkeit nahe. Wir werden das mit der in jedem dieser Fälle gegebenen unmittelbaren Beziehung des persönlichen Bewußtseins zum Weltgeist zu erklären versuchen, die auch durch die Initiation verstärkt werden kann.

Mit der archaischen Vorstellung vom Schamanen ist eigentlich immer der Zustand der Trance verbunden, der sowohl durch Halluzinogene als auch durch eine besondere ekstatische Autosuggestion erreicht werden kann. In der Trance verändert sich der Bewußtseinszustand des Schamanen, und er tritt dadurch in eine andere Wirklichkeit, in der er zu paranormalen Fähigkeiten gelangt. Im Sinne unserer Theorie können wir also sagen, daß sein individuelles Bewußtsein entbündelt und dadurch wieder dem Weltgeist angeschlossen wird. Hierbei tritt in auffallender Weise fast durchweg das Erlebnis einer Reise durch einen Tunnel in Erscheinung, das diese Theorie zu unterstützen scheint. Wir werden diesem Vorgang auch noch bei den Sterbeerlebnissen begegnen, er erscheint aber auch bei besonderen Meditationszuständen, sowie bei Rauschzuständen oder bestimmten Erlebnissen von krankhaften Bewußtseinsveränderungen. Die Theorie des Anschlusses an den Weltgeist würde besondere und immer wieder auftauchende Erlebnisse von ekstatischen Glückserlebnissen und Bewußtseinserweiterungen erklären sowie die Erlangung der paranormalen Fähigkeiten. Schamanen können im Zustand der Ekstase etwa in die Zukunft sehen und haben Zugang zu allen möglichen Informationen, sie können aber auch auf die physikalische Wirklichkeit einwirken, was uns tatsächlich auf deren Zusammenhang mit besonderen Bewußtseinszuständen hinweist. Was im Zusammenhang mit Poltergeistphänomenen bestimmten Jugendlichen nur ausnahmsweise und ohne deren Wissen möglich ist, führen Schamanen also ganz gezielt herbei, wobei das einzig verbindende Element in der Initiation gesehen werden kann, die üblicherweise in eine Altersphase fällt, in der ein Mensch erwachsen wird. Hier gäbe es also eine Erklärung dafür, warum solche Fähigkeiten gerade bei Jugendlichen auftreten - und zwar im Sinne unseres Wegbahnungsgedankens, den wir schon bezüglich der Tarotphänomene erwogen hatten.

Das Tunnel-Phänomen wird von dem Anthropologen Michael Harner bezüglich der australischen Arunta oder der Twana von der Nordwestküste Nordamerikas folgendermaßen beschrieben:

Eingänge in die Unterwelt führen im allgemeinen hinunter in einen Tunnel oder ein Rohr, das den Schamanen zu einem Ausgang leitet, der sich in strahlende wundervolle Landschaften öffnet. Von dort reist der Schamane minuten- oder sogar stundenlang, wohin er will, kehrt schließlich durch das Rohr nach oben zurück, um an der Stelle der Oberfläche aufzutauchen, wo er hineingegangen war.

Dieses ist keineswegs ein nur zufälliger Brauch, denn gleiches berichtet Rasmussen über die Iglulik-Eskimos der Hudson Bay:

Für die allergrößten Schamanen öffnet sich ein Weg direkt aus dem Haus, worin sie ihre Hilfsgeister anrufen - eine Straße hinunter in die Erde, wenn sie in einem Zelt an der Küste sind, oder hinunter durch das Meer, wenn es in einer Schneehütte auf dem Meereseis ist, und auf dieser Straße wird der Schamane hinuntergeführt, ohne irgendeinem Widerstand zu begegnen. Er gleitet sozusagen, als ob er durch ein Rohr fällt, welches so genau um seinen Körper paßt, daß er sein Vorankommen dadurch prüfen kann, daß er sich gegen die Seitenwände drückt, und nicht wirklich wie bei einem Sturz hinunterzufallen braucht. Dieses Rohr wird für ihn von allen Seelen seiner Namensvettern offengehalten, bis er auf seinem Weg zur Erde zurückkehrt. Wenn der Eskimo-Schamane von seiner Reise in die Unterwelt zurückkehrt, können die Menschen im Zelt oder Iglo ihn von weither kommen hören. Das Rascheln bei seinem Durchgang durch das Rohr, das für ihn von seinen Geistern offengehalten wird, kommt immer näher, und mit einem mächtigen "Plu-a-he-he" schießt er hinaus an seinen Platz hinter dem Vorhang.

Eine besondere Rolle spielt das schamanische Ritual, das gleichermaßen zur Steigerung der Ekstase beiträgt. Daß der Schamane tatsächlich an die Geister glaubt, die er beschwört und denen er sich anvertraut, braucht nicht zu überraschen, denn er stammt aus einer kulturellen Umgebung, in der diese Dinge zur Realität gehören. Das ist nicht unerheblich für die Erlangung seiner Fähigkeiten, denn wenn geistige Einflüsse und physikalische Wirklichkeit zueinander in Beziehung stehen, tritt dadurch tatsächlich eine Wechselwirkung auf, die die Weltsicht des Schamanen bestätigt und in der sich zwischen diese beiden scheinbar so extremen Gegenpole alle möglichen Zwischenstufen einschieben. Das Ritual dient dann dazu, über diese Stufen in eine andere Wirklichkeit zu wandern. Der Schamane lebt demgemäß auch im üblichen Alltag noch unmittelbarer und stellvertretend für seine Gemeinschaft in einer besonderen Wirklichkeit und in permanentem Kontakt mit seinen Gottheiten und Dämonen, die ihm in allen Dingen seiner Umgebung ständig gegenwärtig sind: alles hat seine besondere Bedeutung. In einer solchen Umwelt stellt sich von ganz alleine eine andere Wirklichkeit ein, und man kann sich somit das in verschiedenen Kulturen ähnliche Erscheinungsbild des Schamanismus aus einer ganz natürlichen Gewachsenheit erklären. Die Wirklichkeit mußte nicht erst anders werden, sondern war es von vornherein, und unsere positivistische Welt ist demnach in viel höherem Maße erst ein Kunstprodukt der Einwirkung des menschlichen Geistes.

Das Phänomen des Schamanismus ergab sich somit eigentlich ganz automatisch aus der existentiellen Situation der Naturvölker. Man kann das durchaus vergleichen mit den sexuellen Praktiken, die auch überall und in allen Kulturen zu gleichen Ergebnissen führten, die eigentlich jenseits des Begriffsvermögens der Naturvölker stand. Nicht nur zufällig machen ja auch Tiere dazu das einzig Richtige, selbst wenn sie die Beziehung zwischen Zeugung und Geburt nicht kennen, denn natürlich sind diese Praktiken evolutionär mitgewachsen und nicht auf einen irgendwann erfolgten ersten Entschluß zurückzuführen wie etwa das erste bewußt entzündete Feuer oder die erste Verwendung einer Keule. So gesehen wäre also der Schamanismus fast weniger ein bewußtes Kulturprodukt als die Verwendung von Werkzeugen. Diese Dinge sind absolut archetypisch und haben sich aus geringsten Anfängen empor entwickelt, die sich letztlich aus der wechselseitigen Bedingtheit der Quantenprozesse ergaben, denn demnach standen geistige und physikalische Dinge immer schon in Wechselwirkung, und diese offensichtliche Tatsache hat schon die Fantasie der Urmenschen in ihrem frühesten Entwicklungsstadium beflügelt. Die Naturvölker machten somit mit ihren Beschwörungen ebenfalls das einzig Richtige und erzeugten dadurch die hohen geistigen Konzentrationen, die auf die physikalische Wirklichkeit einwirken konnten. Diese Bräuche und Riten haben sich also aus der vormenschlichen Evolution hochentwickelt, und die unmittelbaren Vorläufer des Menschen wären demnach die Affenhorden gewesen, die mit möglichst lautem Geschrei ihre Feinde in die Flucht zu schlagen versuchten, und deren Vorläufer wären die Männchen niederer Tierarten gewesen, die durch das Aufblasen ihres Körpervolumens oder gleichfalls lauten Lärm ihre Gegner und ihre Weibchen zu beeindrucken versuchten. Der Einwand, dieses sei aber doch nur kausal zu erklären und grenze sich damit scharfkantig gegen eine geistige Einwirkung auf physische Ereignisse ab, stimmt nicht ganz, denn gerade die Scharfkantigkeit dieser Einwirkungsabstufungen ist tatsächlich niemals gegeben. Die Übergänge sind kontinuierlich und stehen untereinander ebenfalls in Wechselwirkung. Somit könnte sich auch das Tunnelphänomen aus primitivsten evolutionären Uranfängen hochentwickelt haben, es ist ebenfalls archetypisch, und es steht sicher auch mit dem Geburtserlebnis in Verbindung. Da aber zweifellos auch unsere Vorfahren schamanische Bräuche besaßen, geht es für uns heute nicht darum, diese Dinge als Neuigkeit zu erfahren, sondern wir müssen uns nur wieder daran zurückerinnern, denn auch wir stammen aus diesem kulturellen Ursprung ab - wie etwa das Rosenheimer Ereignis beweist.

Die wichtigsten Attribute des Schamanen sind seine besondere Kleidung, die ihn für alle anderen Stammesmitglieder als Verbindungsmann zu den Gottheiten erkennbar machen, sowie seine Trommel, die gewissermaßen das Fahrzeug ist, auf dem der Schamane in die Geisterwelt fährt. Tatsächlich kann der monotone und allmählich gesteigerte Trommelrhythmus auch bei Nichtschamanen eine Bewußtseinsveränderung bewirken. Harner hat das sogar bei Angehörigen unserer westlichen Kultur nachgewiesen, die auf diese Weise tatsächlich das Erlebnis der typischen Tunnelreise in eine andere Wirklichkeit hatten, aus der sie erst wieder durch besondere und zuvor vereinbarte Trommelsignale zurückgeholt werden konnten.

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