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Der Untergrund

 

Außer der Einrichtung zusätzlicher Bastionen und des unterirdischen Gangsystems kam noch eine weitere dringende Aufgabe auf uns zu, nämlich der Ausbau eines unterirdischen Systems für den Güter- und Personenverkehr. Das war wieder ein typisches Projekt, das vor allem auf Informationen beruhte, die ich aus der Tunnelbautechnik meiner Gegenwart mitgebracht hatte. Das Hauptproblem dabei war natürlich, dass wir noch keine modernen Schienen herstellen konnten, sondern dabei auf die Technologie jener Zeit angewiesen waren, in der wir uns hier befanden. Immerhin waren die Eisenschienen, die unsere Schmiede hier bereits herstellen konnten, geeignet genug, um darauf unsere natürlich noch etwas primitiven Fahrzeuge fahren zu lassen, bei denen es sich vornehmlich um Konstruktionen handelte, die ähnlich wie die allerdings sonst erst Jahrhunderte später eingeführten Draisinen nur mit Muskelkraft betrieben wurden, und zwar dadurch, daß jeweils durch maximal vier Personen an zwei Seiten auf- und niederschwingende Ruderhebel betätigt werden mussten, mit deren Hilfe ein Schwungrad in Gang gesetzt wurde, das seine Kraft über ein Seilsystem auf die vier Antriebsräder übertrug. Diese draisinenartigen Fahrzeuge konnten auf den Schienen ein erhebliches Tempo gewinnen und durch Aneinanderkoppelung dabei jeweils eine größere Menge von Kämpfern oder Arbeitern über größere Reichweiten transportieren. Der nicht zu unterschätzende Vorzug, der sich dadurch ergab, lag vor allem darin, dass wir nicht in jeder unserer Bastionen nur für bestimmte Eventualfälle dennoch jeweils komplette Streitmannschaften jederzeit parat halten mussten, sondern diese stets nur nach Bedarf von bestimmten Sammelpunkten aus in dasjenige Fort bringen konnten, in dem sie gerade benötigt wurden. Ein zweiter wichtiger Vorzug dieser unterirdischen Bahn lag natürlich in der Güterversorgung der einzelnen Bastionen, die dadurch völlig geschützt gegen Raubüberfälle und auch weitgehend gegen Spionage war. Andererseits lag auch darin wieder wie bereits erwähnt das Problem, dass beim Bau dieser unterirdischen Tunnelanlagen in regelmäßigen Abständen überflüssige Erdreich nach draußen gebracht werden musste, was wir allerdings weitgehend nur bei Nacht taten und noch in der Dunkelheit dafür sorgten, dass am Tage das Erdreich so weit verteilt war, daß davon nichts mehr zu sehen war. Dennoch mussten wir natürlich immer damit rechnen, daß irgendwo Tunneleingänge oder Luftschachtzugänge entdeckt wurden, aber dafür hatten wir bereits eine überraschend moderne Lösung für ein gut funktionierendes Warnsystem entwickelt, das vor allem mithilfe mechanisch zu ziehender Seile funktionierte. Über jeweils einzeln bemannte Zwischenstationen konnten wir so Informationen innerhalb sehr kurzer Zeit über weite Entfernungen weitergeben und von dort gegebenenfalls Kämpfer oder Reparaturtrupps an die erforderlichen Stellen schicken. Als dieses Bahnsystem eingerichtet war, war es für uns noch viel leichter geworden, neue Bastionen in geschützten und abgelegenen Bereichen so zu errichten, daß die Möglichkeit einer zu frühen Entdeckung noch wesentlich geringer wurde. Es war so nicht nur möglich, alle nötigen Baustoffe über größere Entfernungen herbeizuschaffen, sondern auch etwa das ausgeworfene Erdreich an Stellen zu verbringen, wo wir es relativ unauffällig abladen konnten.

Die Organisatoren der Aufständischen hatten es jetzt weitgehend realisiert, die Hauptmasse ihrer Mitstreiter nur noch als Arbeiter zu verwenden, und damit hatten sie die Möglichkeit, vor allem ihre wichtigsten Bauaufgaben effektiv durchzuführen. Aber diese Arbeiterrebellen mussten ja versorgt werden, und deswegen brauchten sie eigene Ländereien, auf die sie vor allem diejenigen ehemaligen Bauern schickten, denen es aus verschiedenen Gründen wichtig war, dass sie ihre Familie mit sich führten. Die Rebellen unterteilten sich damit in drei Hauptgruppen: die Arbeiter, die Kämpfer und die Versorger. Letztere waren vor allem Bauern, die wie früher lebten und arbeiteten, aber an ganz anderen Orten, wo sie neue Ländereien zugeteilt erhielten, die zwar vorerst mit den dazugehörigen landwirtschaftlichen Geräten und dem notwendigen Vieh im Kollektivbesitz blieben, deshalb aber auch unter dem Schutz der Gemeinschaft standen und auf jeden Fall dem Zugriff ihrer früheren Dienstherren entzogen waren. Neben der Eigenversorgung arbeiteten sie nur noch für ihre neuen Mitkämpfer. Das Problem dabei war natürlich, diese Ländereien gegen Überfälle der Gegenseite zu schützen, und das konnte nur durch regelmäßig verteilte Garnisonen gewährleistet werden, von denen die darin befindlichen Kämpfer jederzeit schnell an die notwendigen Orte gebracht werden konnten. Man achtete aber darauf, dass es wegen des stets sorgfältig ausgewählten Geländes der Gegenseite nirgendwo möglich war, die Rebellen dadurch zu einer offenen Schlacht zu bringen, sondern dass es möglich blieb, den Gegner auch hier nur durch Guerillaangriffe zu bekämpfen. Vor allem zu diesem Zweck sorgten sie dafür, dass in jedem der hier angesiedelten Bauernhöfe an einer versteckten Stelle jeweils ein Abstieg zu dem immer besser ausgebauten unterirdischen Kanalsystem vorhanden war.

 

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