Verlag

Prometheus

Das Gesetz der Vergangenheit

 

Exposé

 

 

Die Handlung.

Der Protagonist berichtet uns (als Ich-Erzähler) zunächst von einem merkwürdigen Traum. Wenig später gerät er an jemanden (sein ‚Mentor’ und späterer Antagonist), der ihm anbietet, ihn auf einem etwas ungewöhnlichen Weg in die Lage zu versetzen, mehr darüber zu erfahren. Je mehr er danach in die Parallelwelt kommt, die mit der des Traumes identisch zu sein scheint, desto mehr erfahren wir auch über ihn selbst. Vor allem geschieht das durch den Konflikt, in den er dabei mit seinem Mentor gerät, weil er sich zunehmend von dessen Vorgaben emanzipieren zu können meint. Durch seine Eigenmächtigkeit verstrickt er sich aber im Laufe der Handlung immer mehr in einen Grundkonflikt nicht nur mit seinem Mentor, sondern auch mit den notwendigen Regeln der Parallelwelt.

Tatsächlich handelt es sich bei dieser Parallelwelt um unsere historische Vergangenheit (die Zeit der Bauernkriege im 15. Jahrhundert), und es waren vor allem die dort vorgefundenen schlimmen Zustände, die in ihm das Bedürfnis entstehen ließen, daran Korrekturen vorzunehmen, zu denen er sich als moderner Mensch in der Lage zu sehen glaubte. Er ergreift angesichts der Zustände sogleich Partei für die Bauern und überlegt, wie er diesen helfen kann. Das ist ihm allerdings zunächst nicht ohne weiteres möglich, da er dort lediglich zu der Rolle des stillen Beobachters verurteilt ist und von den Menschen jener Zeit noch nicht einmal wahrgenommen wird. Erst später wird er schrittweise immer mehr in die Lage versetzt, selbst in das Geschehen einzugreifen. Die damit verbundenen Gefahren, vor denen ihn sein Mentor stets warnte, meinte er dabei ignorieren zu können.

Während er mit seinen aus der Moderne übernommenen Vorteilen und Kenntnissen in das Geschehen eingriff und dabei zunächst noch gegen ganz menschliche Gegner kämpfte, rückten in dem Moment, als er darin schließlich erfolgreicher wurde, zwei viel mächtigere Gegner an deren Stelle. Das waren und sind die Notwendigkeit der Geschichte und die prinzipielle ‚ewige Wiederkunft des Gleichen’, die jede Änderung vergeblich erscheinen lässt. Am Ende müßten nämlich seine Eingriffe und Änderungen für die Nachwelt derartig folgenreich sein, dass sie mit seiner ursprünglichen Gegenwart nicht mehr in Deckung zu bringen wären.

Der Konflikt zwischen dem Ich-Erzähler und seinem Mentor entwickelt sich eher subtil und im Hintergrund - die eigentliche Handlung in der Mitte des Romans spielt sich jedoch in der Parallelwelt ab. In dieser entfalten sich auch die einzelnen handlungstragenden Gestalten des Romans. Dabei stehen sich vor allem die Oligarchie (Adel; Klerus und Patrizier) und deren von ihnen unterdrückte Hörige gegenüber, als deren personifizierte Vertreter ein hintergründig bösartiger Priester auf der einen und ein geläuteter Söldner auf der anderen Seite in den Vordergrund treten. Letzterer ist der historisch nachweisbaren Gestalt des Rebellenführers und wichtigen Initiators des Bauernaufstandes Jos Fritz nachempfunden.

Die Auseinandersetzung mit dem zweiten und mächtigsten Gegner - der Unveränderbarkeit der Geschichte - wird schließlich zum Hauptthema des Romans. An dessen Ende tritt der Protagonist in der Gestalt des Prometheus in einem kurzen Theaterstück (ähnlich wie bei dem schwedischen Dichter Viktor Rydberg) als Gegenpart zu dem uralten und unsterblichen Weltwanderer Ahasver auf (einer Entsprechung seines Antagonisten und Mentors), der ihm nun als Vertreter einer fatalistischen Schicksalsergebenheit erscheint, während er selbst bis zum Schluß meinte, dass es zumindest auf einer höheren logischen Ebene doch eine Möglichkeit gibt, einen Beitrag dazu leisten zu können und auch zu müssen, etwas für eine Verbesserung der Welt zu tun. Auch in dem antiken Mythos wurde aber Prometheus für seine von höherer Stelle als eigenmächtig empfundenen Eingriffe bekanntlich schwer bestraft. Wagner ließ allerdings in seiner Oper ‚Die Walküre’ Wotan als nordischen Zeus selbst sagen: „Not tut ein Held, der, ledig göttlichen Schutzes, sich löse vom Göttergesetz: So nur taugt er zu wirken die Tat, die, wie not sie den Göttern, dem Gott doch zu wirken verwehrt.“

Ob aber der Protagonist schließlich vor seinem Ziel dennoch resigniert oder nicht, lässt der Roman allerdings offen. (Die Antwort darauf wird dadurch aber im Anschlussroman möglich.)

.

Die handelnden Personen

  • Der Ich-Erzähler (Protagonist des Romanes). Er wird zunächst nicht weiter vorgestellt, entwickelt sich aber im Verlauf des Romangeschehens.
  • Patraster. Sein Mentor als Antagonist in der Gegenwart. Ein Angehöriger einer Tempelgemeinde, von der der Ich-Erzähler zunächst den Eindruck hat, dass sie in der Tradition der früheren Wiedertäufer steht, was aber später korrigiert wird. Patraster ermöglicht es dem Ich-Erzähler, unter seiner Anleitung in die Welt zu gelangen, in die dieser bereits in seinem ursprünglichen Traum geführt wurde.
  • Jörg Wagner, ein ehemaliger Landsknecht und späterer führender Kämpfer für die Sache der Bauern. Er ist weitgehend der historischen Persönlichkeit des Joß Fritz nachgebildet. Ein sehr intelligenter und aufrichtiger Charakter, der sich immer wieder seinen Verfolgern entziehen kann.
  • Simon Koninck, ein Bauer
  • Gret Koninck, seine Frau
  • Marten, Kristan und Sebastian Koninck, deren älteste Söhne
  • Veit Stoß, eine tatsächlich historisch nachweisbare Persönlichkeit. Ein genialer Bildhauer, der zur Zeit Dürers in Nürnberg lebte und dem vom Rat dieser Stadt nach Auffassung des Protagonisten erhebliches Unrecht getan wurde, zu dessen Korrektur er beitragen möchte.
  • Wendel Höller, dessen Schwiegersohn, eine Nachschöpfung des tatsächlichen Jörg Trummer. Auch er entspricht weitgehend der historische Vorlage. Er ist ein sehr ausgefallener Zeitgenosse, der sich sogar als Räuberhauptmann ausgibt und vor allem wohl aus persönlicher Geltungssucht, angeblich aber, um seinen Schwiegervater zu rächen, systematisch Nürnberger Kaufleute überfällt und ausraubt.
  • Toman Kogelbacher, Gilg Kaghof und Wendel Kreuzinger, drei Führer der Bauernrebellen, die sich vor allem als Verwalter von deren Hauptlagern betätigen.
  • Klas Luckenberg, ein Schankwirt, Kontaktman der Rebellen außerhalb von deren Lagern.
  • Priester Sedes, der ‚Bösewicht’ des Romans, eine sehr widersprüchliche und vor allem negative Person, später zum Priesterinquisitor Fra Sedatius ernannt.
  • Melchior Gründel, eine Gestalt als Maske, hinter der sich der Protagonist in der Welt der Vergangenheit verbirgt. 

 

 

Handlungsabläufe im Einzelnen

Die Prozession

Eine Zeitreise, wie sie – nach der ursprünglichen Auffassung des Protagonisten - eigentlich gar nicht möglich ist. Dieser gerät im Verlauf seiner Meditationsübungen wie unter dem Einfluß von Drogen unverhofft plötzlich in eine Parallelwelt, die er während verschiedener weiterer derartiger Versuche immer deutlicher als offensichtlich real existierend wahrnimmt und in der er schließlich auch die Personen seines ersten Traumes wieder trifft.

Der Priester

Das gilt vor allem zunächst für einen Priester, den er jetzt von einer ganz anderen Seite kennen lernt und der sich im Laufe der weiteren Handlung zu einer sehr negativen Persönlichkeit entwickelt.

Eine Frage des Gewissens

Da dieser Priester ein Vertreter der die Bauernschaft unterdrückenden Oligarchie ist, sieht er sich gegenüber seinem Bischof zur Verletzung seines Beichtgeheimnisses verpflichtet. Der Protagonist vermutet, dass dieses Verhalten Methode hat und dass der Klerus so die Hörigen heimlich überwacht.   

Ein öffentlicher Prozeß

Er wird Zeuge der barbarischen öffentlichen Bestrafung eines Delinquenten, den man mit glühenden Eisen brandmarkt und danach in einen Kerker wirft. Besonders delikat daran ist die Tatsache, dass sich dieser Vorgang historisch nachweisbar an einem der grüßten deutschen Künstler tatsächlich so abgespielt hat und bis heute noch von den Historikern gerechtfertigt wird, obwohl leicht rekonstruierbar ist, dass der Magistrat (der Stadt Nürnberg) damit nur von seiner eigenen Schuld ablenken wollte.  

Besuch des Mentors

Völlig überraschend für den Protagonisten erscheint dessen Mentor ebenfalls in der Vergangenheitswelt, die er bisher immer noch für eine Sonderform seiner eigenen persönlichen Traumwelt hielt. Indem sein Mentor ihm die Technik erklärt, mit der ihm das möglich war, verobjektiviert sich zugleich das Traumgeschehen für den Protagonisten noch mehr

Die Bastion

Eigentlich ist der Protagonist nach seinem eigenen Selbstverständnis ein Ingenieur. Er kann zwar keine gegenständlichen Objekte mit in die Vergangenheit nehmen, jedoch immerhin seine modernen Fachkenntnisse und Informationen. In diesem Fall hilft ihm aber auch sein Wissen über den aktuellen Fund einer antiken Schrift über Festungsbauten in einer Klosterbibliothek, von der er annimmt, dass sie auch im 16. Jahrhundert dort bereits gelegen haben muß, von deren Bedeutung aber damals noch niemand etwas wusste. Diese dort dann tatsächlich noch vorgefundene Schrift ist für ihn deshalb sehr hilfreich, weil er damit auch in der Vergangenheit eine Schrift zur Verfügung hat, auf die er sich dort berufen kann und in der er wichtige zusätzliche Aufzeichnungen findet, die er unmittelbar übernehmen kann. So entsteht unter seiner Oberbauleitung - zwar noch mit mittelalterlichen Methoden, aber modernem Wissen - schließlich eine für die Gegner unangreifbare Idealfestung.

Die Katakomben

Ähnliches gilt auch für ein unterirdisches Grabensystem, das er nach dem modernen Vorbild der Vietcong das ganze Land durchziehend herstellen lässt (wobei sie dann interessanterweise auch auf viele bereits seit mystischer Zeit bestehende Tunnel und Katakomben stoßen). Seiner Vorstellung nach ist es nämlich wenig zweckmäßig, die militärisch viel zu unerfahrenen und schlecht ausgerüsteten Bauern offen gegen die Landsknechtsheere ankämpfen zu lassen. Stattdessen setzt er auf den Einsatz der Hauptmasse der Bauern als bloße Arbeiter im Bau von Tunneln, die dann ihren militärisch besser ausgebildeten Mitkämpfern für ihre Guerillaattacken zur Verfügung stehen.    

Ein perfektes Gefängnis

Der Gegner hat ein fast automatisch funktionierendes Zuchthaus eingerichtet, in dem dessen Delinquenten wie von einer Maschine gequält werden. Die Bauernrebellen können sich aber die Hirnlosigkeit dieser Apparatur und der ihr dienenden Büttel zunutze machen, indem sie sie einfach umpolen und so selbst deren Leitung übernehmen - und zwar so, dass dieses von der Gegenseiten lange Zeit noch nicht einmal bemerkt wird.    

Eine neue Heimat

Die hier beispielhaft in den Vordergrund tretende Bauernfamilie sah sich gezwungen, vor ihrer Herrschaft zu fliehen und ein ihr von den Rebellen dafür zur Verfügung gestelltes Gebiet landwirtschaftlich neu zu nutzen. Sie bekommen dafür alles von den Rebellen geliefert, sollen aber auch wie viele andere derartige Beriebe deren Versorgung sicherstellen. Die Schilderung dieser Robinsonade erinnert an den Roman ‚Sigismund Rüstig’ von Marryat.

Eine Belagerung

Die neu errichtete Hauptbastion der Bauern muß dann allerdings auch während einer großen Belagerung ihren ersten großen Bewährungstest bestehen. Da deren Verteidigung allerdings kaum großen Gegenaufwand erfordert, kann der Protagonist sich indessen ganz anderen Aufgaben widmen. Er hält sich dabei an das Vorbild des Römers Scipio, der Karthago während der dortigen Abwesenheit Hannibals bezwang, statt sich gegen diesen weiterhin (dort vergeblich) in Italien zu verteidigen. Nach dessen Vorbild erobert auch der Protagonist ausgerechnet das Heimatlager der Angreifer mit einem Sondertrupp seiner eigenen Rebellen und führt die darin befindlichen Insassen als Gefangene durch einen Geheimtunnel in seine eigene Bastion zurück. Als er einige von denen endlich durch die Tore der Bastion in das Lager der Angreifer zurücklaufen lässt, gibt deren Kommandant schließlich die ihm ohnehin zu teuer gewordenen Belagerungsversuche auf. 

Ideal einer Verteidigung

Auch für die von dem Bischof Franz von Waldeck belagerten Münsteraner Wiedertäufer findet der  Protagonist mit seinem modernen Informationsstand mehrere Verteidigungsrezepte. Vor allem lässt er dazu im städtischen Außenbereich nahe der Mauern die Straßen ohne allzu großen Aufwand so umbauen, dass sich die ortsfremden Söldner darin sofort verlaufen. Nachdem diese dann zunächst leicht in die Stadt einfallen konnten, laufen sie danach dort in ihre eigene Falle und werden so zum leichten Opfer der Verteidiger.

De Magier

Durch die Begegnung mit einem Magier wird der Protagonist in die Lage versetzt, nachwirkend bedeutsame Manipulationen selbst an Ereignissen vorzunehmen, die bereits in den späteren Geschichtsbüchern bis dahin ganz anders beschreiben wurden. 

Der Kaiser als Richter

Dazu gehört unter anderem auch die Beeinflussung des Kaisers, der in diesem Fall dadurch veranlasst wird, zugunsten des nach Ansicht des Protagonisten bisher so ungerecht behandelten Künstlers Veit Stoß einzuschreiten, den gegen diesen angestellten Prozeß nochmals wieder aufzugreifen und durch dessen Korrektur den Nürnberger Magistrat auf spektakuläre Weise zu demütigen. 

Die Büchse der Pandora

Allerdings erweisen sich alle seine Eingriffe als letztlich vergeblich. Denn selbst wo sie wie hier tatsächlich in den Geschichtsbüchern in der korrigierten Fassung vermerk sind, hat selbst das keine Wirkung auf die tatsächliche offizielle Wahrnehmung. Andere Korrekturen sind sogar in den Geschichtsbüchern überhaupt nicht vermerkt. Am Ende kommt der Protagonist so zu der Überzeugung, dass dem Gang der Geschichte eine gewisse Zwangsläufigkeit zugrunde liegt. Daran scheitern auch jeder Fortschrittsglaube und alle Utopien sowie alle Bemühungen zur Verbesserung der Welt, die einfach wohl denknotwendig so ist wie sie ist.

Dieses Resumé wird allerdings nur indirekt ausgesprochen - und zwar in einem Theaterstück, in dem das ganze Romangeschehen auf jene höhere logische Ebene gehoben wird, die schon die ganze Zeit zuvor latent spürbar war und durch gelegentliche Dialoge des Protagonisten mit seinem Mentor vorbereitet wurde. In der bekannten ‚Büchse der Pandora’ befand sich nämlich dasjenige Übel, dessen die Welt offensichtlich bedarf.  

Main page Contacts Search Contacts Search