Thema Astrologie

   
   

Beispiel einer Horoskopinter­pretation

(Es wird empfohlen, zuvor die Beiträge über die Grundlagen der Astrologie zu lesen.)

 

Es wird viel Unsinn mit Horoskopdeutungen getrieben. Vor allem sollte man sehr vorsichtig mit irgendwelchen Zukunftsvorhersagen sein, weil das Universum nicht determiniert ist (wie wäre es sonst entstanden?). Andererseits zeigt etwa die Mundanastrologie (siehe in unserem redaktionellen Teil), daß sich alles, was geschieht, sinngemäß in die astrologischen Konstellationen einordnet. Wir kennen dieses Prinzip aber auch aus anderen Bereichen, etwa den Primzahlen, die sich zwar immer an die Leibnizsche Grundregel 6n +/- 1 halten, dennoch aber daraus nicht vorhersagbar sind. Was kann demnach also ein Horoskopdeuter wirklich dem Eigner des Horoskopes sagen? Um ein Bild zu gebrauchen ist es dabei etwa so, wie wenn jemand, der einen Plan von einer ihm bis dahin unbekannten Stadt in der Hand hat, zum ersten Mal tatsächlich in diese Stadt kommt und dort einem Bewohner begegnet, der zwar in der betreffenden Stadt aufgewachsen ist, aber bis dahin noch niemals enen Plan von ihr gesehen hat. Es ergibt sich daraus, daß sich beide viel zu sagen haben: Der Bewohner wird zum ersten Mal die systematische Struktur seiner Stadt erkennen, während der Planbesitzer erkennt, wie sich sein Plan konkretisiert. Er lernt daraus ebenfalls dazu und kann dieses Wissen möglicherweise in Zukunft dazu verwenden, hin und wieder in seiner Deutung konkreter zu werden. Ganz allgemein muß man aber sagen, daß eine Horoskopzeichnung zunächst nicht mehr ist als eben eine völlig abstrakte Zeichnung (siehe Abbildung) und daß deren Deutung sehr entscheidend auch von der Klugheit und Erfahrung des Astrologen abhängt.

Horoskop A

 

Wir wollen nun anhand eines Beispieles den Versuch einer Horoskopinterpretation vornehmen, um zu sehen, was wir daraus für die Praxis gewinnen. Es soll vorab nur soviel gesagt werden, daß es sich bei dem ausgewählten Beispiel um eine Person des öffentlichen Lebens handelt, die allgemein bekannt ist, sodaß der Leser über eine Kontrollmöglichkeit bezüglich der Aussagen verfügt. Vorab werden unsere Aussagen natürlich noch recht allgemein sein, aber nach Bekanntgabe der Person können wir sie dann präzisieren. Es handelt sich um einen sog. „Stier-Geborenen“ im Sinne der Illustrierten-Astro­logie, weil die Sonne im Stier steht und der Horoskopeigner demnach zwischen dem 20. April und 20. Mai geboren wurde. Diese Aussage sagt uns - entgegen der populären, jedoch angreifbaren Unterstellung - tatsächlich aber noch nicht viel. Wir wollen hier deshalb unsere Interpretation detaillierter gestalten. Es ist zwar nicht zwingend so, aber üblicherweise beginnt man mit der Deutung eines Horoskopes am Aszendenten. Eigentlich muß das Horoskop wie ein Gesicht von einem erfahrenen Astrologen ganzheitlich gesehen werden, um sinnvoll gedeutet werden zu können, aber mit unserer Darstellung können wir nur schrittweise vorgehen, obwohl das ebenso problematisch ist wie die Beschreibung eines Gesichtes, indem wir etwa mit der Nase beginnen usw. Einen wirklich lebendigen Eindruck können wir so nicht gewinnen, wir wollen aber sehen, wie weit wir kommen.

Der Aszendent (AC) entspricht der persönlichen Ausgangssituation eines Menschen und dem, was er unmittelbar mitbringt und direkt ausstrahlt. Wenn er wie hier im Zeichen Steinbock steht, so ist daraus auf eine gewisse Bedeutsamkeit im Ausdruck zu schließen. Dabei kann es sich nur um einen unbegründeten Anspruch handeln, aber gegebenenfalls auch heißen, daß die persönliche Herkunft auf einem gewissen Fundament ruht. Das bezieht sich wohlgemerkt nur auf die Person selbst, nicht etwa auf ihre Familie und Umgebung, über die der IC eine Aussage macht. Der IC steht hier im Zeichen Stier. Das kann sehr viel bedeuten, und um darüber etwas näheres zu erfahren, müssen wir in beiden Fällen fragen, wo der zugehörige Planet steht. Wir sehen, daß der zum Steinbock gehörige Saturn im zehnten Haus im Zeichen Skorpion fast am MC steht, während die zum Stier gehörige Venus im zweiten Haus in den Fischen steht. Daraus können wir bereits folgende Aussagen ableiten:

Die persönliche Herkunft oder Ausstrahlung besitzt eine gewisse Strenge oder Bedeutsamkeit, die als solche in irgendeiner Weise allgemeinverbindlich wird (Saturn im 10. Haus), und zwar entsprechend dem Skorpion vorstellungsbezogen oder vorstellungsmäßig. Das könnte heißen, daß die unmittelbare Bedeutsamkeit dieser Person in eine allgemeinverbindliche Vorstellung erhoben wird. Bezüglich der familiären Herkunft kann die Hausstellung der Venus bedeuten, daß die Basis gut abgesichert ist, was man aber nicht unbedingt nur finanziell sehen muß. Aus der Fischestellung läßt sich ggf. ableiten, daß hier der Bereich des Üblichen verlassen wird. Es kann sich demnach um einen außerordentlichen Reichtum oder um einen sehr ungewöhnlichen und überwirklichen Sockel handeln, auf dem die familiäre Herkunft ruht. Irgendwie geht es hier jedenfalls um eine einerseits feste oder festigende, andererseits außerordentliche Basis. Beachtlich ist dabei übrigens die Tatsache, daß die Venus durch zwei Trigone aspektiert wird, und zwar einerseits zum MC und andererseits zum Pluto, was auf eine harmonische Beziehung zu diesen schließen läßt. Ein Plutotrigon gibt immer sehr viel Kraft, und das Trigon zum MC bedeutet, daß die Basis in guter Beziehung zu dem steht, was die Person anstrebt oder was von ihr bedeutsam wird - was man also offiziell sieht, wenn man sie sieht. Um nun weiteres zu erfahren, können wir uns fragen, wo die Planeten stehen, die den Skorpion und die Fische beherrschen, denn das sind ja die Zeichen, in denen der Saturn und die Venus stehen. Der Saturn wird vom Pluto beherrscht, und der steht am DC im Krebs und wie gesagt im Trigonaspekt zur Venus, während der die Fische beherrschende Neptun auch im siebenten Haus im Zeichen Löwe steht. Dabei fällt auf, daß es sich bei beiden um sog. mundane Planeten handelt, also um solche, die sehr weit von der Sonne ihre Bahn ziehen und dementsprechend lange für einen Umlauf benötigen. Es handelt sich demnach bezüglich ihrer Zeichenstellung um Generationsaspekte, da beide Planeten mehrere Jahre lang in diesen Zeichen standen. Dennoch hat aber die Stellung des Pluto am DC eine sehr persönliche Bedeutung. Sie besagt, daß das, was durch ihn ausgedrückt wird, in die Begegnung mit Partnern oder anderen Menschen gebracht wird. Wir sehen also, daß die unmittelbare Strenge oder Bedeutsamkeit vorstellungsmäßig verbindlich gemacht wird und daß diese Vorstellung in die direkte Begegnung gebracht wird - ggf. auf dem gesellschaftlichen Parkett. Dabei kann die Krebsstellung immerhin bedeuten, daß das auf gefühlvolle oder auch feminine Weise geschieht. Wie gesagt gilt diese Stellung im Krebs zwar für alle Menschen, die in diesen Jahren geboren wurden, aber immerhin wird das persönlich bedeutsam durch die Stellung am DC. Dabei kommt auch wieder die Venus durch das Trigon in das Spiel, sodaß wir annehmen können, daß die familiäre und überwirkliche Basis der Begegnung förderlich ist. Insgesamt ergibt sich aus allen diesen Umständen bereits tatsächlich die Vermutung, daß die Person eine gewisse öffentliche Rolle spielt. Rekapitulieren wir:

1) Die persönliche Ausstrahlung ist irgendwie bedeutsam oder würdig oder erhebt durch ihre Art, sich zu geben, zumindest diesen Anspruch.
2) Diese Bedeutsamkeit wird vorstellungsmäßig verbindlich.
3) Das wiederum geschieht dadurch, daß diese Vorstellung in die direkte Begegnung gebracht wird, und zwar auf gefühlvolle Weise.
4) Dabei kommt dann gleichzeitig die ggf. überwirkliche Basis der Familie auf harmonische oder selbstverständliche Weise mit ins Spiel.

 

Wenn wir jetzt weitergehen, fällt uns die starke Besetzung des siebenten Hauses auf, direkt gefolgt vom zweiten Haus. Demnach geht es also wohl vornehmlich um direkte Begegnungen und um die Basis, auf der das geschieht. Außer dem Pluto steht auch der Mondknoten, der Mond und eben der Neptun im siebenten Haus. Der Mondknoten ist der Beziehungspunkt, der hier insofern die Krebsstellung unterstreicht: also vermutlich doch wohl das Parkett! Neptun im Löwen als Beherrscher des zweiten Hauses bedeutet hier, daß die ggf. ungewöhnliche familiäre Basis im Sinne des Zeichens Löwe in der Begegnung zum Ausdruck kommt, daß also diese Herkunft für eine gewisse Beherrschung des Parkettes sorgt. Da wir aber noch vorsichtig interpretieren müssen, sollten wir allgemeiner sagen, daß diese Person sich irgendwie sehr gut in die direkte Begegnung einbringen kann - und zwar einerseits gefühlsbetont und andererseits Löwe-gemäß selbstbewußt, was zu der bedeutsamen Ausstrahlung paßt. Darauf kann auch die Mondstellung hinweisen. Der Mond im Löwen, so heißt es, läßt sich immer gerne bewundern, und es ist bemerkenswert, daß dieser Mond über sein Zeichen Krebs das ganze siebente Haus beherrscht und damit zugleich auch alle anderen darin befindlichen Planeten, die ihrerseits die restlichen Felder und somit das ganze Horoskop beherrschen. In diesem Horoskop ist also der Mond der sog. Enddispositor, was ihm die höchste Bedeutung zuweist. Was sagt er nun aus? Die Person scheint also die Begegnung oder das Parkett entsprechend dem Mond gefühlsmäßig zu beherrschen. Sie bringt dabei sich und ihre Herkunft auf einfühlsame, würdevolle und selbstbewußte Weise ein und hebt dadurch ihre Bedeutung in die allgemeine Vorstellung. Da der Mond so wichtig ist, muß uns jetzt die den Löwen beherrschende Sonne umso mehr interessieren, denn diese allein gibt hier ein gewisses Gegengewicht, da sie einerseits im Gegenzug selbst den Mond beherrscht und andererseits von ihm nur noch über den Umweg zweier anderer Planeten beherrscht wird. Die Sonne steht immer für die eigentliche Mitte der Person (was ihr insofern also stets eine wichtige Rolle zuweist, sie aber angesichts der vielen anderen Horoskopfaktoren doch leicht relativieren kann, sodaß die übliche bloße Sonnenstandsastrologie wie gesagt kaum sinnvolle Aussagen zuläßt). Immerhin: sie ist hier sehr betont und steht im dritten Haus im Stier. Das dritte Haus steht für Austausch, Artikulation und ggf. auch direkte Selbstdarstellung, und der Stier steht für Festigung - also geht es insgesamt bei dieser Person um eine festigende, ggf. absichernde Basis-schaffende Darstellung oder Artikulation. Die Sonne steht übrigens in einem „Quintil“ zum Pluto, also in einem gleichermaßen harmonischen Aspekt, sodaß Pluto im Sinne der Bedeutsamkeit und von der Person ausgehenden allgemeinen Vorstellungen gut wirken kann, wenn er auch am DC immer in Opposition zum AC steht, was im allgemeinen bedeutet, daß die Person über ihre eigenen Belange hinwegsehen muß und sich hier wohl ganz in den Dienst der Begegnung stellt. Es ist wichtig, zu sehen, daß es in diesem Horoskop noch weitere schwierige Aspekte gibt, nämlich das sog. T-Kreuz zwischen Saturn, Neptun und einer Jupiter-Mars-Konjunktion im ersten Haus. Diese Konjunktion steht im Zeichen Wassermann, dessen Beherrscher Uranus im zweiten Haus in den Fischen steht. Das bedeutet, da das erste Haus wie der Aszendent auch für die persönliche Grundanlage steht, daß diese Person nicht nur eine gewisse Bedeutsamkeit ausstrahlt, sondern auch ggf. eine bestimmte Unruhe. Allerdings steht Uranus im Trigon zum Saturn und mildert das wieder oder kann es sogar irgendwie sublimieren, was sich zumal aus den sonstigen Horoskopaussagen schließen läßt. Das besagte T-Kreuz kann insofern bedeuten, daß die Unruhe oder Heftigkeit oder auch nur gezielte Einbringung mit der persönlichen Bedeutung und Würde kollidiert oder sie auch steigert. Das wiederum wirkt sich durch Uranus im zweiten Haus in den Fischen aus, sodaß es hier bezüglich der Basis auch wieder Probleme und Nervosität geben könnte. Das Uranus-Sa­turn-Trigon ist ein etwas heikler Aspekt, denn es kommt darauf an, wie der Horoskopeigner damit umgeht. Er deutet nämlich auf einen leichten Umgang mit dem Saturn-Prinzip: Uranus bringt hier ggf. eigene Ideen, Inspirationen oder Umbrüche in das kosmische Gesetz, sodaß der Betreffende sich einerseits leicht darüber hinwegsetzen, andererseits aber auch selbstgestaltend dieses Gesetz realisieren könnte. Das ist wie immer eine Niveaufrage.

So weit bisher die Aussagen des Horoskopes. Solange wir noch nicht wissen, wer die betreffende Person ist, können wir nur intuitiv weiterkommen. Der allgemeine Eindruck ist offenbar derjenige eines Menschen, der auf bedeutsame Weise das Parkett beherrscht und dabei auf einem etwas unwirklichen oder auch überwirklichen und zugleich auch nicht ganz sicheren Fundament steht. Besonders letzteres führt offenbar zu einer gewissen Unruhe, die aber wohl durch die anderen Horoskopkräfte durchaus beherrscht und kontrolliert wird, sodaß sie sich vermutlich weniger auf das eigene Selbstgefühl als auf die näheren oder weiteren Umstände bezieht, unter denen die Person wirken muß.

Wir sind jetzt an dem Punkt, an dem wir verraten wollen, um wen es sich bei dieser Person handelt: es ist die englische Königin Elisabeth II. Nachdem wir das wissen, können wir jetzt allerdings in unserer Aussage sehr viel präziser werden, sodaß nicht nur wir eine Hilfe bekommen, sondern andererseits auch die Person selbst. Üblicherweise ist das eine gute Basis für ein fruchtbares Gespräch zwischen dem Astrologen und seinem Klienten. In diesem Falle können wir jetzt sagen, daß die Person (um im Rahmen unserer grundsätzlich allgemeinen Aussagen zu bleiben, behalten wir diese neutrale Bezeichnung bei und hoffen, daß sie nicht als Respektlosigkeit mißverstanden wird) nicht nur vom Anspruch her, sondern auch tatsächlich unmittelbar eine gewisse Strenge und Würde zum Ausdruck bringt, daß es ihr gelingt, dieses allgemein zum Ausdruck zu bringen und damit eine entsprechende Erwartung zu erfüllen, in derem Sinne sie wiederum auf dem Parkett wirkt. Das geschieht einfühlsam und entsprechend der betonten Mondstellung wie selbstverständlich, und tatsächlich ist die Basis und Herkunft der Familie irgendwie unwirklich, was aber die Bedeutung im Sinne der harmonischen Aspekte nur steigert. Über die schwierigen Aspekte des Horoskopes erfährt der flüchtige Beobachter allerdings zunächst nichts, da die Person das gut zu überspielen versteht (Uranus-Saturn-Trigon). Man erfährt allerdings aus der Presse darüber bekanntlich eine ganze Menge. Dabei können diese Dinge aber auch für die stetige Anspannung stehen, die das Parkett bedeutet und die mit der persönlichen Bedeutung und der Anforderung im Sinne einer königlichen Würde (Neptun und Mond im Löwen) in der Öffentlichkeit oder Begegnung im Zusammenhang steht. Selbstdarstellung und Artikulation, Händeschütteln usw. spielen dabei eine wichtige Rolle. Wir können jetzt auch die Stier-Sonne besser verstehen: es geht tatsächlich um Festigung. Man kann dabei etwa an die im Hintergrund klingende Musik von Edward Elgar denken (Pomp and Circumstance-Marches).

Von dem Astrologen Wolfgang Döbereiner stammt übrigens der Ausspruch, daß für dieses Horoskop das englische Königshaus erst noch geschaffen werden müßte, wenn es das nicht schon gäbe. Es sieht in der Tat so aus, und das führt uns nun zu weiteren wichtigen Überlegungen. Wenn dieser Spruch nämlich richtig ist, so heißt das ja wohl, daß es kaum zufällig war, daß gerade diese Person in diesen Rahmen hineingeboren wurde und daß sie demnach „von höherer Stelle“ von vornherein für ihre besondere Aufgabe vorgesehen war. Wenn das in diesem Fall aber so war, so läßt sich daraus folgern, daß niemand zufällig in seine Umgebung und Umstände hineingeboren wird. Eben genau das ist auch die Erfahrung, von der die Astrologen ganz selbstverständlich ausgehen. Das entspricht aber den Aussagen unserer anderen Essays im Admin-Bereich, denn wenn es nicht so ist, daß wir vor der Kulisse einer objektiv und allgemeinverbindlich gegebenen Welt existieren, zu der wir uns persönlich in dieser oder jener Weise in Beziehung setzen können, sondern wenn es stattdessen so ist, daß die uns erscheinende Welt ganz wesentlich durch unsere Projektionen erst erschaffen wird, dann muß das ja bedeuten, daß diese Projektionen als solche irgendwie gesteuert werden. Denn anderenfalls würde die Welt sofort in ein Nichts zerfließen. Die uns begegnende Welt ist demnach ein Ausfluß des kollektiven Unbewußten, das aber unsere Erkenntnisakte derartig steuert, daß die uns erscheinende Welt einen durchaus irgendwie verbindlichen und berechenbaren Charakter hat. In diesem Sinne wirken also alle Menschen (Monaden) wie Schauspieler auf einer Bühne, die alle ein bestimmtes Skript haben, wenn sie dabei auch eine gewisse Improvisationsfreiheit besitzen. So ungefähr sieht es aus, und je länger man darüber nachdenkt, desto plausibeler erscheint einem diese Vorstellung. Wie nämlich sollen wir uns sonst wirklich erklären, daß diese Person fast wie selbstverständlich mit einer Aufgabe fertig wird, für die andere nicht die geringsten Vorraussetzungen besitzen? Dazu braucht man ein entsprechendes Nervenkostüm. Andererseits ist aber auch zu erkennen, daß hier eine gewisse Spezialisierung im Sinne dieser einen Aufgabe vorliegt. So steht also wohl letztlich jeder Mensch mehr oder weniger an der Stelle, die ihm entspricht und für die er vorgesehen ist, und so kommt die Buntheit der Welt zustande, obwohl diese Buntheit andererseits eine komplette Illusion ist. Fast ist es so wie in einer Geisterbahn, in der in jeder Nische ein besonderes Gespenst steht, sodaß uns eine höchst lebendige Vielfalt suggeriert wird, obwohl alle Gespenster eigentlich immer nur jeweils ganz bestimmte Bewegungen machen! Dieser Gedanke hat aber auch etwas Beruhigendes an sich, denn er sollte uns eigentlich die Angst vor der Welt und zumal eben dem zehnten Haus nehmen. Die aber und der damit verbundene Respekt sitzt tief, und das hat nicht nur allgemeine archetypisch-psychologisch-kausale Gründe, sondern auch solche, die in unserem jeweils besonderen Horoskop verankert sind. Alle verstandesmäßigen Vergegenwärtigungen können nämlich etwa an unserer Mondstellung nichts ändern, die etwas darüber aussagt, wie wir uns fühlen, und die ja nicht unbedingt so löwenhaft wie in diesem Horoskop sein muß. Natürlich aber steht auch dieser Mond trotz allem unter einem Spannungsaspekt, der sich hier als sog. Anderthalbquadrat zum Uranus darstellt. Irgendwo scheint es doch an der Basis große Probleme zu geben, die sich auf das Gemüt senken und bei einer Frau auch etwas über die eigene Mutterrolle oder Rolle als Frau aussagen, wenn sie den Mond betreffen.

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