Thema Astrologie

Die philosophischen Grundlagen der Astrologie

(Siehe dazu auch den redaktionellen Teil über Mundan-Astrologie und besonders den Admin-Essay 'Die kosmische Geistkugel', auf deren Voraussetzung wir hier zurückgreifen.)

Tierkreis Mitte

Die Astrologie ist ein Feld, das den Menschen einen relativ leichten Zugang zu einer höheren Selbst- und Schicksals- erkenntnis zu versprechen scheint. Das ist leider auch ein Umstand, der sie zu einem Fangnetz für alle möglichen Scharlatane macht, die auf ebenso leichte Weise daraus ihr eigenes Süppchen zu kochen versuchen. Zu dieser Kategorie gehören auch unsere diversen Tageszeitungen, die ihren Lesern stets aktuelle horoskopische Massendiagnosen unterbreiten. Ein kritischer Geist sollte allerdings in der Lage sein, zu erkennen, daß die ebenso wenig Wert haben wie etwa eine tägliche medizinische Massendiagnose. Wer demnach mit Hilfe der Astrologie tiefere Erkenntnisse über sich selbst, den Sinn und die Aufgabe seines Lebens und seine damit verbundene Schicksalsstruktur gewinnen möchte, sollte sich zumindest die Mühe machen, sich ein wenig mit ihren Voraussetzungen zu beschäftigen, um einigermaßen zu verstehen, worum es dabei geht und was man aus ihr gewinnen kann und was nicht. Auch hier gilt nämlich, daß eine höhere Erkenntnis niemals auf dem kurzen Weg erreicht werden kann und daß einem dazu auch nicht ohne weiteres andere verhelfen können, sondern daß man ihn am Ende ganz alleine gehen muß. Nicht nur Hasardeure, sondern auch alle möglichen bedenkenlose Kritiker (nicht: Skeptiker, denn vorsichtige Skepsis ist immer angebracht), die alles schon immer gewußt haben, obwohl sie lediglich die Gedanken der anderen für ihre eigenen halten, sind dabei eher hinderlich als förderlich.

Diese Mischung aus Spekulation und Ignoranz ist auch ein Umstand, den die Philosophen aller Zeiten stets zu beklagen hatten: Die Leibnizsche Monadenlehre etwa scheint das gleiche Schicksal wie Descartes’ Cogito gehabt zu haben, indem sie wegen ihrer vermutlichen Bedeutsamkeit oder doch wenigstens wegen der Bedeutsamkeit ihres Verkünders seitdem zwar häufig zitiert, aber wohl von kaum jemandem wirklich verstanden wurde. Selbst Schopenhauer wollte sich allerdings nicht rühmen, „von Leibnizens Monaden, die zugleich mathematische Punkte, körperliche Atome und Seelen sind, eine deutliche Vorstellung zu haben“, doch wir wollen hier wenigstens an dessen Interpretationsweise anknüpfen, von der die Szientisten weit entfernt sind, die sich auf diese Lehre nur deshalb berufen, weil sie ihren Verfasser nicht verleugnen können und diesen sogar zu einem ihrer Väter gemacht haben, obwohl seine Monadenlehre eigentlich ganz und gar nicht in ihr positivistisches Konzept paßt. Für Schopenhauer dagegen stand außer Zweifel, daß eine solche Annahme wie die der Monadenlehre dazu dienen könnte, „alle ferneren Hypothesen zur Erklärung des Zusammenhanges zwischen Idealem und Realem sich zu ersparen und die Frage dadurch abzufertigen, daß beide schon in den Monaden vollständig identifiziert seien“. Das Vorstellende und das Vorgestellte mögen immerhin gleichartig sein, meinte Schopenhauer, es bleibe aber dennoch die Frage, ob aus Vorstellungen in unserem Kopf auf das Dasein von uns verschiedener und für sich selbst, d.h. unabhängig davon existierenden Wesen sicher zu schließen sei. Die Schwierigkeit sei nicht die, zu der sie Leibniz verdrehen wolle, daß nämlich zwischen den angenommenen Seelen und der Körperwelt gar keine Einwirkung und Gemeinschaft vorhanden sei, weshalb er den physischen Einfluß leugne, denn diese Schwierigkeit sei bloß eine Folge der rationalen Psychologie und brauche also nur als bloße Fiktion zur Seite geschoben zu werden: die Schwierigkeit sei und bleibe die Cartesianische, daß nämlich die Welt, die uns allein gegeben ist, schlechterdings nur eine ideale, d.h. aus bloßen Vorstellungen in unserem Kopf bestehende sei (wie es ja auch Berkeley so deutlich gesagt hat).

Die Astrologie bestreitet den Gegensatz von Innen- und Außenwelt zwar nicht, weist aber beiden nur eine relative, d.h. eigentlich nur archetypische Bedeutung zu. Um das richtig zu verstehen, müssen wir notwendigerweise auch in das astrologische Weltbild einführen, denn ohne diese Voraussetzung ist es nicht möglich, sachkundig über ihr Für und Wider zu sprechen. Die Diskussion über die Frage, ob die Astrologie funktioniert oder nicht, kann nämlich kaum mit aus sich heraus überzeugenden Argumenten geführt werden, die den jeweiligen Gegner von seiner feststehenden Meinung abbringen könnten. Sie ist ebensowenig im Sinne eines einzelnen Aha-Erlebnisses zu entscheiden wie alle anderen Dinge auch, die unsere Realität ausmachen. Denn alle unsere Erfahrungen, so sehr sie sich auch auf vermeintlich konkrete Gegebenheiten beziehen, sind letztlich geistig-holistischer Natur - in dem Sinne, daß es sich um Bewußtseinsqualitäten handelt, die sich mit dem Begriff, mit dem wir den Komplex bezeichnen, verbinden.

Wir müssen uns vergegenwärtigen, daß keine Sache, über die wir uns unterhalten, objektiv so oder so gegeben ist, sondern nur als von uns persönlich erfahrener und durchlebter Bereich, zu dem wir eine emotionale Beziehung haben. Das gilt für die Astrologie natürlich gleichermaßen wie für die Kunst oder auch jedes Gebiet der Naturwissenschaft. Über die Astrologie kann deshalb kompetent nur derjenige sprechen, der sie persönlich erfahren hat. Um ein Horoskop lesen zu können, ist es unumgänglich, daß man vertraut mit der Bedeutung der Archetypen ist, die dabei zu entschlüsseln sind. Dieses kann aber nur auf dem Wege eines holistischen Lern- und Erfahrungsprozesses geschehen, bei dem wir unsere gesamte Persönlichkeit und Erlebnisfähigkeit einbringen müssen - und über diese verfügen bekanntlich nicht alle Menschen im gleichen Maße. Wie wollte aber jemand kompetent über Notenblätter oder mathematische Formeln sprechen, wenn er nicht mit der Materie vertraut ist und keine innere Beziehung dazu hat? Die Gegner der Astrologie können ebensowenig kompetent über diese sprechen wie die Gegner der Musik kompetent über Musik sprechen können. So berufen sie sich auch nur auf die scheinbare Evidenz der Tatsache, daß die Astrologie gar nicht funktionieren kann. Denn schließlich: wie sollte es allen Ernstes möglich sein, daß der Lauf der Sterne irgendeinen Einfluß auf unser menschliches Schicksal hat?

In dieser Fragestellung wird allerdings bereits einiges vorausgesetzt, was gemäß unserem szientistischen Weltbild als selbstverständlich gilt: nämlich einerseits, daß es sich bei den Sternen um rein materielle Objekte handelt, und andererseits, daß unser Schicksal nur kausal zu verstehen ist und daß es sich bei allen unseren Äußerungen und Motivationen um geistige Dinge handelt, die von der materiellen Welt deutlich geschieden sind. Ebensowenig wie aber etwa eine bestimmte Stadt als objektive und dem ausschließlich konkreten Bereich zuzuordnende Gegebenheit existiert, sondern nur jeweils als subjektiver Erlebnisblock in den Individuen repräsentiert ist, existieren auch die Sterne als rein materielle Objekte außerhalb des Geistes. Wir wissen ja, daß etwa die Farben erst in unserem Kopf entstehen, ebenso wie alle anderen Sinnesein­drücke, und daß wir alle Dinge erst im Sinne unserer persönlichen Assoziationsschablonen wahrnehmen. Es hat keinen Sinn, an unserer Unfähigkeit zu verzweifeln, weil wir mit unseren Sinnen eine scheinbar objektiv gegebene Welt in vermeintlich nur unzulängli­cher Weise erkennen, denn eine solche Welt gibt es nicht: das, was wir erkennen, ist die Welt!

Wenn wir abends einen Blick in den Sternenhimmel werfen, so werden uns auch die Astronomen bestätigen müssen, daß es sich dabei kaum um ein konkretes Geschehen handeln kann. Denn die Sterne, deren Licht jetzt in unserem Auge eintrifft, sind völlig unterschiedlich weit entfernt, und einige von ihnen können schon vor tausenden von Jahren verloschen sein, während wir immer noch ihr Licht sehen. Es gibt aber schlechterdings keinen Sinn, von einem konkreten Gesche­hen zu reden, wenn wir für dieses bezüglich seiner Einzelheiten noch nicht einmal den Zustand der Gleichzeitigkeit feststellen können. Was gleichzeitig ge­schieht, ist tatsächlich nur das Eintreffen der Lichtstrahlen im Auge des Betrachters, der demnach eine unbedingte Voraussetzung für die Konkretionierung des Geschehens ist - und insofern gelten die diesbezüglichen neueren Erkenntnisse der Quantenphysik keineswegs nur für den mikrokosmischen, sondern auch durchaus für den makro­kosmischen Bereich! Was aber an den unermeßlichen Dimensionen des Universums leicht einzusehen ist, muß natürlich prinzipiell auch für unsere irdischen Dimensionen gelten: die Welt ist Vorstellung, wie es außer Schopenhauer auch die Mystiker aller Zeiten immer wieder gesagt haben - die Vorstellung Gottes, wenn man so will, von dem wir ein Teil sind.

Wir müssen uns vor Augen führen, wie zufällig und willkürlich un­ser materialistisches Weltbild ist. Es ist historisch gewachsen: eine Folge der Renaissance und besonders danach der Aufklärung, die ihrerseits ein Ergebnis der Zustände in Frankreich im 18. Jahrhundert war. Als infolge des weltlichen und klerikalen Macht­mißbrauches das Bürgertum entstand und immer mehr erstarkte, benö­tigte dieses einen Gegenstand, an dem es sich auf andere Weise profilieren konnte, wozu sich die neue Wissenschaftsidee als sehr geeignet erwies. Das jahrhundertelang durch die Scholastik gewalt­sam fixierte Pendel schlug nun in das gegenteilige Extrem aus, und alles, was nicht als unmittelbar evident einleuchtete, wurde als Aberglaube abgetan. Das Kind wurde mit dem Bade ausgeschüttet, und neben vielen Übeln wurde auch die Astrologie - ebenso wie auch je­de Philosophie - beiseitegetan. Daß die neue Evidenz aber ebenso­sehr ein Geistesprodukt war, ist ansich selbstverständlich. Natürlich stolpern wir bei jeder Analyse über deren unbewußte Voraussetzungen, denn um etwas zu erkennen, benö­tigen wir zunächst eine Theorie, die uns eine Zuordnung der Phäno­mene gestattet. Wie sehr unterbewußte Vorstellungen dabei die er­kannte Wirklichkeit bestimmen, zeigt sich bereits in allen Axio­men, auf denen unsere moderne Naturwissenschaft aufbaut und die man dann als böses und leider nicht aus der Welt zu schaffendes Übel in die hinterste Schublade verfrachtet hat. So sprechen wir etwa von 'Naturkräften' und vergessen dabei allzu leicht, daß de­ren eigentliche Natur immer noch nicht anders erklärt werden kann als durch den bloßen Bezeichnungsakt, der uns indessen ledig­lich eine Zuordnung gestattet. "Hypotheses non fingo" („Ich mache keine Hypothesen“), sagte aber be­reits Newton, und der einzige Fortschritt, den wir ihm gegenüber in dieser Angelegenheit erreicht haben, liegt in dem Umstand, daß wir uns an die fundamentalen Phänomene gewöhnt haben. Indem wir bezeichnen, lernen wir, mit den Dingen umzugehen. Daran ändert auch die Relativitätstheorie prinzipiell nicht viel, denn wir verkennen allzu leicht, daß sie uns nur auf eine neue Weise in Beziehung setzt, jedoch die alte Polarität von Mensch und Universum beibehält (wobei sich Einstein übrigens als sehr viel konservativer zeigte als viele seiner bedeutenden Kol­legen). Da die so errichteten Denkschubladen in der Folge institu­tionalisiert wurden, kann es sich der Durchschnittsbürger kaum leisten, an ihrer Realität zu zweifeln, denn er müßte dann mit Descartes schlechterdings an der ganzen Welt verzweifeln. Diese aber ist für ihn die Realität, und alles andere ist bloße Philoso­phie, die die Szientisten ja so erfolgreich in die Ecke gestellt haben. Da die Dinge sich aber so eingerichtet haben, ist es ver­ständlich, wenn selbst einige Astrologen allen Ernstes versucht haben, die Astrologie auf eine naturwissenschaftliche Basis zu stellen - ebenso wie einige Pa­rapsychologen versuchten, die von ihnen beobachteten Phänomene mit „Psy-Kräften“ zu erklären. Aber in einer Hinsicht haben die Natur­wissenschaftler sicher recht, und das erklärt auch ihr Mißtrauen: mit dem naturwissenschaftlichen Weltbild ist die Astrologie si­cherlich nicht in Übereinstimmung zu bringen! Wer hat also recht?

Eine Grundforderung jeder Wissenschaft ist die Tatsache, daß nur Dinge, die von jedermann jederzeit experimentell nachgeprüft wer­den können, als unumstritten gelten können. In völliger Erfüllung dieser Forderung könnten wir aber auch sagen: "In jedem Spiegel ist stets ein Mensch zu sehen." Diese Tatsache führt uns mitten hinein in das eigentliche Problem: daß wir nämlich niemals wissen, ob wir die erkannte Wirklichkeit mit unseren Erkenntnisakten zu­gleich erst erschaffen. Das Spiegelbeispiel verdeutlicht uns auch noch einen anderen Umstand: nämlich daß wir auch immer über unsere Begriffe stolpern und dabei völlig übersehen, daß jeder imgrunde etwas völlig anderes sieht (in diesem Fall einen anderen Menschen). Sollte es aber wirklich so sein, daß nur unsere Er­kenntnisakte unsere Realität konstituieren, so hätten wir in der Tat mit den Methoden der Wissenschaft kein geeignetes Mittel, die­ses oder das Gegenteil zu beweisen - ganz davon abgesehen, daß die Wissenschaft an einer diesbezüglichen Entscheidung kaum interes­siert sein kann und sich auch nicht gezwungen sieht, diese Frage­stellung als Problem zu sehen. Alle Fragen über Grundsatzprobleme scheitern ja bereits an der normativen Kraft des Faktischen. Aller­dings haben die neueren Erkenntnisse der Quantenphysik diese Basis gründlich erschüttert. Hier zeigt sich nämlich wie auch bei den Phänomenen des radioaktiven Zerfalls an deren rein statistischer Natur, daß es keine Realität ohne den Beobachter gibt, was zu der erstaunten Frage führte, wie es denn möglich sei, daß erst der Mensch durch den Beobachterakt eine Welt erschaffe, die doch si­cherlich schon vor ihm - in welcher Weise auch immer - existiert haben mußte. Was war also früher da - der Geist oder die Materie? Aber bei Licht betrachtet sollte uns dieses Problem an ein anderes erinnern, das uns vertrauter ist und das wir deshalb leichter entscheiden können: die Frage nach der Präexistenz von Henne oder Ei - nämlich indem wir beide Polaritä­ten bis zu ihren evolutionären Uranfängen zurückverfolgen.

Wenn wir uns entschließen könnten, in Geist und Materie ebenfalls keine elementaren Gegensätze zu sehen (denn wer hat uns das ge­sagt?), so hätten wir auch eine Erklärungsbasis für die Astrolo­gie: daß die Sterne oder Planeten geistige Archetypen sind, muß ja ihrer materiellen Gegebenheit keineswegs widersprechen, ebensowe­nig wie wir an der Existenz von Elementarteilchen zweifeln können, obwohl diese sich auch als geistige Produkte erweisen. Allerdings blieben dazu noch einige Schwierigkeiten zu beheben, die auch ge­neigteren Geistern zu schaffen machen: wie etwa sollte es zu er­klären sein, daß ausgerechnet Ort und Zeitpunkt der Geburt die Persönlichkeits- und Schicksalsstruktur eines Menschen bestimmen? Unser Blick in den Sternenhimmel hat uns aber doch immerhin die Bedeutung des Beob­achters verdeutlicht, und er zeigt uns somit auch die Bedeutung seines Standortes im Raum-Zeit-Kontinuum, wie auch des Ausgangs­punktes der von ihm zu durchwandernden „Weltlinie“. Wenn es wirk­lich so wäre, daß erst der erkennende Geist das Universum konkre­tisiert, so wäre der Mensch in der Tat alles andere als ein zu­fälliger Zaungast dieses Universums - er wäre ganz im Gegenteil ein erheblicher Bestandteil. Denn erst in seinem Geist erfährt das universale Geschehen seine höchste Konkretion - indem er sich und sein Schicksal vom Uranfang an über unendlich viele Inkarnationen hinweg selbst denkt und sich dabei immer mehr vervollkommnet, ebenso wie auch die Sterne, wobei die Abgrenzung zwischen seinem 'Ich' und diesem und allem sonstigen 'Nicht-Ich' natürlich kaum möglich ist. Nehmen wir etwa an, daß jeder auf diese Weise nur einen dreidimensionalen Film erlebt, in den er hineinhandeln kann, so würde alleine die Tatsache genügen, daß die Filme aller Men­schen über das kollektive Unbewußte (im Sinne C.G. Jungs) so miteinander korreliert sind, daß die erlebten Dinge kommunizierbar sind, um diesen Film für eine objektive Realität zu halten. In der Tat sollte es uns nicht mehr Schwierigkeiten bereiten, davon auszugehen, daß uns die erlebten und erkannten Phänomene permanent aus unserem Inneren zu­wachsen, als die andere Annahme, daß sie uns permanent aus einer außer uns befindlichen Welt begegnen. Worin besteht der Unter­schied, außer in einer bloßen geistigen Fixierung, von der wir uns aber schwer lösen können?

Wäre es so, dann würden wir uns etwa in einer Schlafphase nicht nur aus einem auch ohne uns weiterhin bestehenden Universum aus­blenden, sondern dieses würde auch wirklich nicht weiterbestehen, jedenfalls soweit es unseren Anteil daran und den dadurch gegebe­nen Konkretionsgrad betrifft. Doch während jeder neuen Wachphase durchleben wir prinzipiell vom Morgen bis zum Abend den gesamten Tierkreis, also das gesamte archetypische Spektrum, ohne das es kein Szenario und auch keine Erkenntnis geben kann, da alle uns erscheinenden Dinge in den archetypischen Kategorien erscheinen müssen (weil nur so eine emotionale Beziehung aufgebaut werden kann) und auch nur dadurch existieren, daß sie uns erscheinen und soweit sie dieses tun. Dieser Rhythmus wiederholt sich auch in größeren Zyklen, da auch diese nur existieren, indem sie erkannt und durchlebt werden - also etwa in jährlichen Zyklen und in dem Ablauf eines ganzen Menschenlebens. So entspricht der Zeitpunkt der Geburt und der erste Schrei in jedem Fall dem Widder-Archety­pus und damit der Spitze des ersten astrologischen Hauses, wenn er auch durch einen in einem anderen Tierkreis gelegenen Aszendenten überlagert wird. Die Tierkreise und die Planeten stehen also für fundamentale Archetypen, nach denen sich das sich selbst denkende Universum konkretioniert - sie sind die elementaren Äste, auf die wir aus dem Blätterwerk unseres Alltagsgeschehens zurückblicken. Natürlich können wir aus der Beobachtung der Äste noch keine end­gültigen Schlüsse darüber ziehen, wie sich das Blätterwerk im Einzelnen gestalten wird, aber wir können die Dispositionen erken­nen, und der Blick auf die Hauptäste schult den Blick für das We­sentliche. Er zeigt uns die Struktur, nach der sich alle Erschei­nungen ordnen, und er zeigt uns das Wesen hinter den vordergründi­gen Dingen, in denen sich die übliche Naturwissenschaft als reine Lehre von den Erscheinungen immer noch verfängt.

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