Hintergrundstrukturen

Der Bamberger Reiter

 

  Bamberger Reiter 3  
     

 

Bei der Figur des sog. Bamberger Reiters handelt es sich um eine steinerne Skulptur an einem markanten inneren Pfeiler des Bamberger Domes, bei der man davon ausgeht, daß sie zwischen 1225 und noch vor der Weihe des Domneubaues im Jahre 1237 entstanden ist. Diese Figur gilt zwar einerseits als ein kultureller Höhepunkt der späten Stauferzeit, ist aber bis heute bezüglich ihrer Herkunft, ihres Zweckes und ihrer Bedeutung völlig rätselhaft geblieben. Es gibt dazu keine direkte Überlieferung, und die Art der Darstellung im Kircheninneren ist nördlich und südlich der Alpen sonst ohne Beispiel. Die Figur ist in größerer Höhe in lebensgroßer Darstellung platziert und war ursprünglich bunt bemalt. Sie wurde offensichtlich direkt an ihrem heutigen Platz angebracht und seitdem niemals verstellt. Das Gesicht des Reiters ist nach Osten gerichtet. Er trägt eine Königskrone.

Ansonsten ist man auf bloße Vermutungen angewiesen. Hinsichtlich der Identität des Dargestellten wurden mehrere Möglichkeiten in Betracht gezogen. Die naheliegende Vermutung einer denkmalsgemäßen posthumen Darstellung Kaiser Heinrichs II., dessen Name sich besonders mit Bamberg verbindet, kann ansich - darüber ist man sich weitgehend einig - nicht in Frage kommen, da man einen Kaiser nicht nur mit einer Königskrone dargestellt hätte. Demnach käme auch der zur Entstehungszeit des Reiters amtierende Kaiser Friedrich II. nicht in Frage, zumal dieser nicht mit Bamberg in Verbindung gebracht werden kann und auch in der fraglichen Zeit noch nicht einmal in Deutschland weilte. Auch dessen Sohn König Heinrich IV. kommt weder als Auftraggeber noch als Dargestellter in Betracht. Man hat aber auch die Möglichkeit erwogen, daß der Dargestellte der ungarische König Stephan I. gewesen sein könnte, da dieser einerseits ebenso wie Heinrich II. heilig gesprochen wurde und demnach seine Aufstellung in einer Kirche möglich war - die Kombination von Königskrone und Aufstellungsort spräche also dafür - und er außerdem mit dem möglichen Auftraggeber Bischof Eckbert von Andechs-Meran verwandt war. Es wird auch berichtet, daß Stephan nicht nur Bamberg persönlich besucht habe, sondern bei dieser Gelegenheit in den Dom geritten sei, was die Darstellung eines Reiterstandbildes plausibel machen würde. Eine weitere Möglichkeit wäre, daß der Dargestellte König Philipp von Schwaben gewesen sein könnte, der erst 1208, also noch relativ kurz vor der möglichen Auftraggebung des Standbildes, in Bamberg ermordet und danach zunächst noch im im Umbau befindlichen Dom beigesetzt worden war und außerdem ein Onkel des amtierenden Kaisers Friedrich II. war, der demnach der Auftraggeber gewesen sein könnte.

Es gibt aber noch eine neuere Deutung, die den Reiter in einem ganz anderen Licht erscheinen läßt:

 

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