Hintergrundstrukturen

Die horizontale Realität

 

Wir kannten kein Geld, und daher wurde der Wert eines Menschen nicht nach seinem Reichtum bemessen. Wir hatten keine schriftlich niedergelegten Gesetze, keine Rechtsanwälte und Politiker, daher konnten wir einander nicht betrügen. Es stand wirklich schlecht um uns, bevor die Weißen kamen, und ich kann es mir nicht erklären, wie wir ohne die grundlegenden Dinge auskommen konnten, die - wie man uns sagt - für die zivilisierte Gesellschaft so notwendig sind... (Lame Deer.)

Der hier in der ersten Abbildung gezeigte 'Grüne Mann' ist identisch mit der Hauptabbildung im gleichnamigen Wikipedia-Artikel und befindet sich nicht nur an der Hausfassade unseres 'Admin', sondern ist auch sein eigenes Werk. (Nähere Fotonachweise und Informationen dazu geben wir gerne auf besondere Nachfrage.) Die zweite Abbildung zeigt den Grünen Mann im Socklel des Bamberger Reiters. Die weiteren Abbildungen zeigen Grüne Mannner in Säulenkapiitellen diverser Kirchen zumeist dorischer Bauart bzw. an Fassaden älter Häuser.

 

Grner Mann 1

Grner Mann B

Grner Mann 6Grner Mann 3

Grner Mann 4Grner Mann 5

 

Der Grüne Mann als archetypisches Symbol der Horizontalität

Gehen wir noch einmal zurück zur Mitte der Horizontalebene unseres Kugelwürfels, um zu sehen, in welcher Weise sich von dort her die Dinge entwickeln, die die Vielgestaltigkeit der Welt ausmachen. Auch der Ostpunkt ist ja eine Abspaltung aus der Mitte, denn bevor es eine größere Gemeinde gab, die den Westpunkt darstellte, gab es noch keine Notwendigkeit, den Altar systemgemäß nach Osten zu rücken. Denn ...

.....die Religion war für die Menschen der Frühkulturen so sehr in ihr gesamtes Leben eingebunden, daß sie diesen Begriff gar nicht kannten. Ihre Welt war in jeder Hinsicht magisch und mythisch. Deshalb stand in der Urgesellschaft, d.h. der kleinsten Ursprungszelle aller Gesellschaften, in der Familie mit einem eigenen Kult (sofern sich dieser bereits herausgeprägt hatte) der Altar in der (symbolischen) Weltmitte. Der Sitz des Stammes bzw. der Familie war immer auch Mittelpunkt des Universums. Alle Frühkulturen sind aus diesen religiösen Zellen hervorgegangen[1], und selbst als sich größere Stammesgemeinschaften an bestimmten Orten niederließen und auch schon erste Staatsgebilde entwickelten, bestanden diese noch aus einem mehr oder weniger lockeren Verband verschiedener „Häuser“, also unter einem gemeinsamen Dach vereinigter Großfamilien, die ihre jeweils besondere Identität aus ihrem Hausaltar gewannen. Jede dieser Familien hatte ihre eigenen sehr persönlichen Götter, deren Schutz nur an den jeweiligen Familienaltären erlangt werden konnte. Der Priester dieser Kleingemeinden war das Familienoberhaupt, das seine Autorität aus dieser göttlichen Berufung gewann. Das war wichtig, wenn es sich um einen größeren Familienverband mit mehreren erwachsenen Männern handelte. Nur die Nähe zum häuslichen Altar bestimmte deshalb über die Familienzugehörigkeit. Die Vorstellung von einer Familie erwuchs erst aus dieser Praxis: eine Familie war demnach eine Gemeinschaft von Personen, die an demselben Altar die gleichen Ahnen und Götter anrufen durften. Verließ deshalb eine Tochter nach der Heirat das Haus, um in das Haus ihres zukünftigen Ehemannes zu gehen, so wurde sie nicht nur Mitglied dieser anderen Familie, sondern sie hörte auch auf, Mitglied ihrer früheren Familie zu sein; und das hatte nicht nur verwandtschaftliche, sondern auch religiöse Bedeutung, denn da die Familienzugehörigkeit eine Religion war, so wechselte sie tatsächlich auch ihre Religion. Sie wechselte damit ja auch die Götter, auf die sie sich bezog, und gewann ihre religiöse Zugehörigkeit nur noch über ihren Mann. Ein Wechsel des Hauses war demnach also ein Wechsel in jeder Beziehung, denn keine Person konnte zwei Herde oder Altäre haben: sie hatte damit ihr Band zu ihren eigenen Ahnen durchtrennt und existierte nur noch in Bezug auf die Ahnen ihres Mannes. Nur auf diese Weise, die die Frau zur Unperson machte, war die Trennung der verschiedenen häuslichen Altare zu gewährleisten, denn anderenfalls hätten sich zwangsläufig verwandtschaftliche Verzweigungen ergeben, die die Identität der Hausaltäre zerstört hätten. Vielleicht liegt darin der Grund, daß in nahezu allen antiken Kulturen die Frau kein volles Bürgerrecht besaß. Sie war überall wenig mehr als eine Sklavin. Andererseits ergab sich daraus auch die Tatsache, daß es für den Fortbestand der Familie ungleich wichtiger war, einen Sohn als eine Tochter zu haben. Denn nur über die männliche Linie konnte das Band der Ahnen und die ewige Flamme des Altars in die Zukunft getragen werden - anderenfalls war der Geist der Familie für ewig erloschen. Das hatte zur Konsequenz, daß im Falle der nachweislichen Unfruchtbarkeit eines Mannes ein anderer männlicher Verwandter gemeinsam mit seiner Frau, die sich diesem nicht entziehen durfte, für seine Nachkommenschaft sorgen mußte. Der daraus erwachsende Sohn wurde als leiblicher Sohn anerkannt.

Dieses religiöse System bestimmte alle Beziehungen der Menschen und damit selbstverständlich auch die Art und Weise, wie sie untereinander wirtschafteten. Danach wurden die gemeinsam als nötig erachteten Arbeiten und Aufgaben sowie später deren Erträge verteilt. Es gab keine direkte Beziehung, die eine Person zwischen ihrer Arbeitsleistung und dem daraus sich ergebenden persönlichen Anspruch hinsichtlich des Ertrages herstellen konnte, weil es kein Personenrecht, sondern nur ein Familienrecht gab. Die Familie als ganzes war ein gemeinschaftlicher Organismus, und so gehörte das Ergebnis der gemeinschaftlichen Arbeit prinzipiell allen gemeinschaftlich. Das bedeutete, daß zunächst alles Erwirtschaftete zusammengelegt und erst danach darüber entschieden wurde, wem welcher Anteil zukam. Wir können dieses mehr oder weniger in allen horizontalen Gesellschaften übliche Verfahren als ein qualitatives Verteilungssystem im Gegensatz zu dem in vertikalen Gesellschaften üblichen quantitativen Verteilungssystem bezeichnen. Denn nur nach qualitativen Gesichtspunkten wurde so festgelegt, wer welche der notwendigen Arbeiten zu verrichten hatte und wer später aus dem gemeinsamen Ertrag welchen Anteil erhielt. Grundsätzlich gab es demnach zwischen Arbeitsleistung und Ertrag keinen direkten logisch verpflichtenden Bezug. Damit aber dieses System angewandt werden und ohne Streit funktionieren kann, ist es vor allem notwendig, daß jeder jeden kennt, wodurch wiederum die Größe einer horizontalen Wirtschaftsgemeinschaft begrenzt ist. Solange aber diese Bedingung gegeben ist, ist es möglich, daß jeder Einzelne wirklich als Mensch mit allen seinen besonderen Bedingungen gesehen wird und nicht nur als bloße Nummer, die nach bestimmten Normen zu funktionieren hat. Wenn wir etwa an unsere heutigen Kleinfamilien denken, so sehen wir auch dort, daß individuell darüber entschieden werden kann, welches Kind welche Ausbildung erhält. Diese Entscheidung ermöglicht, daß auf die jeweils besondere Begabung des Kindes Rücksicht genommen wird und daß es keinen Anspruchsautomatismus geben muß (obwohl auch solche Praktiken in letzter Zeit in unserer Gesellschaft immer mehr üblich zu werden scheinen).

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