Das Universum

   
   
   

Alles nur Zufall?

Was immer also da auch abgelaufen sein mag: es hat alles ganz genauso geklappt, wie es klappen mußte - und das trotz scheinbar widersprüchlicher Ausgangsbedingungen, die wir aus unserer heutigen Sicht kaum noch rekonstruieren können. Es scheint eigentlich unmöglich, daß dieser Prozeß rein zufällig abgelaufen ist und daß er sich innerhalb der Kategorien vollzog, die für unsere heutige manifeste Wirklichkeit gelten. Völlig anders stellt sich die Situation allerdings dar, wenn wir davon ausgehen, daß dieser Prozeß sich selbst gesteuert hat und dabei in zunehmendem Maße eine eigene Bewußtheit entwickelte, die sich nach ihren eigenen Kategorien und Gesetzmäßigkeiten erschuf - damit Erkennbarkeit möglich werde! So steigerten sich die Dinge aus einem ursprünglich sehr diffus angelegten und sich selbst denkenden Ablauf immer höher, indem sie sich selbst erkannten und an eben diesen Erkenntniskategorien am eigenen Schopfe aus dem Nichts zogen, während wir heute mit unseren hochmanifesten Bewußtseinskategorien darauf fixiert sind, hier ‚harte‘ Gesetze der ‚Physik‘ zu erkennen. Wir sollten aber besser in den Upanishaden nachlesen, um den Dingen näherzukommen.

Besonders sollte es uns aber zufriedenstellen, daß auf diese Weise das schreckliche Raum-Zeit-Paradoxon eine Erklärung findet, das sich in folgender Frage ausdrückt: wo hört der Raum (bzw. die Zeit) auf? Er kann ja eigentlich nirgendwo aufhören, da immer noch etwas dahinter kommen muß. Andererseits ist es genauso undenkbar, daß er ewig weitergehen soll, denn irgendwo muß ja eigentlich jede Sache einmal ein Ende haben. Jetzt können wir aber wirklich sagen: da das Raum-Zeit-Kontinuum erst durch das erkennende Bewußtsein konstituiert wird, hört es genau dort auf, wo sich das (kosmische bzw. hinsichtlich des so wichtigen Beobachters auch individuelle) Bewußtsein ausblendet. Es gibt nichts dahinter, denn es gibt keine Welt außerhalb des Geistes. Wohin wir sehen bzw. denken, da ist etwas in dem Sinne, in dem wir das tun, und nicht anders. Man könnte nun noch fragen, wie es möglich sei, daß wir dennoch ganz körperlich in dieses (für die uns zukömmliche Weise) so konkrete Universum etwa mit Raumschiffen hinausfahren können, da ja nach dieser Annahme die fernen Planeten sicher noch nicht so konkret sind wie die nahen - von entfernten Welten ganz zu schwei­gen: Wir können uns das so beantworten, daß wir permanent mit unseren Beobachtungsakten alles erst im Sinne unseres Erkennens aus dem kollektiven Unbewußten hervorholen[11] - einschließlich der ‚harten‘ Materie, wie die Quantenprozesse zeigen - und daß uns dabei ein ganzes Arsenal psychosomatischer Täuschungen ein evolutionär entstandenes Konkretheitserlebnis liefert. Es gibt - besonders infolge von Gehirnerkrankungen - zahlreiche sensorische Verschiebungen oder Ausfälle (sog. Skotome), die alle darauf hinweisen, daß erst unser Gehirn bzw. Bewußtsein die von uns erlebte Wirklichkeit so aufbaut, wie sie uns erscheint. Normalerweise geschieht das aber schon im Kleinkindalter (siehe Jean Piaget: ‚Der Aufbau der Wirklichkeit beim Kinde‘). Oliver Sacks schrieb dazu: „Die Wahrnehmung verarbeitet nicht nur passiv Sinnesreize, sondern sie schafft aktiv ganzheitliche Gestalten, die den gesamten Wahrnehmungsbereich strukturieren.“ Es erscheint insofern keineswegs zufällig, daß sich unser Sternenhimmel durch die ebensowenig zufällig richtige Lichtgeschwindigkeit an eben der Grenze ausblendet, die für unser Bewußtsein notwendig ist, indem sie uns einen Sternenhimmel bietet, der unserer Anschaulichkeit entspricht (was gemäß dem sog. ‚Olberssche Paradoxon’ eigentlich unmöglich ist, da sich ansich zwischen jeden Sternenlichtpunkt noch ein anderer kleinerer und weiter entfernter dazwischenschieben müßte, sodaß wir dann eben nur einen einzigen strahlendhellen ‚Nachthimmel’ sähen, der uns aber nicht gut bekommen würde). Ansich ist es ja auch völlig gleichgültig, ob die Dinge von ‚außen‘ oder von ‚innen‘ an uns herangetragen werden: von irgendwoher müssen die Informationen, die die Quantenprozesse zu hochmanifesten Dingen verfestigen, aber kommen, doch sind es eben wirklich nur Informationen und keine Materiebrocken und dergleichen, bei denen wir uns allerdings kaum vorstellen könnten, wie sie aus unserem Kopf kämen. Daß wir unseren Fuß auf solch einen Planeten setzen könnten, liegt an der elektromag­netischen Kraft, die verhindert, daß die Atome unseres Fußes und der Materie des fremden Planeten sich gegenseitig durchdringen, doch sollte es uns nach unseren auch diesbezüglichen Erörterungen nicht schwerfallen, diese Kraft ebenfalls als ein geistiges Phänomen zu entlarven. Vielleicht - wir können ja nichts mehr ausschließen - wird es eines Tages gelingen, die wirklich allerkleinsten Materiebausteine zu entdecken, doch dann sollten wir uns auch nicht mehr darüber wundern, wenn sie nicht nur zufällig einigen uns bereits bekannten Galaxien ähneln, sondern mit ihnen sogar identisch sind. Denn dann haben wir nur einen Weg gefunden, sie von der anderen Seite des Universums zu erblicken. Vermutlich wird aber auch das keine neue Phase der Philosophie, sondern nur eine völlig neue Phase der Raumfahrt einleiten. Denn eines ist immerhin sicher: die Menschen werden nicht klüger - und gerade diejenigen, die in stiller Wut alle gegenteiligen Überzeugungen in den Bereich der 'Unwissenschaftlichkeit' verweisen möchten, folgen damit i.a. nur dem gerade offiziellen Aberglauben.


[1] Heinz Oberhummer: Kann das alles Zufall sein? Salzburg 2008.
[2] So wörtlich bereits in der Einleitung des Buches.
[3] Max Jammer: Der Begriff der Masse.
[4] Immer wenn ich im folgenden keine besondere Quellenangabe mache, beziehe ich mich auf das Buch von Oberhummer.
[5] Alle Zitate von Bertrand Russell aus: „Die Entwicklung meines Denkens“ und „Das ABC der Relativitätstheorie.“
[6] Wenn wir das nämlich so annehmen und damit die durch die sog. „Rotverschiebung“ erfolgende Ausblendung zu einem bloß relativistischen Phänomen erklären, erscheint die Relativitätstheorie als der letzte Strohhalm zur Rettung des positivistischen Weltbildes. Allerdings ist auch dagegen einzuwenden, daß ein ‚Inertialsystem‘ (Bezugssystem in der Relativitätstheorie) keineswegs nur durch seinen Bewegungszustand, sondern wie in der Quantenphysik eigentlich nur durch seinen Beobachtungsort definiert sein kann.
[7] Max Jammer: „Die Richtung des Zeitflusses dachte man sich durch die kausale Verknüpfung der Erscheinungen bestimmt. Dann war der Raum nur die Ordnung gleichzeitiger Gegebenheiten.“
[8] Während durch ‚Konkretisierung’ lediglich eine ansich bereits manifeste Sache nur genauer ins Auge gefaßt wird, soll mein Begriff ‚Konkretionierung’ einen Vorgang bezeichnen, bei dem eine zuvor nicht-konkrete Sache erst grundsätzlich manifestiert wird. (Beide Vorgänge lassen sich übrigens  - wenn auch nur modellhaft - unter ‚Google-Earth’ beobachten oder auch beim Aufruf von Computerprogrammen, die zuvor nur in digitaler Form existierten.) Es handelt sich also nicht nur um einen bloßen Kognitionsvorgang, der innerhalb des Subjekts ablaufend gedacht werden kann, sondern um einen Entstehungsprozeß als Folge einer Subjekt-Objekt-Rückkoppelung. In beiden Fällen geht es darum, eine zuvor diffuse Sache durch einen Beobachtervorgang ins praktische Blickfeld zu holen und dadurch zu verdinglichen - im ersteren Fall durch Focussierung des Objekts und im zweiteren Fall durch Subjektivierung des Objekts.
[9] gigni = hervorbringen / divinitus = durch göttliche Eingebung.
[10] Max Jammer sagt dazu in seinem Buch ‚Das Problem des Raumes’: Im Laufe des 19. Jhdts. wurde eine Unzahl von Versuchen unternommen, um den Beweis zu führen, daß der Naturraum nur drei Dimensionen besitzt.. Bolzano versuchte die Annahme einer Dreidimensionalität des Raumes als notwendige Voraussetzung für die Übereinstimmung zwischen den Bewußtseinsinhalten und der Kausalverknüpfung in der äußeren Objektwelt zu erweisen... Die gegenseitige Kausalverknüpfung physikalischer Prozesse verlangt die Dreidimensionalität… Es gibt noch weitere zahlreiche ‚Beweise’ der Dreidimensionalität des Raumes - wie z.B. den von Hegel .. Es ist indes eigentümlich, daß der Gedanke einer vierten (Raum-)Dimension in Spiritistenkreisen begeisterte Aufnahme fand.. (Man wollte damit u.a. sog. ‚Apporte’ erklären.) H. Gassmann sagte bereits 1844: „Es ist klar, daß der Begriff des Raumes keineswegs durch das Denken erzeugt werden kann, sondern demselben stets als ein Gegebenes gegenübertritt.“
[11] Ein modernes Beispiel dafür liefert ‚Google-Earth’, wo auch nur das, was der Benutzer jeweils fokussiert, aus einem zuvor nur in duffus diegitalisierter Form vorliegenden Zustand in den - wenn auch auf dem Computer noch nicht endgültigen - Zustand manifester Konkreteion erhoben wird. Dabei ist aber in unserer Realität jeweils offenbar nur das aufrufbar, was der jeweiligen seelischen Qualität entspricht, denn wie gesagt wird eine Kuh nicht nur deshalb keine Sterne sehen, weil sie sich nicht dafür interessiert, sondern weil es ihr auch noch nicht entspricht, diese zu manifestieren.
 
 
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