Das Universum

   
   
   

Die Grenzen der Wissenschaft

Ob Pantokrator oder der nicht weniger allmächtige „Zufall“: Was hat das alles noch mit exakter Wissenschaft zu tun? Diese sollte sich ansich nur mit Dingen befassen, die von jedem jederzeit beobachtet und bestätigt werden können. Doch daran mangelt es hier ganz fundamental. Da ist es demgegenüber kein größeres Wagnis, wenn man eine andere Theorie dagegenstellt, die zwar auch nicht beweisbar ist, aber doch die größere Plausibilität für sich hat. Statt von einer unendlichen Zahl von Paralleluniversen auszugehen, die alle mit gleicher Berechtigung neben dem unserigen existieren, doch leider u.a. den Nachteil haben, daß sie für die Entstehung von Leben ungeeignet sind, liegt es näher, nur von einem einzigen, nämlich unserem, auszugehen, das jedoch alle notwendigen Bedingungen erfüllt, um so entstehen und existieren zu können, wie es für uns nötig ist. Dieses ‚Für uns’ klingt allerdings sehr anthropozentrisch, und das ist auch unabdingbar für ein Universum, das sich nach den Gesetzen der Denknotwendigkeit bis zu seiner höchsten Vollendung im Geiste der höchsten Monaden entwickelt hat. Wenn wir dagegen weiterhin von einem objektiven Universum ausgehen, müssen wir uns - wie schon früher erörtert - fragen, wie sich darin alles mit einer derartigen Feinabstimmung ganz genau so fügen konnte, wie es nicht nur für die Entstehung des Universums überhaupt, sondern auch darin lebender Organismen und für unsere menschliche Psyche und Erlebnisfähigkeit nötig war. Unser Autor beschreibt das Problem:

Würden sich manche Naturkonstanten nur minimal von ihrem Wert in unserem Universum unterscheiden, wäre ein totes und steriles Universum ohne Leben entstanden. Dieser Zusammenhang wird von den Naturwissenschaftlern als ‚Kosmologische Feinabstimmung’ und von den Philosophen als ‚Anthropisches Prinzip’ bezeichnet und gehört für die Theologen in das Gebiet von ‚Intelligent Design’. Unter dem ‚Anthropischen Prinzip’ versteht man kurz gefaßt, daß das Universum, das wir beobachten, für die Entwicklung intelligenten Lebens geeignet sein muß, da wir anderenfalls nicht hier sein, es beobachten und physikalisch beschreiben könnten. Mit ‚Intelligent Design’ meint man die Anschauung, daß bestimmte Merkmale des Universums und des Lebens nur durch eine übernatürliche Ursache erklärt werden können… Wäre die Stärke der Kernkraft nur um ein halbes % schwächer als in unserem Universum, würde die Häufigkeit von Kohlenstoff im Universum um ein Hundertstel bis ein Tausendstel des tatsächlichen Wertes geringer sein. .. Als wir in den Computersimulationen die Entstehung des Kohlenstoffs in Roten Riesensternen die ersten paar Mal berechneten, bin ich regelrecht erschrocken. Falls der Wert für die Stärke der Kernkraft nicht ganz genau in die Simulation eingegeben war, wurde darin praktisch kein Kohlenstoff oder Sauerstoff in den Roten Riesensternen produziert. In die Realität übersetzt heißt das, daß im gesamten Universum die Bausteine des Lebens, nämlich Kohlen- oder Sauerstoff, in weitaus geringerem Maße vorhanden wären, wenn die Stärke der Kernkraft nur ein bißchen anders wäre. Damit wäre auch kohlenstoffbasiertes Leben in unserem Universum extrem unwahrscheinlich, wenn nicht sogar unmöglich. Nur der Kohlenstoff hat nämlich die notwendigen chemischen Eigenschaften zur Bildung der komplexen und sich selbst organisierenden Moleküle, die für das Leben notwendig sind.. Für eine um mehr als ein halbes % stärkere oder schwächere Kernkraft wäre kohlenstoffbasiertes Leben extrem unwahrscheinlich… Interessanterweise würde sich die Häufigkeit aller anderen Elemente abgesehen von Kohlen- und Sauerstoff kaum ändern, wenn die Stärke der Kernkraft in der Prozentgegend unterschiedlich von den Werten in unserem Universum sein würde. Es ist schon komisch, daß ausgerechnet die beiden wichtigsten Elemente für das Leben eine solche Empfindlichkeit gegenüber dieser Variation zeigen, während die Häufigkeiten aller anderen Elemente sich kaum verändern würde. Die Feinabstimmung des Tripel-Alpha-Prozesses ist erstaunlich…. Manche der numerischen Feinabstimmungen und Koinzidenzen sind viel zu ausgeklügelt, als daß sie noch mit unserem Sinn für ‚Natürlichkeit’ in Einklang gebracht werden können. Daher fragen sich viele, ob hinter dieser Feinabstimmung nicht doch mehr steckt…

"... sich selbst organisierender Moleküle..." Ja, das Prinzip der Selbstorganisation ist in der Systemtheorie allerdings bereits sehr bekannt (siehe Jantsch u.a.) - warum sollte man es demnach nicht auch in das frühere Stadium verlegt denken, das erst zur Entstehung der Elemente führte? In den üblichen positivistischen Theorien werden offenbar alle nicht ins Bild passenden Argumente ausgeklammert. So haben unsere Astronomen für viele Probleme zwar eine zunächst einleuchtende Erklärung, die allerdings bei näherer Betrachtung so wenig überzeugt, daß man sich kaum denken kann, daß ihnen das nicht selbst schon aufgefallen ist (was aber wie viele andere nicht ins Bild passende Überlegungen öffentlich vielleicht deshalb nicht gerne eingeräumt wird, weil es die institutionalisierte Naturwissenschaft untergräbt). Das gilt auch für den paradoxen Ausdehnungszustand des Universums, demzufolge sich gem. der ‚Hubble-Expansion’ ausgerechnet alles von unserem zentralen Ort auszudehnen scheint, obwohl das der Annahme widerspricht, daß es keinen zentralen Ort im Universum gibt. Die Astronomen bemühen dafür gerne das Bild eines Luftballons, den man aufbläst: Ist es nicht dabei auch so, daß auf dessen Oberfläche alle Punkte voneinander fortstreben, und ergibt sich dabei nicht für jeden Oberflächenpunkt genau das Bild, das wir auch selbst wahrnehmen, ohne daß diesem Punkt dabei eine Sonderrolle zukommt? Es wäre allerdings schön, wenn wir uns das wirklich auch für ein räumliches Modell vorstellen könnten, denn dann dehnte sich eben überall gleichzeitig der Raum so aus, wie das in dem Luftballon-Gleichnis nur auf dessen Oberfläche geschieht. Die sog. ‚Rotverschiebung‘ an den Grenzen des sichtbaren Bereiches zeigt dann an, daß dort die Sterne aus der Sicht des jeweiligen Beobachtungsortes eine solche Fluchtgeschwindigkeit erreichen, daß sie an dieser Grenze nur das von dort aus sichtbare Spektrum verlassen, während sie ggf. durchaus noch jenseits dieser Grenze weiterhin existieren, denn nur so läßt sich der Gedanke einer Nicht-Zentralität aufrechterhalten. Der Haken an diesem Vergleich liegt nur in dem Umstand, daß zwar alle Punkte auf der Oberfläche eines derartigen Luftballons mit - objektiv (also nicht hinsichtlich eines darin befindlichen Beobachtungsortes, denn in Bezug auf diesen wächst die Ausdehnungsgeschwindigkeit gleichzeitig mit wachsender Entfernung) - gleicher Geschwindigkeit voneinander fortstreben, daß das aber nicht gleichermaßen auch für alle Raumpunkte in seinem Inneren gilt, denn dort wird auch das objektive Ausdehnungstempo um so geringer, je näher wir uns dem Mittelpunkt des Ballons nähern; umgekehrt steigt es mit wachsender Entfernung vom Zentrum. Der Zustand des Weltraumes, den wir von unserer Erde aus wahrnehmen, ist aber dadurch gekennzeichnet, daß es in keiner Richtung abweichende Ausdehnungsgeschwindigkeiten gibt, was im übrigen auch der Annahme widerspräche, daß es im Weltraum wirklich keinen bevorzugten Ort gäbe, da es nämlich hieße, daß diese Ausdehnung von einem bestimmten objektiven Ort aus erfolgte. Eine in einer Richtung abweichende Geschwin­digkeit müßte nämlich auch bereits dem bloßen Auge dramatisch sichtbar sein, da dorthin keine relativistische Ausblendung durch Rotverschiebung und insofern eine Verdichtung der Sternenmasse bis hin zur vollständigen und lückenlosen Konzentration erfolgte.

Das bedeutet umgekehrt, daß die Erreichung einer die Ausblendung bewirkenden Geschwindigkeit (= Lichtgeschwindigkeit) in jeder Richtung unabdingbar ist! So ist unser Standort nicht mit der Oberfläche, sondern in Wirklichkeit nur mit dem Mittelpunkt des Ballons vergleichbar. Mit anderen Worten: das Ballonbeispiel führt uns gerade zu der gleichen Annahme zurück, die damit ja vermieden werden sollte. Um diesem Dilemma zu entgehen, kam Einstein zu der Theorie der Raumkrümmung, die aber wiederum mit der Analogie der Erdoberfläche arbeiten muß, mithin in unzulässiger Weise ein Flächenmodell in ein Raummodell überträgt. Man müßte dazu der Oberfläche des Ballons eine so gewaltige Dicke geben, daß darin das gesamte von uns aus sichtbare Universum unterzubringen ist. Doch selbst diese kaum noch zumutbare Annahme erklärt im Grunde nicht sehr viel, denn sie geht zum einen weiterhin von einem endlosen Weltraum aus, in dem sich lediglich der bestirnte Himmel ausdehnt (es ist jedenfalls nicht zu ersehen, wie diese Annahme dadurch widerlegt wird, obwohl sie größte Denkprobleme bereitet, denn wir müssen uns nach wie vor die Frage stellen, was sich denn außerhalb und innerhalb der bestirnten Raumkugel befindet), und es muß logischerweise zum anderen dennoch einen zentralen Ort geben, von dem aus sich alles ausdehnt und der somit auch alle anderen Orte in Bezug auf sich selbst relativiert, was der ersten Grundannahme widerspricht. Es gibt also kein sinnvolles Denkmodell, das uns den von uns wahrgenommenen Zustand des Universums erklärt - jedenfalls nicht, solange wir bei der Vorstellung eines objektiv gegebenen Universums bleiben. Um es demnach ganz deutlich zu sagen: die von uns aus beobachtete Hubble-Expansion führt uns bei logischer Betrachtung nicht nur in das vorkopernikanische Weltmodell zurück, legt also nicht nur nahe, daß eigentlich unsere Erde das Zentrum der Welt ist, sondern sie bedeutet gemäß der darin liegenden logischen Konsequenz zudem, daß selbst mit noch so unendlich präzisen Meßinstrumenten keine noch so winzige Abweichung hinsichtlich eines objektiv in dieser Erde befindlichen Fluchtzentrums zu errechnen wäre, ob unser Observatorium nun in Europa oder Australien läge, was wiederum nichts anderes bedeutet, als daß das Zentrum immer dort liegt, wo der Beobachter steht!!! Beide Beobachter könnten sich zwar, wie es in unserer Praxis geschieht, darüber verständigen, daß sie das gleiche sähen, aber sie sehen - und das bedenken sie dabei nicht - tatsächlich nicht dasselbe! Das spricht nicht gerade für ein konkretes Universum - denn das ist damit wohl klar geworden: der jeweilige Beobachter ist eben die Leibnizsche Monade.

Main page Contacts Search Contacts Search