Das Universum

   
   
   

Die lästige Grenze der Lichtgeschwindigkeit

Natürlich: Um dem lästigen Postulat der Nichtüberschreitbarkeit der Lichtgeschwindigkeit zu entkommen und dennoch die großen Ausdehnungen erklären zu können, die gemäß der vorausgesetzten Grundannahme „urplötzlich“ stattgefunden haben müssen, kann man auch gleich den ganzen Raum selbst ausdehnen. Nur muß man dann allerdings auch die in ihm befindlichen und von ihm durchdrungenen Objekte mit ausdehnen, wodurch dann eben relativ nichts gewonnen wäre - es sei denn, man würde an der Außenkante der Objekte eine aristotelische Zwiebelschalengrenze postulieren, womit man aber ansich wieder in die Zeit vor Ptolemäus zurückginge. Unser Autor stellt aber auch eine alternative Erklärung vor, die nur bis Newtons Pantokrator zurückgeht:

Interessanter wird es bei der Kombination der religiösen Erklärung mit der Hypothese des Multiversums…. Versuchen wir einmal, die religiöse Erklärung mit der ‚Theorie für Alles’ zu vereinigen. Nun, das ist einfach: Unser Universum wurde vom Schöpfer eben so angelegt, daß darin zielgerichtet Leben existieren kann Einem allmächtigen Schöpfer ist es wohl angepaßter, den großen Wurf des Multiversums zu machen, als die verschiedenen Parameter eines einzigen Universums in mühsamer Detailarbeit genau abzustimmen… Die Inflationstheorie ist jedenfalls der geniale Schachzug schlechthin, um Leben in den Kosmos einzupflanzen.

Dese Erklärungsmethode ist schließlich sehr etabliert, da man sich mit ihr sogar auf Newton berufen kann, der ebenfalls immer zu Gott Zuflucht nahm, wenn er etwas nicht anders begründen konnte. Aber schon Leibniz bemerkte dazu:

Newton und seine Anhänger haben von Gottes Werk eine recht merkwürdige Meinung. Gottes Maschine ist ihrer Meinung nach sogar so unvollkommen, daß er gezwungen ist, sie von Zeit zu Zeit durch einen außergewöhnlichen Eingriff zu reinigen und sogar zu reparieren, so wie ein Uhrmacher sein Werk repariert, der ja ein um so ungeschickterer Handwerker ist, je öfter er gezwungen ist, sein Werk in Ordnung zu bringen und zu reparieren..

Doch Newton kann keineswegs als inzwischen überholt gelten, weil er ja schließlich ein berühmter Physiker war. So kann unser Autor - der, wie wir uns erinnern, ja alle Religionen überwunden zu haben glaubte, nicht aber offenbar Gott selbst, sofern der sich in den Dienst der "Wissenschaft" stellen läßt - schließlich triumphieren: „Die Naturwissenschaften sind offensichtlich auch den letzten Fragen des Seins auf der Spur.“

Aber vielleicht sind diese sehr konstruiert wirkenden Erklärungsversuche - wenn auch symptomatisch - nur nicht besonders glücklich. Es geht hier grundsätzlich um das Problem, daß die sog. ‚kosmische Hintergrundstrahlung’, die man auf den Urknall zurückführt, praktisch aus allen Richtungen des Weltraums kommt und dabei auch nahezu die gleiche Temperatur hat, während es doch eigentlich um Herkunftsbereiche geht, die sich mit Licht- oder sogar „Überlicht“-Geschwin­dig­keit voneinander entfernen. Das heißt, daß diese Bereiche außerhalb ihres sog. ‚Ereignishorizontes’ liegen, was bedeutet, daß sie zumindest beim Urknall noch keine kausale Verbindung haben und sich somit auch nicht auf einen thermischen Gleichgewichtszustand einstellen konnten. Gemäß der Inflationstheorie soll sich aber der gesamte Bereich des heute sichtbaren Universums zum Zeitpunkt des Urknalls in einem „winzigen Raumelement“ (offenbar eine Adaption an Newtons „Ätherpixel“!) befunden haben und sich danach - gemäß anderer Autoren - in einem Zeitintervall von wenigen Sekunden nach dem Urknall mit „vielfacher Überlichtgeschwindigkeit“ exponentiell ausgedehnt haben. Damit wird es möglich, anzunehmen, daß sich alles zuvor innerhalb eines Ereignishorizontes befunden hat und sich somit aufeinander einstellen konnte, daß sich aber danach eben urplötzlich alles ausgedehnt hat, wobei aber innerhalb dieses Ausdehnungsprozesses alles „eingefroren“ wurde und uns somit heute aus allen Bereichen gleichzeitig und gleichmäßig erreichen kann.

Wir wollen die darin liegenden logischen Widersprüche nicht weiter kommentieren. Es zeigt zumindest die Ratlosigkeit der heutigen Astronomie. Ein anderer Punkt, der zu solchen Theorien führt und stets erwähnt wird, weil er nach Erklärung verlangt, ist immerhin noch bemerkenswert: Es geht um die bereits erwähnte ‚kosmologische Feinabstimmung’, der gemäß alle infragestehenden Meßwerte sich ursprünglich nur in einem winzigen Bereich befunden haben konnten, der die Weiterentwicklung des Universums ermöglichte. Wäre die „Dichte beim Urknall“ auch nur einen winzigen Bruchteil größer oder kleiner als die kritische Dichte gewesen, wäre das Universum - wie man meint - sofort danach wieder kollabiert oder es hätte sich so schnell ausgedehnt, daß keine Galaxien hätten entstehen können. Da es aber gemäß dem gängigen Urknall-Modell für diese Feinabstimmung keine Erklärung gab, meinte man sie nun eben dadurch ermöglichen zu können, daß sich das Universum sofort danach urplötzlich aufgebläht hat. Dann waren danach eben die Galaxien an jenem Platz, an dem zu befinden sie ohne diese Voraussetzung undenkbar waren. Es ist aber unerfindlich, was man damit gewonnen hat. Wir wissen ohnehin nicht, wie groß unsere räumlichen und zeitlichen Dimensionen wirklich sind, da alles aufeinander bezogen ist, sodaß wir theoretisch - wie Einstein bereits feststellte - mit unserem Raum-Zeit-Kontinuum durch eine Wäschemangel gedreht werden könnten, ohne es zu merken. Wenn also der Raum sich plötzlich ausdehnt, bleiben die selbst raumdurchdrungenen Objekte im Raum davon nicht unberührt und wachsen entsprechend mit, und alles bleibt beim alten. Diese Theorie eignet sich somit höchstens für Doktorarbeiten und Nobelpreise und bleibt ansonsten noch bei dem alten Vorstellungsmodell. Sie ist aber eng verbunden mit einer anderen Theorie, nämlich der ‚Viele-Wel­ten-Theorie’:

Die Inflation… ist der Grund dafür, daß es im Universum geknallt hat. Unter dem ‚Knall’ versteht man das Freisetzen der Energie… Außerdem war die Inflation der Auslöser für die anschließende, bis heute andauernde Ausdehnung des Kosmos… Wir können sagen, daß die Theorie der Inflation eine unserer leistungsfähigsten Erklärungsansätze für unseren Kosmos darstellt… Es gibt dann beliebig viele weitere Urknalle, die in der Entstehung von verschiedenen, unendlich vielen Universen münden. Wenn das so ist, ist unser Universum nur eines von unendlich vielen, die als Blasen im Urchaos entstanden sind und immer weiter entstehen. Man kann sich das Ganze wie einen sich rasch ausdehnenden Ozean voller Seifenblasen vorstellen, in dem immer wieder neue Blasen aus Seifenschaum gebildet werden. Dieses Modell, in dem jede dieser Blasen einem eigenen Universum  entspricht, nennt man die Multiversum-Hypothese… Die Möglichkeit nur eines einzigen Universums könnte man mit einer Maßschneiderei vergleichen, in welcher einem der Anzug auf den Leib geschneidert wird. Das Multiversum hingegen gleicht einem Großkaufhaus, in welchem man Anzüge von der Stange kauft. Wenn das Kaufhaus ein riesiges Lager hat, würden wir uns nicht wundern, daß wir dann einen Anzug finden, der uns paßt… Auch viele Dinge in unserem Universum sind Produkte des Zufalls, wie z.B. die genauen Eigenschaften der Planeten in unserem Sonnensystem oder die Energiezustände eines Elektrons im Atom…

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