Das Universum

   
   

Unser Planet und unsere Galaxie

Der Autor stellt uns dann die Situation unseres Sonnensystems innerhalb eines Armes der Milchstraße vor. Dieser Ort ist tatsächlich ideal, denn wären wir näher am Zentrum unserer Galaxie, so kämen uns wegen der dort herrschenden Dichte mit größerer Wahrscheinlichkeit andere Sonnen in die Quere und würden uns bedrohen; lägen wir dagegen zu weit am Rande, würde uns der Sternenhimmel sehr dunkel erscheinen. Daraus folgt, daß ein Planet, auf dem Leben möglich ist, nicht nur durch den richtigen Abstand von seiner eigenen Sonne, sondern auch von derem Abstand vom Galaxiezentrum abhängig ist. Eines müssen wir uns nämlich klarmachen: alle Sterne, die wir am Himmel mit unserem bloßen Auge sehen, gehören ausschließlich zu unserer eigenen Galaxie. Die Milchstraße ist also nicht nur das helle Band, das wir in klaren Nächten deutlich sehen, sondern das ist nur jene Scheibe, auf die wir aus ihrem Seitenarm blicken, während wir gleichzeitig um uns herum in die ganze Breite dieses Armes blicken. Die einzigen am Himmel mit bloßem Auge sichtbaren Objekte, die nicht zu unserer eigenen Galaxie gehören, sind die Nachbargalaxie Andromeda und die Magellanschen Wolken. Wie aber wäre es, wenn unser Sonnensystem zwischen den Galaxien läge? „Dort würde die Erde ein einsames Dasein fristen, und am irdischen Nachthimmel würden dann von der Erde auch keine Sterne mehr sichtbar sein, weil wir uns dort nicht mehr in einer Galaxie befinden.“ Daß wir uns aber nicht nur zufällig an einem solchen Ort befinden, ergibt sich aus der Tatsache, daß wir dort gar nicht existieren könnten, weil der für uns lebensfeindlich wäre - und zwar nicht nur physisch, sondern auch psychisch. Selbst wenn uns noch genug körperliche Wärme verbliebe, wäre ein ungleicher Sternenhimmel wegen der Erdrotation mit sehr schwankenden Lichtverhältnissen verbunden, die unseren psychischen Rhythmus beeinträchtigen. Grundsätzlich ist mit der Kantschen Apriorik des Raumes auch die Psyche des erkennenden Subjektes in das kosmische Geschehen eingebunden. An der Ignorierung dieses Tatbestandes müssen auch alle verobjektivierenden Kosmologien scheitern, wie etwa die diversen Urknalltheorien, die davon ausgehen, daß plötzlich mit einem Schlag von wem auch immer die gesamte Materie in unser Raum-Zeit-Kontinuum geschleudert wurde.

Für eine solche Annahme hätten allerdings auch die ‚Alten’ kein Verständnis gehabt. Plutarch zitiert den Empedokles: „Als Narren und Gedankenlose müssen wir verurteilen, die sich so seltsam verhalten und glauben, das, was nie existierte, mag nun plötzlich entstehen, und das, was existiert, mag radikal zugrunde gehen.“ Und Lukrez sagt in seinem Werk ‚De rerum natura’: „Nullam rem e nilo gigni divinitus umquam.[9] („Nichts kann auch durch göttliche Macht je aus Nichts geschaffen werden.“) … Dessen ungeachtet haben derzeit alle möglichen Urknalltheorien eine Hochkonjunktur. Mit ihnen ist zumeist die Auffassung verbunden, daß sich das Universum erst bis zur Sichtbarkeitsgrenze ausgedehnt hat, was sich aus der beobachteten Galaxienflucht und der sog. ‚Rotverschiebung’ des Lichtes ergeben soll. Dabei wird unterstellt, daß die Zeit seit dem ‚Urknall’ eben noch gar nicht länger gereicht hat, um die Sterne bzw. Galaxien sich weiter ausdehnen zu lassen. Rück­wirkend schließt man so auf das Alter des Universums:

Es existieren zumindest drei unabhängige grundlegende Beweise, die mit den Vorhersagen des Urknallmodells übereinstimmen: die Galaxienflucht, die kosmische Hintergrundstrahlung und die Häufigkeiten der im Urknall entstandenen leichten chemischen Elemente. Daß sich die Galaxienhaufen voneinander wegbewegen, können wir durch einen physikalischen Effekt, der Rotverschiebung genannt wird, beobachten… Durch die Rotverschiebung des Lichts läßt sich die Geschwindigkeit, mit der sich die Galaxienhaufen von uns fortbewegen, und damit die Ausdehnungsgeschwindigkeit des Universums bestimmen. Warum ist die Galaxienflucht, welche durch die Rotverschiebung der sich von uns wegbewegenden Galaxien beobachten können, ein Hinweis auf den Urknall? Nun, wenn sich das Weltall immer weiter ausgedehnt und die ganze Materie im Universum sich immer auseinanderbewegt hat, müssen wir doch annehmen, daß im Universum gestern alles näher zusammen war als heute. Je weiter wir in die Vergangenheit zurückgehen, umso dichter war daher das Universum. Schließlich war beim Urknall vor 13,7 Mia Jahren die Materie in einem extrem dichten und heißen Zustand zusammengepreßt.

Das Universum soll also so und so alt sein. Die überwiegende Mehrzahl der Urknalltheorien geht davon aus, daß ‚damals’ auch Raum und Zeit mitentstanden sind, obwohl das jedes ‚damals’ zwangsläufig infragestellt. Wenn man sich dieses sinnvollerweise jedoch nicht als plötzliches, sondern als ein successives Geschehen vorstellt, und wenn man andererseits feststellt, daß auch die Mehrzahl der Physiker noch immer für den Weltbeginn mit dem Urknall auf einem festen Zeitrahmen besteht, so gibt es demnach dabei eine erhebliche Schnittmenge von Physikern, denen man logische Inkonsequenz vorwerfen muß. Wenn die Zeit ansich keinen sinnvollen Beginn hatte, macht es auch keinen Sinn, von einem festen Zeitpunkt des Urknalles zu reden und die seitdem vergangene Zeit festzulegen. Nehmen wir statt dessen an, die Zeit habe sich wie aus einem Traum erst in unsere heutige Realität hineinprojiziert, dann kommen wir zu einem anderen Modell: wenn nämlich jemand in einer einzigen Nacht von der ganzen Kulturgeschichte seit etwa den frühen Pharaonen bis heute träumt, wird man auch nicht meinen, diese Zeit habe folglich nicht länger als etwa acht Stunden gedauert, sondern man wird einräumen, daß die Realzeit und die Traumzeit zwei verschiedene Dinge sind. Hieraus folgt, daß wir nicht wissen, wie viel Zeit nach unseren heutigen Maßstäben das Universum hatte, um sich auszudehnen, sodaß sich dieses durchaus hinter der Sichtbarkeitsgrenze noch wesentlich weiter in einen Bereich ausdehnen kann, von dem wir lediglich keine Kenntnis mehr haben, weil das jenseits unseres Horizontes liegt. Das bedeutet, daß die ‚tatsächliche’ Zeit sowohl länger als auch kürzer gewesen sein kann, je nachdem, ob wir die Messung um die Ecke herum fortsetzen (gemäß dem Zenon von Elea, der in seiner logischen Paradoxie des Achilles und der Schildkröte ausführte, daß jener diese nicht überholen könne, sofern er ihr einen auch nur kleinen Vorsprung gewähre) oder ob wir nur ihren linearen ‚Schatten’ sehen und damit innerhalb unseres als selbstverständlich vorausgesetzten logischen Systems verbleiben. Das Urknall-Modell und der damit verbundene Zeitrahmen kann sich so als ein bloßes Projektionsphänomen erweisen - ebenso wie übrigens die Obergrenze der Lichtgeschwindigkeit, derzufolge es nach gängiger Annahme nicht möglich ist, ihr noch etwas hinzuzuaddieren, was bisweilen zu merkwürdigen Paradoxien führt, die sich auflösen würden, wenn wir stattdessen von einer Fortsetzung durch Abbiegung hinter eine Sichtbarkeitsgrenze ausgingen, denn es ist natürlich durchaus möglich, eine Gestalt zu vergrößern, ohne daß ihr Schatten sich vergrößert.

 

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