Allgemeine Redaktion

Lesesaal 2

Die Notwendigkeit einer neuen Enzyklopädie

 

Vielfach wird das Internet-Lexikon Wikipedia mit der historischen Enzyklopädie von Diderot und d-Alembert verglichen. Aber dieser Vergleich hinkt beträchtlich, denn während Wikipedia grundsätzlich kein Programm außer dem hat, kompetentes Wissen allgemein und leicht zugänglich zu machen - dabei leider allerdings offenbar zur Zeit einer zu bibliothekarischen und engen Interpretation folgt, von der Diderot weit entfernt war -, konnte man bei der historischen Enzyklopädie kaum sagen, daß sie unprogrammatisch war. Ganz im Gegenteil war es sogar ihre vordringlichste Absicht, ein neues Weltbild zu verbreiten, das sich vor allem gegen die herrschenden Institutionen richtete und zu einem Sprachrohr des aufstrebenden Bürgertums werden sollte. Wenn wir nun unsererseits den Versuch zu einer Art rudimentären Neuauflage dieser Enzyklopädie machen, so verbinden wir damit nicht die Absicht, uns in ähnlicher Weise quantitativ zu verbreiten und historisch gleich einflußreich zu werden (denn das wäre vielleicht vermessen und müßte scheitern, solange nicht äußere Faktoren hinzutreten, die in eine neue Richtung drängen, und ist auch bereits einer der Punkte, die uns sehr wesentlich von der alten unterscheidet, da wir uns nicht an ein momentanes oder zukünftiges Bürgertum richten), als vielmehr die, daraus zunächst nur die Idee einer eigenen und neuen Identität und Zielrichtung abzuleiten. Das bedeutet einerseits, daß wir die mit der alten Enzyklopädie verbundene Weltanschauung inzwischen nicht mehr für zeitgemäß und für dringend revisionsbedürftig halten, sowie andererseits, daß wir unsere Redaktion dennoch in etwa an diesem historischen Vorbild ausrichten. Unsere Redaktion umfaßt demnach mehrere Bereiche, die wir insofern für relevant halten und mit denen wir in besonderer Weise unserem Motto „höchste Zeit für neue Denkansätze“ gerecht werden zu können hoffen. Es mag sein, daß die daraus folgende Zusammenstellung für manche Besucher unserer Seite zunächst gewöhnungsbedürftig erscheint, aber auch das entspricht unserer Absicht. Keine Frage: Mit dem Weltbild der historischen Enzyklopädie hat das kaum noch etwas zu tun, wie die unten folgende kritische Aufstellung veranschaulicht, und das sollte eben auch nicht der Fall sein, denn sonst könnte dieses weiterhin seinen Dienst leisten. Daß das alte Weltbild dieses allerdings nicht mehr kann, wird aber auch bildungsfernen Mitbürgern zumindest hinsichtlich seiner Implikationen und den damit verbundenen Folgen inzwischen immer offensichtlicher, obwohl es noch immer weitgehend institutionalisiert ist. Es war bei der Entstehung der heute maßgeblichen Institutionen eben wesentlich beteiligt und kann nur sehr schwer aus ihnen herausgelöst werden; vielleicht müssen deshalb die Institutionen selbst von Grund auf erneuert werden. Was diese angeht, so sind folgende Tatbestände festzustellen:

  • Der Wissenschaftsbetrieb ist geistig erstarrt und zu einer Domäne von Menschen geworden, die den internationalen Anschluß im Sinne einer vornehmlich wohl aus der Wirtschaft übernommenen Globalisierungsidee und auf der Basis der universalen Weltsprache Englisch suchen, was ihnen umso leichter fällt, weil sie in ihrer eigenen Kultur und Sprache ebenso wenig verwurzelt und zu Hause sind wie in irgendeiner sonstigen. Denn sie sind weit davon entfernt, irgend etwas mit dem Typus des früheren Intellektuellen zu tun zu haben, sondern gehören eher zur Gruppe der Technokraten bzw. Hochschul- oder Institutskarrieristen und entsprechen insofern am ehesten dem Ingenieur- oder Beamtentypus.
  • Der Kulturbetrieb ist fast ausschließlich in den Händen des Kapitals. Das wird besonders in der Kunstszene deutlich. Dort herrscht offensichtlich das Motto: Was nichts kostet, ist auch nichts. Während gleichzeitig ein riesiges Heer von idealistischen Künstlern gewissermaßen im Underground arbeitet und dadurch für eine weiterhin bestehende lebendige und echte Kunstidee und für ‚Gotteslohn’ arbeitet, haben die Galeristen und Geldanleger eben diese Idee für sich und ihre Zwecke entdeckt, indem sie sie usurpieren und gewissermaßen aus ihren eigenen Reihen Künstlerdarsteller pushen und als die eigentliche Künstlerelite vorzeigen, die aber nichts anderes zu tun in der Lage ist als Geldanlageobjekte und für die ‚Sammler’ bürgerliche Dazugehörigkeitsausweise zu produzieren.
  • Die Philosophie - ursprünglich eine Domäne des klassischen Gelehrten - ist offenbar leider im Zuge der Aufklärung neben vielem wirklich Verzichtbaren als Kind mit dem Bade auch ausgeschüttet worden, und vorübergehend hatten sogar ausgesprochene Positivisten die verwaisten philosophischen Lehrstühle ergattert. Viel besser ist das immer noch nicht geworden, denn heute liegt auch sie vor allem nur noch in den Händen von Hochschulkarrieristen, die sich in esoterischen Zirkeln damit begnügen, sich in einem unverständlichen Kauderwelsch gegenseitig zu zitieren, das kaum dem Zweck dient, wirkliche Inhalte zum Ausdruck zu bringen.
  • Die Architektur… Nirgendwo wird so sehr manipuliert wie bei den Entscheidungen in Architektur-Wettbewerben. Die dafür zuständigen Ausschüsse bestehen überwiegend aus lokalen Laien, die von den dabei anwesenden Fachleuten leicht beeinflußt werden können. Diese allerdings schieben sich die Preise gegenseitig zu. Denn wer von ihnen gerade im Ausschuß sitzt, beteiligt sich beim nächsten Mal selbst und umgekehrt. Neueinsteiger dienen in diesem Spiel lediglich als notwendige Statisten – zumal wenn sie unbekannte Einzelkämpfer sind. Es ist ein Irrtum, zu glauben, daß von einem solchen Forum Qualität bereits im Ansatz erkannt würde. Die graphische ‚Aufmotzung’ eines Vorschlages ist allemal wichtiger als eine wirkliche Idee. Im Hintergrund dieser Praxis stehen die Architektenkammern, die als reine Bonzenvereine überhaupt nicht an einer Änderung interessiert sind, sondern lieber nur an immer neuen Auflagen ihrer Gebührenordnung basteln.
  • Die Medien. Seit der immer größeren Verbreitung der Privatsender im Fernsehen scheinen auch die ‚Öffentlich-Rechtlichen’ unter Anpassungsdruck geraten zu sein. Auch sie wollen sich offenbar dem Gebot der Einschaltquoten fügen, obwohl sie von den Nutzern auch direkt bezahlt werden. Kein Wunder, daß sie mit ihrem Geld nicht auskommen – wenn man sich die unproportionalen Gehälter der Fernsehmacher vor Augen führt! Auch hier steht alles nur noch unter dem Gesetz des Geldes. Die Talkshows sind darüber zu einem Eldorado der Lobbyisten geworden. Das muß nicht unbedingt gegen direkte Bezahlung geschehen, aber sie haben eben die Logik des Systems auf ihrer Seite. Auch die sonstigen Medien, die diversen Zeitungen und selbst renommierten Zeitschriften, entsprechen allesamt dem Merkur-Archetypus, d.h. sie orientieren sich lediglich am Zeitgeschehen und status quo und beschäftigen sich kaum oder bestenfalls rudimentär mit irgendwelchen Hintergründen. Die Perspektive und wirkliche Aktualität bleibt dabei auf der Strecke, denn nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern. Die aus dieser Perspektivlosigkeit folgende Unfähigkeit zu nennenswerten kritischen Ansätzen bringt sie sogar in die Nähe der Verfassungsfeidlichkeit und vorsätzlichen Destruktion (siehe dazu unseren Beitrag 'Dumbo, der Usurpator'). Man kann demnach lediglich aus Büchern oder neuerdings auch aus dem Internet wichtige Informationen gewinnen.
  • Die Politik… Es scheint logisch, daß man nur dann qualifizierte Leute ins Parlament bekommt, wenn man denen auch eine entsprechend hohe Bezahlung gewährt. Denn nur die Hochbezahlten, so wird uns versichert, verstehen etwas vom System. Daß das ein Zirkelschluß ist, fällt niemandem auf, denn wenn im Parlament nur Idealisten säßen, verständen die auch am besten etwas von dem sich dann ganz anders eingerichteten System. Und das würde außerdem zu einer völlig anderen Ethik führen. Unsere Politiker versichern uns aber immer wieder, daß sie in der freien Wirtschaft noch viel besser bezahlt würden. Das kann dann aber nicht jene Wirtschaft sein, an der sich die Normalbürger orientieren müssen. Wer einen Blick in die Parlamente wirft und die dort leeren Plätze sieht, kann sich denken, wo die Politiker ihre meiste Zeit wirklich verbringen: nämlich bei eben jenen Wirtschaftsvertretern, denen sie ihre überproportionale Zukunftsgewißheit verdanken.
  • Der Literaturbetrieb. Was Marcel Reich-Ranicki über die Medien sagte, ist dem kritischen Beobachter leicht nachvollziehbar. Merkwürdigerweise sagte er aber in einem anschließenden Interview ganz beiläufig, ein gutes Manuskript fände auch stets seinen Verleger. Das mag aus seiner Kritikerperspektive wirklich so aussehen, denn er bekommt ja stets nur diejenigen Bücher auf den Tisch, die bereits den Filter der Verlage passiert haben – man wundert sich aber doch über seine Naivität in diesem Punkt. Denn er müßte sich eigentlich sagen, daß im Literaturbetrieb inzwischen ganz ähnliche Strukturen maßgeblich sind wie in den anderen Medien. Alle Verlage müssen ja heute gewinnorientierte Geschäftsunternehmen sein und können es sich kaum leisten, ein Buch herauszubringen, das keine befriedigenden ‚Einschaltquoten’ verspricht. Das muß zwar nicht zwangsläufig bedeuten, daß nur noch Massenware produziert wird, obwohl dieser Trend inzwischen unübersehbar ist, doch es versteht sich, daß alles nicht Marktgängige dabei ausgefiltert wird – egal ob das nur daran liegt, daß es unter- oder überqualifiziert ist. Letzterer Umstand kann vielleicht übersehen werden, da sich mittlerweile viele Autoren darauf verstehen, ihren Büchern zumindest in formaler Hinsicht einen qualifizierten und anspruchsvollen Duktus zu geben, aber es müßte sich doch immer noch zumindest als Weihnachtsgeschenk eignen. Und diesem Gebot entspricht die Form nun einmal eher als irgendwelche Inhalte.
  • Die Musikszene. Während die Popmusikszene naturgemäß noch in einer besseren Rückkoppelung zu ihrem Publikum zu stehen scheint, hat sich zumindest die Operninszenierung völlig von ihm enthoben. Man kann nur froh sein, daß die Inszenierungsabenteuer noch nicht auf die Musik selbst übergegriffen haben, denn sonst würde uns hier nicht nur das Sehen, sondern auch das Hören vergehen. Es gibt offenbar keine noch so ausgefallene Inszenierungsdummheit, die nicht noch unterboten werden könnte. Wer hat diesen nach einem merkwürdigen System ins Amt gelangten Regisseuren denn gesagt, daß man bestimmte Bestandteile eines Gesamtkunstwerkes einfach herausnehmen kann und damit völlig frei und nach eigenem Ermessen umgehen kann, und wer hat ihnen das Recht gegeben, darüber grundsätzlich besser befinden zu können als die Komponisten selbst? Niemand würde in der Autoreifenindustrie auf die Idee kommen, einmal quadratische Räder zu konstruieren, nur weil das eben originell und neu wäre, sondern man versucht - und das durchaus sinnvollerweise - nur die Materialien und Oberflächenprofile zu optimieren. Bestimmte Grundelemente sind einfach archetypisch, und das zu erkennen, erfordert ggf. so etwas wie Kongenialität oder zumindest Intelligenz. Daß diese allerdings eine seltene Gabe Gottes zu sein scheint, wird in dieser Szene offensichtlich. Alles hat seinen organischen Ort, und das gilt nicht nur für Inszenierungsgrundmuster, sondern auch für den jeweiligen Platz, an den ein Mensch gehört.
  • Die Kirche. Vielleicht ist die Tatsache, daß derzeitig sexuelle Verfehlungen und Übergriffe von Kirchenvertretern so sehr thematisiert werden, Ausdruck einer viel tieferen Krise. Daß die Lehre und Praxis der christlichen Kirche viele Zeitgenossen nicht mehr befriedigt, ist in den letzten Jahrzehnten immer deutlicher geworden. Es ist vor allem das exoterische Prinzip, das als allzu bequem empfunden wird. Der christliche Mystiker Meister Eckhard hatte dazu bereits im 13. Jahrhundert gesagt: „Manche einfältigen Leute wähnen, sie sollten Gott so sehen, als stünde er dort und sie hier. Dem ist nicht so. Gott und ich, wir sind eins. Durch das Erkennen nehme ich Gott in mich hinein; durch die Liebe hingegen gehe ich in Gott ein.“ Dadurch, daß die christliche Kirche dieses Prinzip auf den Kopf stellte und ihrer Gemeinde eine Religion von oben verordnete, formalisierte sie sich und wurde in ihren Aussagen immer unglaubwürdiger. Kirche und Religion sind durchaus zweierlei.
  • Die Wirtschaft hat sich zu einem esoterischen Verein entwickelt, der nichts mehr mit der übrigen Gesellschaft zu tun haben will und diese nur noch als lästiges Anhängsel empfindet. Dem liegt die Auffassung des Neoliberalismus zugrunde, der in den letzten dreißig Jahren mit subversiven Methoden u.a. des Etikettenschwindels auf der ganzen Welt einstmals blühende Volkswirtschaften dereguliert, entsolidarisiert und dadurch zerstört hat. Das der Allgemeinheit entzogene Geld wurde weitgehend virtualisiert und an die Börsen gebracht, wo es zwangsläufig verpuffte, oder es befand sich danach nur noch in den Händen sogenannter ‚Investoren’, während in den einzelnen Ländern verarmte Kommunen, übermäßige Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldungen zurückblieben. Die wichtigsten Wirtschaftskriminellen, die daran maßgeblich beteiligt waren, sind durchaus namentlich bekannt - ja es befinden sich sogar hohe und höchste Politiker unter ihnen -, aber es scheint immer noch keine juristischen Instrumente oder eine entsprechende richterliche Kompotenz zu geben, sie zur Verantwortung zu ziehen.
  • Die Justiz. Es ist offenbar wirklich nur noch mit der Astrologie zu erklären, mit welcher instinktiven Sicherheit immer unsere ehemals dümmsten Mitschüler später ausgerechnet im Richterberuf landen, dem wohl letzten Eldorado für besserverdienende Minderbegabte, in dem sie letztlich von niemandem wirklich direkt kontrolliert werden. Wer einmal einen Prozeß vor einem unserer Zivilgerichte geführt hat, kann in aller Regel ein Lied davon singen, wie und auf welch abenteuerlichen Wegen unsere Amtsrichter zum Kern einer Sache vorzudringen versuchen und sich dabei in Nebenaspekten verzetteln und verheddern, Ausschlüsse für Gegebeweise halten usw., und statt zu Grundsatzurteilen zu finden, lieber zu schammigen Vergleichen neigen, die keinen anderen Sinn haben, als den Anwälten zu helfen, ihre Mandanten auszubeuteln. Wer etwa als Vermieter das Pech hat, einen sog. Mietnomaden in einer seiner Wohnungen zu haben, wird bald erkennen, daß er sich hier nur noch selbst helfen kann, denn die Gerichte sind dabei völlig überfordert.

Diesen Erscheinungen im Einzelnen entgegenzuwirken entspricht ansich immer nur einem Versuch, Symptome zu korrigieren, was kaum wirksam gelingen kann, weil alles zusammenhängt und sich gegenseitig bestätigt. Es ist deshalb notwendig, zumindest die allem gemeinsame Wurzel zu erkennen (als ersten Schritt, bevor man über Gegenmaßnahmen nachdenken kann). Es ist ansich kaum zu übersehen, daß das alles die Folge eines falschen allgemeinen - einseitig positivistisch-materialistisch-utilitaristisch orientierten – Denkrahmens ist, der die westlichen Gesellschaften seit der ‚Aufklärung’ des 18. Jahrhunderts geprägt hat. Die daraus resultierende Entmystifizierung hat den Einzelnen aus seiner persönlich verantwortbaren Mitwirkung entlassen oder diese in die Beliebigkeit formalisierter Sonntagspredigten („Das Wort zum Sonntag“) übergeben und ihm die Vorstellung nahegelegt, das Universum sei nur eine Art kosmischer Maschine, in die der einzelne Mensch lediglich als zufälliger Zaungast hineingeraten sei. Das wußten zwar nicht nur die westlichen Philosophen, sondern vor allem auch die östlichen religiösen Systeme besser (während unsere westliche Religion alles ‚Höhere’ in einen abstrakten Himmel verschoben und dadurch von und aus dem Menschen selbst herausgelöst hat), aber statt daß von dort die dringend nötige geistige Erneuerung auch über den Westen zurück kommt, sieht es mittlerweile sogar so aus, daß der westliche Positivismus und Materialismus auch diese Weltbereiche mit erfaßt. Doch das zumindest hält unser Planet nun wirklich nicht mehr aus. Es ist also höchste Zeit, daß zumindest die sensibleren Geister zu neuen Denkansätzen finden und diese auch praktisch verwirklichen. Vielleicht kann das nur von derjenigen Weltgegend aus erfolgen, von der auch die leider zu pubertäre Vernunftauffassung der letzten ‚Aufklärung’ ausging. Sie hat zwar der Bequemlichkeit ihrer Bürger gedient und auch den technologischen Fortschritt gewaltig vorangebracht, dabei aber die geistige und moralische Entwicklung der Menschen selbst aus dem Auge verloren, statt zu sehen, daß die Technik ansich nur Werkzeug und nicht Endzweck sein sollte. Als Werkzeug allerdings leistet sie gute Dienste und kann auch von den diversen Internetforen und –‚Communitys’, zu denen wir selbst gehören, entsprechend genutzt werden. Wir haben keine Probleme damit, uns aller Möglichkeiten zu bedienen, die die moderne Technik bietet, aber wir wollen uns nicht zu ihren Sklaven machen lassen – wie es dann der Fall ist, wenn man ganztägig nur noch für seine modernen Existenzerhaltungswerkzeuge arbeitet und sich dadurch völlig der damit verbundenen Logik ausliefert.

Die Wurzel des Gesamtproblemes, aus dem alle genannten Erscheinungen resultieren, liegt nach unserer Sicht also in einem zu einseitig materialistischen Weltbild, das im Prinzip aus der Auffassung der Materie-Priorität folgt bzw. mit ihr verbunden ist und diese Auffassung als letzte Konsequenz nahelegt, wie sie sich etwa im 'Urknall'-Modell der modernen Physik zeigt. Wie gewaltsam dieses Denkmodell ist, müßte eigentlich jedem klar werden, der genauer darüber nachdenkt - aber es ist eben die ultima ratio (man kann auch sagen: der unausweichliche Restmüll) des materialistischen Weltbildes. Wenn man allerdings demgegenüber von einer Geist-Priorität ausgeht, kommt man zu einem weniger gewaltsamen Weltbild, das jedoch den Menschen und seine Selbstgestaltung mit einbindet und insofern andere und tiefere Anforderungen an ihn stellt. Was uns daran hindert, ist weniger die mangelnde Logik als einerseits wohl eine gewisse moralische Bequemlichkeit, andererseits aber auch die mangelnde Denkgewohnheit, da wir nicht von kleinauf mit den Implikationen eines solchen Bildes vertraut gemacht wurden und es nicht nach allen Seiten durchdacht haben.

Dazu vor allem kann eine enzyklopädische Essay-Sammlung dienen, um die wir uns bemühen.

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