Allgemeine Redaktion

Der archetypische Kugelwürfel

Unser Programm

 

 

 

 

 

 

Wir haben ein Grundprogramm, an das sich hier alle halten sollten: Wir beschäftigen uns nicht damit, irgendwelche Zukunftsperspektiven oder Utopien zu entwickeln, sondern damit, den Zustand der Welt zu analysieren, und zwar hinsichtlich ihrer fundamentalen Hintergrundstrukturen. Daraus mag dann jeder seine eigenen Konsequenzen ziehen, über die wir anschließend auch noch näher diskutieren können. Sie sind allerdings für uns nur ein Nebenthema.

 

Unsere Fundamentalkritik läßt sich am besten aus der Sicht eines Außenstehenden darstellen:

Seit einigen Jahrhunderten ist Europa materiell, raubgierig, aggressiv geworden und hat die Harmonie des inneren und äußeren Menschen, die die wahre Bedeutung von Zivilisation und die wirksame Grundbedingung für wahren Fortschritt ausmacht, verloren. Materieller Komfort, materieller Fortschritt, materielle Effektivität sind zu den Göttern geworden, die Europa anbetet... Die rein intellektuelle oder vorwiegend materielle Kultur der Art, wie Europa sie jetzt bevorzugt, trägt in ihrem Herzen den Keim des Todes; denn das lebendige Ziel von Kultur ist die Verwirklichung des Himmelreiches auf Erden... Indien ist bereits weitgehend von europäischer Kultur in Mitleidenschaft gezogen worden... Es kann zu einer verschlingenden Vereinigung und zu einer Zerstörung aller anderen Zivilisationen durch einen aggressiven europäischen Typus kommen. Ob jener Typus eine Wirtschaftsbourgoisie oder ein Arbeiter-Materialismus sein wird oder ein rationalistischer Intellektualismus, läßt sich nicht leicht vorhersagen.. Allein Indien hat sich bisher geweigert, seine Gottheit aufzugeben oder seine Knie zu beugen vor den starken herrschenden Idolen wie Rationalismus, Kommerzialismus und Ökonomismus, den erfolgreichen ehernen Göttern des Westens... Soll die Harmonie des Geistes, des Mentals und des Körpers sich auf dem groben Gesetz unserer physischen Natur gründen, nur rationalisiert oder höchstens berührt von einem wirkungslosen spirituellen Schimmer, oder soll die dominierende Kraft des Geistes die Führung übernehmen und die geringeren Kräfte von Intellekt und Körper zu einer größeren Bemühung um höchste Harmonie zwingen?... Ein Ausgreifen nach tieferen Dingen, eine verstärkte Rückkehr zu Forschungsinteressen, die verbannt worden waren, ein Drang nach höherer, noch unverwirklichter Erfahrung, eine Zulassung von Gedanken und Vorstellungen, die der westlichen Mentalität lange fremd waren, können überall beobachtet werden. Diesen Prozeß unterstützte ein gewisses Eindringen indischen und östlichen Denkens und Einflusses. .. Philosophie und Denken haben sich in einer scharfen Biegung vom rationalistischen Materialismus und seinem selbstsicheren Absolutismen entfernt... Die Tendenz des normalen westlichen Mentals geht dahin, von unten nach oben und von außen nach innen zu leben. Man schafft sich eine starke Grundlage in der vitalen und materiellen Natur, und höhere Kräfte werden nur angerufen und zugelassen, um das natürliche irdische Leben abzuwandeln und teilweise zu erhöhen. Das innere Leben wird geformt und regiert von den äußeren Kräften. Indiens ständiges Bestreben war es dagegen, eine Lebensgrundlage in der höheren spirituellen Wahrheit zu finden und vom inneren Geist her nach außen zu leben, den gegenwärtigen Modus von Mental, Leben und Körper zu überwinden, die äußere Natur völlig unter Kontrolle zu bringen... Ein alter Grieche der Zeit von Perikles oder der Philosophen, der plötzlich in dieses Jahrhundert versetzt würde,... wäre mehr überwältigt und verblüfft, denn eingenommen vom mächtigen Pulsschlag des modernen Lebens. Er würde abgestoßen von der schamlosen Masse seiner Häßlichkeit und Roheit, seines zügellosen äußeren Utilitarismus, seines vitalistischen Trubels und der morbiden Übertreibung und Ungesundheit vieler seiner Entwicklungen. Er würde in ihm viele schlecht verhüllte Belege für das nicht verhinderte Überleben des Barbaren sehen. Wenn er seine Intellektualität und die exakte Anwendung von Denken und wissenschaftlichem Verstand auf die Lebensmaschinerie anerkannte, würde er in ihm doch seinen eigenen Versuch klarer und edler Anwendung der idealen Vernunft auf das innere Leben von Geist und Seele vermissen... Ein Gefühl seiner Illusion und Unwirklichkeit würde ihn bei jedem Schritt heimsuchen, weil das, was am größten im Menschen ist und ihn über sich selbst hinaushebt, vernachlässigt worden war. (Der indische Philosoph und Mystiker Sri Aurobindo.)

Unser Verbund ist ein Basisverbund und verhält sich damit bewußt kritisch gegenüber allen vertikalen und etablierten Strukturen. Wir sind horizontal strukturiert. Es gibt demnach hier ein qualitativ-geistig-horizontal-rundes Prinzip im Gegensatz zu einem quantitativ-materiell-vertikal-quadra­tischen Prizip. Das sind zwei grundsätzlich entgegengerichtete archetypische Strukturen, die in räumlicher Entsprechung in dem Gegensatz von Kugel und Würfel zum Ausdruck kommen. Eben das ist in unserem obigen Logo ausgedrückt, in dem zugleich auch die beabsichtigte Wirkungsweise unserer Initiativen dargestellt ist: ausgehend von dem zentralen Punkt (der geistigen Weltmitte, in der sich der schamanische vertikale Weltenbaum und die beiden Horizontalachsen entsprechend den indianischen vier Winden kreuzen) wird die Kugel mit Leben erfüllt (unser interner geistiger Informationsverbund), die dadurch in die Lage versetzt werden soll, argumentativ nach außen (also in die materielle Würfelwelt) zu wirken. Der Informationsverbund soll also die Argumentationsfähigkeit unserer Basis verbessern.

Es hat in der Vergangenheit immer wieder Initiativen im Sinne eines geistigen Aufbruchs gegeben. Diese waren teilweise eher theoretischer, philosophischer oder literarischer Art - wie die Staats- und Gesellschaftsutopien von Platon oder Thomas Morus - oder sie waren religiös motiviert (etwa die der Pythagoreer im 6. Jhd. v.Chr., der Cluniazenser im 9./10., der Katharer im 12./ 13. oder der Wahabiten im 18. Jhdt. n.Chr.). Teilweise gingen sie offenbar überhaupt nicht auf Einzelinitiativen zurück, sondern entsprangen einfach einem allgemeinen Wandel des Zeitgeistes (wie etwa die Renaissance und der Humanismus). Auch die Stoiker oder diversen Gnostiker ließen sich entweder philosophisch oder religiös zuordnen, doch offenbar kam es erst im bürgerlichen Zeitalter nach der französischen Revolution zu nachhaltig wirksamen sozialen Reformbewegungen wie dem Sozialismus oder Kommunismus bzw. zu Bewegungen, die sich von allen früheren Vorstellungen zu emanzipieren versuchten und dabei mit religiösen Elementen diverser Kulturkreise in einer Weise jonglierten, die einen Vorgeschmack der heutigen Globalisierung gaben, zu der frühere Zeiten noch nicht fähig gewesen waren – wie etwa die der Theosophen des 19. Jahrhunderts, die einerseits stark von indischen Einflüssen geprägt waren, aber auch einen deutlich spritistischen Anstrich hatten. Als diese sogar einen regelrechten Buddha oder Christus zu inszenieren versuchten, ging das Rudolf Steiner zu weit, der mit der wesentlich von ihm geprägten ‚Anthroposophischen’ Gesellschaft an die geistige Tradition der ‚Deutschen Idealisten’ und Goethes anknüpfte. Während sich solche Bewegungen eher im geistigen Bereich zu verwirklichen versuchten, gab es auch immer schon Modelle, die sich architektonisch manifestierten. Hierzu ist ansatzweise bereits Cluny zu rechnen, aber wohl erst in der Renaissance entstanden verschiedene Idealstadtprojekte. Soweit sie ansatzweise realisiert wurden, gediehen sie wie etwa Petersburg offenbar nur unter der Schirmherrschaft absolutistischer Herrscher. Daß sie wohl nicht wirklich einem demokratischen Ideal entsprechen, kann etwa die neuere Geschichte Brasilias zeigen, das jedenfalls als Landeshauptstadt von der Bevölkerung nie angenommen wurde. Im Zwischenbereich von Philosophie, Religion und sozialer Utopie lagen verschiedene Modelle wie etwa das der Idealstadt ‚Mew Harmony’ des Robert Owen im frühen 19. Jhdt. Die ‚Tragik der Unrealisierbarkeit’ scheint über allen solchen Projekten zu liegen. Das Internet könnte allerdings heute erweiterte Möglichkeiten eines Informationsnetzwerkes bieten. Erst in den letzten Jahren sind Redaktionssysteme (sog. CMS-Systeme) technisch so weit entwickelt worden, daß sie dafür ein gutes Werkzeug bereitstellen.

  • Mit was für Schwierigkeiten derartige Initiativen noch vor 10 Jahren zu kämpfen hatten, kann etwa der Beitrag über das bereits seit 1992 bestehende und immer noch aktuelle und lebendige brandenburgische ‚Ökostadt’-Projekt zeigen. Dieser Bericht ist insofern gerade deshalb immer noch von Interesse, weil er selbst bereits 10 Jahre alt ist. Zeitunabhängig veranschaulicht er darüber hinaus, worum es den Initiatoren bei solchen Projekten geht. Der Autor berichtet darüber in einer etwas ambivalenten Haltung, die einerseits von grundsätzlicher Sympathie, andererseits aber auch von Skepsis hinsichtlich der Realisierungsmöglichkeiten gekennzeichnet ist. Wir stellen diesen Bericht allen anderen voran, weil er in etwa zeigt, worum es auch uns geht, wenn wir uns auch zunächst nur um eine allgemeine geistige Initiative bemühen, aus der erst später konkretere Projekte erwachsen könnten.
  • Die Notwendigkeit solcher Initiativen, die zumindest zu einem entsprechenden allgemeinen Informationsverbund führen, zeigt der Essay über die sog. ‚Agenda 21’. Er veranschaulicht die Feindseligkeit unserer Umwelt und vor allem die Tatsache, daß wir es bei allen Problemen der Gegenwart viel weniger mit Naturkatastrophen zu tun haben, denen man nur schicksalhaft ausgeliefert ist, als vielmehr mit rein menschlichen Konstellationen. Wir kennen allerdings eine der argumentativen Hauptwaffen, mit denen diese Seite jeder kritischen Sichtweise entgegentritt: es ist der Vorwurf der Verschwörungstheorie. Als solche werden allerdings immer nur diejenigen Verschwörungstheorien bezeichnet, die nicht zu den offiziellen gehören. Denn auch etwa die sog. ‚Globalisierung’ läßt sich leicht hinsichtlich der Zwänge, die daraus gefolgert werden, als solche bezeichnen.

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Im Einzelnen --

Zur Rechtschreibreform:

Die Vorbehalte gegen diese neue Schreibverordnung sind allgemein bekannt und bedürfen ansich keiner Rechtfertigung. Das gehört wohl auch in das Kapitel ‚Karrieristengesellschaft’. Diese Reform ist angeblich das Werk einer Kultusministerkonferenz. Man fragt sich dabei allerdings ganz unwillkürlich, welche Voraussetzungen für dieses Amt heute noch erforderlich sind. Derartige Reformen haben früher immer nur etwas nachgeholt und in feste Regeln gefaßt, was sich bereits in der Alltagspraxis weitgehend durchgesetzt hatte, sie sind aber nicht umgekehrt von oben verordnet worden, um eine bestimmte Praxis erst einzuleiten, und das war auch nie ihre Aufgabe und ihr Sinn. Ansich müßte es auch allgemein bekannt sein, daß Sprachen nicht nur am Reißbrett entworfen wurden, sondern das Ergebnis eines organischen Entstehungsprozesses sind, sodaß es nicht zwangsläufig ist, daß sich Verben immer nur aus Substantiven entwickelt haben, sondern daß es auch umgekehrt gewesen sein kann. So muß z.B. nicht unbedingt das Wort aufwenden aus dem Wort Wand abgeleitet worden sein, sondern kann seinerseits erst zu der Entstehung des Substantivs Aufwand Anlaß gegeben haben. Obwohl hier der Buchstabe a statt eines e in der Tat irritiert und sich wohl aus einer allgemeinen Nachlässigkeit in der Alltagspraxis ergeben hat, sollte das aber nicht zu falschen Entstehungstheorien führen, sodaß man jetzt meint, das Wort Aufwand sei das Ursprungs-Substantiv, aus dem sich erst das Verb aufwendig ergeben hat, das demnach eigentlich als aufwändig geschrieben werden muß. Es geht also nicht darum, daß man eine Wand hinaufgeht, sondern daß man einen Aufwand treibt, indem man etwas aufwendet. Die gleiche Bildungsferne liegt wohl auch der Ersetzung des früheren ß durch ss zugrunde, denn es liegt auf der Hand, daß zu solchen Reformen am ehesten diejenigen Mitbürger fähig sind, die weniger stark in ihrer Kultur verankert sind. Man kann sich etwa kaum vorstellen, daß die Franzosen auf ihr accent aigu verzichteten, nur um sich der allgemeinen englischen Schreibweise anzugleichen. Reformen bemühen sich außerdem im allgemeinen darum, bestimmte Zustände von überflüssigem Ballast zu befreien, was allerdings bei der Ersetzung des Wortes Tip durch Tipp nicht maßgeblich gewesen sein kann. Der Sinn dieser Reform bleibt eben so dunkel wie das meiste andere.

Es entspricht unserem Selbstverständnis, daß wir uns dieser sog. Reform ("Rechtschreibreform" oder "Falschschreibverordnung") nicht fügen. Ebenso können wir überflüssige Anglizismen (das sog. Denglisch) vermeiden, weil wir nicht kommerziell sind. Für uns ist demnach eine Brille immer noch eine Brille und keine Eyewear oder so ähnlich. Einer dritten reichlich albernen Modeerscheinung, nämlich jedem dritten Substantiv das Femininum anzufügen (etwa: AutorIn oder LeserIn), unterwerfen wir uns ebenfalls nicht - zum einen deshalb, weil das die für unsere Beiträge wichtige gedankliche und inhaltsbezogene Konzentration sehr behindert, zum anderen aber vor allem auch deshalb, weil wir in der deutschen Sprache nicht das gleiche Problem haben wie einst Simone de Beauvoir in der ihrigen, daß nämlich die Bezeichnung für Mensch identisch wäre mit der für Mann, sodaß wir uns genötigt sähen, ausdrücklich zu betonen, daß auch Frauen Menschen sind. Der männliche Artikel bezieht sich selbstverständlich in unserer Sprache zunächst auf den Menschen ganz allgemein, und der ist bekanntlich in zwei Geschlechter untergliedert, über deren Zugehörigkeit damit also noch nichts gesagt ist - beonders nicht in unserer fast paritätisch besetzten Redaktion (was aber nichts mit Quote zu tun hat, sondern reiner Zufall ist, der sich aus dem jeweiligen Engagement ergeben hat).

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