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Mikro- und Makrokosmos

 

 

 

Gervasio: Was habt ihr mit Atlanten zu schaffen?
Poliinnio: Ich betrachte die Erdteile, die Klimate, Provinzen und Landschaften, die ich alle insgesamt nur idealiter in der Vorstellung, viele auch mit meinen Schritten durchstreift habe.
Gervasio: Besser wär’s, du hieltest ein wenig in dir selber Umschau; denn das, scheint mir, wäre dir viel wichtiger, und ich glaube, darum bemühst du dich allzu wenig.
Poliinnio: Auf jenem Wege gelange ich viel wirksamer dahin, mich selber zu erkennen.
Gervasio: Wie möchtest du mir das beweisen?
Poliinnio: Zumal man von der Betrachtung des Makrokosmos leicht - so man nämlich gebührendermaßen per analogiam weiter schließt - zu der Erkenntnis des Mikrokosmos gelangen kann, dessen Teilchen den Teilen jenem korrespondieren.
Gervasio: So fänden wir also in euch den Mond, den Merkur, und andere Sterne, Frankreich, Spanien, Italien, England und andere Länder wieder?
Poliinnio: Warum nicht? Gewissermaßen als Analogie. (Giordano Bruno.)
 

Die unsere Fassungskraft bedrängende Macht der Zahlen bietet sich uns in den kleinsten Organismen des Tierlebens wie in der Milchstraße der selbstleuchtenden Sonnen dar, die wir Fixsterne nennen. Welche Masse von Polythalamien schließt nicht eine dünne Kreideschicht ein! Von den mikroskopischen Galionella distans enthält ein Kubikzoll .. 41000 Millionen Einzeltiere… Solche Schätzungen erinnern .. an die Sandkörner, die den Weltraum ausfüllen könnten. (A.v.Humboldt.)

 

Mikromakro

   
   

Unsere Erfahrungswelt zwischen Mikro- und Makrokosmos

Sobald sich die Welt entschließt, eine Welt zu sein, muß sie sich in deren Formen fügen, und diese Formen des Seins sind paradox. Denn es ist ja unbezweifelbar so, daß es die Welt gibt, obwohl es sie aus wichtigen Gründen, die bereits von den alten Philosophen erörtert wurden, ansich gar nicht geben kann. Sie mußte sich demnach entschließen, ihre paradoxe Ausgangslage zu überwinden, indem sie diese im Geiste ignorierte. Insofern ist schon die Ausgangslage dadurch gekennzeichnet, daß sie real und objektiv unmöglich ist. Wie aber könnte sie im Gegenteil nur subjektiv sein? Subjekt und Objekt gibt es im Anfangsstadium noch nicht; der Subjekt-Objekt-Gegensatz entsteht erst mit dem Entstehen der Welt - er ist eine der Polaritäten, in die sie sich aufteilt, indem sie entsteht. Oder anders: dadurch, daß sie sich so aufteilt, entsteht sie. Die Welt ist eine sich selbst fotografierende Kamera. Stellen wir uns vor, daß ursprünglich alles nur ein flimmernder Film voller präkonkreter Potentialitäten ist, so werden diese erst dadurch zu realen Möglichkeiten und Realitäten, daß sie in gewissen Stadien durch eine beob­achtende Kamera fixiert werden, die immer dann Klick macht, wenn sich die Dinge in einem bestimmten Bewegungsmoment befinden, der dadurch, daß er stets im gleichen Moment so fixiert wird, immer mehr stabilisiert wird. In der Tat scheint das ja der Zustand zu sein, in dem sich die Elementarteilchen immer noch befinden, der sich ohne einen hinzutretenden Beobachter nicht denken läßt. Erst so wird aus dem Nichts ein Etwas, und wir können erahnen, daß sich dieser Vorgang aus geringsten Uranfängen hochentwickelte und dabei immer komplexer und „konkreter“ wurde, wobei wir das Wort konkret in Anführungsstriche setzen müssen, weil unter diesen Voraussetzungen jede Konkretion tatsächlich nur ein Täuschungsvorgang ist. So ist es möglich, daß die Welt aus einem Strudel von Paradoxien entsteht und hiervon zugleich absehen kann, weil sich diese Dinge nur im Geiste vollziehen - in ihrem eigenen Geiste, der dabei mitwächst, indem er sich die Welt dadurch schafft, daß er sie beobachtet. Auch der Gegensatz von Traum und Wirklichkeit entsteht so mit.

 

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