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Der Organismus als Weltprinzip


Jede höhere Zivilisation bzw. Organisation basiert auf dem Prinzip der Vernetzung, durch die nichtidentische Bereiche sich gegenseitig verbinden und überlagern. Vor allem gilt das für Bereiche, die durch räumliche Entfernungen voneinander getrennt sind. Die Vernetzung bringt Bereiche zusammen, die sonst nur alle für sich existieren könnten und dadurch zu größerer Autonomie gezwungen wären, wodurch eine komplexere Spezialisierung unmöglich würde. Komplexität und Spezialisierung sind also nur möglich, wenn auf der Basis des Informationsprinzips ein größerer Überorganismus entstehen kann, in dem die sonst autonomen Bereiche und kleineren Organismen nunmehr zu spezialisierten Organen eines größeren Organismus werden können. Je umfassender dabei das Vernetzungssystem ist, desto größer ist auch der Überorganismus, wobei es allerdings wohl Grenzen gibt, jenseits derer die Informationswege unter den Einzelorganen zu weit oder zu kompliziert werden und auch eine weitere Spezialisierung keine Vorteile mehr bringt, die noch in der Lage wären, die größer werdenden Nachteile auszugleichen. In der Wirtschaft ist das u.a. als sog. Autarkieproblem bekannt, demzufolge kleinere mehr oder weniger regionale Wirtschaftseinheiten trotz des Zusammenschlusses zu einem Großstaat sinnvollerweise eine relative Autonomie behalten sollten, weil bestimmte Probleme und Vorgänge nur vor Ort gelöst werden können. Dabei muß unterschieden werden zwischen solchen Aufgaben, die besser regional und solchen, die besser überregional organisiert werden können. Die Unterteilung in überschaubare Grundeinheiten ist demnach auch in einer Großorganisation immer sinnvoll, auch wenn der gleichzeitige Vorzug der überlagerten Einheit ebenso offensichtlich ist. In der Biologie begegnet uns das als notwendiger Übergang von den Einzellern zu den Vielzellern: die Einzeller waren ja bereits Systeme aus mehreren Organen in einer Zelle, was sich bis dahin als so vorteilhaft erwiesen hatte, daß wir es als Beginn organischer Substanzen gegenüber den unorganischen betrachten. Doch stieß dieser Vorteil bei der weiteren Entwicklung von Einzellern wegen der zu langen Versorgungswege innerhalb der Zelle irgendwo an eine Grenze, von der an sich dann die Vielzeller entwickelten, die nun ein neues Prinzip darstellten, auf dem sich erst höheres Leben entwickeln konnte. Es handelt sich demnach um ein immer wiederkehrendes Thema, das wir als ein Fundamentalthema des Universums betrachten können, worauf eben auch die mythologische und archetypische Bedeutung des Doppelschlangenmotives hinweist, dem die Struktur der Doppelhelix als Informationsträger archetypisch nicht nur zufällig entspricht. Es ist das Thema der Vernetzung von Organen, die bis zu einer bestimmten Grenze so sinnvoll ist, daß dadurch ein Überorganismus entsteht, der eine eigene Seele besitzt, wobei diese neue Überseele aber auch natürliche Grenzen ihrer räumlichen Entwicklung hat. Das wiederum begegnet uns in der Problematik der Völkerverbindung (wie weit ist etwa ein vereintes Europa möglich?) Es hatte sich aber bereits im Frühkapitalismus erwiesen, daß die Handelsverbindung mehrerer Städte für alle Einzelstädte Vorteile bezüglich ihrer jeweiligen Marktentfaltung brachte. Warum das so ist, dürfte damit zur Genüge erörtert sein. Aus eben diesem Grund war es aber für die weitere Entfaltung der Wirtschaft und eben auch des Kapitalismus notwendig, daß räumlich entfernte Bereiche durch Wege und Straßen und über diese auch durch postalische oder botenmäßige Verbindungen zusammengefaßt wurden.

Organismus B

Der systematische Bau von Landstraßen entwickelte sich erst im 18. Jahrhundert, zuerst vor allem in Frankreich, worauf auch das international gebräuchliche Wort Chaussee immer noch verweist. Bis ins 19. Jahrhundert hinein blieb Frankreich hierin führend, während in England vor allem die Kanäle für die Binnenschiffahrt ausgebaut wurden. Während allerdings in Frankreich zunächst vornehmlich militärische Zwecke maßgebend waren, standen in England von Anfang an handelstechnische Zwecke im Vordergrund. Mit dem so durch ein neues Verkehrsnetz ermöglichten Übersystem entstanden aber auch neue Organisationsprobleme. Je mehr sich die einzelnen Betriebe an ihren lokalen Orten spezialisierten, desto weniger waren sie fortan zur Selbstversorgung fähig. Die neue Organisation, die nun die Waren von den Produzenten zu den Verbrauchern brachte, waren die Kaufleute. Während sie früher fast verzichtbar gewesen waren, bekamen sie jetzt die eigentlichen Fäden aller kommerziellen Verbindungen in ihre Hände. Wir kennen aus dem Mittelalter das Dreiersystem von Nähr-, Lehr- und Wehrstand: von Händlern war dabei noch keine Rede, doch ab dem 18. Jahrhundert traten diese immer mehr in den Vordergrund. Von jetzt an kann man im Abendland sogar von einer Zeit der Kaufleute sprechen, die erst im 19. Jahrhundert gegenüber den Kapitalisten und kapitalistischen Unternehmern wieder in den Hintergrund treten. Zunächst aber galt, daß das bürgerliche Leben durch die verkehrsmäßige Vernetzung immer mehr an das allgemeine Geldsystem angeschlossen und dadurch kommerzialisiert wurde.

Wir können alle diese Entwicklungen mit der Entfaltung von Organismen bzw. eines einzigen Überorganismus vergleichen. Insofern können wir auch aus der Biologie die dort geltenden Funktionsmechanismen direkt auf höhere soziologische Organismen übertragen. In einer echten Marktwirtschaft, die diesen Namen verdient, arbeiten sich alle Wirtschafts-„Subjekte“ entgegen, und nur so weit, wie das tatsächlich organisch geschieht, entfaltet sich der übergelagerte Organismus. Anderenfalls kommt es zu Stockungen und Verkantungen. Das ist aber keineswegs nur in wirtschaftlicher Hinsicht so, sondern gilt grundsätzlich für alle Bereiche menschlichen Zusammenlebens. Nicht nur in einer menschlichen Gemeinschaft gilt der Grundsatz, daß alles „konzertiert“ sein muß und daß alle Organe bzw. die unterschiedlich veranlagten und begabten Individuen wie in einem großen Chor oder Orchester zusammenwirken müssen. Dabei kommt jedem der Platz zu, der ihm im Maße der übergeordneten Melodie zusteht, und nur, wenn er selbst weiß und empfindet, wie und zu welcher Zeit er seine Stimme erheben darf, handelt er in seinem eigenen und allgemeinen Interesse organisch. Handelt er diesem Gesetz zuwider, wird er von seinen eigenen Konsequenzen irgendwann eingeholt. Ein System, in dem der Gedanke von „egoistischen“ Zellen zum vorherrschenden Paradigma wird, ist bereits in seiner Wurzel krank, pervertiert und degeneriert. In durchaus archetypisch richtiger Wortbedeutung spricht man dann von ‚Plutokratie’, also der Herrschaft des Geldes, die wie alle Krebsgeschwüre dem astrologischen Pluto-Prinzip zugeordnet sind. Damit sind wir beim Thema ‚Astrologie’, dem immerhin einige Grundweisheiten zu entnehmen sind. Ich zitiere dazu aus einem insofern unverdächtigen Buch[1]:

Ein großer Teil der Bevölkerung glaubt an einen Zusammenhang zwischen Schicksal und Sternenkonstellation.[2] Angesichts der nicht zu bestreitenden Vorzüge der astrologischen Typen gegenüber den vorwissenschaftlichen und wissenschaftlichen ist dies nicht verwunderlich. Zunächst gibt doch schon die zwölffache Gliederung viel größere Möglichkeiten der Unterscheidung als die zwei- oder dreigliedrigen Systeme der Psychologie. Ferner haben die Tierkreistypen gegenüber den Prävalenztypen den Vorteil der Geschlossenheit… Sie sind wie aus einem Guß und dazuhin noch von einer faszinierenden Weltschau getragen. Die astrologischen Typen erscheinen weiten Kreisen der Bevölkerung als ein recht praktisches und untrügliches Mittel zur Menschenkenntnis.[3]

Uns geht es hier aber nur darum, darzustellen, daß die mit den verschiedenen Sternzeichen dargestellten Temperamente grundlegende Wesenheiten bzw. Instrumente eines organischen Orchesters sind, ohne das sich kein menschliches Drama im positiven oder negativen Sinn entwickeln und gestalten kann. Alle diese Typen haben dabei die gleiche Berechtigung und ihre jeweilige Mitwirkungsnotwendigkeit. Während ein kausalistisches Denken in der Wirtschaft nur die Gestaltungskraft des - insofern dem Widder zugeordneten - Unternehmers sieht, erkennt man aus globalerer Sicht ganz augenscheinlich, daß ein solcher Unternehmer seine Handlungsvorstellungen und –absichten dem gesamten Umfeld entnimmt, in dem alle anderen Elemente ebenso mitwirken. Es gibt demnach keine Vereinzelungen – es sei denn nur unter einem bestimmten Blickwinkel.

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