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Die Natur des Raumes

 

Die Ouroboros-Schlange ist ein uraltes archetypisches Motiv. Sie umfaßt die ganze Welt, das gesamte Universum, mit dem sie zugleich identisch ist und das sie als sich selbst und aus sich selbst hervorgebracht hat.[1] Sie ist das Umgreifende [2], dem nichts in der Welt entfliehen kann, da alles mit ihm identisch ist. Es durchdringt uns und ist auch als das Göttliche in und mit uns identisch. Das entspricht dem, was im Psalm 139 gesagt wird (der als Text im Bild enthalten ist):

Wo soll ich hingehen vor Deinem Geist? Und wo soll ich hinfliehen vor Deinem Angesicht? - Führe ich gen Himmel, so bist Du da. Bettete ich mich in die Hölle, siehe, so bist Du auch da. - Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußeren Meer, So würde mich doch Deine Hand daselbst führen, und Deine Rechte mich halten - Es war Dir mein Gebein nicht verhohlen, da ich im Verborgenen gemacht ward, da ich gebildet ward unten in der Erde.

Der Mensch – als Emanation dieses Prinzips - ringt allerdings dennoch um seine Freiheit und will sich davon emanzipieren, aber die Uroborus-Schlange steckt eben in ihm. Sie ist alles, was in uns ist und mit dem wir uns existentiell auseinandersetzen müssen. Der daraus resultierende existentielle Kampf im Sinne einer „Emanzipation von sich selbst“ kulminiert in der schamanischen Initiation und ist dort zugleich eine Strafe wie auch eine Chan­ce zur Fortentwicklung, die den Betroffenen in bevorzugter Weise und auf einer höheren Oktave wieder mit dem Weltganzen gleichsetzt. Das Urmuster einer solchen Initiation begeg­net uns in der griechischen Mythologie u.a. in der Bestrafung des Laokoon. Dieser tragische Held wollte die Trojaner vor der Heimtücke des von den Griechen als angebliches Weihegeschenk für die Göttin Athene in ihre Stadt gebrachten hölzernen Pferdes warnen. Das Trojanische Pferd steht seitdem für das sprichwörtliche Danaergeschenk, da die Griechen auch als Danaer bezeichnet wurden. Laokoon hatte sich aber mit seiner Warnung dem göttlichen Beschluß widersetzt und wurde dafür zusammen mit seinen Söhnen bestraft. Daß auch seine Söhne mitbestraft wurden, läßt sich so deuten, daß die Strafe sein ganzes Geschlecht treffen sollte.

In der neuplatonischen Tradition läßt sich das Uroborus-All-Eine mit dem gleichsetzen, was wir heute als den Äther bezeichnen. Der Geist ist zwar als Grundprinzip beim Schöpfungsakt des Universums beteiligt gewesen, doch in seiner letzten Ausformung identisch mit dem schicksalhaft-mensch­lichen Kampf um die Wahrheit und gegen die Lüge, die Materie dagegen ist in diesem hohen Stadium identisch mit dem, was sich ihm dabei entgegenstellt, ihn bindet und hindert - hier dargestellt durch die Schlange. Diese Schlange ist zugleich eine Ableitung aus der umgebenden Uroborus-Schlange, aus der aber auch Laokoon erwachsen ist; in der Darstellung des Motivs steht also der ringende Mensch für das geistige und die Schlange für das materielle Prinzip.

Kopie Von Bildfoto Nikon 001

Am Bildrand der obigen Darstellung sind Äther-Deutungen verschiedener Philosophen dargestellt:

  1. Zenon und Plotin. Diese beiden antiken Philosophen beschäftigten sich vor allem mit der Frage des Gegensatzes zwischen dem Einen und dem Vielen, der sich auch auf entsprechende Eigenschaften des Raumes bezieht: Ist er ein Eines, so kann er nicht zugleich ein Vieles sein, weil deren bloße Addition nicht wieder zu einer Ganzheit werden kann.
  2. Aristoteles stellte sich den Ätherraum als eine Art Zwiebelschalensystem vor, in dem die Grenze eines niederen Innenbereiches identisch mit der des umfassenden höheren Außenbereiches ist, sodaß dazwischen nichts anderes sein kann. Er definierte demnach den Raum als aus lauter Schalen zusammengesetzt und hielt offenbar eine Definition bereits für eine Erklärung.
  3. Descartes setzte den Raum weitgehend mit der in ihm angeordneten Materie gleich, deren wesentliche Eigenschaft seiner Meinung nach eben die räumliche Ausdehnung ist. Er entwickelte eine Art Wirbeltheorie, dergemäß es kein Nichts zwischen den Materieteilen geben kann, sondern alles durch Wirbel miteinander in Berührung steht, wodurch sich auch Kraftübertragungen denken lassen.
  4. Newton ging dagegen von der Vorstellung eines absoluten Raumes aus, den er sich aber pikanterweise entsprechend seiner Materie-Korpuskulartheorie ebenfalls aus einzelnen Ätherpartikeln zusammengesetzt vorstellte. Der cartesianischen Vorstellung, daß die wesentliche Materieeigenschaft ihre Ausdehnung sei, widersprach er entschieden und hielt vielmehr Masse, Gewicht und Trägheit für ihre wichtigsten Eigenschaften.
  5. Leibniz vertrat bereits eine sehr modern anmutende relativistische Raumvorstellung, der gemäß der Raum nur ein Koordinatensystem ist, in dem die Materie angeordnet ist. Bekannt wurde er aber vor allem durch seine Monadenlehre, die wie die heutige Hologrammtheorie von lauter kleinsten beseelten Teilen ausgeht, in denen sich das Universum als Ganzes spiegelt. Er hat diese Philosophie aber nicht in ein deutliches System gebracht, sodaß hinsichtlich ihrer Interpretation noch viel Unklarheit besteht. Etwas respektlos erscheint das in der bildlichen Darstellung als halbversunkene Monadenflasche, bei der die ersten beiden Buchstaben unsichtbar bleiben und nur das Wort ‚Monade’ lesbar ist.
  6. Berkeley vertat die Auffassung, daß es die Welt nur im Geiste gibt. Das wäre allerdings eine Erklärung für die vielen paradoxen Probleme, in die uns die Natur des Äthers stürzt, weil in einer Traumwelt natürlich der Raum zugleich als geistig und materiell, subjektiv und objektiv, gedacht werden kann. Er bestritt demgemäß auch die objektive Existenz der Materie, worin ihm die meisten heutigen Quantenphysiker ohne weiteres zustimmen, indem sie alle ihre Eigenschaften für „beobachterbedingt“ halten, was mit anderen Worten der alten philosophischen Aussage entspricht: es gibt kein Objekt ohne Subjekt.
  7. Kant ging davon aus, daß Raum und Zeit dem erkennenden Bewußtsein ‚apriorisch’ vorgegeben sind, sodaß er sie nicht erst als von außen kommend in Erfahrung bringen muß. Da der Geist die Außenwelt nur innerhalb der raum-zeitlichen Dimensionen erkennen kann, sind sie subjektive Faktoren und gehören nicht zum ‚Ding-an-sich’ der Außenwelt. Die heutigen 3-D-Simulationen scheinen das zumindest teilweise zu bestätigen.
  8. Einstein vertrat als Folge des bekannten ‚Michelson-Morley-Experimentes’, durch das nach­gewiesen wurde, daß es keine objektiv meßbare Bewegung der Erde durch den Weltraum gibt, die Theorie, daß Raum und Zeit ohnehin nur relative Koordinaten sind, denen keinerlei objektive Realität zukommt. Darauf begründete er seine berühmte Relativitätstheorie.
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