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Die kosmische Geistkugel

 

Geistkugel C

Eine wunderbare Musik zu diesem Bild.

Das Bild stellt in seinem mittleren Kern die ewige Quelle des Alls dar, aus der alles hervorgeht, die aber noch vor- und insofern unbewußt ist, da es ihr an der nach außen gerichteten Konkretion mangelt, zu der ihr Geist aber drängt und endlich wie aus einem tiefen Urtraum aufsteigt und somit immer bewußter wird. Erst in ihren äußersten Perzeptoren (Erkenntnisorganen, hier nur vergleichsweise durch Augen dargestellt) erscheint dann das physische dreidimensionale Universum, das aber nicht etwa bereits vorher bestand und lediglich wahrgenommen wird, sondern das selbst erst durch den Erkenntnisakt emaniert wird. Diese äußeren Organe sind die Leibnizschen Monaden, also 'Seelenbausteine', die zwar ihren tieferen Ausgangskern durchaus als etwas Höheres akzeptieren (das göttliche Prinzip), das aber wiederum seinerseits auf sie als seine Perzeptoren angewiesen ist.

 

 

Ich bin ein Teil des Teils, der anfangs alles war,
Ein Teil der Finsternis, die sich das Licht gebar,
Das stolze Licht, das nun der Mutter Nacht
Den alten Rang, den Raum ihr streitig macht,
Und doch gelingt’s ihm nicht, da es, soviel es strebt,
Verhaftet an den Körpern klebt.
Von Körpern strömt’s, die Körper macht es schön,
Ein Körper hemmt’s auf seinem Gange;
So, hoff’ ich, dauert es nicht lange,
Und mit den Körpern wird’s zugrunde gehn. (Mephisto in Goethes Faust.)

 

Warum ist unser Bewußtsein heller und deutlicher, je weiter es nach außen gelangt, wie denn seine größte Klarheit in der sinnlichen Anschauung liegt, welche schon zur Hälfte den Dingen außer uns angehört, - wird hingegen dunkler nach innen zu, und führt, in ein Innerstes verfolgt, in eine Finsternis, in der alle Erkenntnis aufhört? - Weil, sage ich, Bewußtsein Individualität voraussetzt, diese aber schon der bloßen Erscheinung angehört, indem sie als Vielheit des Gleichartigen, durch die Formen der Erscheinung, Zeit und Raum, bedingt ist. Unser Inneres hingegen hat seine Wurzel in dem, was nicht mehr Erscheinung, sondern Ding an sich ist... In diesem Wurzelpunkt des Daseins nämlich hört die Verschiedenheit der Wesen so auf, wie die der Radien einer Kugel im Mittelpunkt... so ist das Bewußtsein nur da möglich, wo das Wesen an sich in die Erscheinung ausläuft; durch deren Formen die geschiedene Individualität möglich wird, auf der das Bewußtsein beruht, welches eben deshalb auf Erscheinungen beschränkt ist. Daher liegt alles Deutliche und recht Begreifliche unseres Bewußtseins stets nur nach außen, auf dieser Oberfläche der Kugel. Sobald wir hingegen uns von dieser ganz zurückziehen, verläßt uns das Bewußtsein, - im Schlaf, im Tode... Eben aber weil das deutliche Bewußtsein, als durch die Oberfläche der Kugel bedingt, nicht nach dem Centro hin gerichtet ist, erkennt es die anderen Individuen wohl als gleichartig, nicht aber als identisch, was sie ansich doch sind... (Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung. /II/1/ Kapitel 25.)

Das, was Schopenhauer hier vorstellt, ist das Bild des Universums als einer Art ‚Geistkugel’. Demnach wäre - da wir uns aus philosophischer Sicht die Sache nicht so bequem wie unsere Physiker mit ihrem positivistischen 'Urknall'-Modell machen und einfach einen pantokratischen Weltschöpfer voraussetzen können - das Universum dadurch entstanden, daß es sich selbst gedacht hat (oder vielmehr, da es anfänglich noch so wenig existent war, daß es soetwas kaum bewußt hätte beginnen können: sich schließlich in seinen äußeren Perzeptoren wie allmählich aus einem urzeitlichen Traum erwachend immer bewußter als etwas sich an diesen Selbstdenkungsakt Erinnerndes erahnt hätte [1]).  Durch Gegensatzaufspaltungen gemäß dem esoterischen Yin-und-Yang-Prinzip hätte sich die Welt zunächst dadurch ergeben, daß sie sich gewissermaßen am eigenen Schopfe aus dem Sumpf des Nichts zog. Gemäß den Upanishaden war die Welt anfänglich nichts - weder dunkel noch hell oder irgendetwas anderes, aber das Helle hat sich dadurch immer mehr aufgehellt, daß auf der anderen Seite als sein Gegensatz ein immer dunkleres Schwarz (bzw. die Idee davon) entstanden ist. Die Gesamtsumme der Welt ist demnach immer gleich Null, denn ebenso haben sich alle anderen Kategorien durch gegenseitige Aufspaltung zweier Gegenpole entwickelt - und zwar dabei stets nach dem Prinzip der Denknotwendigkeit. Nehmen wir das so an, so hätte sich die Welt so entwickelt, wie sie denknotwendig nur entstehen konnte, wollte sie sich nicht für die einzig andere und möglicherweise noch inakzeptablere Alternative, nämlich die Nichtexistenz, entscheiden und darin verbleiben. Da diese aber gewissermaßen ein instabiler Zustand war, war die Weltentstehung somit fast zwangsläufig.

Wenn wir dieses Prinzip über allem späteren Geschehen waltend akzeptieren würden, so würden sich für uns in der Tat unendlich viele Probleme wie von selbst lösen, die wir anderenfalls gemäß unseren Naturwissenschaftlern lediglich dem Zufall zuschreiben könnten. Was für ein wunderbarer ‚Zufall’ ist es doch, daß alle Sterne und Planeten sich so umeinander bewegen, daß ihr Zusammenspiel höchst harmonisch ist! Aber wie ungemütlich muß uns andererseits zumute sein, wenn wir darin wirklich nur das Zufallsgesetz bzw. zufällig passende Naturgesetze wahrnehmen dürften! Um etwa beim Hell-Dunkel-Gegensatz zu bleiben: ist es wirklich zufällig, daß wir in einer Welt leben, die weder heller noch dunkler ist, als es unserer Psyche und unserem Geist zukömmlich ist? Werfen wir etwa einen Blick in den abendlichen Sternenhimmel - in der Tat: im großen und ganzen sehen wir dort weder zu viele noch zu wenige Sterne, obwohl das eigentlich unlogisch ist, denn wenn der Weltraum unendlich wäre, so müßte sich in jede Lücke noch ein weiteres entfernteres Lichtpünktchen schieben und sich der Himmel als von insgesamt so gleißender Helligkeit erweisen, daß wir - falls unser Geist überhaupt entstanden wäre - sogleich wahnsinnig werden müßten (es würde deshalb dem Gesetz der Denknotwendigkeit oder Erkennbarkeit widersprechen)! Glücklicherweise kommt uns dabei die Relativitätstheorie bzw. die sog. ‚Rotverschiebung’ entgegen, die dafür sorgt, daß sich das Sternenlicht an der Sichtbarkeitsgrenze ausblendet. Ähnliches „Glück“ hatten wir damit, daß unsere Welt weder zu warm noch zu kalt ist usw. Unsere Naturwissenschaft erklärt uns das allerdings damit, daß wir eben auf einem Planeten leben, der für uns ideale Lebensbedingungen erfüllt - keineswegs zufällig, sondern ganz einfach deshalb, weil wir uns auf einem anderen gar nicht aufhalten könnten, da wir gar nicht auf ihm entstanden wären. Dieses sog. ‚anthropische Prinzip’ klingt zwar sehr evident; aber - um zum Sternenhimmel zurückzukommen: sieht der wirklich nur zufällig so aus, wie er uns erscheint, oder kann uns ein Nachweis gelingen, der dabei in der Weise das erkennende Bewußtsein mit ins Spiel bringt, wie das der Fall sein müßte, wenn wir an dem Bild eines objektiv gegebenen Universums Zweifel äußern wollten? (Im Bereich des Mikrokosmos und der Quantenphysik ist das bekanntlich schon der Fall[2]).

Schopenhauer stimmte insofern jedenfalls Berkeley grundsätzlich zu, monierte allerdings, daß er uns mit jeder ausführlicheren Erklärung im Stich gelassen hat, wie er sich seine Welt im Geiste wirklich vorstellte. Soll das etwa heißen, daß wir uns die Welt lediglich einbilden; und wäre dann alles, was uns begegnet, völlig beliebig? Müßte es das nicht zumindest sein? Müßte eine Welt, die es nur in unserem Geist gibt, nicht aussehen wie ein Traum und wenigstens dessen Strukturen haben? Statt dessen funktioniert sie aber doch in weiten Bereichen wirklich sehr berechenbar. Wie sagte noch Descartes? „Ich denke, also bin ich.“ Das bedeutete, daß er zwar einen erheblichen Zweifel an der Welt für möglich hielt, daß ihm aber zumindest die Tatsache, daß er dachte und daß er sich in diesem Denken selbst erkannte, sehr evident war, und daß er an dieser Evidenz seines geistigen Selbsterlebnisses die Evidenz seiner Existenz aufhängen zu dürfen glaubte. Ausgerechnet der Vater des naturwissenschaftlich-positivisti­schen Weltbildes knüpft also die Evidenz unserer Existenz an nichts anderem auf als an dem, was auch wir hier lediglich feststellen. Soweit also kein Streit! Läuft das aber nicht darauf hinaus, daß wir uns mit einer Wirklichkeit abfinden müssen, die nur gerade so wirklich ist, daß sie uns als solche genügen kann? Bitte - das ist keine Wortklauberei, sondern es kann bedeuten, daß ihre Evidenz eben wie die uns so entgegenkommenden benannten Umstände durch nichts anderes definiert ist als durch ihre Denk­notwendigkeit. Damit haben wir noch eine weitere Zumutung formuliert, nämlich daß die Welt sich ausgerechnet dazu bequemt, der menschlichen Erkenntnismöglichkeit optimal zu entsprechen.

Wir werden diese Zumutung nur dadurch lösen können, daß wir den Menschen bzw. seine Seele als eine der höchsten monadischen Perzeptoren des sich selbst denkenden Universums zu verstehen lernen. Diese Monaden sind über das kollektive Unbewußte derartig korreliert, daß es keineswegs in ihr Belieben gestellt ist, was sie erkennen oder erleben, sondern daß sie im Sinne der „prästabilisierten Harmonie“ (Leibniz) jeweils - jede für sich auf eine besondere Weise - determiniert sind. Damit schließt sich dann der Kreis der Argumentation zunächst insofern, als diese jeweils individuell unterschiedliche Determination eben gerade der Struktur des archetypischen Kugelwürfels folgt (siehe Vorstellungtext in unserer 'Allgemeinen Redaktion'). In diesem System hat jeder seinen Platz, denn er steht dabei mehr oder weniger in der Nähe bestimmter Exponenten bzw. Achsen. Der sonst in Beliebigkeit zerfließende Gesamt-Traum erhält so eine denknotwendige Gestalt gemäß den archetypischen Grundstrukturen. Daß das kausale und deterministische Weltbild, das uns vor einer objektiv gegebenen Kulisse sieht, in dieser Hinsicht nicht stimmt, erahnen ohnehin die meisten Menschen bei wachsender Lebenserfahrung. Natürlich zieht ein solches Bild des Universums die Grundannahmen der Esoterik nach sich oder macht diese zumindest sinnvoll - inklusive Magie, Astro­logie und ganz besonders der Reinkarnation, denn selbstverständlich wäre dann dieses geistige Universum eine reine „Insider“-Angelegenheit der Monaden: für „Außenstehende“ liefe da überhaupt nichts ab. Daraus läßt sich folgern, daß das von uns erlebte Universum eigentlich gar keine raum-zeitliche Ausdehnung hat und gemäß der Viele-Welten-Theorie einiger moderner Physiker theoretisch von unendlich vielen anderen Universen überlagert sein könnte. Die Seelen sind danach nur über unzählige Inkarnationen überhaupt vorbereitet worden, als Monaden entsprechend ihrer jeweiligen Entwicklungshöhe ihre perzeptorische Funktion erfüllen zu können. Sie sind nichts anderes als Bestandteile der sich selbst reflektierenden ‚Geist-Kugel’, und nur dadurch, daß sie die Welt im Sinne der ihnen jeweils gegebenen Assoziationsschablonen wahrnehmen, erfüllen sie ihre jeweilige Aufgabe als Perzeptoren. Die Menschen sind demnach keineswegs frei, so zu sein, wie sie es wollen, und auch ihr Schicksal hat eine festgelegte Struktur. Sie sind - ohne es zu wissen - wie Darsteller auf einer Bühne mit einem jeweils bestimmten Drehbuch. Das muß so sein, weil es eine objektive Welt gar nicht gibt. Jede vermeintlich objektive Welt und Kulisse, auf die sich die Menschen in nachgeschobener Kausalität beziehen, ist immer nur eine gerade dadurch, daß sie das tun, dargestellte Welt. Immer können wir durch die handelnden Menschen hindurchgreifen und sehen dann am Ende außer ihnen selbst – nichts!

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