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Die wahre Natur der Farben

 

Die Farbentheorie hat die Geister schon immer beschäftigt, schon lange vor Newton und noch bis heute. So hatte u.a. bereits Descartes ein Gesetz der Lichtbrechung formuliert. Besonders bekannt geworden ist dazu ein Vorschlag des Malers Philipp Otto Runge, eines Zeitgenossen von Goethe, der sich mit einem räumlichen Modell befaßte, das Goethe teilweise übernahm. Runge entwickelte eine Farbkugel, die geeignet ist, in sinnvoller Weise außerhalb des Farbkreises einen Weiß- und Schwarzpol einzuführen. Dessen ungeachtet gibt es aber immer noch verschiedene flächige Farbskala-Modellvorschläge, die teilweise recht impertinent den Anspruch alleiniger Gültigkeit erheben, obwohl gerade die in der flächigen Darstellung sich ergebende Widersprüchlichkeit der verschiedenen Theorien ansich wie von selbst darauf verweist, daß man hier nicht im objektiven Sinn über richtig oder falsch urteilen kann. Niemand hat jemals ein richtiges Farbspektrum gesehen, denn es kommt dabei immer auf die Versuchsanordnung an. So gibt es die Unterscheidung nach sog. subtraktiver und additiver Farbmischung (je nachdem, ob wir dabei von der Lichtquelle fort oder zu ihr hinblicken) sowie unterschiedliche Versuche, auch noch Weiß und Schwarz in die Fläche einzubeziehen. Aber schon die Darstellung in der Kreisform ist eine Abstraktion. Runges Kugelmodell hat dagegen den Vorzug, auch die unterschiedlichen Helligkeitswerte in sinnvoller Weise mit zu berücksichtigen, ohne sie dabei bestimmten Farben zuzuweisen. Wenn wir also die Kugelform einbeziehen, um die Idee der Lichtgegensätze darin darzustellen, so vornehmlich deshalb, weil das in der neuplatonischen Tradition den höchsten Sinngehalt bietet. Es ignoriert allerdings keineswegs objektive Beobachtungen, sondern stellt sich als Kombination aus subtraktiver und additiver Farbmischung dar, indem es beide in ein einziges räumliches Schema vereinigt. Wenn man sich alles räumlich vorstellt, kommt man in etwa zu dem Bild eines Farbkreises, der wie ein schräger Äquatorialkreis - etwa gemäß der jährlichen Sonnenbahn aus der Sicht der Erde - um eine Kugel mit den beiden Yin-undYang-Lichtpolen Weiß und Schwarz gelegt ist, wobei das Gelb am weitesten ‚nördlich’ zum Licht hin liegt und das komplementäre Violett dem schwarzen ‚Südpol’ am nächsten kommt. Die Farben Gelb, Rot und Blau des Grunddreiecks sind dabei abstrahierte Ideal-Grundfarben, und die Farben des überlagerten Dreiecks Violett, Grün und Orange abstrahierte Ideal-Komplementärfarben. Es würde zu einer unfruchtbaren Grübelei führen, wollte man darüber streiten, ob nicht eher die Farben des zweiten Dreiecks als Grundfarben zu bezeichnen wären oder ob die hier genannten Farben eher etwas anders zu nuancieren wären usw. Jeder Theoretiker, der dagegen behauptet, einen objektiv richtigen Farbspektrumskreis zu kennen, sollte einmal eine Theorie über die ansich richtigen Farben eines Ölfilmes aufzustellen versuchen. Das kann nicht gelingen.

Farbkreis A

Auf dem Bild ist die archetypische Bedeutung der Farben dargestellt. Pauschal entspricht dabei das Gelb dem merkurialen Informationsprinzip, das Rot dem Prinzip von Initiative, Kampf und Konfrontation, das Blau der Seele, das Grün dem Organischen, das Orange der weltlichen Pracht und das Violett dem Urgrund. Im menschlichen Bereich können wir das Rot auch dem Vater, das Blau der Mutter und das Gelb dem Kind zuweisen.

Die Emanationslehre der Neuplatoniker setzt als ursprüngliche Lichtquelle das All-Eine voraus, das sich erst durch den Selbstspiegelungsakt verwirklicht. Besonders deutlich wird das in der chinesischen Auffassung von Yin und Yang, derzufolge sich alle gegensätzlichen Polaritäten auseinander entwickelt haben, was sich eben auch aus der Tatsache ablesen läßt, daß alle Farben ihre Komplementärfarben haben, mit denen gemeinsam sie sich ebensowenig zu Schwarz oder Weiß ergänzen wie zu irgendeiner Farbe, sondern sich lediglich neutralisieren und damit den Helligkeitswert ihrer Umgebung oder Quelle annehmen. Die idealen Komplementärfarben ergänzen sich nämlich nicht nur im Farbton, sondern auch exakt im jeweiligen Helligkeitswert zum Gesamtwert Null! Das ist nicht nur deshalb eine wichtige Feststellung, weil sie der gängigen physikalischen Auffassung widerspricht, sondern weil sie uns zugleich in die eigentlich mystische Natur der Zusammenhänge einführt. So gesehen ist es also so, daß weder Schwarz noch Weiß die eigentliche Quelle der Farben sind, sondern daß diese als ein weiteres hinzutretendes (physiologisches) Phänomen auf dem Äquator einer Kugel entstehen, deren beide Pole die weiße oder schwarze Extremität sind. Es gibt aber kein Licht ohne Dunkel und umgekehrt, und insgesamt ist die ganze Vielfalt der Welt so gestaltet, daß sich alles stets zu Null ergänzt und ausgleicht. Dabei ist das Licht immer heller geworden, weil es auf der Gegenseite eine immer schwärzere Nacht gab, und offenbar ist erst in der gemeinsamen Mitte dieser extremen Helligkeitswerte das eigentliche Farbspektrum entstanden - auch dieses wiederum unter Wahrung des ewigen Grundsatzes, daß sich alle Polaritäten mit ihren Gegenpolen zu Null ergänzen müssen.

Farbkreis Besser

So sind auch die drei Grundfarben Rot, Blau und Gelb und ihre Komplementärfarben Grün, Orange und Violett entstanden, während es außerdem ober- und unterhalb dieser Farbpalette das Licht und das Dunkel gab, die ihrerseits die Vielfalt unserer optischen Wahrnehmungen bestimmen, da jeder Bildpunkt nicht nur durch seinen Farbwert, sondern auch durch seinen Helligkeitswert bestimmt ist. Um dem Streit über das ‚Ansich-richtig’ in den Farbentheorien zu entgehen, definieren wir diejenigen Farben hier als Grundfarben, deren Grundschema besonders deutlich hervortritt und die auch nicht weiter rückführbar sind, und das sind nun einmal Rot, Blau und Gelb. Im Gegensatz dazu entstehen alle anderen Farben durch unterschiedliche Mischung nur dieser drei Grundfarben. Diese drei Grundfarben stellen universale Aspekte dar, die erst in ihrer Gesamtheit vollständig sind, sodaß jede Sache, in der einer dieser Aspekte fehlt, in sich unausgewogen ist. Es ist also nicht nur so, daß jede dieser Farben mit ihrer Komplementärfarbe Null ergibt, sondern daß sie sich auch alle drei untereinander zu Null ergänzen, was für uns heißt: sie stehen in der Mitte zwischen Schwarz und Weiß. Da sie aber unterschiedliche Helligkeitswerte haben, ist dabei das Gelb dem Weiß und das Blau dem Schwarz am nächsten, während das Rot in der Mitte liegt. Wir wissen, daß die Farben bestimmten seelischen Stimmungen entsprechen und daß das nicht nur allegorisch oder symbolisch zu verstehen ist, sondern ganz unmittelbar; schließlich schmerzt uns ein giftiges Grün fast ebenso wie ein unerträglicher Ton - etwa ein Kratzer mit einem Löffel auf einem Teller.

 

Die Welt als Geistkugel

Ganz gleich, an welcher Stelle wir diese Kugel von zwei gegen­über­liegenden Punkten zu­gleich bis zu ihrem Mittelpunkt zusammenquetschen: im­mer wird diese Mitte zu Null werden - weder Schwarz noch Weiß noch farbig. So können wir auch die ganze Kugel in sich zusammenschrumpfen lassen, bis sie sich in ein absolutes Nichts auflöst. Wichtig ist dabei der Umstand, daß alle Polaritäten, die die Vielfalt der Welt darstellen, niemals ohne ihren Gegensatz existieren, sodaß die Summe der Welt stets exakt Null ist. Es gibt dabei keine präexistente Licht­quelle - ebensowenig wie es eine präexistente Farbe gibt! Das Licht ist wie auch jede Farbe ein Teilphänomen - eine Abspaltung aus dem All-Einen. Aber das All-Eine ist prä-konkret: erst  die aufgeblasene Kugel ist das Sein. Die Weltformel lautet also:

0 = 0 oder 0 = 1

Farbkreis B

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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